Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Wie Krebsgene Leben retten sollen

12.06.2001

Krebszellen altern nicht und sterben nicht ab - eine der Ursachen dafür ist ein Protein, das wie ein Schalter funktioniert. Durch gezieltes Umlegen dieses Schalters wollen Forscher diese eigentlich krankhafte Eigenschaft nutzen, um das Absterben von Nervenzellen bei Verletzungen und Neurologischen Krankheiten wie Alzheimer und Parkinson zu verhindern.

Forscher suchen Waffen gegen Nervenleiden
"Unsterbliche" Nervenzellen


Was Tumore so heimtückisch macht, ist ihr uneingeschränktes, unkontrolliertes Zellwachstum: Krebszellen altern nicht und sterben nicht ab, sondern vermehren sich unaufhörlich. Eine der Ursachen dafür ist ein Protein, das wie ein Schalter funktioniert. Durch gezieltes Umlegen dieses Schalters wollen Forscher um Prof. Dr. Rolf Heumann (Lehrstuhl für Molekulare Neurobiochemie, Fakultät für Chemie) die eigentlich krankhafte Eigenschaft von Krebszellen nutzen, um das Absterben von Nervenzellen bei Verletzungen und Neurologischen Krankheiten wie Alzheimer und Parkinson zu verhindern.

Ras schaltet Zellen ein und aus

Das Leben und Sterben der Nervenzellen liegt zum Teil in ihnen selbst begründet: Schon bei ihrer Geburt, im embryonalen Stadium besitzen sie ein Selbstzerstörungsprogramm, das mittels bestimmter Botenstoffe ausgeschaltet werden muss, damit sich die Zelle entwickeln kann. So entstehen nur die Zellen, die auch gebraucht werden. Verantwortlich dafür ist eine Art Schalter in der Zelle, das Ras (Ratten Sarkom). Bestimmte Proteine können es an- und wieder ausschalten. Tumorzellen haben erhöhte Ras-Aktivität, sie sind immer "an" und können deshalb uneingeschränkt wachsen - sie sind unsterblich. Dieser Zustand entsteht durch eine Mutation im Ras-Protein. Ungehemmtes Zellwachstum und ein nicht ablaufendes Todesprogramm der Zellen ermöglichen die Bildung eines Tumors.

Unsterbliche Zellen machen krank - oder gesund

Die Wissenschaftler haben nun versucht, den Spieß umzudrehen: Sie fragten sich, ob das mutierte Ras auch Zellen aktivieren und sie damit überleben lassen könnte. Um diese Frage zu beantworten, züchten sie Mäuse, in deren fertig ausgebildeten Nervenzellen sich das mutierte Ras befindet. So können sie das Ras im Gehirn der Mäuse untersuchen, ohne durch seinen Einsatz eine Tumorbildung zu provozieren. Bei den so genannten synRas-Mäusen ist das Gehirn deutlich größer als beim Wildtyp, wobei die Anzahl der Nervenzellen aber gleich ist. Bei Verletzungen, die mit der Degeneration von Nervenzellen beim erwachsenen Organismus einhergehen, z. B. der Durchtrennung des Gesichtsnervs, zeigen sich bei den synRas-Mäusen keine Schäden. Dieser Fund könnte etwa für die Transplantation von Nervenzellen bei der Parkinson-Krankheit von Bedeutung sein: Sterben in aktuellen Studien die meisten transplantierten Zellen recht bald ab, könnten Zellen, in denen das mutierte Ras erst nach der vollständigen Ausbildung der Zelle aktiv wird, eine bessere Überlebensquote haben. In diesem Fall wäre eine Therapie denkbar, bei der synRas in Stammzellen (d.h. noch undifferenzierte Zellen) übertragen wird, die dem eigenen Knochenmark des Patienten entnommen sind. Die veränderten Zellen werden dem Patienten dann Implanitert. Erst in der erwachsenen Zelle wird das Ras aktiv und bewahrt die Zelle vor dem Untergang.

RUBIN 1/01 erschienen

Den vollständigen Beitrag lesen Sie in RUBIN 1/01. Dort finden Sie außerdem folgende Themen: Alarm in der U-Bahn: Mit "NADiS" sicher aus dem Tunnel; Chemische Tricks mit molekularen Klümpchen; Checkpoint im Gehirn: Jetzt in der Kulturschale; Stoßfrei durch die Nanostruktur; Simulation Intelligenter Netze; Der Islam und die europäische Kultur; Münzen machen Geschichte. RUBIN ist in der Pressestelle der RUB für 5 DM erhältlich.

Weitere Informationen

Prof. Dr. Rolf Heumann, Lehrstuhl für Molekulare Neurobiochemie, Fakultät für Chemie der Ruhr-Universität, 44780 Bochum, Tel. 0234/32-28230, Fax: 0234/32-14105, E-Mail: rolf.heumann@ruhr-uni-bochum.de

Dr. Josef König | idw
Weitere Informationen:
http://www.ruhr-uni-bochum.de/pressemitteilungen-2001/msg00156.html

Weitere Berichte zu: Nervenzelle Parkinson Protein Ras Zelle

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Biowissenschaften Chemie:

nachricht Forscher beschreiben neuartigen Antikörper als möglichen Wirkstoff gegen Alzheimer
22.08.2017 | Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg

nachricht Virus mit Eierschale
22.08.2017 | Gesellschaft Deutscher Chemiker e.V.

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Biowissenschaften Chemie >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Wissenschaftler entdecken seltene Ordnung von Elektronen in einem supraleitenden Kristall

In einem Artikel der aktuellen Ausgabe des Forschungsmagazins „Nature“ berichten Wissenschaftler vom Max-Planck-Institut für Chemische Physik fester Stoffe in Dresden von der Entdeckung eines seltenen Materiezustandes, bei dem sich die Elektronen in einem Kristall gemeinsam in einer Richtung bewegen. Diese Entdeckung berührt eine der offenen Fragestellungen im Bereich der Festkörperphysik: Was passiert, wenn sich Elektronen gemeinsam im Kollektiv verhalten, in sogenannten „stark korrelierten Elektronensystemen“, und wie „einigen sich“ die Elektronen auf ein gemeinsames Verhalten?

In den meisten Metallen beeinflussen sich Elektronen gegenseitig nur wenig und leiten Wärme und elektrischen Strom weitgehend unabhängig voneinander durch das...

Im Focus: Wie ein Bakterium von Methanol leben kann

Bei einem Bakterium, das Methanol als Nährstoff nutzen kann, identifizierten ETH-Forscher alle dafür benötigten Gene. Die Erkenntnis hilft, diesen Rohstoff für die Biotechnologie besser nutzbar zu machen.

Viele Chemiker erforschen derzeit, wie man aus den kleinen Kohlenstoffverbindungen Methan und Methanol grössere Moleküle herstellt. Denn Methan kommt auf der...

Im Focus: Topologische Quantenzustände einfach aufspüren

Durch gezieltes Aufheizen von Quantenmaterie können exotische Materiezustände aufgespürt werden. Zu diesem überraschenden Ergebnis kommen Theoretische Physiker um Nathan Goldman (Brüssel) und Peter Zoller (Innsbruck) in einer aktuellen Arbeit im Fachmagazin Science Advances. Sie liefern damit ein universell einsetzbares Werkzeug für die Suche nach topologischen Quantenzuständen.

In der Physik existieren gewisse Größen nur als ganzzahlige Vielfache elementarer und unteilbarer Bestandteile. Wie das antike Konzept des Atoms bezeugt, ist...

Im Focus: Unterwasserroboter soll nach einem Jahr in der arktischen Tiefsee auftauchen

Am Dienstag, den 22. August wird das Forschungsschiff Polarstern im norwegischen Tromsø zu einer besonderen Expedition in die Arktis starten: Der autonome Unterwasserroboter TRAMPER soll nach einem Jahr Einsatzzeit am arktischen Tiefseeboden auftauchen. Dieses Gerät und weitere robotische Systeme, die Tiefsee- und Weltraumforscher im Rahmen der Helmholtz-Allianz ROBEX gemeinsam entwickelt haben, werden nun knapp drei Wochen lang unter Realbedingungen getestet. ROBEX hat das Ziel, neue Technologien für die Erkundung schwer erreichbarer Gebiete mit extremen Umweltbedingungen zu entwickeln.

„Auftauchen wird der TRAMPER“, sagt Dr. Frank Wenzhöfer vom Alfred-Wegener-Institut, Helmholtz-Zentrum für Polar- und Meeresforschung (AWI) selbstbewusst. Der...

Im Focus: Mit Barcodes der Zellentwicklung auf der Spur

Darüber, wie sich Blutzellen entwickeln, existieren verschiedene Auffassungen – sie basieren jedoch fast ausschließlich auf Experimenten, die lediglich Momentaufnahmen widerspiegeln. Wissenschaftler des Deutschen Krebsforschungszentrums stellen nun im Fachjournal Nature eine neue Technik vor, mit der sich das Geschehen dynamisch erfassen lässt: Mithilfe eines „Zufallsgenerators“ versehen sie Blutstammzellen mit genetischen Barcodes und können so verfolgen, welche Zelltypen aus der Stammzelle hervorgehen. Diese Technik erlaubt künftig völlig neue Einblicke in die Entwicklung unterschiedlicher Gewebe sowie in die Krebsentstehung.

Wie entsteht die Vielzahl verschiedener Zelltypen im Blut? Diese Frage beschäftigt Wissenschaftler schon lange. Nach der klassischen Vorstellung fächern sich...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

International führende Informatiker in Paderborn

21.08.2017 | Veranstaltungen

Wissenschaftliche Grundlagen für eine erfolgreiche Klimapolitik

21.08.2017 | Veranstaltungen

DGI-Forum in Wittenberg: Fake News und Stimmungsmache im Netz

21.08.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Wissenschaftler entdecken seltene Ordnung von Elektronen in einem supraleitenden Kristall

22.08.2017 | Physik Astronomie

Forscher beschreiben neuartigen Antikörper als möglichen Wirkstoff gegen Alzheimer

22.08.2017 | Biowissenschaften Chemie

Virus mit Eierschale

22.08.2017 | Biowissenschaften Chemie