Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Klinische Forschergruppe genehmigt: Neue Therapien gegen Hepatitis-C mit Hilfe der Biomathematik und Bioinformatik

15.12.2004


Koordinator der neuen Forschergruppe ist Professor Dr. Stefan Zeuzem, Direktor der Klinik für Innere Medizin II des Universitätsklinikums des Saarlandes und international ausgewiesener Experte auf dem Gebiet virusbedingter Lebererkrankungen. Maßgeblich an den insgesamt acht wissenschaftlichen Teilprojekten beteiligt ist das Zentrum für Bioinformatik der UdS, insbesondere die Abteilung Bioinformatik und Angewandte Algorithmik des Max-Planck-Instituts für Informatik unter der Leitung von Professor Dr. Thomas Lengauer.



Die neue Klinische Forschergruppe mit dem Titel "Mechanismen der Resistenzentwicklung und Optimierung antiviraler Strategien bei Hepatitis C-Virusinfektionen unter Einbeziehung integrativer Modelle der Biomathematik und Bioinformatik" wird von der Deutschen Forschungsgemeinschaft (DFG) mit insgesamt rund 620 000 Euro für die nächsten zwei Jahre unterstützt. Den gleichen Betrag steuert die Universität des Saarlandes über die Medizinische Fakultät bei.



Es handelt es sich um eine bisher einzigartige und vielversprechende Kooperation von acht Arbeitsgruppen der klinischen Medizin und Bioinformatik bzw. -mathematik, Strukturbiologie, Immunologie, Virologie und der Pharmazeutischen Chemie. Ihr gemeinsames Ziel besteht darin, Resistenzen bei Hepatitis C-Therapien aufzudecken und neue, individuelle Behandlungsformen dieser entzündlichen Lebererkrankung zu entwickeln.

Noch immer geht von der Hepatitis C-Infektion eine große Bedrohung aus. Die entzündliche Erkrankung der Leber wird durch das so genannte Hepatitis-C-Virus verursacht. Weltweit leiden über 170 Millionen Menschen an dieser Infektionskrankheit, allein in Deutschland sind 500 000 Menschen betroffen. Die Krankheit nimmt in der Regel einen chronischen Verlauf, da das körpereigene Immunsystem der meisten Betroffenen nicht in der Lage ist, den Erreger erfolgreich zu bekämpfen. Besteht eine chronische Hepatitis C-Infektion über viele Jahre und Jahrzehnte, so steigt die Gefahr von lebensbedrohlichen Komplikationen wie Leberzirrhose und Leberkrebs. Der Erfolg der bisher verfügbaren Therapien gegen Hepatitis C liegt nur bei etwa 50 bis 60 Prozent.

Zur Zeit befinden sich weltweit ca. 100 Medikamente gegen das Hepatitis C-Virus in der präklinischen und klinischen Entwicklung. Mit bestehenden Verfahren dauert es bisher jedoch mindestens zwei Jahre, bis die Wirkung eines neuen Präparates festgestellt werden kann. Die Pharmazeuten benötigen daher dringend geeignete Modelle zur rascheren Beurteilung von Wirkstoffen. Und behandelnde Ärzte wünschen sich, bereits zu Beginn einer Therapie zuverlässig vorhersagen zu können, wie der Patient auf das eine oder andere Präparat ansprechen wird, um die Behandlung individuell anpassen zu können. Der Schlüssel liegt in der Viruskinetik und der Genetik - beide Wissenschaften untersuchen Strukturen und Funktionsweisen von Viren und Antikörpern.

Unter Leitung von Prof. Dr. Stefan Zeuzem konnten bereits international anerkannte Forschungsergebnisse zur Viruskinetik und genetischen Analyse bei chronischer Hepatitis C erzielt werden. Die Klinik für Innere Medizin II beteiligt sich u.a. mit einem Projekt zur Viruskinetik und bei dem Aufbau eines "Nationalen Studienhauses Hepatitis" an einem vom Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) geförderten Kompetenznetz Hepatitis. Prof. Zeuzem ist auch an zwei europäischen Grundlagenprojekten beteiligt. Eines der Projekte befasst sich mit dem Aufbau einer internationalen Hepatitis C-Virus-Sequenzdatenbank, ein weiteres mit einem ersten Ansatz zur Entwicklung individualisierter Therapien. Aus der Arbeitsgruppe von Prof. Zeuzem sind außerdem PD Dr. Eva Herrmann und PD Dr. Christoph Sarrazin an der Leitung von Teilprojekten zur Viruskinetik und Hepatitis C- Sequenzanalyse der neuen Klinischen Forschergruppe beteiligt.

Auf dem Gebiet der Bioinformatik ist das Saarland mit dem Zentrum für Bioinformatik, das sich aus Forschern verschiedener Fakultäten der Universität des Saarlandes, dem Max-Planck-Institut für Informatik und dem Deutschen Forschungszentrum für künstliche Intelligenz zusammensetzt, national führend und international anerkannt. Insbesondere in der Abteilung Bioinformatik und Angewandte Algorithmik des Max-Planck-Instituts für Informatik unter der Leitung von Prof. Dr. Thomas Lengauer gibt es vielfältige Erfahrungen in der Vorhersage von Proteinstruktur und -funktion sowie zur Analyse des Zusammenhangs zwischen genetischer Variation der Erreger und Therapieerfolg im verwandten HIV-Bereich. Mario Albrecht aus der Arbeitsgruppe von Prof. Lengauer beschäftigt sich in Kooperation mit Christoph Welsch aus der Arbeitsgruppe von Prof. Zeuzem bereits seit zwei Jahren intensiv mit bioinformatischen Strukturanalysen des Hepatitis C-Virus.

Eine weitere Arbeitsgruppe der Universitätskliniken des Saarlandes an der Klinik für Innere Medizin IV unter der Leitung von Prof. Dr. Hans Köhler und PD Dr. Martina Sester erzielte international beachtete Forschungsergebnisse zur Immunologie bei HIV- und Cytomegalovirus (CMV)-Infektionen (CMV ist ein Vertreter der Herpes-Viren), die vielversprechende verwandte Untersuchungen bei der chronischen Hepatitis C nahe legen.

Diese Arbeitsgruppe ebenso wie die Bioinformatikgruppe von Prof. Lengauer arbeitet schon viele Jahre erfolgreich mit Prof. Dr. Andreas Meyerhans vom Institut für Virologie der Universitätskliniken des Saarlandes zusammen, einem international renommierten Forscher auf dem Gebiet der Virus-Evolution und der zellulären antiviralen Immunantwort.

Umfassende Erfahrungen der ebenso an der Klinischen Forschergruppe beteiligten Bio-Physik-Arbeitsgruppe von Prof. Dr. Axel Scheidig liegen in der Aufklärung der dreidimensionalen Struktur von Proteinen mit Hilfe der Röntgenkristallographie sowie die strukturelle Charakterisierung von Protein-Protein-Komplexen mit Hilfe proteinchemischer Arbeitstechniken.

Besonders hervorzuheben ist auch die Arbeitsgruppe der Pharmazeutischen Chemie von Prof. Dr. Rolf W. Hartmann, die eine herausragende Expertise in Design, Synthese und biologischer Evaluierung potenzieller Arzneistoffe, insbesondere von so genannten Enzyminhibitoren, in das Großprojekt mitbringt. Zusammen mit Dr. Christian Klein und Dr. Bernd Kronenberger leitet Prof. Hartmann ein weiteres Teilprojekt der neuen Klinischen Forschergruppe.

Kontakt: Dr. Eva Herrmann, Tel. 06841-162-3576, E-Mail: eva.herrmann@uniklinikum-saarland.de

Saar - Uni - Presseteam | idw
Weitere Informationen:
http://www.uniklinikum-saarland.de

Weitere Berichte zu: Bioinformatik Hepatitis Hepatitis C Viruskinetik

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Biowissenschaften Chemie:

nachricht Designerviren stacheln Immunabwehr gegen Krebszellen an
26.05.2017 | Universität Basel

nachricht Wachstumsmechanismus der Pilze entschlüsselt
26.05.2017 | Karlsruher Institut für Technologie

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Biowissenschaften Chemie >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Lässt sich mit Boten-RNA das Immunsystem gegen Staphylococcus aureus scharf schalten?

Staphylococcus aureus ist aufgrund häufiger Resistenzen gegenüber vielen Antibiotika ein gefürchteter Erreger (MRSA) insbesondere bei Krankenhaus-Infektionen. Forscher des Paul-Ehrlich-Instituts haben immunologische Prozesse identifiziert, die eine erfolgreiche körpereigene, gegen den Erreger gerichtete Abwehr verhindern. Die Forscher konnten zeigen, dass sich durch Übertragung von Protein oder Boten-RNA (mRNA, messenger RNA) des Erregers auf Immunzellen die Immunantwort in Richtung einer aktiven Erregerabwehr verschieben lässt. Dies könnte für die Entwicklung eines wirksamen Impfstoffs bedeutsam sein. Darüber berichtet PLOS Pathogens in seiner Online-Ausgabe vom 25.05.2017.

Staphylococcus aureus (S. aureus) ist ein Bakterium, das bei weit über der Hälfte der Erwachsenen Haut und Schleimhäute besiedelt und dabei normalerweise keine...

Im Focus: Can the immune system be boosted against Staphylococcus aureus by delivery of messenger RNA?

Staphylococcus aureus is a feared pathogen (MRSA, multi-resistant S. aureus) due to frequent resistances against many antibiotics, especially in hospital infections. Researchers at the Paul-Ehrlich-Institut have identified immunological processes that prevent a successful immune response directed against the pathogenic agent. The delivery of bacterial proteins with RNA adjuvant or messenger RNA (mRNA) into immune cells allows the re-direction of the immune response towards an active defense against S. aureus. This could be of significant importance for the development of an effective vaccine. PLOS Pathogens has published these research results online on 25 May 2017.

Staphylococcus aureus (S. aureus) is a bacterium that colonizes by far more than half of the skin and the mucosa of adults, usually without causing infections....

Im Focus: Orientierungslauf im Mikrokosmos

Physiker der Universität Würzburg können auf Knopfdruck einzelne Lichtteilchen erzeugen, die einander ähneln wie ein Ei dem anderen. Zwei neue Studien zeigen nun, welches Potenzial diese Methode hat.

Der Quantencomputer beflügelt seit Jahrzehnten die Phantasie der Wissenschaftler: Er beruht auf grundlegend anderen Phänomenen als ein herkömmlicher Rechner....

Im Focus: A quantum walk of photons

Physicists from the University of Würzburg are capable of generating identical looking single light particles at the push of a button. Two new studies now demonstrate the potential this method holds.

The quantum computer has fuelled the imagination of scientists for decades: It is based on fundamentally different phenomena than a conventional computer....

Im Focus: Tumult im trägen Elektronen-Dasein

Ein internationales Team von Physikern hat erstmals das Streuverhalten von Elektronen in einem nichtleitenden Material direkt beobachtet. Ihre Erkenntnisse könnten der Strahlungsmedizin zu Gute kommen.

Elektronen in nichtleitenden Materialien könnte man Trägheit nachsagen. In der Regel bleiben sie an ihren Plätzen, tief im Inneren eines solchen Atomverbunds....

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Meeresschutz im Fokus: Das IASS auf der UN-Ozean-Konferenz in New York vom 5.-9. Juni

24.05.2017 | Veranstaltungen

Diabetes Kongress in Hamburg beginnt heute: Rund 6000 Teilnehmer werden erwartet

24.05.2017 | Veranstaltungen

Wissensbuffet: „All you can eat – and learn”

24.05.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

DFG fördert 15 neue Sonderforschungsbereiche (SFB)

26.05.2017 | Förderungen Preise

Lässt sich mit Boten-RNA das Immunsystem gegen Staphylococcus aureus scharf schalten?

26.05.2017 | Biowissenschaften Chemie

Unglaublich formbar: Lesen lernen krempelt Gehirn selbst bei Erwachsenen tiefgreifend um

26.05.2017 | Gesellschaftswissenschaften