Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Zucker für die Biotechnologie

06.12.2004


BMBF Innovationsforum in Berlin zeigt zukunftsweisendes Potenzial der Glykobiotechnologie auf


Wissenschaftler aus Forschung und Industrie gaben auf dem Innovationsforum „Glykane – neuartige Basisstrukturen in Therapie und Diagnose“ Einblicke in neueste Erkenntnisse über komplexe Zuckerverbindungen. Welche Funktionen die so genannten Glykane im Organismus erfüllen, und wie sie in Therapie und Diagnose eingesetzt werden können, stand im Mittelpunkt der Tagung. Dabei ist die chemische Synthese und die Analyse komplexer Glykane eine große Herausforderung, deren Lösung zukunftsgestaltend sein wird. Die biotechnologische Herstellung komplexer Glykoverbindungen in Form therapeutisch wirksamer Glykoproteine ist hierbei ein erster bedeutsamer Schritt in der Entwicklung innovativer Arzneimittel. Hierzu gehören beispielsweise glykosylierte, rekombinante Antikörper für die Immunthearpie.

Die Erforschung der menschlichen Gene, ihre Übersetzung in Proteine und die Regulation dieser Prozesse, sind heute Kerngebiete der biomedizinischen Forschung. Dass sich in den letzten Jahren die Glykobiotechnologie zunehmend als ein weiteres Forschungsfeld etabliert und die Region Berlin-Brandenburg sich als ein Kristallisationskeim hierfür herausbildet, ist bislang in der Öffentlichkeit weitgehend unbekannt. Forschungsergebnisse aus jüngster Zeit belegen, dass Glykane eine essenzielle Rolle bei verschiedensten Formen der Zellerkennung, Zelladhäsion und Zellkommunikation spielen. So sind sie verantwortlich dafür, dass sich Zellen während der Embryonalentwicklung zu Geweben und Organen zusammenlagern, auch fungieren Glykanstrukturen als Informationsvermittler im Immunsystem. Darüber hinaus spielen Glykane bei der Entstehung und dem Verlauf von Krankheiten, so bei Entzündungs- und Infektionskrankheiten sowie bei der Metastasierung von Krebszellen eine zentrale Rolle.


Das Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) förderte das Innovationsforum mit dem Ziel, die Potenziale der Glykobiotechnologie aufzuzeigen und für deren effektive Umsetzung den Aufbau eines bundesweiten Glykan-Netzwerkes zu initiieren. Akteure aus Unternehmen, Hochschulen und Forschungseinrichtungen sollen künftig eng miteinander verknüpft das medizinisch-pharmazeutische Potenzial der Glykobiotechnologie ausschöpfen. Aus Sicht der Experten hat der Standort Deutschland im weltweiten Vergleich eine exzellente Ausgangsposition, um in vorderster Reihe mit zu agieren. „An lediglich drei Zentren in den USA wird an Glykanen und Glykoproteinen geforscht, während es in rund 50 Städten und Regionen Deutschlands Institute gibt, welche die Glykobiotechnologie vorantreiben können“, unterstreicht Prof. Dr. Werner Reutter, Leiter des Instituts für Biochemie und Molekularbiologie der Charité – Universitätsmedizin Berlin. Gemeinsam mit Prof. Dr. Rudolf Tauber war er federführend für die Organisation des BMBF-geförderten Expertentreffens verantwortlich. Unterstützt wurde das Innovationsforum auch von dem Aktionszentrum BioTOP Berlin-Brandenburg und der Glykostrukturfabrik, einer regionalen Initiative des Zukunftsfonds der Technologiestiftung Berlin.

Für die erfolgreiche Entwicklung neuartiger Medikamente auf Basis von Glykanen sei die Auswahl der natürlichen Ausgangssubstanzen von großer Bedeutung. Denn bei teilweise bis zu 600 Mio. US-Dollar Entwicklungskosten sei das wirtschaftliche Risiko erheblich, erklärte Prof. Dr. Beat Ernst, Leiter des Instituts für Molekulare Pharmazie an der Universität Basel. Obwohl isoliert verabreichte Glykane wegen ihrer kurzen Verweildauer im Organismus als relativ ungünstige Wirkstoffkandidaten gelten, haben sich Medikamente, die in glykanabhängige Vorgänge eingreifen, bereits am Markt etablieren können. „Zum Beispiel erzielen die Hersteller von GlycoBay, Relenza und Tamiflu jährlich weltweit um die 600 Mio. US-Dollar Umsatz“, unterstreicht Ernst das große Marktpotenzial glykanbasierter Therapeutika.

Weitere Informationen:

Dr. Gesche Harms, Glykostrukturfabrik, harms@glykostrukturfabrik.de, www.glykostrukturfabrik.de, Tel. ab 7.12.04: 030-8445-1548.

Jörg Levermann | MIT
Weitere Informationen:
http://www.glykostrukturfabrik.de

Weitere Berichte zu: Glykane Glykobiotechnologie Innovationsforum Potenzial

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Biowissenschaften Chemie:

nachricht 'Fix Me Another Marguerite!'
23.06.2017 | Universität Regensburg

nachricht Schimpansen belohnen Gefälligkeiten
23.06.2017 | Max-Planck-Institut für Mathematik in den Naturwissenschaften (MPIMIS)

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Biowissenschaften Chemie >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Can we see monkeys from space? Emerging technologies to map biodiversity

An international team of scientists has proposed a new multi-disciplinary approach in which an array of new technologies will allow us to map biodiversity and the risks that wildlife is facing at the scale of whole landscapes. The findings are published in Nature Ecology and Evolution. This international research is led by the Kunming Institute of Zoology from China, University of East Anglia, University of Leicester and the Leibniz Institute for Zoo and Wildlife Research.

Using a combination of satellite and ground data, the team proposes that it is now possible to map biodiversity with an accuracy that has not been previously...

Im Focus: Klima-Satellit: Mit robuster Lasertechnik Methan auf der Spur

Hitzewellen in der Arktis, längere Vegetationsperioden in Europa, schwere Überschwemmungen in Westafrika – mit Hilfe des deutsch-französischen Satelliten MERLIN wollen Wissenschaftler ab 2021 die Emissionen des Treibhausgases Methan auf der Erde erforschen. Möglich macht das ein neues robustes Lasersystem des Fraunhofer-Instituts für Lasertechnologie ILT in Aachen, das eine bisher unerreichte Messgenauigkeit erzielt.

Methan entsteht unter anderem bei Fäulnisprozessen. Es ist 25-mal wirksamer als das klimaschädliche Kohlendioxid, kommt in der Erdatmosphäre aber lange nicht...

Im Focus: Climate satellite: Tracking methane with robust laser technology

Heatwaves in the Arctic, longer periods of vegetation in Europe, severe floods in West Africa – starting in 2021, scientists want to explore the emissions of the greenhouse gas methane with the German-French satellite MERLIN. This is made possible by a new robust laser system of the Fraunhofer Institute for Laser Technology ILT in Aachen, which achieves unprecedented measurement accuracy.

Methane is primarily the result of the decomposition of organic matter. The gas has a 25 times greater warming potential than carbon dioxide, but is not as...

Im Focus: How protons move through a fuel cell

Hydrogen is regarded as the energy source of the future: It is produced with solar power and can be used to generate heat and electricity in fuel cells. Empa researchers have now succeeded in decoding the movement of hydrogen ions in crystals – a key step towards more efficient energy conversion in the hydrogen industry of tomorrow.

As charge carriers, electrons and ions play the leading role in electrochemical energy storage devices and converters such as batteries and fuel cells. Proton...

Im Focus: Die Schweiz in Pole-Position in der neuen ESA-Mission

Die Europäische Weltraumagentur ESA gab heute grünes Licht für die industrielle Produktion von PLATO, der grössten europäischen wissenschaftlichen Mission zu Exoplaneten. Partner dieser Mission sind die Universitäten Bern und Genf.

Die Europäische Weltraumagentur ESA lanciert heute PLATO (PLAnetary Transits and Oscillation of stars), die grösste europäische wissenschaftliche Mission zur...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Von Batterieforschung bis Optoelektronik

23.06.2017 | Veranstaltungen

10. HDT-Tagung: Elektrische Antriebstechnologie für Hybrid- und Elektrofahrzeuge

22.06.2017 | Veranstaltungen

„Fit für die Industrie 4.0“ – Tagung von Hochschule Darmstadt und Schader-Stiftung am 27. Juni

22.06.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Radioaktive Elemente in Cassiopeia A liefern Hinweise auf Neutrinos als Ursache der Supernova-Explosion

23.06.2017 | Physik Astronomie

Dünenökosysteme modellieren

23.06.2017 | Ökologie Umwelt- Naturschutz

Makro-Mikrowelle macht Leichtbau für Luft- und Raumfahrt effizienter

23.06.2017 | Materialwissenschaften