Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Signale erforschen, die Embryo und Mutter austauschen

29.10.2004


Geburtsmediziner der Universität Jena an neuem europäischen Exzellenznetz zur Erforschung der Frühschwangerschaft beteiligt



Wie schafft es ein kleiner Zellhaufen, das mütterliche Immunsystem davon zu überzeugen, dass es ihn nicht als Fremdkörper verwirft? Welche Signale sendet er aus, damit er Hilfe erhält, um sich in der Gebärmutter einzunisten, wo er die nächsten neun Monate zu einem neuen Menschen heranwachsen wird? Diesen spannenden Fragen gehen die Wissenschaftler um PD Dr. Udo Markert im Placentalabor der Abteilung Geburtshilfe am Jenaer Universitätsklinikum nach. "Die Zeit nach der Befruchtung der Eizelle ist eine besonders kritische Phase, hier entscheidet sich, ob die Schwangerschaft erfolgreich weitergeht oder nicht", erklärt Markert. Bisher ist jedoch noch wenig über die molekularen Mechanismen bekannt, die es der befruchteten Eizelle ermöglichen, sich letztendlich in der Gebärmutter häuslich einzurichten. Aus diesem Grund hat die Europäische Union (EU) ein neues Exzellenznetz bewilligt, in das auch das Placentalabor der Friedrich-Schiller-Universität Jena eingebunden ist.



Unter den 17 Partnern aus acht EU-Ländern sind nur zwei deutsche Einrichtungen. Neben den Medizinern der Universität Jena ist noch eine Forschergruppe der Berliner Charité beteiligt. Für das Jenaer Universitätsklinikum ist es die erste Beteiligung an einem der EU-geförderten Networks of Excellence (NoE). Etwa 7,4 Millionen Euro stellt die EU für die nächsten vier Jahre für das neue EMBIC-Netz (Embryo Implantation Control) zur Verfügung, das im Oktober gestartet wurde.

"Wir forschen nicht an Embryos, sondern an den molekularen Signalmolekülen, die sie aussenden, z. B. Wachstumsfaktoren oder immunaktive Botenstoffe", erklärt Markert. Die Forschungsaktivitäten des NoE sind in sechs Arbeitspaketen gebündelt worden. Markerts Gruppe ist in fünf größere Projekte eingebunden. In einem wird untersucht, warum die natürlichen Killerzellen der mütterlichen Immunabwehr die Zellen des Embryos nicht als fremd erkennen und beseitigen.

Doch der Embryo scheint nicht nur die Abwehrspezialisten der Mutter "milde zu stimmen". Er kann sogar die Zellen der Gebärmutterschleimhaut dazu bewegen, ihn in engster Nachbarschaft siedeln zu lassen und Versorgungsleitungen für ihn anzulegen. Zu klären, wie der Embryo es schafft, das Orchester der mütterlichen Signalmoleküle und der Schwangerschaftshormone zu dirigieren, ist das Ziel der Forschungen des EMBIC-Netzes. "Mit diesem Wissen könnte man u. a. Frauen helfen, die Probleme haben, schwanger zu werden", erläutert Markert. Der Immunologe von der Universitätsfrauenklinik Jena verweist darauf, dass heute gut drei Viertel der künstlichen Befruchtungen immer noch fehlschlagen, weil oft das Einnisten der Eizelle nicht funktioniert.

Das Wissen über die immunologischen Prozesse in der Frühschwangerschaft zu verbreiten, ist ebenfalls erklärtes Ziel des neuen Exzellenznetzes. So sind u. a. Trainingskurse und Sommerschulen geplant, in denen neben den wissenschaftlichen auch ethische und psychologische Aspekte thematisiert werden.

Kontakt:

PD Dr. Udo Markert
Placentalabor der Klinik für Frauenheilkunde und Geburtshilfe
Universitätsklinikum Jena
Bachstr. 18, 07743 Jena
Tel.: 03641 / 933763
E-Mail: Udo.Markert@med.uni-jena.de

Stefanie Hahn | idw
Weitere Informationen:
http://www.uni-jena.de

Weitere Berichte zu: EMBIC-Netz Eizelle Embryo Exzellenznetz Placentalabor

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Biowissenschaften Chemie:

nachricht Up-Scaling: Katalysatorentwicklung im Industriemaßstab
22.11.2017 | Fraunhofer-Institut für Umwelt-, Sicherheits- und Energietechnik UMSICHT

nachricht Ozeanversauerung schädigt Miesmuscheln im Frühstadium
22.11.2017 | GEOMAR Helmholtz-Zentrum für Ozeanforschung Kiel

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Biowissenschaften Chemie >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Kleine Strukturen – große Wirkung

Innovative Schutzschicht für geringen Verbrauch künftiger Rolls-Royce Flugtriebwerke entwickelt

Gemeinsam mit Rolls-Royce Deutschland hat das Fraunhofer-Institut für Werkstoff- und Strahltechnik IWS im Rahmen von zwei Vorhaben aus dem...

Im Focus: Nanoparticles help with malaria diagnosis – new rapid test in development

The WHO reports an estimated 429,000 malaria deaths each year. The disease mostly affects tropical and subtropical regions and in particular the African continent. The Fraunhofer Institute for Silicate Research ISC teamed up with the Fraunhofer Institute for Molecular Biology and Applied Ecology IME and the Institute of Tropical Medicine at the University of Tübingen for a new test method to detect malaria parasites in blood. The idea of the research project “NanoFRET” is to develop a highly sensitive and reliable rapid diagnostic test so that patient treatment can begin as early as possible.

Malaria is caused by parasites transmitted by mosquito bite. The most dangerous form of malaria is malaria tropica. Left untreated, it is fatal in most cases....

Im Focus: Transparente Beschichtung für Alltagsanwendungen

Sport- und Outdoorbekleidung, die Wasser und Schmutz abweist, oder Windschutzscheiben, an denen kein Wasser kondensiert – viele alltägliche Produkte können von stark wasserabweisenden Beschichtungen profitieren. Am Karlsruher Institut für Technologie (KIT) haben Forscher um Dr. Bastian E. Rapp einen Werkstoff für solche Beschichtungen entwickelt, der sowohl transparent als auch abriebfest ist: „Fluoropor“, einen fluorierten Polymerschaum mit durchgehender Nano-/Mikrostruktur. Sie stellen ihn in Nature Scientific Reports vor. (DOI: 10.1038/s41598-017-15287-8)

In der Natur ist das Phänomen vor allem bei Lotuspflanzen bekannt: Wassertropfen perlen von der Blattoberfläche einfach ab. Diesen Lotuseffekt ahmen...

Im Focus: Ultrakalte chemische Prozesse: Physikern gelingt beispiellose Vermessung auf Quantenniveau

Wissenschaftler um den Ulmer Physikprofessor Johannes Hecker Denschlag haben chemische Prozesse mit einer beispiellosen Auflösung auf Quantenniveau vermessen. Bei ihrer wissenschaftlichen Arbeit kombinierten die Forscher Theorie und Experiment und können so erstmals die Produktzustandsverteilung über alle Quantenzustände hinweg - unmittelbar nach der Molekülbildung - nachvollziehen. Die Forscher haben ihre Erkenntnisse in der renommierten Fachzeitschrift "Science" publiziert. Durch die Ergebnisse wird ein tieferes Verständnis zunehmend komplexer chemischer Reaktionen möglich, das zukünftig genutzt werden kann, um Reaktionsprozesse auf Quantenniveau zu steuern.

Einer deutsch-amerikanischen Forschergruppe ist es gelungen, chemische Prozesse mit einer nie dagewesenen Auflösung auf Quantenniveau zu vermessen. Dadurch...

Im Focus: Leoniden 2017: Sternschnuppen im Anflug?

Gemeinsame Pressemitteilung der Vereinigung der Sternfreunde und des Hauses der Astronomie in Heidelberg

Die Sternschnuppen der Leoniden sind in diesem Jahr gut zu beobachten, da kein Mondlicht stört. Experten sagen für die Nächte vom 16. auf den 17. und vom 17....

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

IfBB bei 12th European Bioplastics Conference mit dabei: neue Marktzahlen, neue Forschungsthemen

22.11.2017 | Veranstaltungen

Zahnimplantate: Forschungsergebnisse und ihre Konsequenzen – 31. Kongress der DGI

22.11.2017 | Veranstaltungen

Tagung widmet sich dem Thema Autonomes Fahren

21.11.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Bakterien als Schrittmacher des Darms

22.11.2017 | Biowissenschaften Chemie

Ozeanversauerung schädigt Miesmuscheln im Frühstadium

22.11.2017 | Biowissenschaften Chemie

Die gefrorenen Küsten der Arktis: Ein Lebensraum schmilzt davon

22.11.2017 | Geowissenschaften