Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Biologe betreibt Grundlagenforschung zur Entstehung von Krebs

07.07.2004


Der Genetikforscher Prof. Dr. Jürgen Heinisch an der Universität Osnabrück untersucht auf zellularer Ebene die Eigenschaften der Hefe. Und da Hefe menschlichen Zellen sehr ähnlich ist, können Krebsforscher die Ergebnisse von Heinisch als Grundlage für ihre Forschungen nutzen.



"Der Mensch besteht aus Milliarden von Zellen, die alle aus nur einer einzigen befruchteten Eizelle entstanden sind", erklärt Heinisch. Die Hefe bildet ebenfalls unzählige Individuen, die ihren Ursprung in nur einer Zelle haben. Beide besitzen außerdem einen Zellkern, in dem alle Erbinformationen gespeichert sind. Diese ermöglichen ihnen letztendlich die Anpassung an verschiedenste Umweltbedingungen. Wie die Hefe auf diese Situationen reagieren, erklärt den Forschern im Prinzip, wie eine menschliche Zelle reagieren würde. Vor allem hoffen die Wissenschaftler zu erfahren, wie und warum sich Zellen teilen. Heinisch: "Schließlich ist der Krebs nicht anderes als ein außer Kontrolle geratenes Zellwachstum."



Wie wichtig die Erforschung der Hefe als Grundlagenforschung ist, wurde bereits vor vier Jahren festgestellt: Leland Hartwell, Paul Nurse und Timothy Hunt erhielten für ihre Arbeiten den Nobelpreis für Medizin. Sie konnten erklären, wie das Wachstum einer Hefezelle im Innern ihres Zellkerns gesteuert wird. Heinischs Frage lautet anders, er möchte herausfinden, wie das Wachstum von außen gesteuert werden kann, zum Beispiel durch Hitze oder das Füttern der Zelle mit Zucker.

Die wissenschaftlichen Hintergründe lassen sich rasch erklären: Damit eine Zelle wachsen kann, müssen Reize erkannt, in Signale umgesetzt werden und bis in den Zellkern gelangen. Heinisch vergleicht diese so genannte Signalkette mit einer Löschkette bei Bränden: "So wie der Eimer Wasser von einer Hand zur nächsten bis zum Brandherd weitergereicht wird, wird auch der Befehl von der Oberfläche einer Zelle bis in den Zellkern übertragen." Dort werden Gene an- und abgeschaltet. Wird diese Kette an einer Stelle unterbrochen, kann ein Zellwachstum ausgelöst oder auch verhindert werden. Letzteres ist die Basis auf der neue Krebsmedikamente funktionieren könnten.

Heinisch hat bereits vor längerem menschliche Gene in Hefezellen eingebracht. Stellt man sich die Erbinformation der Hefe als Strang vor, der in mehrere Teile unterteilt ist, wird eines dieser Teile durch das menschliche Pendant ersetzt. So lässt sich zum Beispiel nachweisen, welches der unzähligen Enzyme in einer menschlichen Zelle reagiert, wenn es mit einer Chemikalie in Berührung kommt. Auf lange Sicht, so Heinisch, könne man herausfinden, welcher Teil in der Zelle wofür wichtig ist: "Wenn man versteht, wie etwas funktioniert, kann man es bewusst verändern. Deshalb kann die Grundlagenforschung zum Wohl der Menschen genutzt werden."

Weitere Informationen:
Prof. Dr. Jürgen Heinisch, Universität Osnabrück
Fachbereich Biologie/Chemie,
Barbarastr. 11, D-49069 Osnabrück,
Tel. +49 541 969-2290, Fax. +49 541 969-2349
e-mail: heinisch@biologie.uni-osnabrueck.de

Oliver Schmidt | idw
Weitere Informationen:
http://www.uni-osnabrueck.de

Weitere Berichte zu: Grundlagenforschung Hefe Hefezelle Zelle Zellkern

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Biowissenschaften Chemie:

nachricht Designerviren stacheln Immunabwehr gegen Krebszellen an
26.05.2017 | Universität Basel

nachricht Wachstumsmechanismus der Pilze entschlüsselt
26.05.2017 | Karlsruher Institut für Technologie

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Biowissenschaften Chemie >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Lässt sich mit Boten-RNA das Immunsystem gegen Staphylococcus aureus scharf schalten?

Staphylococcus aureus ist aufgrund häufiger Resistenzen gegenüber vielen Antibiotika ein gefürchteter Erreger (MRSA) insbesondere bei Krankenhaus-Infektionen. Forscher des Paul-Ehrlich-Instituts haben immunologische Prozesse identifiziert, die eine erfolgreiche körpereigene, gegen den Erreger gerichtete Abwehr verhindern. Die Forscher konnten zeigen, dass sich durch Übertragung von Protein oder Boten-RNA (mRNA, messenger RNA) des Erregers auf Immunzellen die Immunantwort in Richtung einer aktiven Erregerabwehr verschieben lässt. Dies könnte für die Entwicklung eines wirksamen Impfstoffs bedeutsam sein. Darüber berichtet PLOS Pathogens in seiner Online-Ausgabe vom 25.05.2017.

Staphylococcus aureus (S. aureus) ist ein Bakterium, das bei weit über der Hälfte der Erwachsenen Haut und Schleimhäute besiedelt und dabei normalerweise keine...

Im Focus: Can the immune system be boosted against Staphylococcus aureus by delivery of messenger RNA?

Staphylococcus aureus is a feared pathogen (MRSA, multi-resistant S. aureus) due to frequent resistances against many antibiotics, especially in hospital infections. Researchers at the Paul-Ehrlich-Institut have identified immunological processes that prevent a successful immune response directed against the pathogenic agent. The delivery of bacterial proteins with RNA adjuvant or messenger RNA (mRNA) into immune cells allows the re-direction of the immune response towards an active defense against S. aureus. This could be of significant importance for the development of an effective vaccine. PLOS Pathogens has published these research results online on 25 May 2017.

Staphylococcus aureus (S. aureus) is a bacterium that colonizes by far more than half of the skin and the mucosa of adults, usually without causing infections....

Im Focus: Orientierungslauf im Mikrokosmos

Physiker der Universität Würzburg können auf Knopfdruck einzelne Lichtteilchen erzeugen, die einander ähneln wie ein Ei dem anderen. Zwei neue Studien zeigen nun, welches Potenzial diese Methode hat.

Der Quantencomputer beflügelt seit Jahrzehnten die Phantasie der Wissenschaftler: Er beruht auf grundlegend anderen Phänomenen als ein herkömmlicher Rechner....

Im Focus: A quantum walk of photons

Physicists from the University of Würzburg are capable of generating identical looking single light particles at the push of a button. Two new studies now demonstrate the potential this method holds.

The quantum computer has fuelled the imagination of scientists for decades: It is based on fundamentally different phenomena than a conventional computer....

Im Focus: Tumult im trägen Elektronen-Dasein

Ein internationales Team von Physikern hat erstmals das Streuverhalten von Elektronen in einem nichtleitenden Material direkt beobachtet. Ihre Erkenntnisse könnten der Strahlungsmedizin zu Gute kommen.

Elektronen in nichtleitenden Materialien könnte man Trägheit nachsagen. In der Regel bleiben sie an ihren Plätzen, tief im Inneren eines solchen Atomverbunds....

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Meeresschutz im Fokus: Das IASS auf der UN-Ozean-Konferenz in New York vom 5.-9. Juni

24.05.2017 | Veranstaltungen

Diabetes Kongress in Hamburg beginnt heute: Rund 6000 Teilnehmer werden erwartet

24.05.2017 | Veranstaltungen

Wissensbuffet: „All you can eat – and learn”

24.05.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

DFG fördert 15 neue Sonderforschungsbereiche (SFB)

26.05.2017 | Förderungen Preise

Lässt sich mit Boten-RNA das Immunsystem gegen Staphylococcus aureus scharf schalten?

26.05.2017 | Biowissenschaften Chemie

Unglaublich formbar: Lesen lernen krempelt Gehirn selbst bei Erwachsenen tiefgreifend um

26.05.2017 | Gesellschaftswissenschaften