Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Delfin mit guter Mathe-Note - RUB-Forscherin entdeckt ungewöhnliche Lateralisierung

29.09.2004


Delfin beim Mathetest - Noah kann Mengen und Muster unterscheiden


Noah, der Große Tümmler des Tiergartens Nürnberg, kann Mathe.



Gute Noten in Mathematik bescheinigt Annette Kilian (RUB-Fakultät für Psychologie) ihrem Schüler Noah: Der Große Tümmler des Tiergartens Nürnberg, der für ihre Dissertation "Funktionelle cerebrale Asymmetrien visueller Prozesse und numerische Fähigkeiten beim Großen Tümmler (Tursiops truncatus)" (Betreuer: Prof. Dr. Onur Güntürkün) die Schulbank drückte, kann unterschiedlich große Mengen unterscheiden und nach ihrer Größe sortieren. Dabei nutzt er hauptsächlich seine linke Gehirnhälfte - anders als der Mensch, bei dem eher die rechte Gehirnhälfte für non-verbale numerische Aufgaben zuständig ist.

... mehr zu:
»Delfin »Gehirnhälfte »Hirnhälfte


Wenn 2 kleiner 3, dann 1 kleiner 2

"Echtes Zählen" findet man zwar nur beim Menschen. Dennoch haben viele Tiere, vor allem Wirbeltiere, grundlegende numerische Fähigkeiten, wie zum Beispiel die Unterscheidung von Mengen. Delfin Noah konnte aus zwei verschiedenen Anzahlen, die ihm auf großen schwarzen Tafeln unter Wasser dargeboten wurden, immer die kleinere wählen, nachdem er gelernt hatte, dass es dafür eine Belohnung gab. Die Auswahl der kleineren Menge gelang ihm unabhängig von Größe, Form und anderen Merkmalen auf den Tafeln. Außerdem konnte er auch neue Anzahlen in die richtige Reihenfolge bringen (ordinale Beziehungen herstellen): Er wählte spontan immer die kleinere Anzahl, auch wenn er sie zuvor nicht kannte, konnte also etwa von 2 kleiner 3 schließen, dass auch 1 kleiner 2 ist.

Delfine haben eine mentale Anzahlskala

"Dieses Erstellen von ordinalen Beziehungen weist auf eine mentale Repräsentation dieser Kategorien und damit auf das Vorhandensein einer mentalen Anzahlskala hin, die Delfine wahrscheinlich bei der Erfassung ihrer Umwelt einsetzen", so Annette Kilian. Die Fähigkeit, Mengen zu ordnen, zeigt sich beim Menschen erst im frühen Kleinkindalter; sie ist Voraussetzung zum späteren Zählen. Dass der Delfin und andere Tierarten darüber verfügen, macht uns deutlich, dass die evolutionären Wurzeln unseres numerischen Wissens bereits bei Tieren zu finden sind", so die Forscherin.

Arbeitsteilung der Hirnhälften

Die evolutionäre Entwicklung der Wale und Delfine (Cetacea) trennte sich von der an Land lebender Säugetiere schon vor etwa 60 Millionen Jahren. "Die Anpassung an den Lebensraum im Wasser hatte viele anatomische und physiologische Veränderungen zur Folge, die auch die Struktur des Gehirns betreffen", erläutert Annette Kilian. Beim Menschen sind Unterschiede zwischen der rechten und linken Gehirnhälfte seit langem bekannt. So ist beispielsweise die linke Hirnhemisphäre bei den meisten Menschen im Vorteil, wenn es um sprachliche Aufgaben geht. In den letzten Jahrzehnten zeigte eine Vielzahl von Untersuchungen an unterschiedlichen Wirbeltierarten, dass es auch bei Tieren funktionelle Asymmetrien zwischen den Hirnhälften gibt. Auch bei Delfinen vermutete man sie, vor allem beim Sehen.

Delfine "ticken anders"

Um diese Vermutung zu prüfen, deckte Annette Kilian dem Delfin vorübergehend je ein Auge ab und bot ihm dann visuelle Reize dar. Auf Grund der Kreuzung der optischen Nerven erreicht die visuelle Information eines Auges primär die entgegengesetzte Hirnhälfte. Der Delfin erreichte bei numerischen Aufgaben mit dem rechten Auge signifikant bessere Leistungen als mit dem linken Auge, was auf einen Vorteil der linken Hirnhälfte bei dieser Aufgabe hinweist. Beim Menschen ist das umgekehrt: Wir können mit der rechten Hirnhälfte besser solche numerischen Reize verarbeiten. Auch bei der räumlichen Orientierung kam der Delfin bei geöffnetem rechten Auge besser klar, auch hier dominiert also die linke Hirnhälfte. "Delfine sind offensichtlich anders lateralisiert sind als verwandte Tierarten. Dies ist ungewöhnlich, da man z.B. unter den Säugetieren für einige Funktionen recht ähnliche Lateralisationsmuster findet", so Annette Kilian. Dies lege die Vermutung nahe, dass die funktionelle Gehirnstruktur bei Delfinen im Laufe ihrer Evolution drastische Veränderungen erfahren hat, die zu solchen Abweichungen führten.

Weitere Informationen

Annette Kilian
Tiergarten Nürnberg
Am Tiergarten 30, 90480 Nürnberg
Tel. 0911/5454 854
E-Mail: AnnetteKilian@gmx.de

Dr. Josef König | idw

Weitere Berichte zu: Delfin Gehirnhälfte Hirnhälfte

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Biowissenschaften Chemie:

nachricht Bakterien aus dem Blut «ziehen»
07.12.2016 | Empa - Eidgenössische Materialprüfungs- und Forschungsanstalt

nachricht HIV: Spur führt ins Recycling-System der Zelle
07.12.2016 | Forschungszentrum Jülich

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Biowissenschaften Chemie >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Poröse kristalline Materialien: TU Graz-Forscher zeigt Methode zum gezielten Wachstum

Mikroporöse Kristalle (MOFs) bergen große Potentiale für die funktionalen Materialien der Zukunft. Paolo Falcaro von der TU Graz et al zeigen in Nature Materials, wie man MOFs gezielt im großen Maßstab wachsen lässt.

„Metal-organic frameworks“ (MOFs) genannte poröse Kristalle bestehen aus metallischen Knotenpunkten mit organischen Molekülen als Verbindungselemente. Dank...

Im Focus: Gravitationswellen als Sensor für Dunkle Materie

Die mit der Entdeckung von Gravitationswellen entstandene neue Disziplin der Gravitationswellen-Astronomie bekommt eine weitere Aufgabe: die Suche nach Dunkler Materie. Diese könnte aus einem Bose-Einstein-Kondensat sehr leichter Teilchen bestehen. Wie Rechnungen zeigen, würden Gravitationswellen gebremst, wenn sie durch derartige Dunkle Materie laufen. Dies führt zu einer Verspätung von Gravitationswellen relativ zu Licht, die bereits mit den heutigen Detektoren messbar sein sollte.

Im Universum muss es gut fünfmal mehr unsichtbare als sichtbare Materie geben. Woraus diese Dunkle Materie besteht, ist immer noch unbekannt. Die...

Im Focus: Significantly more productivity in USP lasers

In recent years, lasers with ultrashort pulses (USP) down to the femtosecond range have become established on an industrial scale. They could advance some applications with the much-lauded “cold ablation” – if that meant they would then achieve more throughput. A new generation of process engineering that will address this issue in particular will be discussed at the “4th UKP Workshop – Ultrafast Laser Technology” in April 2017.

Even back in the 1990s, scientists were comparing materials processing with nanosecond, picosecond and femtosesecond pulses. The result was surprising:...

Im Focus: Wie sich Zellen gegen Salmonellen verteidigen

Bioinformatiker der Goethe-Universität haben das erste mathematische Modell für einen zentralen Verteidigungsmechanismus der Zelle gegen das Bakterium Salmonella entwickelt. Sie können ihren experimentell arbeitenden Kollegen damit wertvolle Anregungen zur Aufklärung der beteiligten Signalwege geben.

Jedes Jahr sind Salmonellen weltweit für Millionen von Infektionen und tausende Todesfälle verantwortlich. Die Körperzellen können sich aber gegen die...

Im Focus: Shape matters when light meets atom

Mapping the interaction of a single atom with a single photon may inform design of quantum devices

Have you ever wondered how you see the world? Vision is about photons of light, which are packets of energy, interacting with the atoms or molecules in what...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

NRW Nano-Konferenz in Münster

07.12.2016 | Veranstaltungen

Wie aus reinen Daten ein verständliches Bild entsteht

05.12.2016 | Veranstaltungen

Von „Coopetition“ bis „Digitale Union“ – Die Fertigungsindustrien im digitalen Wandel

02.12.2016 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Das Universum enthält weniger Materie als gedacht

07.12.2016 | Physik Astronomie

Partnerschaft auf Abstand: tiefgekühlte Helium-Moleküle

07.12.2016 | Physik Astronomie

Bakterien aus dem Blut «ziehen»

07.12.2016 | Biowissenschaften Chemie