Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

ESA träumt von menschlichem Winterschlaf

06.08.2004


Die Idee selbst ist nicht neu: Astronauten treten in einen winterschlafähnlichen Zustand ein, während sie sich auf dem Weg zu weit entfernten Orten befinden, um die psychologischen Belastungen einer solch langen Reise zu reduzieren. Zum ersten Mal sucht die Europäische Raumfahrtagentur (ESA) nun jedoch nach Wegen, diese Science Fiction in wissenschaftliche Realität umzuwandeln.



Selbst wenn es tatsächlich möglich sein sollte, Menschen in eine Art Winterschlaf zu versetzen, prognostizieren die Experten, dass die hierzu erforderlichen praktischen Systeme noch wenigstens ein Jahrzehnt auf sich warten lassen werden. Wissenschaftler des Advanced Concepts Team der ESA überlegen jedoch bereits, welche Forschungsarbeit ab heute geleistet werden müsse, um dieses Ziel zu erreichen, berichtet die wissenschaftliche Fachzeitschrift Nature.

... mehr zu:
»Astronaut »Mission »Winterschlaf


"Wir sind nicht sicher, ob es möglich ist", erklärte Marco Biggiogera von der Universität Pavia, Italien, der als ESA-Berater zu Hibernationsmechanismen tätig ist. "Aber es ist keine verrückte Idee." Die Hibernation würde sowohl Astronauten dabei helfen, mit der Langeweile und anderen mit jahrzehntelangen Reisen in die Randgebiete des Sonnensystems verbundenen Anforderungen fertig zu werden, als auch die Menge des erforderlichen Versorgungsmaterials für eine derartige Mission reduzieren, so dass das Gewicht des Raumfahrzeugs gering gehalten würde.

Der erste Forschungsansatz der ESA konzentriert sich auf eine opiumähnliche Substanz namens DADLE (D-Ala2-D-Leu5-Enkephalin), die dafür bekannt ist, bei Erdhörnchen eine Art Winterschlaf im Sommer auszulösen, wenn sie normalerweise wach wären. DADLE wurde außerdem an Kulturen menschlicher Zellen getestet, wobei es zu einem Rückgang der Genaktivität und der Geschwindigkeit der Zellteilung kam. ESA-Forscher würden nun gerne die Wirkung auf nicht Winterschlaf haltende Tiere wie z.B. Ratten testen.

Dr. Biggiogera möchte zudem eine Studie am madagassischen Fettschwanz-Zwergmaki durchführen, von dem man in diesem Jahr als erstem Primaten herausfand, dass er einen Winterschlaf hält.

Ferner gibt es noch weitere indirekt mit der menschlichen Hibernation verbundene Herausforderungen, die bewältigt werden müssen, wenn diese Methode in die Praxis umgesetzt werden soll. Beispielsweise ist die Hibernation dafür bekannt, zu einer Muskelatrophie zu führen, ähnlich der, die bei bettlägerigen Patienten zu beobachten ist. Es ist bekannt, dass solche Patienten ihre Kräfte besser erhalten, wenn sie Dobutamin zu sich nehmen, ein Arzneimittel, dass die Herzmuskulatur stimuliert. Wissenschaftler könnten also auch die Praktikabilität des Einsatzes einer ähnlichen Behandlung während der Hibernation untersuchen.

Zudem gibt es technische Probleme, die erst noch gelöst werden müssen. Die ESA wird daher Pläne erstellen, die zeigen, wie ein Hibernationssystem in ein Raumfahrzeug eingebaut werden könnte, das Astronauten im Jahr 2030 in einer bemannten Mission zum Mars bringen soll, und genau aufführen, wie viel Energie und Platz gespart werden könnte.

Die ESA geht davon aus, in etwa einem Jahr einen detaillierten Forschungsplan vorlegen zu können, der eine Roadmap derjenigen Forschungsprojekte enthalten soll, mit denen man hofft, den Traum des menschlichen Winterschlafs in die Realität umsetzen zu können.

| cn
Weitere Informationen:
http://www.esa.int

Weitere Berichte zu: Astronaut Mission Winterschlaf

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Biowissenschaften Chemie:

nachricht Nanoskopie auf dem Chip: Mikroskopie in HD-Qualität
25.04.2017 | Universität Bielefeld

nachricht Wehrhaft gegen aggressiven Sauerstoff - Metalloxid-Nickelschaum-Elektroden in der Wasseraufspaltung
25.04.2017 | Universität Ulm

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Biowissenschaften Chemie >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Nanoskopie auf dem Chip: Mikroskopie in HD-Qualität

Neue Erfindung der Universitäten Bielefeld und Tromsø (Norwegen)

Physiker der Universität Bielefeld und der norwegischen Universität Tromsø haben einen Chip entwickelt, der super-auflösende Lichtmikroskopie, auch...

Im Focus: Löschbare Tinte für den 3-D-Druck

Im 3-D-Druckverfahren durch Direktes Laserschreiben können Mikrometer-große Strukturen mit genau definierten Eigenschaften geschrieben werden. Forscher des Karlsruher Institus für Technologie (KIT) haben ein Verfahren entwickelt, durch das sich die 3-D-Tinte für die Drucker wieder ‚wegwischen‘ lässt. Die bis zu hundert Nanometer kleinen Strukturen lassen sich dadurch wiederholt auflösen und neu schreiben - ein Nanometer entspricht einem millionstel Millimeter. Die Entwicklung eröffnet der 3-D-Fertigungstechnik vielfältige neue Anwendungen, zum Beispiel in der Biologie oder Materialentwicklung.

Beim Direkten Laserschreiben erzeugt ein computergesteuerter, fokussierter Laserstrahl in einem Fotolack wie ein Stift die Struktur. „Eine Tinte zu entwickeln,...

Im Focus: Leichtbau serientauglich machen

Immer mehr Autobauer setzen auf Karosserieteile aus kohlenstofffaserverstärktem Kunststoff (CFK). Dennoch müssen Fertigungs- und Reparaturkosten weiter gesenkt werden, um CFK kostengünstig nutzbar zu machen. Das Laser Zentrum Hannover e.V. (LZH) hat daher zusammen mit der Volkswagen AG und fünf weiteren Partnern im Projekt HolQueSt 3D Laserprozesse zum automatisierten Besäumen, Bohren und Reparieren von dreidimensionalen Bauteilen entwickelt.

Automatisiert ablaufende Bearbeitungsprozesse sind die Grundlage, um CFK-Bauteile endgültig in die Serienproduktion zu bringen. Ausgerichtet an einem...

Im Focus: Making lightweight construction suitable for series production

More and more automobile companies are focusing on body parts made of carbon fiber reinforced plastics (CFRP). However, manufacturing and repair costs must be further reduced in order to make CFRP more economical in use. Together with the Volkswagen AG and five other partners in the project HolQueSt 3D, the Laser Zentrum Hannover e.V. (LZH) has developed laser processes for the automatic trimming, drilling and repair of three-dimensional components.

Automated manufacturing processes are the basis for ultimately establishing the series production of CFRP components. In the project HolQueSt 3D, the LZH has...

Im Focus: Wonder material? Novel nanotube structure strengthens thin films for flexible electronics

Reflecting the structure of composites found in nature and the ancient world, researchers at the University of Illinois at Urbana-Champaign have synthesized thin carbon nanotube (CNT) textiles that exhibit both high electrical conductivity and a level of toughness that is about fifty times higher than copper films, currently used in electronics.

"The structural robustness of thin metal films has significant importance for the reliable operation of smart skin and flexible electronics including...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Berührungslose Schichtdickenmessung in der Qualitätskontrolle

25.04.2017 | Veranstaltungen

Forschungsexpedition „Meere und Ozeane“ mit dem Ausstellungsschiff MS Wissenschaft

24.04.2017 | Veranstaltungen

3. Bionik-Kongress Baden-Württemberg

24.04.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Nanoskopie auf dem Chip: Mikroskopie in HD-Qualität

25.04.2017 | Biowissenschaften Chemie

Berührungslose Schichtdickenmessung in der Qualitätskontrolle

25.04.2017 | Veranstaltungsnachrichten

Phoenix Contact übernimmt Spezialisten für Netzleittechnik

24.04.2017 | Unternehmensmeldung