Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Das gläserne Genlabor

15.06.2001

Geklonte Tiere, gentechnisch veränderte Lebensmittel, geplante Arbeiten mit Stammzellen aus menschlichen Embryonen - vielen Menschen macht die moderne Biotechnologie Angst. Doch kaum jemand weiß, wie es in einem Genlabor tatsächlich aussieht. Ähnelt es Frankensteins Küche oder ist es ein ganz normaler Arbeitsplatz? Im »gläsernen Genlaboratorium« können Interessierte einen typischen Laborarbeitsplatz kennenlernen.

Vorsichtig zieht der grauhaarige Herr den weißen, langärmeligen Kittel mit der Aufschrift Biotechnologie über seinen Anzug. Durch eine kleine Schleuse, eine spezielle Tür, betritt er das Genlabor. Auf der hüfthohen Arbeitsfläche vor ihm stehen Pipetten, eine Box mit Latexhandschuhen, schwarze Ständer mit kleinen verschließbaren Plastikgefäßen, Glasflaschen mit handgeschriebenen Beschriftungen und einige Tabakpflanzen, die in einer Art farbiger Gelatine wachsen. Interessiert blickt der Besucher auf die Arbeitsfläche, in die ein kleiner Bildschirm integriert ist. Dort zeigt ein kurzer Film, wie ein Biologe in einem Genlabor arbeitet. Langsam macht der ältere Mann nach, was er in der Einspielung sieht: Er greift zur Pipette, streift sorgfältig eine spitze, blaue Plastikspitze darüber, taucht sie in eine braune Glasflasche mit der Aufschrift Ethanol und entnimmt etwas Flüssigkeit.

Der grauhaarige Herr ist einer der zahlreichen Besucher des »Gläsernen Genlaboratoriums«, einem Gemeinschaftsprojekt des Fraunhofer-Instituts für Umweltchemie und Ökotoxikologie IUCT und der Kunsthochschule für Medien KhM. »Das mobile Ausstellungsstück ist ein 1:1 Modell eines typischen Arbeitsplatzes aus einem realen Genlabor«, erläutert Dr. Dirk Prüfer vom IUCT, der gemeinsam mit dem Biologen und Künstler Dr. Klaus Fritze das Projekt initiiert hat. Das transportable Exponat verfügt über alle Gerätschaften, die auch in einem echten Labor zu finden sind - Schüttler, Pipetten, Glasröhrchen, Chemikalien und eine PCR-Maschine zum Vervielfältigen bestimmter Gensequenzen. Auch steril angezogene Tabak- und Kartoffelpflanzen sind zu sehen.

»Die Besucher dürfen nicht nur, sie sollen sogar die Werkzeuge und Apparate anfassen und selber ausprobieren«, berichtet Prüfer, der Leiter der Arbeitsgruppe Angewandte Genomforschung am IUCT. Wie die Geräte zu bedienen sind, erfahren die Besucher entweder aus kurzen Filmen, die auf der Arbeitsfläche eingespielt werden, oder direkt von einem Wissenschaftler. Um die Laboratmosphäre möglichst realistisch nachzustellen, müssen die Gäste zunächst einen weißen Kittel überziehen, bevor sie den Arbeitsplatz betreten dürfen. Aus dem Lautsprecher ertönen Stimmen von Wissenschaftlern im Gespräch, das Klirren von Glas und das leise Brummen von Maschinen ist zu hören. »Unser Ziel ist es, den Besuchern die soziale und wissenschaftliche Arbeitsnormalität in einem Genlabor zu zeigen«, erklärt Prüfer.

Das künstlerisch-wissenschaftliche Ausstellungsobjekt »Das Gläserner Genlaboratorium - Frankensteins Küche oder ein ganz normaler Arbeitsplatz« wurde mit Hilfe eines Förderpreises des Stifterverbands realisiert. Die Fraunhofer-Gesellschaft und die Kölner Kunsthochschule haben das Projekt unterstützt. Das Exponat ist mobil und kann ähnlich wie eine Flugzeugküche transportiert werden. Die nächsten Ausstellungsorte sind München und Berlin.

In der bayerischen Landeshauptstadt ist das »gläserne Genlaboratorium« anlässlich der Münchener Wissenschaftstage »life science live« vom 22.-26. Juni im Deutschen Museum zu sehen. Danach können Interessenten in Berlin erfahren, wie der Arbeitsplatz in einem Genlabor aussieht. In der Hauptstadt ist das Exponat vom 12. -17. September im Rahmen des Wissenschaftssommers in den Potsdamer Platz Arkaden zu besichtigen.

Birgit Niesing | Mediendienst

Weitere Berichte zu: Arbeitsfläche Exponat Genlabor Genlaboratorium

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Biowissenschaften Chemie:

nachricht Faszien: Vernetzt von Kopf bis Fuß
23.01.2018 | Goethe-Universität Frankfurt am Main

nachricht Flattern, wo der Pfeffer wächst
23.01.2018 | Universität Wien

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Biowissenschaften Chemie >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Optisches Nanoskop ermöglicht Abbildung von Quantenpunkten

Physiker haben eine lichtmikroskopische Technik entwickelt, mit der sich Atome auf der Nanoskala abbilden lassen. Das neue Verfahren ermöglicht insbesondere, Quantenpunkte in einem Halbleiter-Chip bildlich darzustellen. Dies berichten die Wissenschaftler des Departements Physik und des Swiss Nanoscience Institute der Universität Basel zusammen mit Kollegen der Universität Bochum in «Nature Photonics».

Mikroskope machen Strukturen sichtbar, die dem menschlichen Auge sonst verborgen blieben. Einzelne Moleküle und Atome, die nur Bruchteile eines Nanometers...

Im Focus: Optical Nanoscope Allows Imaging of Quantum Dots

Physicists have developed a technique based on optical microscopy that can be used to create images of atoms on the nanoscale. In particular, the new method allows the imaging of quantum dots in a semiconductor chip. Together with colleagues from the University of Bochum, scientists from the University of Basel’s Department of Physics and the Swiss Nanoscience Institute reported the findings in the journal Nature Photonics.

Microscopes allow us to see structures that are otherwise invisible to the human eye. However, conventional optical microscopes cannot be used to image...

Im Focus: Vollmond-Dreierlei am 31. Januar 2018

Am 31. Januar 2018 fallen zum ersten Mal seit dem 30. Dezember 1982 "Supermond" (ein Vollmond in Erdnähe), "Blutmond" (eine totale Mondfinsternis) und "Blue Moon" (ein zweiter Vollmond im Kalendermonat) zusammen - Beobachter im deutschen Sprachraum verpassen allerdings die sichtbaren Phasen der Mondfinsternis.

Nach den letzten drei Vollmonden am 4. November 2017, 3. Dezember 2017 und 2. Januar 2018 ist auch der bevorstehende Vollmond am 31. Januar 2018 ein...

Im Focus: Maschinelles Lernen im Quantenlabor

Auf dem Weg zum intelligenten Labor präsentieren Physiker der Universitäten Innsbruck und Wien ein lernfähiges Programm, das eigenständig Quantenexperimente entwirft. In ersten Versuchen hat das System selbständig experimentelle Techniken (wieder)entdeckt, die heute in modernen quantenoptischen Labors Standard sind. Dies zeigt, dass Maschinen in Zukunft auch eine kreativ unterstützende Rolle in der Forschung einnehmen könnten.

In unseren Taschen stecken Smartphones, auf den Straßen fahren intelligente Autos, Experimente im Forschungslabor aber werden immer noch ausschließlich von...

Im Focus: Artificial agent designs quantum experiments

On the way to an intelligent laboratory, physicists from Innsbruck and Vienna present an artificial agent that autonomously designs quantum experiments. In initial experiments, the system has independently (re)discovered experimental techniques that are nowadays standard in modern quantum optical laboratories. This shows how machines could play a more creative role in research in the future.

We carry smartphones in our pockets, the streets are dotted with semi-autonomous cars, but in the research laboratory experiments are still being designed by...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

VideoLinks Industrie & Wirtschaft
Veranstaltungen

Leichtbau zu Ende gedacht – Herausforderung Recycling

23.01.2018 | Veranstaltungen

Die Flugerprobung des Airbus A320neo

23.01.2018 | Veranstaltungen

15. BF21-Jahrestagung „Mobilität & Kfz-Versicherung im Fokus“

22.01.2018 | Veranstaltungen

VideoLinks Wissenschaft & Forschung
Weitere VideoLinks im Überblick >>>
 
Aktuelle Beiträge

Optisches Nanoskop ermöglicht Abbildung von Quantenpunkten

23.01.2018 | Physik Astronomie

Neue Formeln zur Erforschung der Altersstruktur nicht-linearer dynamischer Systeme

23.01.2018 | Interdisziplinäre Forschung

Dreifachblockade am Glioblastom

23.01.2018 | Medizin Gesundheit

Weitere B2B-VideoLinks
IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics