Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Zellwandproteine von Hefepilz als Virulenzfaktoren identiziert

22.11.2004


Jochen Schwenk erhielt für seine Diplomarbeit "Neue Ansätze zur Identifizierung potenzieller Virulenzfaktoren in Candida albicans", die er in der Gruppe Genomics - Proteomics - Screening am Fraunhofer IGB anfertigte, den zweiten Hugo-Geiger-Preis 2004



Candida albicans ist der häufigste humanpathogene Pilz. Bei gesunden Menschen befällt er schon einmal Haut und Schleimhäute oder besiedelt den Darm. Bei Patienten mit geschwächtem Immunsystem aber kann er lebensbedrohliche Infektionen hervorrufen. Allein in Deutschland sterben beispielsweise mehrere tausend Menschen im Jahr an systemischen Candida-Infektionen in Krankenhäusern. Antimykotika weisen bisher erhebliche Nebenwirkungen auf. Zudem hat der Pilz bereits Resistenzen gegen die verträglichsten Mittel entwickelt. Damit Biowissenschaftler maßgeschneiderte Medikamente entwickeln können, müssen sie mehr über die Wirkungsmechanismen des Pilzes wissen.



Hyphen, fädige Wachstumsformen des Pilzes, erlauben es ihm, in Organe einzuwandern und sie zu zerstören. Der erste Kontakt der Pilz- mit der Wirtszelle aber besteht in einer Anheftung oder Adhäsion und wird von bestimmten Proteinen gesteuert. Die Proteine, welche die Adhäsion vermitteln, sind - neben den an der Hyphenbildung beteiligten Proteinen - aussichtsreiche molekulare Angriffspunkte für spezifische Medikamente. Jochen Schwenk untersuchte in seiner Diplomarbeit "Neue Ansätze zur Identifizierung potenzieller Virulenzfaktoren in Candida albicans" genau diese Proteine. Bei der Jahrestagung der Fraunhofer-Gesellschaft am 20. Oktober 2004 in Dresden wurde er für seine Leistungen mit dem zweiten Hugo-Geiger-Preis 2004 ausgezeichnet.

"Die Proteine, welche die Adhäsion vermitteln, sitzen in der Zellwand der Pilzzellen" erklärt Schwenk. Er hat ein zweistufiges Verfahren entwickelt, mit dem die Proteine aus der Zellwand isoliert und anschließend analysiert werden können. Da die Adhäsionsproteine nach ihrer Biosynthese noch modifiziert werden, z. B. durch Anbindung von Zuckermolekülen, lassen sie sich mit herkömmlichen biochemischen Methoden nicht isolieren. Schwenk nahm daher Proteasen zu Hilfe, Enzyme, die Proteine in kleinere Peptide spalten. Die Peptide, die er nach dem "Verdau" der Zellwand erhielt, waren zwischen 10 und 100 Aminosäuren lang. Er sequenzierte diese Peptide mit Hilfe modernster Massenspektrometrie. Die Abfolge der Aminosäuren verglich er dann mit bekannten Protein-Sequenzdaten. Auf diese Weise konnte der Nachwuchswissenschaftler insgesamt 14 verschiedene, davon ein bislang unbekanntes Zellwandprotein identifizieren.

"Zusammen mit den an der Hyphenbildung beteiligten Proteinen, die wir in den vergangenen Jahren identifizieren konnten, haben wir nun einen Satz an Kandidaten, die man spezifisch blockieren könnte" sagt Steffen Rupp, Leiter der IGB-Arbeitsgruppe "Genomics, Proteomics, Screening". Er weiß auch schon wie: "Man könnte Antikörper entwickeln oder die natürlichen Liganden der Adhäsionsproteine nachbauen." Verabreichte man dem Patient solche Substanzen als Medikament, könnte der Pilz seine pathogene Wirkung nicht mehr entfalten und der Patient müsste keine Nebenwirkungen befürchten. Für diese weiterführenden Entwicklungen sucht das IGB noch interessierte Partner aus der Industrie.

Der Hugo-Geiger-Preis wurde erstmals anlässlich des 50-jährigen Jubiläums der Fraunhofer-Gesellschaft vor vier Jahren von der Bayerischen Staatsregierung gestiftet. Namensgeber ist Staatssekretär Hugo Geiger, der Schirmherr der Gründungsveranstaltung der Fraunhofer-Gesellschaft am 26. März 1949. Mit diesem Preis werden hervorragende und anwendungsorientierte Diplomarbeiten auf dem Gebiet der Biowissenschaften (Life Sciences) ausgezeichnet. Kriterien der Beurteilung sind: wissenschaftliche Qualität, wirtschaftliche Relevanz, Neuartigkeit und Interdisziplinarität der Ansätze. Die Arbeiten müssen in unmittelbarer Beziehung zu einem Fraunhofer-Institut stehen oder dort entstanden sein. In diesem Jahr erhält der erste Preisträger einen Betrag von 3 000, der zweiten 2 000 und der dritte 1 500 Euro.

Dr. Claudia Vorbeck | idw
Weitere Informationen:
http://www.igb.fhg.de

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Biowissenschaften Chemie:

nachricht Geckos kommunizieren überraschend flexibel
29.05.2017 | Max-Planck-Institut für Ornithologie

nachricht Bauchspeicheldrüsenkrebs: Forschungsgruppe erprobt erfolgreich neue Diagnose- und Therapieansätze
29.05.2017 | Wilhelm Sander-Stiftung

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Biowissenschaften Chemie >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Neue Methode für die Datenübertragung mit Licht

Der steigende Bedarf an schneller, leistungsfähiger Datenübertragung erfordert die Entwicklung neuer Verfahren zur verlustarmen und störungsfreien Übermittlung von optischen Informationssignalen. Wissenschaftler der Universität Johannesburg, des Instituts für Angewandte Optik der Friedrich-Schiller-Universität Jena und des Leibniz-Instituts für Photonische Technologien Jena (Leibniz-IPHT) präsentieren im Fachblatt „Journal of Optics“ eine neue Möglichkeit, glasfaserbasierte und kabellose optische Datenübertragung effizient miteinander zu verbinden.

Dank des Internets können wir in Sekundenbruchteilen mit Menschen rund um den Globus in Kontakt treten. Damit die Kommunikation reibungslos funktioniert,...

Im Focus: Strathclyde-led research develops world's highest gain high-power laser amplifier

The world's highest gain high power laser amplifier - by many orders of magnitude - has been developed in research led at the University of Strathclyde.

The researchers demonstrated the feasibility of using plasma to amplify short laser pulses of picojoule-level energy up to 100 millijoules, which is a 'gain'...

Im Focus: Lässt sich mit Boten-RNA das Immunsystem gegen Staphylococcus aureus scharf schalten?

Staphylococcus aureus ist aufgrund häufiger Resistenzen gegenüber vielen Antibiotika ein gefürchteter Erreger (MRSA) insbesondere bei Krankenhaus-Infektionen. Forscher des Paul-Ehrlich-Instituts haben immunologische Prozesse identifiziert, die eine erfolgreiche körpereigene, gegen den Erreger gerichtete Abwehr verhindern. Die Forscher konnten zeigen, dass sich durch Übertragung von Protein oder Boten-RNA (mRNA, messenger RNA) des Erregers auf Immunzellen die Immunantwort in Richtung einer aktiven Erregerabwehr verschieben lässt. Dies könnte für die Entwicklung eines wirksamen Impfstoffs bedeutsam sein. Darüber berichtet PLOS Pathogens in seiner Online-Ausgabe vom 25.05.2017.

Staphylococcus aureus (S. aureus) ist ein Bakterium, das bei weit über der Hälfte der Erwachsenen Haut und Schleimhäute besiedelt und dabei normalerweise keine...

Im Focus: Can the immune system be boosted against Staphylococcus aureus by delivery of messenger RNA?

Staphylococcus aureus is a feared pathogen (MRSA, multi-resistant S. aureus) due to frequent resistances against many antibiotics, especially in hospital infections. Researchers at the Paul-Ehrlich-Institut have identified immunological processes that prevent a successful immune response directed against the pathogenic agent. The delivery of bacterial proteins with RNA adjuvant or messenger RNA (mRNA) into immune cells allows the re-direction of the immune response towards an active defense against S. aureus. This could be of significant importance for the development of an effective vaccine. PLOS Pathogens has published these research results online on 25 May 2017.

Staphylococcus aureus (S. aureus) is a bacterium that colonizes by far more than half of the skin and the mucosa of adults, usually without causing infections....

Im Focus: Orientierungslauf im Mikrokosmos

Physiker der Universität Würzburg können auf Knopfdruck einzelne Lichtteilchen erzeugen, die einander ähneln wie ein Ei dem anderen. Zwei neue Studien zeigen nun, welches Potenzial diese Methode hat.

Der Quantencomputer beflügelt seit Jahrzehnten die Phantasie der Wissenschaftler: Er beruht auf grundlegend anderen Phänomenen als ein herkömmlicher Rechner....

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Lebensdauer alternder Brücken - prüfen und vorausschauen

29.05.2017 | Veranstaltungen

49. eucen-Konferenz zum Thema Lebenslanges Lernen an Universitäten

29.05.2017 | Veranstaltungen

Internationale Konferenz an der Schnittstelle von Literatur, Kultur und Wirtschaft

29.05.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Intelligente Sensoren mit System

29.05.2017 | Messenachrichten

Geckos kommunizieren überraschend flexibel

29.05.2017 | Biowissenschaften Chemie

1,5 Millionen Euro für vier neue „Innovative Training Networks” an der Universität Hamburg

29.05.2017 | Förderungen Preise