Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Neurotoxinablagerungen verursachen Erkrankungen des Gehirns

03.08.2004


Neue Theorie zur Entstehung von ALS/PDC



Neurotoxine von blaugrünen Algen, die in bestimmten Lebensmitteln oder in Wasser vorkommen, können sich in Proteinen ansammeln und nach vielen Jahren Erkrankungen des Gehirns wie Alzheimer hervorrufen. Zu diesem Ergebnis ist eine Untersuchung unter Leitung von Paul Cox, dem Direktor des National Tropical Botanic Garden, gekommen. Damit ist erklärt, warum eine auf der Pazifikinsel Guam verbreitete schwere neurodegenerative Erkrankung bei Betroffenen auch Jahrzehnte nach dem Verlassen der Insel auftreten kann.

... mehr zu:
»ALS/PDC »Alzheimer »BMAA »Cox »Protein


Bei dieser Erkrankung handelt es sich um ALS/PDC (Amyotrophic Lateral Sclerosis/Parkinsonism-Dementia-Complex). Sie verursacht Symptome, die jenen von Parkinson und Alzheimer ähnlich sind. Die am Gehirn hervorgerufene Schädigung gleicht jener bei Alzheimerpatienten. Die Ergebnisse der Studie wurden in den Proceedings of the National Academies of Sciences veröffentlicht.

Zuletzt wurde die Vorliebe der Inselbewohner für fliegende Hunde verantwortlich gemacht. Das Neurotoxin BMAA kommt in den Früchten der Palmfarne vor, von denen sich diese Fledermäuse ernähren. Es wird angenommen, dass es sich im Fleisch der Tiere ablagert. BMAA seinerseits wird von einer blaugrünen Alge produziert, die in den Wurzeln der Palmfarne lebt. Diese Theorie konnte laut NewScientist jedoch nicht die Frage beantworten, wie BMAA mit großer zeitlicher Verzögerung einen Gehirnschaden verursachen kann. Das Team um Paul Cox hat jetzt nachgewiesen, dass BMAA fallweise in Proteine anstelle von Aminosäuren eingebunden wird. Es war bereits bekannt, dass seine Struktur Ähnlichkeiten mit jener von Aminosäuren aufweist.

Es zeigte sich, dass die Werte dieser proteingebundenen Form von BMAA im Mehl der Pflanzen, im Fleisch der Fledermäuse und in den Gehirnen der Betroffenen typischerweise rund einhundert Mal so hoch sind wie jene der nicht gebundenen Form. Dieses BMAA wird durch den Abbau der Proteine langsam freigesetzt. Cox geht davon aus, dass so Jahre nach dem Konsum von verunreinigten Nahrungsmitteln die Gehirne der Menschen mit geringen Mengen des Neurotoxins belastet werden. Zusätzlich beschädigen auch die BMAA enthaltenden Proteine das Gehirn mehrfach. Zum Beispiel verbinden sie sich zu jenen Plaquen, die für ALS/PDC und Alzheimer charakteristisch sind.

Es stellen sich durch diese Studienergebnisse jedoch auch neue Fragen. Zur Kontrolle wurden 20 Gehirnproben aus Kanada auf BMAA getestet. In den Gehirnen jener Kanadier, die nicht an einer neurodegenerativen Erkrankung verstorben waren, konnte kein BMAA nachgewiesen werden. Bei den restlichen von Alzheimerpatienten stammenden Gehirnproben wurde BMAA in gebundener Form nachgewiesen. Cox betont, dass diese Studie nicht beweise, dass BMAA bei Alzheimer oder einer anderen Gehirnerkrankung eine Rolle spiele. Dafür sei das untersuchte Sample einfach zu klein. Es sei auch noch nicht endgültig bewiesen, dass BMAA die Ursache für ALS/PDC auf Guam sei. Seine Präsenz im Gehirn könnte jedoch ein Hinweis darauf sein, dass Menschen anderen bisher unbekannten cyanobakteriellen Toxinen ausgesetzt waren.

Michaela Monschein | pressetext.austria
Weitere Informationen:
http://www.ntbg.org
http://www.pnas.org
http://newscientist.com

Weitere Berichte zu: ALS/PDC Alzheimer BMAA Cox Protein

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Biowissenschaften Chemie:

nachricht Möglicher Zell-Therapieansatz gegen Zytomegalie
22.02.2017 | Medizinische Hochschule Hannover

nachricht Erster Atemzug prägt Immunsystem nachhaltig
22.02.2017 | CeMM Forschungszentrum für Molekulare Medizin der Österreichischen Akademie der Wissenschaften

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Biowissenschaften Chemie >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Mehr Sicherheit für Flugzeuge

Zwei Entwicklungen am Lehrgebiet Rechnerarchitektur der FernUniversität in Hagen können das Fliegen sicherer machen: ein Flugassistenzsystem, das bei einem totalen Triebwerksausfall zum Einsatz kommt, um den Piloten ein sicheres Gleiten zu einem Notlandeplatz zu ermöglichen, und ein Assistenzsystem für Segelflieger, das ihnen das Erreichen größerer Höhen erleichtert. Präsentiert werden sie von Prof. Dr.-Ing. Wolfram Schiffmann auf der Internationalen Fachmesse für Allgemeine Luftfahrt AERO vom 5. bis 8. April in Friedrichshafen.

Zwei Entwicklungen am Lehrgebiet Rechnerarchitektur der FernUniversität in Hagen können das Fliegen sicherer machen: ein Flugassistenzsystem, das bei einem...

Im Focus: HIGH-TOOL unterstützt Verkehrsplanung in Europa

Forschung am Karlsruher Institut für Technologie (KIT) unterstützt die Europäische Kommission bei der Verkehrsplanung: Anhand des neuen Modells HIGH-TOOL lässt sich bewerten, wie verkehrspolitische Maßnahmen langfristig auf Wirtschaft, Gesellschaft und Umwelt wirken. HIGH-TOOL ist ein frei zugängliches Modell mit Modulen für Demografie, Wirtschaft und Ressourcen, Fahrzeugbestand, Nachfrage im Personen- und Güterverkehr sowie Umwelt und Sicherheit. An dem nun erfolgreich abgeschlossenen EU-Projekt unter der Koordination des KIT waren acht Partner aus fünf Ländern beteiligt.

Forschung am Karlsruher Institut für Technologie (KIT) unterstützt die Europäische Kommission bei der Verkehrsplanung: Anhand des neuen Modells HIGH-TOOL lässt...

Im Focus: Zinn in der Photodiode: nächster Schritt zur optischen On-Chip-Datenübertragung

Schon lange suchen Wissenschaftler nach einer geeigneten Lösung, um optische Komponenten auf einem Computerchip zu integrieren. Doch Silizium und Germanium allein – die stoffliche Basis der Chip-Produktion – sind als Lichtquelle kaum geeignet. Jülicher Physiker haben nun gemeinsam mit internationalen Partnern eine Diode vorgestellt, die neben Silizium und Germanium zusätzlich Zinn enthält, um die optischen Eigenschaften zu verbessern. Das Besondere daran: Da alle Elemente der vierten Hauptgruppe angehören, sind sie mit der bestehenden Silizium-Technologie voll kompatibel.

Schon lange suchen Wissenschaftler nach einer geeigneten Lösung, um optische Komponenten auf einem Computerchip zu integrieren. Doch Silizium und Germanium...

Im Focus: Innovative Antikörper für die Tumortherapie

Immuntherapie mit Antikörpern stellt heute für viele Krebspatienten einen Erfolg versprechenden Ansatz dar. Weil aber längst nicht alle Patienten nachhaltig von diesen teuren Medikamenten profitieren, wird intensiv an deren Verbesserung gearbeitet. Forschern um Prof. Thomas Valerius an der Christian Albrechts Universität Kiel gelang es nun, innovative Antikörper mit verbesserter Wirkung zu entwickeln.

Immuntherapie mit Antikörpern stellt heute für viele Krebspatienten einen Erfolg versprechenden Ansatz dar. Weil aber längst nicht alle Patienten nachhaltig...

Im Focus: Durchbruch mit einer Kette aus Goldatomen

Einem internationalen Physikerteam mit Konstanzer Beteiligung gelang im Bereich der Nanophysik ein entscheidender Durchbruch zum besseren Verständnis des Wärmetransportes

Einem internationalen Physikerteam mit Konstanzer Beteiligung gelang im Bereich der Nanophysik ein entscheidender Durchbruch zum besseren Verständnis des...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

6. Internationale Fachkonferenz „InnoTesting“ am 23. und 24. Februar 2017 in Wildau

22.02.2017 | Veranstaltungen

Wunderwelt der Mikroben

22.02.2017 | Veranstaltungen

Der Lkw der Zukunft kommt ohne Fahrer aus

21.02.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Ursache für eine erbliche Muskelerkrankung entdeckt

22.02.2017 | Medizin Gesundheit

Möglicher Zell-Therapieansatz gegen Zytomegalie

22.02.2017 | Biowissenschaften Chemie

Meeresforschung in Echtzeit verfolgen

22.02.2017 | Geowissenschaften