Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Die einheimische Flora unter die Lupe genommen

28.06.2004


BIOLFLOR - so lautet der Name der bislang umfangreichsten Sammlung von Daten über unsere einheimische Pflanzenwelt, die nun im Internet einsehbar und damit für einen breiten Anwenderkreis nutzbar ist.



Sie wird von Wissenschaftlern des Umweltforschungszentrums Leipzig-Halle (UFZ) und dem Bundesamt für Naturschutz (BfN) veröffentlicht und enthält eine umfassende Beschreibung von über 3.600 für die Vegetation Deutschlands und Mitteleuropas maßgeblichen Farn- und Blütenpflanzen. Eine in dieser Vielfalt und Breite bislang einmalige Zusammenstellung, die ihre Nutzer sowohl in der Wissenschaft als auch im praktischen Naturschutz finden soll.

... mehr zu:
»BfN »Naturschutz »Pflanzenart »UFZ »Ökologie


Die Entwicklung von biologisch-ökologischen Datenbanken ist nicht neu, sie begann bereits Anfang des 20. Jahrhunderts. So entstand im Laufe der vergangenen Jahrzehnte eine Vielzahl von Sammlungen mit biologischen und/oder ökologischen Daten zur einheimischen Pflanzenwelt. Im Unterschied zur jetzt vorgelegten Datenbank beschränkten diese sich jedoch in den meisten Fällen entweder auf kleinere Regionen, oder sie betrachteten weit weniger Pflanzenarten bzw. es wurden weniger Pflanzen-Merkmale beschrieben.

Nicht nur die Möglichkeiten der heute verfügbaren Rechentechnik, sondern auch die Erfordernisse der modernen Ökologie bewog die vom UFZ koordinierte Expertengruppe um Dr. Stefan Klotz, Dr. Ingolf Kühn und Dr. Walter Durka, aufbauend auf der Tradition des Geobotanischen Instituts der Universität Halle, in einer mehr als 10-jährigen Sammel- und Forschungsarbeit bislang vorhandene Daten zusammenzutragen, zu systematisieren und durch neue Forschungsergebnisse zu ergänzen. Maßgeblich unterstützt wurden sie dabei vom Bundesamt für Naturschutz, das sich etwa seit 20 Jahren damit befasst, die von Naturschutz und naturschutzrelevanter Forschung benötigten Bio-Informationen in entsprechenden Informationssystemen bereitzustellen. Den Auf-bau von Biolflor unterstützte das BfN sowohl finanziell als auch durch die Bereitstellung von bereits vorhandenen Daten.

In BIOLFLOR werden mehr als 65 biologisch-ökologische Einzelmerkmale für jede der mehr als 3.600 Pflanzen beschrieben. Dazu zählen bspw. morphologische und genetische Merkmale oder Angaben über Soziologie und Biotopbindung. Aber auch die Herkunft der Arten, einschließlich Einwanderungszeiten und Einwanderungsgrad oder auch Nutzungswerte werden beschrieben.

Diese bislang einmalige breite Charakterisierung der Pflanzenarten eignet sich nicht nur hervorragend für eine Nutzung im Hinblick auf verschiedenste wissenschaftliche Fragestellungen - von der Populationsbiologie bis hin zur Makroökologie (1). Vielmehr bietet sie sich auch als Arbeitsmittel in Naturschutz und Landschaftsplanung sowie Land- und Forstwirtschaft an, denn viele der aktuellen praktischen Probleme können nur in Kenntnis von Biologie und Ökologie der heimischen Flora gelöst werden.

Beispielsweise kann das Überleben einer wild wachsenden Pflanzenart durchaus davon abhängen, ob diejenigen, die ihren Lebensraum (die Wiese, den Wald) nutzen und pflegen, darüber informiert sind, wann sie blüht, wann ihre Früchte reif sind und wann und unter welchen Voraussetzungen die Samen keimen können - oder wie lange Zeit sie im Boden ausharren können, falls die Bedingungen für einen neuen Lebenszyklus gerade ungünstig sind. Mit diesem Wissen sind Praktiker dann in der Lage, z.B. den Mähzeitpunkt sinnvoll anzusetzen, über eine evtl. Auflichtung des Waldes zu entscheiden, das Vieh zum richtigen Zeitpunkt auf die Weide zu treiben oder rechtzeitig Maßnahmen zur Lockerung der Grasnarbe zwecks Schaffung der notwendigen Keimbedingungen zu treffen. Es gibt viele sehr erstaunliche und unerwartete Details, die für das Überleben wild lebender Pflanzen und Tiere entscheidend sein können.

Mit BIOLFLOR haben UFZ und BfN, deren erfolgreiche Kooperation sich auch in den nächsten Jahren fortsetzen soll, die für Deutschland bisher umfassendste Zusammenstellung an Pflan-zenmerkmalen geschaffen, die es möglich macht, schnell und komplikationslos auf möglichst viele Informationen über Lebensumstände und Lebensbedürfnisse von Pflanzen zuzugreifen und sie miteinander zu verbinden.

1)Die Makroökologie ist ein neuer methodischer Ansatz innerhalb der Ökologie. Innerhalb dessen werden Beziehungen zwischen Organismen und ihrer Umwelt auf großer räumlicher oder zeitlicher Skale untersucht.

Susanne Hufe | UFZ
Weitere Informationen:
http://www.floraweb.de
http://www.ufz.de/biolflor
http://www.lv-h.de/bfn

Weitere Berichte zu: BfN Naturschutz Pflanzenart UFZ Ökologie

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Biowissenschaften Chemie:

nachricht Forscher sehen Biomolekülen bei der Arbeit zu
05.12.2016 | Rheinische Friedrich-Wilhelms-Universität Bonn

nachricht Wie sich Zellen gegen Salmonellen verteidigen
05.12.2016 | Goethe-Universität Frankfurt am Main

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Biowissenschaften Chemie >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Wie sich Zellen gegen Salmonellen verteidigen

Bioinformatiker der Goethe-Universität haben das erste mathematische Modell für einen zentralen Verteidigungsmechanismus der Zelle gegen das Bakterium Salmonella entwickelt. Sie können ihren experimentell arbeitenden Kollegen damit wertvolle Anregungen zur Aufklärung der beteiligten Signalwege geben.

Jedes Jahr sind Salmonellen weltweit für Millionen von Infektionen und tausende Todesfälle verantwortlich. Die Körperzellen können sich aber gegen die...

Im Focus: Shape matters when light meets atom

Mapping the interaction of a single atom with a single photon may inform design of quantum devices

Have you ever wondered how you see the world? Vision is about photons of light, which are packets of energy, interacting with the atoms or molecules in what...

Im Focus: Greifswalder Forscher dringen mit superauflösendem Mikroskop in zellulären Mikrokosmos ein

Das Institut für Anatomie und Zellbiologie weiht am Montag, 05.12.2016, mit einem wissenschaftlichen Symposium das erste Superresolution-Mikroskop in Greifswald ein. Das Forschungsmikroskop wurde von der Deutschen Forschungsgemeinschaft (DFG) und dem Land Mecklenburg-Vorpommern finanziert. Nun können die Greifswalder Wissenschaftler Strukturen bis zu einer Größe von einigen Millionstel Millimetern mittels Laserlicht sichtbar machen.

Weit über hundert Jahre lang galt die von Ernst Abbe 1873 publizierte Theorie zur Auflösungsgrenze von Lichtmikroskopen als ein in Stein gemeißeltes Gesetz....

Im Focus: Durchbruch in der Diabetesforschung: Pankreaszellen produzieren Insulin durch Malariamedikament

Artemisinine, eine zugelassene Wirkstoffgruppe gegen Malaria, wandelt Glukagon-produzierende Alpha-Zellen der Bauchspeicheldrüse (Pankreas) in insulinproduzierende Zellen um – genau die Zellen, die bei Typ-1-Diabetes geschädigt sind. Das haben Forscher des CeMM Forschungszentrum für Molekulare Medizin der Österreichischen Akademie der Wissenschaften im Rahmen einer internationalen Zusammenarbeit mit modernsten Einzelzell-Analysen herausgefunden. Ihre bahnbrechenden Ergebnisse werden in Cell publiziert und liefern eine vielversprechende Grundlage für neue Therapien gegen Typ-1 Diabetes.

Seit einigen Jahren hatten sich Forscher an diesem Kunstgriff versucht, der eine simple und elegante Heilung des Typ-1 Diabetes versprach: Die vom eigenen...

Im Focus: Makromoleküle: Mit Licht zu Präzisionspolymeren

Chemikern am Karlsruher Institut für Technologie (KIT) ist es gelungen, den Aufbau von Präzisionspolymeren durch lichtgetriebene chemische Reaktionen gezielt zu steuern. Das Verfahren ermöglicht die genaue, geplante Platzierung der Kettengliedern, den Monomeren, entlang von Polymerketten einheitlicher Länge. Die präzise aufgebauten Makromoleküle bilden festgelegte Eigenschaften aus und eignen sich möglicherweise als Informationsspeicher oder synthetische Biomoleküle. Über die neuartige Synthesereaktion berichten die Wissenschaftler nun in der Open Access Publikation Nature Communications. (DOI: 10.1038/NCOMMS13672)

Chemische Reaktionen lassen sich durch Einwirken von Licht bei Zimmertemperatur auslösen. Die Forscher am KIT nutzen diesen Effekt, um unter Licht die...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Wie aus reinen Daten ein verständliches Bild entsteht

05.12.2016 | Veranstaltungen

Von „Coopetition“ bis „Digitale Union“ – Die Fertigungsindustrien im digitalen Wandel

02.12.2016 | Veranstaltungen

Experten diskutieren Perspektiven schrumpfender Regionen

01.12.2016 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Flüssiger Wasserstoff im freien Fall

05.12.2016 | Maschinenbau

Forscher sehen Biomolekülen bei der Arbeit zu

05.12.2016 | Biowissenschaften Chemie

Wie aus reinen Daten ein verständliches Bild entsteht

05.12.2016 | Veranstaltungsnachrichten