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Bahn frei für Nervenfasern

06.12.2004


Anja Bräuer hat Proteine gefunden, die die Verknüpfung von Nervenzellen nach Schäden im erwachsenen Gehirn regulieren. Ihre Arbeiten zeichnet die Novartis-Stiftung mit einem Stipendium aus.



Dass sich das Gehirn von Erwachsenen nach Verlusten von Nervenzellen auch nur geringfügig regenerieren könnte, galt Jahrzehnte lang als unvorstellbar. Doch das Dogma ist gefallen: Tatsächlich wachsen beispielsweise nach einem Schlaganfall unter bestimmten Umständen neue Fasern unbeschädigter Nervenzellen (Neuronen) im Gehirn nach. Nur wann? Und wie? Dr. Anja Bräuer vom Centrum für Anatomie des Berliner Universitätsklinikums Charité hat Proteine identifiziert, die diesen Prozess beeinflussen. Für ihre Arbeiten erhält sie ein Graduierten-Stipendium der Nürnberger Novartis-Stiftung für therapeutische Forschung.

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Allein in Deutschland erleiden jährlich etwa 200.000 bis 300.000 Menschen einen Schlaganfall - mit teilweise drastischen Folgen bei den Überlebenden wie Lähmungen oder Sprachstörungen. Darüber hinaus leben in der Bundesrepublik viele Patienten mit verschiedenen Formen der Querschnittslähmung. Bei beiden Krankheitsbildern gehen Nervenverbindungen verloren, über die Neuronen wichtige Informationen austauschen. Den Verlust zu ersetzen, gilt inzwischen als eine der Visionen der modernen Medizin.

"Das Wachstum von Nervenfasern im Gehirn wird durch verschiedene Faktoren gesteuert", sagt die Preisträgerin. Beispielsweise finden sich im Raum zwischen den Neuronen haufenweise so genannte "Lipidphosphate". Eine dieser Fettverbindungen, kurz LPA genannt, stößt heransprossende Nervenfasern ab - sie wirkt wie eine Art Stoppschild. In diversen Versuchen hat Bräuer gezeigt, dass das von ihr entdeckte Protein PRG-1 den unerwünschten Effekt überwinden kann. Denn genau dieses Protein finden die Berliner Forscher auch verstärkt auf den Nervenfasern im Gehirn von Ratten, die nach einer Schädigung neu in das lädierte Hirngebiet einwachsen. "Wir haben gezeigt, dass PRG1 die Substanz LPA abbaut und dadurch biologisch inaktiviert", sagt die Neurobiologin. Wahrscheinlich können Nervenfasern mit PRG-1-Proteinen eine LPA-reiche Umgebung durchdringen - sich sozusagen freie Bahn verschaffen - und die Verknüpfung der Neuronen auslösen.

Mit der Entdeckung der PRG-Proteine hat Bräuer einen neuen Mechanismus der Wachstumskontrolle von Nervenfasern beschrieben. Noch aber fehlt das detaillierte Verständnis der molekularen Vorgänge - damit die Patienten langfristig auf neue Therapieansätze hoffen können. Denkbar wäre beispielsweise, so, Bräuer, "den Level der PRGs ganz spezifisch zu regulieren."

Die Novartis-Stiftung für therapeutische Forschung in Nürnberg gehört zu den ältesten und größten Unternehmensstiftungen in Deutschland. Ihr Stiftungsvolumen umfasst jährlich etwa 650.000 Euro.

Über Novartis

Die Novartis AG (NYSE: NVS) ist ein weltweit führendes Unternehmen in den Bereichen Pharma und Consumer Health. Im Jahr 2003 erzielte der Konzern einen Umsatz von USD 24,9 Milliarden und einen Reingewinn von USD 5,0 Milliarden. Der Konzern investierte rund USD 3,8 Milliarden in Forschung und Entwicklung. Novartis hat ihren Sitz in Basel (Schweiz). Die Novartis Konzerngesellschaften beschäftigen rund 80.000 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter in über 140 Ländern. Weitere Informationen finden Sie im Internet unter
www.novartis.de.

Philipp Kressirer | idw
Weitere Informationen:
http://www.novartispharma.de

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