Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Grundlagen für nachhaltige Fischzucht

15.12.2004


Am Leibniz-Institut für Gewässerökologie und Binnenfischerei entsteht eine neue Aquarienhalle



Das Leibniz-Institut für Gewässerökologie und Binnenfischerei (IGB) im Forschungsverbund Berlin erhält eine neue Aquarienhalle. Den Grundstein dafür legen die künftigen Nutzer am 23. Dezember 2004. Im Rahmen einer kleinen Feierstunde werden Prof. Werner Kloas und Prof. Frank Kirschbaum vorstellen, welchen Zweck der Neubau erfüllt. Der Bau wird neun moderne Kreislaufanlagen zur Fischhaltung und Fischzucht enthalten. Zwei Fischarten stehen bei den Forschungen darin im Mittelpunkt: Der atlantische Stör (Acipenser sturio) und der Zander (Zander lucioperca). In den großen Becken werden unter anderem die mittlerweile mehr als 1,50 Meter langen Störe des IGB leben. Darüber hinaus enthält der Neubau weitere Aquarien- und Messräume sowie einen Kursraum. Der Bau mit einer Hauptnutzfläche von 1.030 Quadratmetern wird die alte Aquarienhalle ersetzen, die mittlerweile in einem desolaten Zustand ist. Die Kosten in Höhe von 2,85 Millionen Euro tragen das Land Berlin, der Bund sowie die Europäische Union (aus Mitteln des Europäischen Fonds für Regionale Entwicklung EFRE).

... mehr zu:
»Aquarienhalle »Fischzucht »Stör


Die Forschungen am IGB sind von Natur aus länderübergreifend. Eines der besten Beispiele dafür ist der Atlantische Stör, der auch in Deutschland wieder eingebürgert werden soll. Die knapp zwei Dutzend Exemplare am IGB stammen aus dem Fluss Gironde in Frankreich. Sie werden seit Jahren am IGB gehalten und nähern sich mittlerweile der Geschlechtsreife. Ihre Nachkommen sollen dereinst wieder die Zuflüsse zur Nordsee und den Atlantik bevölkern; nahe Verwandte aus Kanada werden in die Oder eingesetzt und sollen dann in der Ostsee heimisch werden.

Einen stärkeren regionalen Charakter haben dagegen die Forschungen zum Zander. Hier geht es vor allem darum, die Zucht und die Haltung des begehrten Speisefischs nachhaltig zu gestalten. Der Raubfisch kommt in Spree und Havel vor, doch der Verbrauch übersteigt die Fänge, Zander wird also importiert: „Mancher Fisch, der auf Speisekarten als Havel-Zander angepriesen wird, hat die Havel nie gesehen“, sagt Werner Kloas. Anstatt nun wie bislang Fisch aus Osteuropa zu importieren, könne der Zander auch in modernen Anlagen in der Region gezüchtet werden. Nahezu geschlossene Kreisläufe verbrauchen wenig Wasser und Energie. „Und weil es darin das ganze Jahr warm ist, wachsen die Fische nahezu doppelt so schnell wie in freier Wildbahn“, berichtet Kloas. Die Forschungen am IGB zielen darauf ab, solche Zuchtanlagen umweltfreundlicher zu machen. Nachhaltig ist die regionale Fischzucht auch deshalb, weil lange Transporte entfallen.

Um diese sehr praxisnahen Aspekte der Arbeit des Leibniz-Instituts zu unterstreichen, wollen die Nutzer der neuen Aquarienhalle bei der Grundsteinlegung am Tag vor Heiligabend regionale Fischspezialitäten servieren. „Auch das zeigt, dass wir es mit der Nachhaltigkeit ernst nehmen“, sagt Kloas.

Er selbst arbeitet allerdings auch stark grundlagenorientiert. Der Hormonspezialist untersucht unter anderem Stressfaktoren bei Fischen. Das ist zum einen für die Haltung in Zuchtanlagen wichtig, zum anderen aber auch für die Ökosystemforschung. Denn auch im Freiland gibt es Stress, und dort gibt es ebenfalls hormonell wirksame Substanzen, die die Wasserlebewesen beeinflussen.

Die neue Aquarienhalle wird eine Hauptnutzfläche von 1030 Quadratmetern haben. Sie ersetzt die baufällig gewordene alte Aquarienhalle, die abgerissen wird. Die Baukosten betragen insgesamt 2.853.000 Euro. Bauherr ist der Forschungsverbund Berlin. Die Kosten tragen der Bund, das Land Berlin und die EU. Die Fertigstellung ist für September 2005 geplant.

Josef Zens | Forschungsverbund Berlin e.V.
Weitere Informationen:
http://www.fv-berlin.de

Weitere Berichte zu: Aquarienhalle Fischzucht Stör

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Biowissenschaften Chemie:

nachricht Mikro-U-Boote für den Magen
24.01.2017 | Gesellschaft Deutscher Chemiker e.V.

nachricht Echoortung - Lernen, den Raum zu hören
24.01.2017 | Ludwig-Maximilians-Universität München

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Biowissenschaften Chemie >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Forscher spinnen künstliche Seide aus Kuhmolke

Ein schwedisch-deutsches Forscherteam hat bei DESY einen zentralen Prozess für die künstliche Produktion von Seide entschlüsselt. Mit Hilfe von intensivem Röntgenlicht konnten die Wissenschaftler beobachten, wie sich kleine Proteinstückchen – sogenannte Fibrillen – zu einem Faden verhaken. Dabei zeigte sich, dass die längsten Proteinfibrillen überraschenderweise als Ausgangsmaterial schlechter geeignet sind als Proteinfibrillen minderer Qualität. Das Team um Dr. Christofer Lendel und Dr. Fredrik Lundell von der Königlich-Technischen Hochschule (KTH) Stockholm stellt seine Ergebnisse in den „Proceedings“ der US-Akademie der Wissenschaften vor.

Seide ist ein begehrtes Material mit vielen erstaunlichen Eigenschaften: Sie ist ultraleicht, belastbarer als manches Metall und kann extrem elastisch sein....

Im Focus: Erstmalig quantenoptischer Sensor im Weltraum getestet – mit einem Lasersystem aus Berlin

An Bord einer Höhenforschungsrakete wurde erstmals im Weltraum eine Wolke ultrakalter Atome erzeugt. Damit gelang der MAIUS-Mission der Nachweis, dass quantenoptische Sensoren auch in rauen Umgebungen wie dem Weltraum eingesetzt werden können – eine Voraussetzung, um fundamentale Fragen der Wissenschaft beantworten zu können und ein Innovationstreiber für alltägliche Anwendungen.

Gemäß dem Einstein’schen Äquivalenzprinzip werden alle Körper, unabhängig von ihren sonstigen Eigenschaften, gleich stark durch die Gravitationskraft...

Im Focus: Quantum optical sensor for the first time tested in space – with a laser system from Berlin

For the first time ever, a cloud of ultra-cold atoms has been successfully created in space on board of a sounding rocket. The MAIUS mission demonstrates that quantum optical sensors can be operated even in harsh environments like space – a prerequi-site for finding answers to the most challenging questions of fundamental physics and an important innovation driver for everyday applications.

According to Albert Einstein's Equivalence Principle, all bodies are accelerated at the same rate by the Earth's gravity, regardless of their properties. This...

Im Focus: Mikrobe des Jahres 2017: Halobacterium salinarum - einzellige Urform des Sehens

Am 24. Januar 1917 stach Heinrich Klebahn mit einer Nadel in den verfärbten Belag eines gesalzenen Seefischs, übertrug ihn auf festen Nährboden – und entdeckte einige Wochen später rote Kolonien eines "Salzbakteriums". Heute heißt es Halobacterium salinarum und ist genau 100 Jahre später Mikrobe des Jahres 2017, gekürt von der Vereinigung für Allgemeine und Angewandte Mikrobiologie (VAAM). Halobacterium salinarum zählt zu den Archaeen, dem Reich von Mikroben, die zwar Bakterien ähneln, aber tatsächlich enger verwandt mit Pflanzen und Tieren sind.

Rot und salzig
Archaeen sind häufig an außergewöhnliche Lebensräume angepasst, beispielsweise heiße Quellen, extrem saure Gewässer oder – wie H. salinarum – an...

Im Focus: Innovatives Hochleistungsmaterial: Biofasern aus Florfliegenseide

Neuartige Biofasern aus einem Seidenprotein der Florfliege werden am Fraunhofer-Institut für Angewandte Polymerforschung IAP gemeinsam mit der Firma AMSilk GmbH entwickelt. Die Forscher arbeiten daran, das Protein in großen Mengen biotechnologisch herzustellen. Als hochgradig biegesteife Faser soll das Material künftig zum Beispiel in Leichtbaukunststoffen für die Verkehrstechnik eingesetzt werden. Im Bereich Medizintechnik sind beispielsweise biokompatible Seidenbeschichtungen von Implantaten denkbar. Ein erstes Materialmuster präsentiert das Fraunhofer IAP auf der Internationalen Grünen Woche in Berlin vom 20.1. bis 29.1.2017 in Halle 4.2 am Stand 212.

Zum Schutz des Nachwuchses vor bodennahen Fressfeinden lagern Florfliegen ihre Eier auf der Unterseite von Blättern ab – auf der Spitze von stabilen seidenen...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Gehirn und Immunsystem beim Schlaganfall – Neueste Erkenntnisse zur Interaktion zweier Supersysteme

24.01.2017 | Veranstaltungen

Hybride Eisschutzsysteme – Lösungen für eine sichere und nachhaltige Luftfahrt

23.01.2017 | Veranstaltungen

Mittelstand 4.0 – Mehrwerte durch Digitalisierung: Hintergründe, Beispiele, Lösungen

20.01.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Mikro-U-Boote für den Magen

24.01.2017 | Biowissenschaften Chemie

Echoortung - Lernen, den Raum zu hören

24.01.2017 | Biowissenschaften Chemie

RWI/ISL-Containerumschlag-Index beendet das Jahr 2016 mit Rekordwert

24.01.2017 | Wirtschaft Finanzen