Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Protein identifiziert, das bei Mensch und Tier für die Entwicklung gesunder Organe und Gewebe unerlässlich ist

23.08.2004


Die rasterelektronenmikroskopische zeigt wie Fresszellen (grün) abgestorbene Zellen (rot) verschlingen und verdauen. Dies ist auch ohne Ptdsr möglich. Den GBF-Forschern ist es in dieser seltenen Aufnahme gelungen, den Prozess des Verdauens vom Umhüllen der Zelle mit grüner Fresszellenmembran bis zum Verschlingen sichtbar zu machen.

Foto: GBF/Jens Böse/Manfred Rohde


Fehlt das Protein Ptdsr, ist die Organentwicklung schwer gestört

... mehr zu:
»Gewebe »Organ »Protein »Ptdsr

Wissenschaftler der Gesellschaft für Biotechnologische Forschung in Braunschweig (GBF) haben ein Protein identifiziert, das bei allen höher entwickelten Tieren und beim Menschen für die Bildung gesunder Organe und Gewebe unerlässlich ist. Der Phosphatidylserin-Rezeptor - kurz: Ptdsr - gehört zur molekularen Grundausstattung einer jeden Zelle. Fehlt Ptdsr, so sind schwere Organschäden schon im Embryonalstadium die Folge, das betroffene Tier stirbt meist spätestens bei der Geburt. Das haben der GBF-Forscher Dr. Andreas Lengeling und sein Team bei der Untersuchung von Mäusen festgestellt, deren Gen für Ptdsr funktionsunfähig ist. "Ptdsr kennt man schon sehr lange", erklärt Lengeling, "allerdings hat man diesem Molekül immer eine ganz andere Funktion zugeschrieben, als es tatsächlich besitzt." Ihre Ergebnisse beschreiben Lengeling und seine Kollegen in einem Artikel für die Fachzeitschrift Journal of Biology.

Überraschendes Forschungsergebnis


Lange Zeit war die Wissenschaft davon überzeugt, dass der Phosphatidylserin-Rezeptor eine Schlüsselrolle bei der Beseitigung abgestorbener Zellen im Körper spielt. Aus diesem Grund war auch das Augemerk der GBF-Forscher auf Ptdsr gefallen: Ursprünglich wollten sie mehr über die Rolle des Immunsystems bei diesen Prozessen erfahren.

"Allerdings zeigte sich überraschenderweise, dass Tiere ohne Ptdsr trotzdem abgestorbene Zellen ganz normal aus ihrem Körper entfernen können", sagt Lengeling. Gar nicht normal verläuft dagegen die Organentwicklung dieser Tiere: Die Reifung von Leber, Niere, Lunge und Darm ist ebenso gestört wie das Körperwachstum allgemein, nur selten überlebt das Tier Embryonalstadium und Geburt.

Lengeling und seine Forscher-Kollegen sind überzeugt, auf einen fundamentalen Zusammenhang gestoßen zu sein: "Ptdsr gibt es bei fast allen Lebewesen", sagt Lengeling, "und das Ptdsr der Maus ist praktisch identisch aufgebaut wie das des Menschen. Offenbar handelt es sich um einen universalen Faktor für die Gewebe-Reifung im Körper."

Das genauere Studium des Ptdsr und seiner Funktion, so hoffen die Wissenschaftler, kann Aufschluss über verschiedenartigste Störungen in Geweben und Organen geben.

Thomas Gazlig | idw
Weitere Informationen:
http://jbiol.com/home
http://www.gbf.de/presseinformationen

Weitere Berichte zu: Gewebe Organ Protein Ptdsr

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Biowissenschaften Chemie:

nachricht Entzündung weckt Schläfer
29.03.2017 | Eidgenössische Technische Hochschule Zürich (ETH Zürich)

nachricht Rostocker Forscher wollen Glyphosat „entzaubern“
29.03.2017 | Universität Rostock

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Biowissenschaften Chemie >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Quantenkommunikation: Wie man das Rauschen überlistet

Wie kann man Quanteninformation zuverlässig übertragen, wenn man in der Verbindungsleitung mit störendem Rauschen zu kämpfen hat? Uni Innsbruck und TU Wien präsentieren neue Lösungen.

Wir kommunizieren heute mit Hilfe von Funksignalen, wir schicken elektrische Impulse durch lange Leitungen – doch das könnte sich bald ändern. Derzeit wird...

Im Focus: Entwicklung miniaturisierter Lichtmikroskope - „ChipScope“ will ins Innere lebender Zellen blicken

Das Institut für Halbleitertechnik und das Institut für Physikalische und Theoretische Chemie, beide Mitglieder des Laboratory for Emerging Nanometrology (LENA), der Technischen Universität Braunschweig, sind Partner des kürzlich gestarteten EU-Forschungsprojektes ChipScope. Ziel ist es, ein neues, extrem kleines Lichtmikroskop zu entwickeln. Damit soll das Innere lebender Zellen in Echtzeit beobachtet werden können. Sieben Institute in fünf europäischen Ländern beteiligen sich über die nächsten vier Jahre an diesem technologisch anspruchsvollen Projekt.

Die zukünftigen Einsatzmöglichkeiten des neu zu entwickelnden und nur wenige Millimeter großen Mikroskops sind äußerst vielfältig. Die Projektpartner haben...

Im Focus: A Challenging European Research Project to Develop New Tiny Microscopes

The Institute of Semiconductor Technology and the Institute of Physical and Theoretical Chemistry, both members of the Laboratory for Emerging Nanometrology (LENA), at Technische Universität Braunschweig are partners in a new European research project entitled ChipScope, which aims to develop a completely new and extremely small optical microscope capable of observing the interior of living cells in real time. A consortium of 7 partners from 5 countries will tackle this issue with very ambitious objectives during a four-year research program.

To demonstrate the usefulness of this new scientific tool, at the end of the project the developed chip-sized microscope will be used to observe in real-time...

Im Focus: Das anwachsende Ende der Ordnung

Physiker aus Konstanz weisen sogenannte Mermin-Wagner-Fluktuationen experimentell nach

Ein Kristall besteht aus perfekt angeordneten Teilchen, aus einer lückenlos symmetrischen Atomstruktur – dies besagt die klassische Definition aus der Physik....

Im Focus: Wegweisende Erkenntnisse für die Biomedizin: NAD⁺ hilft bei Reparatur geschädigter Erbinformationen

Eine internationale Forschergruppe mit dem Bayreuther Biochemiker Prof. Dr. Clemens Steegborn präsentiert in 'Science' neue, für die Biomedizin wegweisende Forschungsergebnisse zur Rolle des Moleküls NAD⁺ bei der Korrektur von Schäden am Erbgut.

Die Zellen von Menschen und Tieren können Schäden an der DNA, dem Träger der Erbinformation, bis zu einem gewissen Umfang selbst reparieren. Diese Fähigkeit...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Industriearbeitskreis »Prozesskontrolle in der Lasermaterialbearbeitung ICPC« lädt nach Aachen ein

28.03.2017 | Veranstaltungen

Neue Methoden für zuverlässige Mikroelektronik: Internationale Experten treffen sich in Halle

28.03.2017 | Veranstaltungen

Wie Menschen wachsen

27.03.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Organisch-anorganische Heterostrukturen mit programmierbaren elektronischen Eigenschaften

29.03.2017 | Energie und Elektrotechnik

Klein bestimmt über groß?

29.03.2017 | Physik Astronomie

OLED-Produktionsanlage aus einer Hand

29.03.2017 | Messenachrichten