Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Tierische Zellen für die menschliche Gesundheit

28.06.2001


Xenotransplantation: Fraunhofer-Experten warnen vor übertriebener Hoffnung / Suche nach Alternativen

Forscher setzen derzeit große Hoffungen darauf, schwere Krankheiten mit menschlichen embryonalen Stammzellen heilen zu können. Die hierfür notwendigen Verfahren werden bereits heute intensiv an Zellen von Tieren erforscht. Diesen Zweig der Medizin nennen Fachleute Xenotransplantation. Nun haben Wissenschaftler des Fraunhofer-Instituts für Systemtechnik und Innovationsforschung ISI, Karlsruhe, für den Schweizerischen Wissenschafts- und Technologierat, Bern, in einer international einmaligen Studie die Potenziale der so genannten zellulären Xenotransplantation untersucht. Ergebnis: Die Fraunhofer-Experten warnen vor übertriebener Hoffnung.

Bisher wurden weltweit mehr als 300 Menschen mit Zellmaterial von Tieren behandelt. Hierin ist die medizinisch sehr umstrittene Frischzellentherapie nicht berücksichtigt, auf die in den 70er und 80er Jahren betuchte Kreise zur Jungerhaltung schworen.

Klinische Erfahrungen liegen insbesondere bei der Therapie von Diabetes vor sowie bei Schädigungen des zentralen Nervensystems und bei akutem Leberversagen. Die Mediziner hoffen, dass man mit »verkapselten« zellulären Xenotransplantaten die sonst üblichen schweren Abstoßungsreaktionen beim Patienten vermeiden kann. Ferner wollen die Forscher Zell-Linien züchten, um weniger Tiere für die Gewinnung von Transplantaten töten zu müssen. Weitere Ziele sind die Senkung des Infektionsrisikos und die Verbesserung der Funktionsfähigkeit der Transplantate. Gleichzeitig wird die zelluläre Xenotransplantation als Übungs- und Lernfeld für die Xenotransplantation von ganzen Organen und für die Therapie mit menschlichen Stammzellen angesehen.

Die Analyse des aktuellen Standes von Wissenschaft und Technik ergab jedoch, dass die zelluläre Xenotransplantation viele Erwartungen in absehbarer Zeit nicht erfüllen kann. Sie erweist sich als wissenschaftlich noch lange nicht ausreichend untersucht und vielfach als nicht ausgereift. Exemplarisch nennen die Fraunhofer-Wissenschaftler die Verkapselung der Xenotransplantate. Der wissenschaftliche Nachweis, dass die gewünschten Effekte tatsächlich zu erreichen sind, fehlt bislang. Zudem wird die zelluläre Xenotransplantation auch für Krankheiten angestrebt, bei denen eine Verkapselung gar nicht möglich ist, weil die Xenotransplantate ihre therapeutische Wirkung dann nicht mehr entfalten können.

Angesichts der Konfliktträchtigkeit und der zahlreichen ungelösten Probleme empfehlen die Fraunhofer-Forscher daher, die Suche nach Alternativen zur Xenotransplantation zu fördern sowie den gesellschaftlichen Umgang mit der Xenotransplantation transparent und offen zu gestalten.
Eine allgemein verständliche 12-seitige Zusammenfassung dieser Technikfolgenabschätzung in deutsch, englisch und französisch sowie die vollständige Studie (in deutscher Sprache) sind kostenlos zu beziehen beim:

Zentrum für Technologiefolgen-Abschätzung
beim Schweizerischen Wissenschafts- und Technologierat
Inselgasse 1
3003 Bern
SCHWEIZ
Telefon: 0041 31 322 99 63
Fax 0041 31 323 36 59
E-Mail: ta@swr.admin.ch

Das Fraunhofer-Institut für Systemtechnik und Innovationsforschung ISI erweitert das naturwissenschaftlich-technisch orientierte Fachspektrum der Fraunhofer-Gesellschaft um wirtschafts- und gesellschaftspolitische Aspekte. Dazu analysiert es technische Entwicklungen sowie deren Marktpotenziale und Auswirkungen auf Wirtschaft, Staat und Gesellschaft. Die interdisziplinär zusammengesetzten Teams des Instituts konzentrieren sich insbesondere auf die Bereiche Energie, Umwelt, Produktion, Kommunikation und Biotechnologie sowie auf die Regionalforschung und Innovationspolitik.

Dipl.-Phys. Gerhard Samulat | idw
Weitere Informationen:
http://www.isi.fhg.de/pr/2001de/pri102001.htm

Weitere Berichte zu: Stammzelle Verkapselung Xenotransplantation

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Biowissenschaften Chemie:

nachricht Krebsdiagnostik: Pinkeln statt Piksen?
25.05.2018 | Christian-Albrechts-Universität zu Kiel

nachricht Kugelmühlen statt Lösungsmittel: Nanographene mit Mechanochemie
25.05.2018 | Technische Universität Dresden

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Biowissenschaften Chemie >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Starke IT-Sicherheit für das Auto der Zukunft – Forschungsverbund entwickelt neue Ansätze

Je mehr die Elektronik Autos lenkt, beschleunigt und bremst, desto wichtiger wird der Schutz vor Cyber-Angriffen. Deshalb erarbeiten 15 Partner aus Industrie und Wissenschaft in den kommenden drei Jahren neue Ansätze für die IT-Sicherheit im selbstfahrenden Auto. Das Verbundvorhaben unter dem Namen „Security For Connected, Autonomous Cars (SecForCARs) wird durch das Bundesministerium für Bildung und Forschung mit 7,2 Millionen Euro gefördert. Infineon leitet das Projekt.

Bereits heute bieten Fahrzeuge vielfältige Kommunikationsschnittstellen und immer mehr automatisierte Fahrfunktionen, wie beispielsweise Abstands- und...

Im Focus: Powerful IT security for the car of the future – research alliance develops new approaches

The more electronics steer, accelerate and brake cars, the more important it is to protect them against cyber-attacks. That is why 15 partners from industry and academia will work together over the next three years on new approaches to IT security in self-driving cars. The joint project goes by the name Security For Connected, Autonomous Cars (SecForCARs) and has funding of €7.2 million from the German Federal Ministry of Education and Research. Infineon is leading the project.

Vehicles already offer diverse communication interfaces and more and more automated functions, such as distance and lane-keeping assist systems. At the same...

Im Focus: Mit Hilfe molekularer Schalter lassen sich künftig neuartige Bauelemente entwickeln

Einem Forscherteam unter Führung von Physikern der Technischen Universität München (TUM) ist es gelungen, spezielle Moleküle mit einer angelegten Spannung zwischen zwei strukturell unterschiedlichen Zuständen hin und her zu schalten. Derartige Nano-Schalter könnten Basis für neuartige Bauelemente sein, die auf Silizium basierende Komponenten durch organische Moleküle ersetzen.

Die Entwicklung neuer elektronischer Technologien fordert eine ständige Verkleinerung funktioneller Komponenten. Physikern der TU München ist es im Rahmen...

Im Focus: Molecular switch will facilitate the development of pioneering electro-optical devices

A research team led by physicists at the Technical University of Munich (TUM) has developed molecular nanoswitches that can be toggled between two structurally different states using an applied voltage. They can serve as the basis for a pioneering class of devices that could replace silicon-based components with organic molecules.

The development of new electronic technologies drives the incessant reduction of functional component sizes. In the context of an international collaborative...

Im Focus: GRACE Follow-On erfolgreich gestartet: Das Satelliten-Tandem dokumentiert den globalen Wandel

Die Satellitenmission GRACE-FO ist gestartet. Am 22. Mai um 21.47 Uhr (MESZ) hoben die beiden Satelliten des GFZ und der NASA an Bord einer Falcon-9-Rakete von der Vandenberg Air Force Base (Kalifornien) ab und wurden in eine polare Umlaufbahn gebracht. Dort nehmen sie in den kommenden Monaten ihre endgültige Position ein. Die NASA meldete 30 Minuten später, dass der Kontakt zu den Satelliten in ihrem Zielorbit erfolgreich hergestellt wurde. GRACE Follow-On wird das Erdschwerefeld und dessen räumliche und zeitliche Variationen sehr genau vermessen. Sie ermöglicht damit präzise Aussagen zum globalen Wandel, insbesondere zu Änderungen im Wasserhaushalt, etwa dem Verlust von Eismassen.

Potsdam, 22. Mai 2018: Die deutsch-amerikanische Satellitenmission GRACE-FO (Gravity Recovery And Climate Experiment Follow On) ist erfolgreich gestartet. Am...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

VideoLinks
Industrie & Wirtschaft
Veranstaltungen

Im Fokus: Klimaangepasste Pflanzen

25.05.2018 | Veranstaltungen

Größter Astronomie-Kongress kommt nach Wien

24.05.2018 | Veranstaltungen

22. Business Forum Qualität: Vom Smart Device bis zum Digital Twin

22.05.2018 | Veranstaltungen

VideoLinks
Wissenschaft & Forschung
Weitere VideoLinks im Überblick >>>
 
Aktuelle Beiträge

Berufsausbildung mit Zukunft

25.05.2018 | Unternehmensmeldung

Untersuchung der Zellmembran: Forscher entwickeln Stoff, der wichtigen Membranbestandteil nachahmt

25.05.2018 | Interdisziplinäre Forschung

Starke IT-Sicherheit für das Auto der Zukunft – Forschungsverbund entwickelt neue Ansätze

25.05.2018 | Informationstechnologie

Weitere B2B-VideoLinks
IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics