Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Stammzell-Forschung: Das Immunsystem lernt, tolerant zu sein

17.12.2004


In Großbritannien ist das "therapeutische Klonen" erlaubt: Um irgendwann vielleicht Krankheiten wie Diabetes behandeln zu können, dürfen Wissenschaftler Embryos klonen, um aus ihnen Stammzellen zu gewinnen. Den derzeit gängigen Ansatz, bei dem für jeden Patienten ein eigener Klon gewonnen werden müsste, halten Hermann Waldmann und Paul Fairchild von der Universität Oxford jedoch aus ethischen, wissenschaftlichen und finanziellen Gründen für überdenkenswert. Die beiden haben sich daher zusammengetan, um einen besseren Weg zu finden.


Entfernt ein Wissenschaftler das Erbgut aus einer menschlichen Eizelle und schleust anschließend das eines anderen Menschen ein, erzeugt er einen Embryo, der die selbe genetische Information trägt wie der Spender des Erbmaterials - es entsteht ein Klon. Beim therapeutischen Klonen, das Forschern in Großbritannien gesetzlich erlaubt ist, lässt man den geklonten Embryo so lange im Labor gedeihen, bis man aus ihm menschliche Stammzellen gewinnen kann. Aus diesen Stammzellen wiederum können Wissenschaftler anschließend nahezu jede Art von Zellen heranzüchten - von Nervenzellen für Parkinsonpatienten bis hin zu Hautzellen für Verbrennungsopfer.

Um mit diesem Ansatz aber irgendwann Krankheiten wie Parkinson behandeln zu können, ist es nötig, für jeden Patienten einen eigenen Embryo zu klonen. Aus diesem müsste man patientenspezifische Stamm- und anschließend "Ersatzzellen" erzeugen - andernfalls würde das Immunsystem des Patienten die Ersatzzellen als körperfremd ansehen und wie bei der Abstoßungsreaktion nach Organtransplantationen bekämpfen.


Diesen Ansatz halten der Immunologe Herman Waldmann und der Stammzell-Biologe Paul Fairchild von der britischen Universität Oxford aus wissenschaftlicher, ethischer und finanzieller Sicht für überdenkenswert. Die beiden Forscher arbeiten deshalb an einer Lösung, das Immunsystem zu "überlisten" und für die Behandlung einer bestimmten Krankheit wie Parkinson mit einigen wenigen Stammzell-Linien als Basis auszukommen: In Versuchen an Mäusen konnten Waldmann und Fairchild aus einer Stammzell-Linie nicht nur Ersatzzellen, sondern auch dendritische Zellen heranzüchten, die zum menschlichen Immunsystem gehören. Dendritische Zellen stimulieren die Immunabwehr und werden bereits zur Therapie von Tumoren genutzt.

Ließen sich die Maus-Versuche auf den Menschen übertragen, könnte man Patienten mit einer Art Doppelpack aus dendritischen und aus Ersatzzellen behandeln, die aus der gleichen Stammzell-Linie hervorgegangen sind. Die dendritischen Zellen fungieren dann als "Toleranzhelfer" und die Abwehrzellen des Patienten lernen von ihnen, die fremden Ersatzzellen zu tolerieren. Mit diesem Ansatz müsste man für eine bestimmte Krankheit nur wenige solcher Doppelpacks aus Ersatzzellen und Toleranzhelfer entwickeln, etwa für jede Blutgruppe einen.

Wann eine derartige Therapie marktreif sein könnte, erklärt der Wissenschaftsjournalist Michael Groß in der aktuellen Ausgabe der "Nachrichten aus der Chemie". Das Heft erhalten Sie von der Redaktion bei der Gesellschaft Deutscher Chemiker (GDCh) unter Telefon 069 7917 462 oder per E-Mail unter nachrichten@gdch.de.

Dr. Ernst Guggolz | idw
Weitere Informationen:
http://www.gdch.de

Weitere Berichte zu: Embryo Ersatzzelle Immunsystem Klon Stammzelle

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Biowissenschaften Chemie:

nachricht Designerviren stacheln Immunabwehr gegen Krebszellen an
26.05.2017 | Universität Basel

nachricht Wachstumsmechanismus der Pilze entschlüsselt
26.05.2017 | Karlsruher Institut für Technologie

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Biowissenschaften Chemie >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Lässt sich mit Boten-RNA das Immunsystem gegen Staphylococcus aureus scharf schalten?

Staphylococcus aureus ist aufgrund häufiger Resistenzen gegenüber vielen Antibiotika ein gefürchteter Erreger (MRSA) insbesondere bei Krankenhaus-Infektionen. Forscher des Paul-Ehrlich-Instituts haben immunologische Prozesse identifiziert, die eine erfolgreiche körpereigene, gegen den Erreger gerichtete Abwehr verhindern. Die Forscher konnten zeigen, dass sich durch Übertragung von Protein oder Boten-RNA (mRNA, messenger RNA) des Erregers auf Immunzellen die Immunantwort in Richtung einer aktiven Erregerabwehr verschieben lässt. Dies könnte für die Entwicklung eines wirksamen Impfstoffs bedeutsam sein. Darüber berichtet PLOS Pathogens in seiner Online-Ausgabe vom 25.05.2017.

Staphylococcus aureus (S. aureus) ist ein Bakterium, das bei weit über der Hälfte der Erwachsenen Haut und Schleimhäute besiedelt und dabei normalerweise keine...

Im Focus: Can the immune system be boosted against Staphylococcus aureus by delivery of messenger RNA?

Staphylococcus aureus is a feared pathogen (MRSA, multi-resistant S. aureus) due to frequent resistances against many antibiotics, especially in hospital infections. Researchers at the Paul-Ehrlich-Institut have identified immunological processes that prevent a successful immune response directed against the pathogenic agent. The delivery of bacterial proteins with RNA adjuvant or messenger RNA (mRNA) into immune cells allows the re-direction of the immune response towards an active defense against S. aureus. This could be of significant importance for the development of an effective vaccine. PLOS Pathogens has published these research results online on 25 May 2017.

Staphylococcus aureus (S. aureus) is a bacterium that colonizes by far more than half of the skin and the mucosa of adults, usually without causing infections....

Im Focus: Orientierungslauf im Mikrokosmos

Physiker der Universität Würzburg können auf Knopfdruck einzelne Lichtteilchen erzeugen, die einander ähneln wie ein Ei dem anderen. Zwei neue Studien zeigen nun, welches Potenzial diese Methode hat.

Der Quantencomputer beflügelt seit Jahrzehnten die Phantasie der Wissenschaftler: Er beruht auf grundlegend anderen Phänomenen als ein herkömmlicher Rechner....

Im Focus: A quantum walk of photons

Physicists from the University of Würzburg are capable of generating identical looking single light particles at the push of a button. Two new studies now demonstrate the potential this method holds.

The quantum computer has fuelled the imagination of scientists for decades: It is based on fundamentally different phenomena than a conventional computer....

Im Focus: Tumult im trägen Elektronen-Dasein

Ein internationales Team von Physikern hat erstmals das Streuverhalten von Elektronen in einem nichtleitenden Material direkt beobachtet. Ihre Erkenntnisse könnten der Strahlungsmedizin zu Gute kommen.

Elektronen in nichtleitenden Materialien könnte man Trägheit nachsagen. In der Regel bleiben sie an ihren Plätzen, tief im Inneren eines solchen Atomverbunds....

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Meeresschutz im Fokus: Das IASS auf der UN-Ozean-Konferenz in New York vom 5.-9. Juni

24.05.2017 | Veranstaltungen

Diabetes Kongress in Hamburg beginnt heute: Rund 6000 Teilnehmer werden erwartet

24.05.2017 | Veranstaltungen

Wissensbuffet: „All you can eat – and learn”

24.05.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

DFG fördert 15 neue Sonderforschungsbereiche (SFB)

26.05.2017 | Förderungen Preise

Lässt sich mit Boten-RNA das Immunsystem gegen Staphylococcus aureus scharf schalten?

26.05.2017 | Biowissenschaften Chemie

Unglaublich formbar: Lesen lernen krempelt Gehirn selbst bei Erwachsenen tiefgreifend um

26.05.2017 | Gesellschaftswissenschaften