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Tödliche Grippe im Labor nachgebildet

07.10.2004


Experten fordern bessere Beobachtung von Virusstämmen



Heutige Grippeviren können durch kleinste Veränderungen so tödlich gemacht werden wie der Stamm von 1918, der Millionen von Menschen getötet hat. Das haben Wissenschaftler von der Universität von Wisconsin unter der Leitung von Yoshihiro Kawaoka nachgewiesen. Ein US-amerikanisches Forschungsteam hat einem modernen Stamm zwei Gene von einer Probe des 1918er-Virus zugefügt, von dem bekannt war, dass er keinen Effekt auf Mäuse hat. Tiere, die diesem Gemisch ausgesetzt wurden, starben innerhalb weniger Tage an den gleichen Symptomen wie die menschlichen Opfer der Epidemie von 1918. Diese Erkenntnisse wurden im Journal Nature publiziert.

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Die Forschungsarbeit wurde unter schärfsten Sicherheitsvorkehrungen durchgeführt. Die Experten konzentrierten sich auf zwei Gene, die eine Schlüsselrolle beim Infektionsprozess zu spielen scheinen. Eines kontrolliert die Produktion eines dornenähnlichen Moleküls, Hämagglutinin (HA), das vom Virus benutzt wird, um sich an Zellen anzuhängen, die er infizieren wird. Frühere Studien haben HA als entscheidendes Element identifiziert, das den 1918er-Virus so tödlich machte. Die aktuelle Arbeit scheint das zu bestätigen. Obduktionen von Mäusen, denen das Virusgemisch in die Nase injiziert worden war, zeigten, dass es sich zu den Lungen ausbreitete, wo es Entzündungen und Blutungen verursachte. Die Forscher betonen aber, dass das Experiment nur für Mäuse beweiskräftig sei, nicht für Menschen.

Allerdings hoffen sie, dass ihre Arbeit zu besseren Möglichkeiten führt, die potenzielle Gefahr eines Grippevirus zu beurteilen. "Werden die Eigenschaften des (1918) HA-Gens besser verstanden, das die tödliche Infektiosität verursacht, sollte es möglich sein effektive Kontrollmaßnahmen zu entwerfen und globale Beobachtungsnetzwerke für Influenza-Viren zu verbessern, die eine große Bedrohung für Menschen und Tierspezies darstellen." Die Wissenschaftler glauben, dass der 1918er-Virus von einem mutierten Vogelgrippevirus auf den Menschen übergesprungen ist. Wahrscheinlich ist er vom Schwein übertragen worden, das sowohl den menschlichen als auch den Vogelvirus beherbergt und ihnen so einen Genaustausch ermöglicht, wenn sich der Virus reproduziert. Aus diesem Grund sind die Experten zutiefst besorgt, dass sich die Vogelgrippe, die in Geflügelherden in Südostasien ausgebrochen ist, Gene aneignet, die sie für Menschen hochinfektiös und unter Umständen sogar tödlich macht. Die Botschaft, die dahinter steckt, formuliert der Virologie-Experte John Oxford vom Queen Mary College in London folgendermaßen: "Jeder Grippevirus transportiert Gepäck, das uns potenziell schaden kann, und wir sind gut beraten, diese Tatsache nicht zu ignorieren."

Die Epidemie von 1918, auch als "Spanische Grippe" bekannt, hat angeblich eine Mrd. Menschen infiziert, die Hälfte der Weltbevölkerung zu dieser Zeit. Der Virus tötete mehr Menschen als die Pest im Mittelalter. Obwohl die Ursprünge der Epidemie wahrscheinlich im Fernen Osten liegen, wurde sie als "Spanische Grippe" bezeichnet, weil die spanische Presse die erste war, die sich intensiv mit den Auswirkungen beschäftigt hat.

Marietta Gross | pressetext.austria
Weitere Informationen:
http://www.wisc.edu
http://www.nature.com

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