Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Cadmium den Weg abschneiden

07.09.2004


Wittener Forscher sucht in einem von der Deutschen Forschungsgemeinschaft (DFG) geförderten Projekt nach Wegen, dem gefürchteten Schwermetall den Zugang zur Zelle zu verbauen, ohne nützliche Metalle wie Eisen zu blockieren



Es reichert sich ausgerechnet in Fisch und Gemüse an, die für eine gesunde Ernährung stehen, ist aber auch Bestandteil des Lieblingsgenussmittels der Deutschen, dem Tabak: die Rede ist vom Schwermetall Cadmium - u.a. mitverantwortlich für die Entstehung von Nierenkrebs. "Die Verunreinigung der Umwelt mit dem Schwermetall wird weltweit weiter zunehmen", befürchtet Prof. Dr. Dr. Frank Thévenod, Leiter des Instituts für Physiologie und Pathophysiologie an der Universität Witten/Herdecke. "Deshalb müssen wir heute nach Wegen suchen, den menschlichen Körper wirkungsvoller dagegen zu schützen." Der Wittener Spezialist für so genannte Epithelien (Grenzflächen im Inneren des menschlichen Körpers, über die der Stoffaustausch geregelt wird) untersucht deshalb im Rahmen eines gerade genehmigten Projekts der Deutschen Forschungsgemeinschaft (DFG) mit einem Volumen von ca. 130.000 Euro, auf welchen Wegen sich Cadmium im menschlichen Körper anreichert und wie man den Schadstoff und andere, für Krebs mitverantwortliche Schwermetalle, künftig daran hindern kann.

... mehr zu:
»Cadmium »Eisen »Epithelien »Schwermetall


Die Aufnahme des Cadmiums über die Nahrung erfolgt zum größten Teil über die Epithelien des menschlichen Darms. Normalerweise können diese Grenzgewebe, an denen der nährstoffhaltige Speisebrei vorbeigeleitet wird, sehr genau unterscheiden zwischen guten und schlechten Stoffen: Alles, was der Körper nicht verarbeiten will, wandert über den Stuhl nach draußen. Bei Cadmium versagt das Unterscheidungsvermögen der Epithelien. Grund: "Das Cadmium ist eine Art Trojanisches Pferd. Es tarnt sich als Eisen, wird damit von den Epithelien als `guter Stoff´ erkannt und als solcher aufgenommen", erklärt Thévenod. Sobald es durch die Epithelien geschlüpft ist, beginnt das Cadmium sein zerstörerisches Werk: Es reichert sich in Organen an, vor allem in Niere, Knochen und Leber, und verdrängt dort das Eisen aus seinen Verbindungen mit Zellbestandteilen, die für die normale Funktion der Organe lebenswichtig sind. Das freigewordene Eisen ist jedoch aggressiv. Es entstehen Sauerstoffradikale, die Zellen und Gewebe schließlich zugrunde richten oder Mutationen bewirken - möglicherweise der Beginn eines Tumors. Doch die Zellen wehren sich und entwickeln ihrerseits Überlebens- und Schutzstrategien, um die schädigenden Wirkungen von Cadmium einzudämmen.

Die Tricks der Wissenschaftler zur Überlistung des Cadmiums könnten dagegen so aussehen: Nach Erforschung der Wege, über die die nützlichen Metalle die Zelle erreichen, kann man diese möglicherweise gezielt einsetzen, damit sie in Konkurrenz zu den giftigen Metallen treten. Noch ein anderer Weg wäre vorstellbar, um das Trojanische Pferd Cadmium abzuwehren, so Thévenod: "Wir müssen lernen, wie Zellen Strategien entwickeln, um sich vor Cadmium zu schützen, und dann Medikamente entwickeln, die diesen Abwehrvorgang der Zellen unterstützen." "Wir werden alle denkbaren Wege wissenschaftlich überprüfen", verspricht Thévenod, "und dann hoffentlich eine Lösung finden."

Kontakt: Prof. Dr. Dr. Frank Thévenod, Tel.: 02302/669-221, -215 (Sekret.), Fax: 02302/669-182, E-Mail: frank.thevenod@uni-wh.de

Dr. Olaf Kaltenborn | idw
Weitere Informationen:
http://www.uni-wh.de/biowiss/index.html

Weitere Berichte zu: Cadmium Eisen Epithelien Schwermetall

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Biowissenschaften Chemie:

nachricht Von Hefe für Demenzerkrankungen lernen
22.02.2018 | Heinrich-Heine-Universität Düsseldorf

nachricht Rettender Ritter in goldener Rüstung
22.02.2018 | Exzellenzcluster Entzündungsforschung

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Biowissenschaften Chemie >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Verlässliche Quantencomputer entwickeln

Internationalem Forschungsteam gelingt wichtiger Schritt auf dem Weg zur Lösung von Zertifizierungsproblemen

Quantencomputer sollen künftig algorithmische Probleme lösen, die selbst die größten klassischen Superrechner überfordern. Doch wie lässt sich prüfen, dass der...

Im Focus: Developing reliable quantum computers

International research team makes important step on the path to solving certification problems

Quantum computers may one day solve algorithmic problems which even the biggest supercomputers today can’t manage. But how do you test a quantum computer to...

Im Focus: Innovation im Leichtbaubereich: Belastbares Sandwich aus Aramid und Carbon

Die Entwicklung von Leichtbaustrukturen ist eines der zentralen Zukunftsthemen unserer Gesellschaft. Besonders in der Luftfahrtindustrie und in anderen Transportbereichen sind Leichtbaustrukturen gefragt. Sie ermöglichen Energieeinsparungen und reduzieren den Ressourcenverbrauch bei Treibstoffen und Material. Zum Einsatz kommen dabei Verbundmaterialien in der so genannten Sandwich-Bauweise. Diese bestehen aus zwei dünnen, steifen und hochfesten Deckschichten mit einer dazwischen liegenden dicken, vergleichsweise leichten und weichen Mittelschicht, dem Sandwich-Kern.

Aramidpapier ist ein etabliertes Material für solche Sandwichkerne. Sein mechanisches Strukturversagen ist jedoch noch unzureichend erforscht: Bislang fehlten...

Im Focus: Die Brücke, die sich dehnen kann

Brücken verformen sich, daher baut man normalerweise Dehnfugen ein. An der TU Wien wurde eine Technik entwickelt, die ohne Fugen auskommt und dadurch viel Geld und Aufwand spart.

Wer im Auto mit flottem Tempo über eine Brücke fährt, spürt es sofort: Meist rumpelt man am Anfang und am Ende der Brücke über eine Dehnfuge, die dort...

Im Focus: Eine Frage der Dynamik

Die meisten Ionenkanäle lassen nur eine ganz bestimmte Sorte von Ionen passieren, zum Beispiel Natrium- oder Kaliumionen. Daneben gibt es jedoch eine Reihe von Kanälen, die für beide Ionensorten durchlässig sind. Wie den Eiweißmolekülen das gelingt, hat jetzt ein Team um die Wissenschaftlerin Han Sun (FMP) und die Arbeitsgruppe von Adam Lange (FMP) herausgefunden. Solche nicht-selektiven Kanäle besäßen anders als die selektiven eine dynamische Struktur ihres Selektivitätsfilters, berichten die FMP-Forscher im Fachblatt Nature Communications. Dieser Filter könne zwei unterschiedliche Formen ausbilden, die jeweils nur eine der beiden Ionensorten passieren lassen.

Ionenkanäle sind für den Organismus von herausragender Bedeutung. Wenn zum Beispiel Sinnesreize wahrgenommen, ans Gehirn weitergeleitet und dort verarbeitet...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

VideoLinks
Industrie & Wirtschaft
Veranstaltungen

DFG unterstützt Kongresse und Tagungen - April 2018

21.02.2018 | Veranstaltungen

Tag der Seltenen Erkrankungen – Deutsche Leberstiftung informiert über seltene Lebererkrankungen

21.02.2018 | Veranstaltungen

Digitalisierung auf dem Prüfstand: Hochkarätige Konferenz zu Empowerment in der agilen Arbeitswelt

20.02.2018 | Veranstaltungen

VideoLinks
Wissenschaft & Forschung
Weitere VideoLinks im Überblick >>>
 
Aktuelle Beiträge

Von Hefe für Demenzerkrankungen lernen

22.02.2018 | Biowissenschaften Chemie

Sektorenkopplung: Die Energiesysteme wachsen zusammen

22.02.2018 | Seminare Workshops

Die Entschlüsselung der Struktur des Huntingtin Proteins

22.02.2018 | Biowissenschaften Chemie

Weitere B2B-VideoLinks
IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics