Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Proteolyse in Prokaryonten. FU-Biologin koordiniert neuen DFG-Schwerpunkt

08.06.2001

Die Lebensvorgänge in Bakterienzellen werden maßgeblich durch einen exakt nach Bedarf regulierten Proteinabbau gesteuert. Wie die Einzeller diese Prozesse regulieren und dabei zusätzlich noch eine Qualitätskontrolle der Proteine vornehmen, wird ab 2002 im DFG-Schwerpunktprogramm "Proteolyse in Prokaryonten" erforscht. Die Koordination der interdisziplinären Arbeiten übernimmt Prof. Dr. Regine Hengge-Aronis von Institut für Biologie der Freien Universität Berlin.



Das Projekt ist eines von 15 neuen Schwerpunktprogrammen, die von der Deutschen Forschungsgemeinschaft (DFG) ab Anfang 2002 mit insgesamt 78 Millionen DM gefördert werden. Die DFG will damit die interdisziplinäre Zusammenarbeit von Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern sowie die Kooperation verschiedener Forschungseinrichtungen unter einer gemeinsamen Thematik fördern. Am Projekt "Proteolyse in Prokaryonten" werden voraussichtlich 18 Forschergruppen aus Deutschland und der Schweiz beteiligt sein.



Ihren evolutionären Erfolg verdanken Bakterien ihrer Fähigkeit, sich sehr rasch an wechselnde Umweltbedingungen anzupassen. Sie sind allgegenwärtig und auch in den lebensfeindlichsten Habitaten unseres Planeten zu Hause. Ob in sauren, heißen Quellen, im Stein oder im arktischen Eis - die "Extremisten" fühlen sich überall pudelwohl. Ihre Adaptionsfähigkeit beruht auf einer hoch komplexen molekularen Signalverarbeitung und Regulation, die zu starken Veränderungen der Proteinzusammensetzung in den bakteriellen Zellen führen.

Bisher konzentrierten sich die Forschungen auf die regulatorischen Vorgänge bei der Proteinsynthese und damit auf die Kontrolle der Genexpression. Heute weiß man, dass auch Regulationsmechanismen, die nicht auf der DNA-Ebene stattfinden, eine wichtige Rolle spielen. Vor allem ein kontrollierter Abbau der Proteine (Proteolyse) scheint bei der Regulation von Stressantworten, Differenzierungsprozessen aber auch für die Virulenz von pathogenen Keimen von entscheidender Bedeutung zu sein. Daneben dient die Proteolyse einer Qualitätskontrolle, die sicherstellt, dass die Zelle nicht durch funktionsuntüchtige Proteine belastet wird. Obwohl die Mechanismen in höheren Lebewesen deutlich komplexer sind, gilt das gleiche Prinzip auch für pflanzliche, tierische und menschliche Zellen.

Die Arbeitsgruppe um Prof. Hengge-Aronis untersucht seit längerem, wie Bakterien als Antwort auf Umwelteinflüsse das Aktivitätsmuster ihrer Gene ändern. Nährstoffmangel, ungünstige Temperaturverhältnisse oder ein zu hoher Salzgehalt der Umgebung bedeuten Stress für die Einzeller. Aber welche Gene werden aktiviert und wie tragen die Genprodukte (Proteine und Enzyme) zum Überleben bei? Wie nimmt die Zelle den Stress überhaupt wahr und wie erfolgt die Genaktivierung auf molekularer Ebene? Für ihre grundlegenden Studien auf diesem Gebiet wurde die Mikrobiologin bereits 1998 mit dem Gottfried-Wilhelm-Leibnitz-Preis der DFG ausgezeichnet.

Im neuen DFG-Schwerpunkt sollen vor allem die molekularen Strukturen und Mechanismen des Proteinabbaus in Bakterien untersucht werden. Im Vordergrund stehen dabei Fragen der hochspezifischen molekularen Erkennung zwischen Proteinen sowie der Regulation durch extrazelluläre, aus der Umwelt stammende Signale. Die methodischen Ansätze werden von der Strukturbiologie über genetische, molekularbiologische und biochemische Methoden bis hin zur aktuellen Proteomforschung reichen.


Nähere Informationen erteilt Ihnen gern:
Prof. Dr. Regine Hengge-Aronis, Institut f. Biologie der Freien Universität Berlin, Königin-Luise-Str. 12-16, 14195 Berlin, Tel.: 030/838-53119, Fax: 030/838-53118, E-Mail: rhenggea@zedat.fu-berlin.de

Ilka Seer | idw

Weitere Berichte zu: Bakterien Prokaryonten Protein Proteolyse Regulation

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Biowissenschaften Chemie:

nachricht Neurobiologie - Die Chemie der Erinnerung
21.11.2017 | Ludwig-Maximilians-Universität München

nachricht Diabetes: Immunsystem kann Insulin regulieren
21.11.2017 | Universität Basel

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Biowissenschaften Chemie >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Kleine Strukturen – große Wirkung

Innovative Schutzschicht für geringen Verbrauch künftiger Rolls-Royce Flugtriebwerke entwickelt

Gemeinsam mit Rolls-Royce Deutschland hat das Fraunhofer-Institut für Werkstoff- und Strahltechnik IWS im Rahmen von zwei Vorhaben aus dem...

Im Focus: Nanoparticles help with malaria diagnosis – new rapid test in development

The WHO reports an estimated 429,000 malaria deaths each year. The disease mostly affects tropical and subtropical regions and in particular the African continent. The Fraunhofer Institute for Silicate Research ISC teamed up with the Fraunhofer Institute for Molecular Biology and Applied Ecology IME and the Institute of Tropical Medicine at the University of Tübingen for a new test method to detect malaria parasites in blood. The idea of the research project “NanoFRET” is to develop a highly sensitive and reliable rapid diagnostic test so that patient treatment can begin as early as possible.

Malaria is caused by parasites transmitted by mosquito bite. The most dangerous form of malaria is malaria tropica. Left untreated, it is fatal in most cases....

Im Focus: Transparente Beschichtung für Alltagsanwendungen

Sport- und Outdoorbekleidung, die Wasser und Schmutz abweist, oder Windschutzscheiben, an denen kein Wasser kondensiert – viele alltägliche Produkte können von stark wasserabweisenden Beschichtungen profitieren. Am Karlsruher Institut für Technologie (KIT) haben Forscher um Dr. Bastian E. Rapp einen Werkstoff für solche Beschichtungen entwickelt, der sowohl transparent als auch abriebfest ist: „Fluoropor“, einen fluorierten Polymerschaum mit durchgehender Nano-/Mikrostruktur. Sie stellen ihn in Nature Scientific Reports vor. (DOI: 10.1038/s41598-017-15287-8)

In der Natur ist das Phänomen vor allem bei Lotuspflanzen bekannt: Wassertropfen perlen von der Blattoberfläche einfach ab. Diesen Lotuseffekt ahmen...

Im Focus: Ultrakalte chemische Prozesse: Physikern gelingt beispiellose Vermessung auf Quantenniveau

Wissenschaftler um den Ulmer Physikprofessor Johannes Hecker Denschlag haben chemische Prozesse mit einer beispiellosen Auflösung auf Quantenniveau vermessen. Bei ihrer wissenschaftlichen Arbeit kombinierten die Forscher Theorie und Experiment und können so erstmals die Produktzustandsverteilung über alle Quantenzustände hinweg - unmittelbar nach der Molekülbildung - nachvollziehen. Die Forscher haben ihre Erkenntnisse in der renommierten Fachzeitschrift "Science" publiziert. Durch die Ergebnisse wird ein tieferes Verständnis zunehmend komplexer chemischer Reaktionen möglich, das zukünftig genutzt werden kann, um Reaktionsprozesse auf Quantenniveau zu steuern.

Einer deutsch-amerikanischen Forschergruppe ist es gelungen, chemische Prozesse mit einer nie dagewesenen Auflösung auf Quantenniveau zu vermessen. Dadurch...

Im Focus: Leoniden 2017: Sternschnuppen im Anflug?

Gemeinsame Pressemitteilung der Vereinigung der Sternfreunde und des Hauses der Astronomie in Heidelberg

Die Sternschnuppen der Leoniden sind in diesem Jahr gut zu beobachten, da kein Mondlicht stört. Experten sagen für die Nächte vom 16. auf den 17. und vom 17....

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Tagung widmet sich dem Thema Autonomes Fahren

21.11.2017 | Veranstaltungen

Neues Elektro-Forschungsfahrzeug am Institut für Mikroelektronische Systeme

21.11.2017 | Veranstaltungen

Raumfahrtkolloquium: Technologien für die Raumfahrt von morgen

21.11.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Antarktisches Meereis: mehr Schutz als Vorratskammer für Krilllarven

22.11.2017 | Ökologie Umwelt- Naturschutz

Europäisches Konsortium baut effizientestes Rechenzentrum der Welt

22.11.2017 | Informationstechnologie

CAU-Wissenschaftlerin erhält EU-Förderung zur Entwicklung neuer Implantate

22.11.2017 | Förderungen Preise