Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

"Mühle" im Sauriermagen half, Nahrung zu zerkleinern

25.10.2004


Als Fossil des Monats November stellt das Goldfuß-Museum der Universität Bonn einen kleinen versteinerten Schwimmsaurier aus der Permzeit (250 Millionen Jahre alt) aus, zwischen dessen Rippen so genannte Magensteine gefunden wurden - das sind Kiesel, kleine Steine oder Gerölle, die sich im Magen von Tieren finden. Der Barasaurus - so der lateinische Name - wurde in Madagaskar ausgegraben. In Bonn ist er sozusagen auf Besuch, da er zusammen mit anderen ähnlichen Fossilien vom Staatlichen Museum für Naturkunde in Stuttgart für wissenschaftliche Untersuchungen ausgeliehen wurde.



Magensteine sind ganz besondere Fossilien: Obwohl sie eigentlich nicht biologischen Ursprungs sind, geben sie dennoch Hinweise auf die Lebensweise der Saurier. Heute findet man Magensteine regelmäßig nur bei drei Tiergruppen: bestimmten Robben, den Krokodilen und sehr vielen Vögeln. Nur bei diesen ist auch die Funktion der Steine im Magen unstrittig: Sie dienen in Ermangelung von Zähnen zur Zerkleinerung der Nahrung in der so genannten Magenmühle, die durch starke Muskeln in der Magenwand bewegt wird (nur aufgrund dieser Muskelmasse stehen Hühnermägen überhaupt auf dem Speisezettel!). Vor allem für Pflanzen fressende Vögel sind Magensteine unbedingt notwendig. Doch auch bestimmte Raubdinosaurier, von denen die Vögel abstammen, und die so genannten Psittacosaurier hatten Magenmühlen. Die riesigen sauropoden Dinosaurier dagegen, die täglich ungeheure Mengen Pflanzen zu sich genommen haben müssen, kamen offenbar ohne Magensteine aus, wie aktuelle Untersuchungen des Bonner Paläontologen Oliver Wings zeigen.



Was aber war die Funktion der Magensteine bei Barasaurus? Auffälligerweise treten Magensteine außer bei Vögeln vor allem bei wasserlebenden Tieren auf, die landlebende Vorfahren haben. Neben den Robben und Krokodilen trifft dies auch für einige nur fossil überlieferte Gruppen wie die bekannten Paddelsaurier der Jura- und Kreidezeit oder eben den kleinen Barasaurus zu. Zur Erklärung des Phänomens hilft ein Blick auf die heutigen Krokodile weiter: Bei denen nimmt die Magenstein-Menge mit der Körpermasse zu. Das legt die Erklärung nahe, dass die Steine zur Verringerung des Auftriebes dienen, ähnlich dem Bleigürtel eines Tauchers. Diese Hypothese muss aber noch durch weitere Untersuchungen an heutigen Krokodilen und an fossilen Schwimmsauriern abgesichert werden.

Ansprechpartner:

Dr. Martin Sander
Goldfuß-Museum im Institut für Paläontologie
Telefon: 0228/73-3105
E-Mail: martin.sander@uni-bonn.de

Frank Luerweg | idw
Weitere Informationen:
http://www.uni-bonn.de

Weitere Berichte zu: Barasaurus Fossil Krokodil Magensteine Nahrung Steine

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Biowissenschaften Chemie:

nachricht Auf der molekularen Streckbank
24.02.2017 | Technische Universität München

nachricht Sicherungskopie im Zentralhirn: Wie Fruchtfliegen ein Ortsgedächtnis bilden
24.02.2017 | Johannes Gutenberg-Universität Mainz

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Biowissenschaften Chemie >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: „Vernetzte Autonome Systeme“ von acatech und DFKI auf der CeBIT

Auf der IT-Messe CeBIT vom 20. bis 24. März präsentieren acatech – Deutsche Akademie der Technikwissenschaften und das Deutsche Forschungszentrum für Künstliche Intelligenz (DFKI) in Kooperation mit der Deutschen Messe AG vernetzte Autonome Systeme. In Halle 12 am Stand B 63 erwarten die Besucherinnen und Besucher unter anderem Roboter, die Hand in Hand mit Menschen zusammenarbeiten oder die selbstständig gefährliche Umgebungen erkunden.

Auf der IT-Messe CeBIT vom 20. bis 24. März präsentieren acatech – Deutsche Akademie der Technikwissenschaften und das Deutsche Forschungszentrum für...

Im Focus: Kühler Zwerg und die sieben Planeten

Erdgroße Planeten mit gemäßigtem Klima in System mit ungewöhnlich vielen Planeten entdeckt

In einer Entfernung von nur 40 Lichtjahren haben Astronomen ein System aus sieben erdgroßen Planeten entdeckt. Alle Planeten wurden unter Verwendung von boden-...

Im Focus: Mehr Sicherheit für Flugzeuge

Zwei Entwicklungen am Lehrgebiet Rechnerarchitektur der FernUniversität in Hagen können das Fliegen sicherer machen: ein Flugassistenzsystem, das bei einem totalen Triebwerksausfall zum Einsatz kommt, um den Piloten ein sicheres Gleiten zu einem Notlandeplatz zu ermöglichen, und ein Assistenzsystem für Segelflieger, das ihnen das Erreichen größerer Höhen erleichtert. Präsentiert werden sie von Prof. Dr.-Ing. Wolfram Schiffmann auf der Internationalen Fachmesse für Allgemeine Luftfahrt AERO vom 5. bis 8. April in Friedrichshafen.

Zwei Entwicklungen am Lehrgebiet Rechnerarchitektur der FernUniversität in Hagen können das Fliegen sicherer machen: ein Flugassistenzsystem, das bei einem...

Im Focus: HIGH-TOOL unterstützt Verkehrsplanung in Europa

Forschung am Karlsruher Institut für Technologie (KIT) unterstützt die Europäische Kommission bei der Verkehrsplanung: Anhand des neuen Modells HIGH-TOOL lässt sich bewerten, wie verkehrspolitische Maßnahmen langfristig auf Wirtschaft, Gesellschaft und Umwelt wirken. HIGH-TOOL ist ein frei zugängliches Modell mit Modulen für Demografie, Wirtschaft und Ressourcen, Fahrzeugbestand, Nachfrage im Personen- und Güterverkehr sowie Umwelt und Sicherheit. An dem nun erfolgreich abgeschlossenen EU-Projekt unter der Koordination des KIT waren acht Partner aus fünf Ländern beteiligt.

Forschung am Karlsruher Institut für Technologie (KIT) unterstützt die Europäische Kommission bei der Verkehrsplanung: Anhand des neuen Modells HIGH-TOOL lässt...

Im Focus: Zinn in der Photodiode: nächster Schritt zur optischen On-Chip-Datenübertragung

Schon lange suchen Wissenschaftler nach einer geeigneten Lösung, um optische Komponenten auf einem Computerchip zu integrieren. Doch Silizium und Germanium allein – die stoffliche Basis der Chip-Produktion – sind als Lichtquelle kaum geeignet. Jülicher Physiker haben nun gemeinsam mit internationalen Partnern eine Diode vorgestellt, die neben Silizium und Germanium zusätzlich Zinn enthält, um die optischen Eigenschaften zu verbessern. Das Besondere daran: Da alle Elemente der vierten Hauptgruppe angehören, sind sie mit der bestehenden Silizium-Technologie voll kompatibel.

Schon lange suchen Wissenschaftler nach einer geeigneten Lösung, um optische Komponenten auf einem Computerchip zu integrieren. Doch Silizium und Germanium...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Aufbruch: Forschungsmethoden in einer personalisierten Medizin

24.02.2017 | Veranstaltungen

Österreich erzeugt erstmals Erdgas aus Sonnen- und Windenergie

24.02.2017 | Veranstaltungen

Big Data Centrum Ostbayern-Südböhmen startet Veranstaltungsreihe

23.02.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Fraunhofer HHI auf dem Mobile World Congress mit VR- und 5G-Technologien

24.02.2017 | Messenachrichten

MWC 2017: 5G-Hauptstadt Berlin

24.02.2017 | Messenachrichten

Auf der molekularen Streckbank

24.02.2017 | Biowissenschaften Chemie