Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Rasterfahndung nach verdächtigen Proteinen

02.09.2004


Biotech-Firma entwickelt neue Diagnose-Methode für Nervenerkrankungen


An einer neuen Methode zur Diagnostik von Alzheimer-Krankheit, Schizophrenie und anderen neuropsychiatrischen Erkrankungen arbeitet die Firma Mosaiques Diagnostics & Therapeutics AG in Hannover. Das Prinzip: Krankheitstypische Molekül-Muster in der Rückenmarksflüssigkeit sollen eine Früherkennung der Nervenkrankheiten möglich machen. Das BioProfil "Funktionelle Genomanalyse" hat das Projekt zur Förderung durch das Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) empfohlen. Die Fördersumme beträgt 722.000 Euro.

Bei der Schizophrenie handelt es sich um eine psychische Störung, die mit Denkzerfall, Sinnestäuschungen und Verhaltensänderungen einhergeht. Von der Alzheimer-Demenz sind eine Million überwiegend ältere Menschen betroffen - typisch für diese schleichend verlaufende Hirnerkrankung ist die irreparable Zerstörung der Nervenzellen. Eine frühe Behandlung kann die Krankheit verzögern. Weder für Schizophrenie noch für Alzheimer gibt es bisher eine zuverlässige Labordiagnostik.


Jüngere Forschungsergebnisse weisen allerdings auf Veränderungen des Proteinstoffwechsels bei verschiedenen neuropsychiatrischen Erkrankungen hin. Im Nervenwasser des Rückenmarks, auch "Liquor" genannt, lassen sich diese Krankheitsmerkmale teilweise nachweisen. Dort finden sich Polypeptide - körpereigene Eiweißmoleküle oder deren Spaltprodukte - die bei Gesunden nicht vorkommen. Wissenschaftler gehen davon aus, dass größere Gruppen dieser Polypeptide charakteristisch für bestimmte Krankheiten sind.

Hier setzt das Projekt der Firma Mosaiques an. Die Kopplung zweier Messmethoden, der Kapillar-Elektrophorese und der Massenspektrometrie, soll eine Identifizierung der Polypeptide aus Liquor ermöglichen. Durch den Vergleich der Patientendaten untereinander und mit Gesunden auf sogenannten Diagnostik-Landkarten wollen die Wissenschaftler charakteristische Polypeptidmuster für jede Erkrankung finden. Eine eigens entwickelte Software soll daraus Datenbanken der krankheitstypischen Merkmale erstellen. Sind die charakteristischen Polypeptide einmal erkannt, könnte das Verfahren ähnlich wie eine Rasterfahndung funktionieren: Messmethode und Computerprogramm stellen Unterschiede im Nervenwasser des Patienten zu Gesunden fest und erstellen Diagnose- sowie Therapievorschläge für den behandelnden Arzt. Ein vergleichbares Verfahren soll später auch zur Untersuchung von Blutproben entwickelt werden.

"Durch die Einführung unserer Messmethode wird es zukünftig möglich sein, eine große Zahl von neuropsychiatrischen Erkrankungen nachzuweisen und ein präzises Diagnostikverfahren zu etablieren", prophezeit Professor Harald Mischak, Geschäftsführer bei Mosaiques. Das Unternehmen hat die Entwicklung einer ähnlichen Methode zur Diagnose von Nierenerkrankungen bereits erfolgreich abgeschlossen und vermarktet den neuen Urintest, der die Nierenbiopsie ersetzt, über die Tochtergesellschaft DiaPat GmbH. Durch Messung von weit über 1000 Proteinen können die verschiedenen Nierenerkrankungen differenzialdiagnostisch mit einer Genauigkeit von 98 % in einem sehr frühen Krankheitsstadium festgestellt werden. Chronische Nierenerkrankungen, wie die diabetische Nephropathie, können somit rechtzeitig vor der Organschädigung therapiert werden. Das technologische Know-how der Firma und ihrer klinischen Kooperationspartner lassen - so das Urteil des BioProfil Gutachtergremiums - eine erfolgreiche Umsetzung des Projektes erwarten.

Ilka Zajons | Presse BioRegioN
Weitere Informationen:
http://www.bioregion.de

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Biowissenschaften Chemie:

nachricht Zebras: Immer der Erinnerung nach
24.05.2017 | Senckenberg Forschungsinstitut und Naturmuseen

nachricht Wichtiges Regulator-Gen für die Bildung der Herzklappen entdeckt
24.05.2017 | Universität Basel

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Biowissenschaften Chemie >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Orientierungslauf im Mikrokosmos

Physiker der Universität Würzburg können auf Knopfdruck einzelne Lichtteilchen erzeugen, die einander ähneln wie ein Ei dem anderen. Zwei neue Studien zeigen nun, welches Potenzial diese Methode hat.

Der Quantencomputer beflügelt seit Jahrzehnten die Phantasie der Wissenschaftler: Er beruht auf grundlegend anderen Phänomenen als ein herkömmlicher Rechner....

Im Focus: A quantum walk of photons

Physicists from the University of Würzburg are capable of generating identical looking single light particles at the push of a button. Two new studies now demonstrate the potential this method holds.

The quantum computer has fuelled the imagination of scientists for decades: It is based on fundamentally different phenomena than a conventional computer....

Im Focus: Tumult im trägen Elektronen-Dasein

Ein internationales Team von Physikern hat erstmals das Streuverhalten von Elektronen in einem nichtleitenden Material direkt beobachtet. Ihre Erkenntnisse könnten der Strahlungsmedizin zu Gute kommen.

Elektronen in nichtleitenden Materialien könnte man Trägheit nachsagen. In der Regel bleiben sie an ihren Plätzen, tief im Inneren eines solchen Atomverbunds....

Im Focus: Turmoil in sluggish electrons’ existence

An international team of physicists has monitored the scattering behaviour of electrons in a non-conducting material in real-time. Their insights could be beneficial for radiotherapy.

We can refer to electrons in non-conducting materials as ‘sluggish’. Typically, they remain fixed in a location, deep inside an atomic composite. It is hence...

Im Focus: Hauchdünne magnetische Materialien für zukünftige Quantentechnologien entwickelt

Zweidimensionale magnetische Strukturen gelten als vielversprechendes Material für neuartige Datenspeicher, da sich die magnetischen Eigenschaften einzelner Molekülen untersuchen und verändern lassen. Forscher haben nun erstmals einen hauchdünnen Ferrimagneten hergestellt, bei dem sich Moleküle mit verschiedenen magnetischen Zentren auf einer Goldfläche selbst zu einem Schachbrettmuster anordnen. Dies berichten Wissenschaftler des Swiss Nanoscience Institutes der Universität Basel und des Paul Scherrer Institutes in der Wissenschaftszeitschrift «Nature Communications».

Ferrimagneten besitzen zwei magnetische Zentren, deren Magnetismus verschieden stark ist und in entgegengesetzte Richtungen zeigt. Zweidimensionale, quasi...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Meeresschutz im Fokus: Das IASS auf der UN-Ozean-Konferenz in New York vom 5.-9. Juni

24.05.2017 | Veranstaltungen

Diabetes Kongress in Hamburg beginnt heute: Rund 6000 Teilnehmer werden erwartet

24.05.2017 | Veranstaltungen

Wissensbuffet: „All you can eat – and learn”

24.05.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Hochspannung für den Teilchenbeschleuniger der Zukunft

24.05.2017 | Physik Astronomie

3D-Graphen: Experiment an BESSY II zeigt, dass optische Eigenschaften einstellbar sind

24.05.2017 | Physik Astronomie

Optisches Messverfahren für Zellanalysen in Echtzeit - Ulmer Physiker auf der Messe "Sensor+Test"

24.05.2017 | Messenachrichten