Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Immunologische Impulse aus Magdeburg

26.08.2004


Magdeburger Immunologen haben in der August-Ausgabe der renommierten Fachzeitschrift "Nature Reviews Immunology" einen Übersichtsartikel über eine neue Familie signalübertragender Proteine in Immunzellen veröffentlicht.



Unser Immunsystem hat die Aufgabe, den Körper vor eindringenden Krankheitserrregern, wie Bakterien und Viren, oder krankmachenden Substanzen zu schützen. Auf der Suche nach eingedrungenen "Feinden" "patrouillieren" die Zellen des Immunsystems, die so genannten Leukozyten, permanent durch alle Regionen des Körpers. Auf dieser Reise kommen die Zellen in Kontakt mit einer Vielzahl unterschiedlicher Umgebungen und Geweben. Je nachdem, wo sich die immunkompetenten Zellen gerade aufhalten, muss die Immunantwort den jeweiligen Gegebenheiten angepasst werden. So verhalten sich Immunzellen in der Lunge anders als zum Beispiel im Blut, in den Lymphknoten oder in der Haut.



Um sich der jeweiligen Umgebung anpassen zu können, ist die Oberfläche der Immunzellen mit einer Vielzahl verschiedener Rezeptoren besetzt, die sozusagen als "Fühler" bzw. "Antennen" die Umgebung abtasten und die zellulären Reaktionen steuern. In dieser Hinsicht ähnelt die Oberfläche der Immunzellen der Tastatur eines Klaviers. Je nachdem, welche Tastenkombination angeschlagen wird, entsteht ein unterschiedlicher immunologischer Klang bzw. eine unterschiedliche immunologische Melodie (Abbildung unter http://www.med.uni-magdeburg.de/fme/prst/pmi2004/68.shtml).

Die Frage, wie die Vielzahl der von außen auf die Immunzellen einwirkenden Signale in eine entsprechende zelluläre Antwort umgesetzt werden, beschäftigt Immunologen - und Zellbiologen - seit vielen Jahren. In den letzten Jahren wurde in Bezug auf die Entschlüsselung dieser Problematik entscheidende Fortschritte erzielt. "So weiß man heute, dass im Inneren der Immunzellen eine Reihe von Molekülen existiert, die die von den Rezeptoren vermittelten Signale über intermolekulare und reversible Wechselwirkungen integrieren und modifizieren", erklärt Professor Burkhart Schraven, Direktor des Magdeburger Uni-Institutes für Immunologie. "Diese multifunktionellen Proteine dienen den Immunzellen sozusagen als molekulare Biochips und werden als Adapterproteine bezeichnet."

Arbeitsgruppen am Institut für Immunologie der Medizinischen Fakultät der Otto-von-Guericke Universität Magdeburg befassen sich seit einigen Jahren mit der Charakterisierung dieser, für die normale Immunfunktion extrem wichtigen, Proteine. Im Laufe der letzten Jahre ist es den Magdeburger Immunologen gelungen, eine neue "Subgruppe" der Adapterproteine zu identifizieren und zu charakterisieren, die als "transmembranöse Adapterproteine" bezeichnet werden. Auf Grund ihrer Lokalisation in der zellulären Membran stellen die transmembranösen Adapterproteine die erste Verbindung zwischen der Zelloberfläche, also den Rezeptoren, die die Umgebung abtasten, und dem Zellinnern dar. Die Identifikation der transmembranösen Adapterproteine hat somit die lange gestellte Frage geklärt, wie die signalübertragenden Rezeptoren der Immunzellen an intrazelluläre Signalwege angeschlossen werden.

Über den derzeitigen Kenntnisstand in Bezug auf die Funktionen der transmembranösen Adapterproteine berichten die Magdeburger Immunologen in der renommierten Zeitschrift "Nature Reviews Immunology" (August 2004, Vol 4, No 8, 603-616). Diese Zeitschrift hat sich in den letzten Jahren zu einem der wichtigsten Übersichtsjournale in der immunologischen Forschung entwickelt und inzwischen einen Impact Factor von ca. 27 erreicht. Die Tatsache, dass die Magdeburger Immunologen von den Editoren dazu eingeladen wurden, einen Artikel über den derzeitigen Stand des Wissens in Bezug auf die Funktion der transmembranösen Adapterproteine zu verfassen, verdeutlicht, wie bedeutsam diese Proteine für die normale Funktion des Immunsystems sind.

In ihren zukünftigen Forschungsaktivitäten wollen die Magdeburger Immunologen die Funktion der verschiedenen transmembranösen Adapterproteine weiter entschlüsseln. Insbesondere besteht hier auch die Hoffnung, neue Therapiestrategien bei Krankheiten, die das Immunsystem betreffen (z. B. Autoimmunerkrankungen oder Leukämien) entwickeln zu können. Gefördert werden die Arbeiten insbesondere durch die Deutsche Forschungsgemeinschaft, die im Jahr 2003 an der Medizinischen Fakultät der Otto-von-Guericke-Universität Magdeburg eine vom Institut für Immunologie geleitete Forschergruppe mit der Thematik "Beeinflussung immunologischer Prozess durch membrannahe Signalmodule" eingerichtet hat.

Nähere Auskünfte erteilt gern:

Prof. Dr. med. Burkhart Schraven
Direktor des Institutes für Immunologie
der Otto-von-Guericke-Universität Magdeburg
Tel. 0391/67 15800,
e-mail: burkhart.schraven@medizin.uni-magdeburg.de

Kornelia Suske | idw
Weitere Informationen:
http://www.nature.com/cgi-taf/dynapage.taf?file=/nri/journal/v4/n8/full/nri1414_fs.html
http://www.med.uni-magdeburg.de/fme/institute/iim/
http://www.med.uni-magdeburg.de/fme/prst/pmi2004/68.shtml

Weitere Berichte zu: Adapterprotein Immunologen Immunologie Immunsystem Immunzelle Protein Rezeptor

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Biowissenschaften Chemie:

nachricht Feinste organische Partikel in der Atmosphäre sind häufiger glasartig als flüssige Öltröpfchen
21.04.2017 | Max-Planck-Institut für Chemie

nachricht Darmflora beeinflusst das Altern
21.04.2017 | Max-Planck-Gesellschaft zur Förderung der Wissenschaften e.V.

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Biowissenschaften Chemie >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Immunzellen helfen bei elektrischer Reizleitung im Herzen

Erstmals elektrische Kopplung von Muskelzellen und Makrophagen im Herzen nachgewiesen / Erkenntnisse könnten neue Therapieansätze bei Herzinfarkt und Herzrhythmus-Störungen ermöglichen / Publikation am 20. April 2017 in Cell

Makrophagen, auch Fresszellen genannt, sind Teil des Immunsystems und spielen eine wesentliche Rolle in der Abwehr von Krankheitserregern und bei der...

Im Focus: Tief im Inneren von M87

Die Galaxie M87 enthält ein supermassereiches Schwarzes Loch von sechs Milliarden Sonnenmassen im Zentrum. Ihr leuchtkräftiger Jet dominiert das beobachtete Spektrum über einen Frequenzbereich von 10 Größenordnungen. Aufgrund ihrer Nähe, des ausgeprägten Jets und des sehr massereichen Schwarzen Lochs stellt M87 ein ideales Laboratorium dar, um die Entstehung, Beschleunigung und Bündelung der Materie in relativistischen Jets zu erforschen. Ein Forscherteam unter der Leitung von Silke Britzen vom MPIfR Bonn liefert Hinweise für die Verbindung von Akkretionsscheibe und Jet von M87 durch turbulente Prozesse und damit neue Erkenntnisse für das Problem des Ursprungs von astrophysikalischen Jets.

Supermassereiche Schwarze Löcher in den Zentren von Galaxien sind eines der rätselhaftesten Phänomene in der modernen Astrophysik. Ihr gewaltiger...

Im Focus: Deep inside Galaxy M87

The nearby, giant radio galaxy M87 hosts a supermassive black hole (BH) and is well-known for its bright jet dominating the spectrum over ten orders of magnitude in frequency. Due to its proximity, jet prominence, and the large black hole mass, M87 is the best laboratory for investigating the formation, acceleration, and collimation of relativistic jets. A research team led by Silke Britzen from the Max Planck Institute for Radio Astronomy in Bonn, Germany, has found strong indication for turbulent processes connecting the accretion disk and the jet of that galaxy providing insights into the longstanding problem of the origin of astrophysical jets.

Supermassive black holes form some of the most enigmatic phenomena in astrophysics. Their enormous energy output is supposed to be generated by the...

Im Focus: Neu entdeckter Exoplanet könnte bester Kandidat für die Suche nach Leben sein

Supererde in bewohnbarer Zone um aktivitätsschwachen roten Zwergstern gefunden

Ein Exoplanet, der 40 Lichtjahre von der Erde entfernt einen roten Zwergstern umkreist, könnte in naher Zukunft der beste Ort sein, um außerhalb des...

Im Focus: Resistiver Schaltmechanismus aufgeklärt

Sie erlauben energiesparendes Schalten innerhalb von Nanosekunden, und die gespeicherten Informationen bleiben auf Dauer erhalten: ReRAM-Speicher gelten als Hoffnungsträger für die Datenspeicher der Zukunft.

Wie ReRAM-Zellen genau funktionieren, ist jedoch bisher nicht vollständig verstanden. Insbesondere die Details der ablaufenden chemischen Reaktionen geben den...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Smart-Data-Forschung auf dem Weg in die wirtschaftliche Praxis

21.04.2017 | Veranstaltungen

Baukultur: Mehr Qualität durch Gestaltungsbeiräte

21.04.2017 | Veranstaltungen

Licht - ein Werkzeug für die Laborbranche

20.04.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Intelligenter Werkstattwagen unterstützt Mensch in der Produktion

21.04.2017 | HANNOVER MESSE

Forschungszentrum Jülich auf der Hannover Messe 2017

21.04.2017 | HANNOVER MESSE

Smart-Data-Forschung auf dem Weg in die wirtschaftliche Praxis

21.04.2017 | Veranstaltungsnachrichten