Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Ein Botenstoff erhöht die angeborene Abwehrkraft

18.08.2004


Die Funktion von Interleukin-22 erhellt



Immunzellen des Körpers senden lösliche Botenstoffe (Interleukine) aus, um die Kommunikation unter einander aufzunehmen und die Immunantwort des Körpers auf Eindringlinge von außen (Bakterien, Viren, Pilze und allergisierende Stoffe) zu regulieren. Bislang sind mehr als 20 derartige Botenstoffe bekannt. Ein neuer, das sogenannte Interleukin-22 (IL-22), ist im Jahr 2000 in der Maus und später auch im Menschen entdeckt worden und wird hauptsächlich durch bestimmte Immunzellen (aktivierte T-Zellen und Natural-Killer-Zellen) produziert.



Über die Funktion von IL-22 war bisher wenig bekannt. Jetzt aber hat die interdisziplinäre Arbeitsgruppe um Dr. Robert Sabat, in der Immunologen und Dermatologen der Charité mit Wissenschaftlern der Schering AG, Berlin, zusammenarbeiten, mehr Licht in das Dunkel gebracht. Ihre umfassenden Untersuchungen konnten die Forscher soeben (am 18. August) im renommierten Fachblatt "Immunity" veröffentlichen (Kerstin Wolk et al., 2004, 21(2): 241-254). Sie fanden, dass IL-22 nicht wie andere Interleukine als Kommunikator zwischen Immunzellen wirkt und auch nicht die Vermehrung und die Aktivität von Abwehrzellen (T-Zellen, B-Zellen, Monozyten) anregt. Vielmehr fördert es die unspezifische Abwehrkraft der Gewebe. Wie Kerstin Wolk sagt, liegt mit IL-22 das erste bekannte Interleukin vor, dass zwar in Immunzellen gebildet wird, aber ausschließlich auf Gewebezellen wirkt.

Das ist besonders wichtig für Gewebe, die ständigen Kontakt mit der Außenwelt haben: Dazu gehören die Haut und die Schleimhäute des Atem- und des Verdauungstraktes sowie die Leber, die Nieren und die Bauchspeicheldrüse. In diesen Geweben, finden sich Zellen, die in großer Zahl Andockstellen (Rezeptoren) für IL-22 auf ihrer Oberfläche tragen. Die Zahl dieser Rezeptoren wird während einer Entzündung sogar noch erhöht. Je mehr IL-22 auf die Zellen einwirkt, desto mehr werden diese Zellen angeregt, sogenannte Defensine zu bilden. Defensine sind kleine Peptide und wirken wie natürliche Antibiotika, d.h. Stoffe, die eindringende Keime (Bakterien, Viren und Pilze) vernichten können. Defensine gehören also zur unspezifischen, das heißt, nicht mit speziellen Immunzellen verbundenen, Abwehrkraft des Körpers.

Besonders empfänglich für IL-22, das heißt mit großer Zahl von Rezeptoren ausgestattet, sind Hautzellen. In diesen Zellen werden daher auch Defensine in erheblichem Umfang gebildet. Und zwar ganz besonders stark in den Zellen von Patienten mit chronischen Hauterkrankungen wie der Psoriasis (Schuppenflechte).

Es scheint, als wehre sich der Körper mit Hilfe der Defensine gegen Keime, die durch die ständig entzündete Haut leicht eindringend können. Dabei spielt das IL-22 wahrscheinlich eine herausragende Rolle. Diese Zusammenhänge dürften, so Dr. Sabat, für die zukünftige Behandlung von Hautkrankheiten und anderen chronischen Leiden Bedeutung erlangen.

Dr. med. Silvia Schattenfroh | idw
Weitere Informationen:
http://www.charite.de/mediamed

Weitere Berichte zu: Abwehrkraft Botenstoff Defensine IL-22 Immunzelle

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Biowissenschaften Chemie:

nachricht Geteiltes Denken ist doppeltes Denken
19.01.2017 | Hertie-Institut für klinische Hirnforschung (HIH)

nachricht Neue CRISPR-Methode enthüllt Genregulation einzelner Zellen
19.01.2017 | CeMM Forschungszentrum für Molekulare Medizin der Österreichischen Akademie der Wissenschaften

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Biowissenschaften Chemie >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Verkehrsstau im Nichts

Konstanzer Physiker verbuchen neue Erfolge bei der Vermessung des Quanten-Vakuums

An der Universität Konstanz ist ein weiterer bedeutender Schritt hin zu einem völlig neuen experimentellen Zugang zur Quantenphysik gelungen. Das Team um Prof....

Im Focus: Traffic jam in empty space

New success for Konstanz physicists in studying the quantum vacuum

An important step towards a completely new experimental access to quantum physics has been made at University of Konstanz. The team of scientists headed by...

Im Focus: Textiler Hochwasserschutz erhöht Sicherheit

Wissenschaftler der TU Chemnitz präsentieren im Februar und März 2017 ein neues temporäres System zum Schutz gegen Hochwasser auf Baumessen in Chemnitz und Dresden

Auch die jüngsten Hochwasserereignisse zeigen, dass vielerorts das natürliche Rückhaltepotential von Uferbereichen schnell erschöpft ist und angrenzende...

Im Focus: Wie Darmbakterien krank machen

HZI-Forscher entschlüsseln Infektionsmechanismen von Yersinien und Immunantworten des Wirts

Yersinien verursachen schwere Darminfektionen. Um ihre Infektionsmechanismen besser zu verstehen, werden Studien mit dem Modellorganismus Yersinia...

Im Focus: How gut bacteria can make us ill

HZI researchers decipher infection mechanisms of Yersinia and immune responses of the host

Yersiniae cause severe intestinal infections. Studies using Yersinia pseudotuberculosis as a model organism aim to elucidate the infection mechanisms of these...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Nachhaltige Wassernutzung in der Landwirtschaft Osteuropas und Zentralasiens

19.01.2017 | Veranstaltungen

Künftige Rohstoffexperten aus aller Welt in Freiberg zur Winterschule

18.01.2017 | Veranstaltungen

Bundesweiter Astronomietag am 25. März 2017

17.01.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Flashmob der Moleküle

19.01.2017 | Physik Astronomie

Tollwutviren zeigen Verschaltungen im gläsernen Gehirn

19.01.2017 | Medizin Gesundheit

Fraunhofer-Institute entwickeln zerstörungsfreie Qualitätsprüfung für Hybridgussbauteile

19.01.2017 | Verfahrenstechnologie