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Junge Forscher suchen neue Therapien gegen Krebs und Infektionen

07.12.2004


Auf den ersten Blick haben Infektionen und Krebs nichts miteinander zu tun. Aber die Wissenschaft hat in den vergangenen Jahren doch eine Gemeinsamkeit zwischen den beiden Krankheitsformen entdeckt - und das eröffnet neue Chancen für die Therapie. Auf diesem Gebiet forscht ab Januar ein neues deutsch-französisches Graduiertenkolleg, in dem die Universitäten Würzburg und Nizza vereint sind.

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Bei den Körperzellen laufen Wachstum, Teilung, Alterung und Tod normalerweise streng geregelt ab. Dafür sorgen so genannte Signalwege: Sie bestehen aus vielen Molekülen, die sich in einem komplizierten Netzwerk gegenseitig beeinflussen. Sowohl bei Krebs als auch bei Infektionskrankheiten laufen solche Signalwege aus dem Ruder - der Organismus gerät in Unordnung, der Mensch wird krank.

Ein gutes Beispiel hierfür liefert die so genannte MAP-Kinase-Kaskade. Bei vielen Krebsarten ist ein Bestandteil dieses Signalwegs an einer ganz bestimmten Stelle mutiert. Das fehlerhafte Protein trägt dazu bei, dass die Zelle der normalen Wachstumskontrolle nicht mehr gehorcht. Auf der anderen Seite benutzen auch Influenza-Viren einen Teil dieses Signalwegs, um den Stoffwechsel der befallenen Zelle auf ihre Bedürfnisse umzuprogrammieren. Diese Erkenntnis bietet Chancen für die Therapie - zum Beispiel könnten Hemmstoffe, die ursprünglich für die Krebsbehandlung entwickelt wurden, nun den Ausgangspunkt für neue Medikamente gegen Viren bilden.


Das Graduiertenkolleg "Interference of Pathogens with the Host Signalling Machinery" soll die Forschung auf diesem Gebiet weiter voranbringen. Rund 1,6 Millionen Euro fließen aus den Kassen der Deutschen Forschungsgemeinschaft (DFG), der Deutsch-Französischen Hochschule und des französischen Wissenschaftsministeriums in das Projekt.

Das Geld ist für eine Klasse von zwölf Doktoranden vorgesehen. Die jungen Forscher aus Würzburg und Nizza sollen durch längere Aufenthalte im anderen Land mit der internationalen Forschungskooperation vertraut werden. Außerdem bekommen sie - ungewöhnlich für Graduiertenkollegs - auch eine unternehmerische Grundausbildung. Das soll sie in die Lage versetzen, die wirtschaftliche Nutzung ihrer Forschungsergebnisse voranzutreiben. Weil die Projekte der Doktoranden direkt auf eine Anwendung in der Medikamenten- und Therapie-Entwicklung zielen, wird das Graduiertenkolleg intensiv vom Biotechnologie-Netzwerk BioMedTec Franken betreut.

In Würzburg werden die Arbeiten von Professor Ulf R. Rapp, in Nizza von Professor Emmanuel Lemichez koordiniert. Insbesondere soll weiter an der Frage gearbeitet werden, wie die MAP-Kinase-Kaskade auf dem Niveau der einzelnen Zelle funktioniert und wie sie im Zellverband gesteuert wird. Ein Doktorand von Klaus Brehm untersucht in Würzburg, wie dieser Signalweg beim Fuchsbandwurm aussieht. Daraus ergeben sich vielleicht neue Möglichkeiten, um diesen Parasiten zu bekämpfen.

Wie kommunizieren krankheitserregende Bakterien untereinander, um einen Angriff auf den Wirt effektiv zu gestalten? Wie stören sie während der Infektion die Signalwege des Wirtes? Solche Fragen will die Gruppe von Gregoire Lauvau in Nizza für Listeria monocytogenes beantworten. Ziel ist es, eine Impfstrategie gegen diese Bakterien zu entwickeln.

Listerien tauchen als Verursacher von Lebensmittelvergiftungen immer wieder in den Schlagzeilen auf. Sie haben die besondere Fähigkeit, in die Zellen des Menschen einzudringen und dort zu überleben. Wenn man diese Erreger ganz genau kennt, könnte man sie womöglich als Trojanisches Pferd benutzen, um Krebszellen zu infiltrieren und abzutöten. Auch die Entwicklung solcher "lebender Krebstherapeutika" ist ein wichtiges Element des Graduiertenkollegs.

Weitere Informationen: Stephan Schröder-Köhne, BioMedTec Franken, T (0931) 299-8875, Fax (0931) 299-8894, E-Mail: ssk@biomedtec-franken.de

Robert Emmerich | idw
Weitere Informationen:
http://www.uni-wuerzburg.de

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