Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

"Eleganter" Fadenwurm eröffnet Heilungschancen bei Muskelschwund

06.08.2004


Forscher der Universität Freiburg haben eine Möglichkeit gefunden, erblich bedingten Muskelschwund aufzuhalten. Zwar ist ihr Patient im Augenblick nur ein winziger Fadenwurm, aber alle genetischen Komponenten des beteiligten Mechanismus finden sich auch im Menschen.



Eigentlich hatte das Labor um den Molekulargenetiker Prof. Ralf Baumeister in dem nur 1 mm langen Fadenwurm C. elegans die Funktion eines Enzyms namens CHIP untersucht, das zusammen mit einem weiteren Faktor beim Menschen an der Entstehung der Parkinsonschen Krankheit beteiligt ist. Quasi nebenbei fanden die Forscher dabei, dass CHIP auch eine wesentliche Rolle bei der Regulation von Muskelauf- und -abbau steuert. Sie publizierten diese aufregende Erkenntnis heute in der Wissenschaftszeitschrift "Cell".

... mehr zu:
»Chip »Fadenwurm »Labor »Muskel »Muskelschwund


Muskeln bestehen aus dicken und dünnen Eiweißfäden, den so genannten Filamenten. Diese müssen während des Muskelwachs-tums von einer komplexen Proteinmaschinerie sehr sorgfältig zusammengesetzt werden, damit der Muskel auch unter Last funktioniert. Ist diese Maschinerie fehlerhaft oder beschädigt, muss sie vom Organismus rasch abgebaut und erneuert werden. Baumeister: "CHIP wacht darüber, indem es der defekten Komponente einen Verfallsstempel aufdrückt, der dann zu ihrer Beseitigung führt."

Durch Manipulation von CHIP konnten die Forscher dieses Verfallsdatum hinausschieben, und damit auch beschädigte Muskeln länger am Leben erhalten. Dass dies den degenerativen Muskelschwund bei erblichen Schäden am Muskelapparat hinauszögern kann, zeigen die Genetiker im C. elegans-Tiermodell. "Unsere Muskelschwund-Mutanten sind praktisch unbeweglich, da die gesamte Körpermuskulatur in Mitleidenschaft gezogen wird. Reduzieren wir dagegen rechtzeitig die CHIP Aktivität, bleibt den Würmern die Beweglichkeit erhalten, weil die Muskulatur nicht so schnell abgebaut wird. Denn ein geschwächter Muskel ist immer noch besser als gar keiner".

In einem Expertenkommentar der Zeitschrift Cell, in der die Publikation heute erschienen ist, wird auf die Anwendungsmöglichkeit dieser Entdeckung bei der Bekämpfung von Muskeldystrophien hingewiesen. Diese gehören zu den häufigsten Erbkrankheiten im Kindesalter und können derzeit noch nicht behandelt werden.

Baumeisters Labor, das an der biologischen Fakultät der Freiburger Universität forscht, untersucht am Fadenwurm C. elegans auch die Mechanismen neurodegenerativer Erkrankungen wie Alzheimer, sowie die Komponenten der molekularen Uhr, die das Lebensalter bestimmen. Erst im vergangenen Monat zeigten die Freiburger Biologen, dass man durch Veränderung zweier Gene die Lebenser-wartung von C. elegans vervierfachen kann.

Literatur:
- 1Meissner, J. Biol. Chem. 19. Mai 2004, Vorabpublikation online
- Hoppe et al., Cell 118(3), S. 337-349.2004

Kontakt:

Prof. Dr. Ralf Baumeister
Bio3/Bioinformatik und Molekulargenetik
Schänzlestr. 1
D-79104 Freiburg
T. 0761-203 8350
F. 0761-203 8351
Email: baumeister@celegans.de

Rudolf-Werner Dreier | idw
Weitere Informationen:
http://www.celegans.de
http://www.uni-freiburg.de

Weitere Berichte zu: Chip Fadenwurm Labor Muskel Muskelschwund

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Biowissenschaften Chemie:

nachricht Besser lernen dank Zink?
23.03.2017 | Gesellschaft Deutscher Chemiker e.V.

nachricht Raben: "Junggesellen" leben in dynamischen sozialen Gruppen
23.03.2017 | Universität Wien

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Biowissenschaften Chemie >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Fliegende Intensivstationen: Ultraschallgeräte in Rettungshubschraubern können Leben retten

Etwa 21 Millionen Menschen treffen jährlich in deutschen Notaufnahmen ein. Im Kampf zwischen Leben und Tod zählt für diese Patienten jede Minute. Wenn sie schon kurz nach dem Unfall zielgerichtet behandelt werden können, verbessern sich ihre Überlebenschancen erheblich. Damit Notfallmediziner in solchen Fällen schnell die richtige Diagnose stellen können, kommen in den Rettungshubschraubern der DRF Luftrettung und zunehmend auch in Notarzteinsatzfahrzeugen mobile Ultraschallgeräte zum Einsatz. Experten der Deutschen Gesellschaft für Ultraschall in der Medizin e.V. (DEGUM) schulen die Notärzte und Rettungsassistenten.

Mit mobilen Ultraschallgeräten können Notärzte beispielsweise innere Blutungen direkt am Unfallort identifizieren und sie bei Bedarf auch für Untersuchungen im...

Im Focus: Gigantische Magnetfelder im Universum

Astronomen aus Bonn und Tautenburg in Thüringen beobachteten mit dem 100-m-Radioteleskop Effelsberg Galaxienhaufen, das sind Ansammlungen von Sternsystemen, heißem Gas und geladenen Teilchen. An den Rändern dieser Galaxienhaufen fanden sie außergewöhnlich geordnete Magnetfelder, die sich über viele Millionen Lichtjahre erstrecken. Sie stellen die größten bekannten Magnetfelder im Universum dar.

Die Ergebnisse werden am 22. März in der Fachzeitschrift „Astronomy & Astrophysics“ veröffentlicht.

Galaxienhaufen sind die größten gravitativ gebundenen Strukturen im Universum, mit einer Ausdehnung von etwa zehn Millionen Lichtjahren. Im Vergleich dazu ist...

Im Focus: Giant Magnetic Fields in the Universe

Astronomers from Bonn and Tautenburg in Thuringia (Germany) used the 100-m radio telescope at Effelsberg to observe several galaxy clusters. At the edges of these large accumulations of dark matter, stellar systems (galaxies), hot gas, and charged particles, they found magnetic fields that are exceptionally ordered over distances of many million light years. This makes them the most extended magnetic fields in the universe known so far.

The results will be published on March 22 in the journal „Astronomy & Astrophysics“.

Galaxy clusters are the largest gravitationally bound structures in the universe. With a typical extent of about 10 million light years, i.e. 100 times the...

Im Focus: Auf der Spur des linearen Ubiquitins

Eine neue Methode ermöglicht es, den Geheimcode linearer Ubiquitin-Ketten zu entschlüsseln. Forscher der Goethe-Universität berichten darüber in der aktuellen Ausgabe von "nature methods", zusammen mit Partnern der Universität Tübingen, der Queen Mary University und des Francis Crick Institute in London.

Ubiquitin ist ein kleines Molekül, das im Körper an andere Proteine angehängt wird und so deren Funktion kontrollieren und verändern kann. Die Anheftung...

Im Focus: Tracing down linear ubiquitination

Researchers at the Goethe University Frankfurt, together with partners from the University of Tübingen in Germany and Queen Mary University as well as Francis Crick Institute from London (UK) have developed a novel technology to decipher the secret ubiquitin code.

Ubiquitin is a small protein that can be linked to other cellular proteins, thereby controlling and modulating their functions. The attachment occurs in many...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Lebenswichtige Lebensmittelchemie

23.03.2017 | Veranstaltungen

Die „Panama Papers“ aus Programmierersicht

22.03.2017 | Veranstaltungen

Über Raum, Zeit und Materie

22.03.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Besser lernen dank Zink?

23.03.2017 | Biowissenschaften Chemie

Lebenswichtige Lebensmittelchemie

23.03.2017 | Veranstaltungsnachrichten

Innenraum-Ortung für dynamische Umgebungen

23.03.2017 | Architektur Bauwesen