Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Mehr Erfolg im Blütensupermarkt durch besseren Sex

07.06.2001

An vielen Flüssen und Bachläufen in Mitteleuropa gedeiht eine Pflanze, die noch vor wenigen Jahren eher selten war: das Indische Springkraut. Warum hat sich dieses Gewächs - auch in Unterfranken - so erfolgreich ausgebreitet? Ganz einfach: Es ist in Sachen Sex weitaus besser als die meisten anderen Pflanzen. Das berichten Biologen von der Universität Würzburg in der neuen Ausgabe der Zeitschrift "Nature".

Das Indische Springkraut (Impatiens glandulifera) wurde vor etwa 100 Jahren als Gartenpflanze aus dem Himalaja nach Mitteleuropa importiert. Schon bald gelang es der Art, natürliche Lebensräume äußerst erfolgreich zu besiedeln. So sind heute über 50 Prozent der Uferflächen mancher Flüsse allein vom Indischen Springkraut besetzt.

Das Geheimrezept für diesen ungewöhnlichen Erfolg: Das Kraut aus Indien ist den einheimischen Pflanzen beim Sex überlegen. Wie der Biologe Dr. Lars Chittka vom Biozentrum der Universität Würzburg sagt, konkurrieren Blütenpflanzen nämlich untereinander nicht nur um Wasser, Licht und Nährstoffe, sondern auch um Bestäuber, zum Beispiel Bienen und Hummeln. Diese Tiere bewerkstelligen den Transport der Pollen, also gewissermaßen des Pflanzenspermas.

Während es den Pflanzen in dieser Sache lediglich um Sex geht, interessieren sich die Bestäuber ausschließlich für die Qualität der Nahrung, die in den Blüten zu finden ist. Dabei verhalten sich die Bienen und Hummeln wie Kunden im Einkaufszentrum. Sie wählen die Blüten nach einfachen ökonomischen Gesichtspunkten aus: Je mehr Nektar eine Blüte bietet, desto attraktiver ist sie.

Dr. Chittka und sein Kollege Steffen Schürkens haben herausgefunden: "Das Indische Springkraut konnte so effektiv in den europäischen Blütensupermarkt eindringen, weil es mehr Nektar als alle bekannten einheimischen Pflanzen bietet. Auf diese Weise werden die Bestäuber von den konkurrierenden Pflanzen weggelockt."

Dieser Effekt sei vergleichbar mit den Zuständen, die sich ergeben, wenn ein Supermarkt vor den Toren einer Kleinstadt mit vielen Tante-Emma-Läden eröffnet: Die Kunden wenden sich dem Billigangebot zu, die Tante-Emma-Läden schließen. Für die einheimischen Pflanzen bedeute dies: weniger Bestäuber, weniger Sex, weniger Samenansatz, weniger Pflanzen in der nächsten Generation. Nach und nach verdrängt die neue Art die alteingesessenen Pflanzen und übernimmt deren Territorien. Das gelingt ihr, weil sie sich die marktwirtschaftlichen Prinzipien zu eigen macht, nach denen die Bestäuber agieren.

Weitere Informationen: Dr. Lars Chittka, T (0931) 888-4321, Fax (0931) 888-4309, E-Mail: chittka@biozentrum.uni-wuerzburg.de

Robert Emmerich | idw

Weitere Berichte zu: Blüte Indisch Sex

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Biowissenschaften Chemie:

nachricht Ionen gegen Herzrhythmusstörungen – Nicht-invasive Alternative zu Katheter-Eingriff
20.01.2017 | GSI Helmholtzzentrum für Schwerionenforschung GmbH

nachricht Leibwächter im Darm mit chemischer Waffe
20.01.2017 | Max-Planck-Institut für chemische Ökologie

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Biowissenschaften Chemie >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Innovatives Hochleistungsmaterial: Biofasern aus Florfliegenseide

Neuartige Biofasern aus einem Seidenprotein der Florfliege werden am Fraunhofer-Institut für Angewandte Polymerforschung IAP gemeinsam mit der Firma AMSilk GmbH entwickelt. Die Forscher arbeiten daran, das Protein in großen Mengen biotechnologisch herzustellen. Als hochgradig biegesteife Faser soll das Material künftig zum Beispiel in Leichtbaukunststoffen für die Verkehrstechnik eingesetzt werden. Im Bereich Medizintechnik sind beispielsweise biokompatible Seidenbeschichtungen von Implantaten denkbar. Ein erstes Materialmuster präsentiert das Fraunhofer IAP auf der Internationalen Grünen Woche in Berlin vom 20.1. bis 29.1.2017 in Halle 4.2 am Stand 212.

Zum Schutz des Nachwuchses vor bodennahen Fressfeinden lagern Florfliegen ihre Eier auf der Unterseite von Blättern ab – auf der Spitze von stabilen seidenen...

Im Focus: Verkehrsstau im Nichts

Konstanzer Physiker verbuchen neue Erfolge bei der Vermessung des Quanten-Vakuums

An der Universität Konstanz ist ein weiterer bedeutender Schritt hin zu einem völlig neuen experimentellen Zugang zur Quantenphysik gelungen. Das Team um Prof....

Im Focus: Traffic jam in empty space

New success for Konstanz physicists in studying the quantum vacuum

An important step towards a completely new experimental access to quantum physics has been made at University of Konstanz. The team of scientists headed by...

Im Focus: Textiler Hochwasserschutz erhöht Sicherheit

Wissenschaftler der TU Chemnitz präsentieren im Februar und März 2017 ein neues temporäres System zum Schutz gegen Hochwasser auf Baumessen in Chemnitz und Dresden

Auch die jüngsten Hochwasserereignisse zeigen, dass vielerorts das natürliche Rückhaltepotential von Uferbereichen schnell erschöpft ist und angrenzende...

Im Focus: Wie Darmbakterien krank machen

HZI-Forscher entschlüsseln Infektionsmechanismen von Yersinien und Immunantworten des Wirts

Yersinien verursachen schwere Darminfektionen. Um ihre Infektionsmechanismen besser zu verstehen, werden Studien mit dem Modellorganismus Yersinia...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Mittelstand 4.0 – Mehrwerte durch Digitalisierung: Hintergründe, Beispiele, Lösungen

20.01.2017 | Veranstaltungen

Nachhaltige Wassernutzung in der Landwirtschaft Osteuropas und Zentralasiens

19.01.2017 | Veranstaltungen

Künftige Rohstoffexperten aus aller Welt in Freiberg zur Winterschule

18.01.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

21.500 Euro für eine grüne Zukunft – Unserer Umwelt zuliebe

20.01.2017 | Unternehmensmeldung

innovations-report im Interview mit Rolf-Dieter Lafrenz, Gründer und Geschäftsführer der Hamburger Start ups Cargonexx

20.01.2017 | Unternehmensmeldung

Niederlande: Intelligente Lösungen für Bahn und Stahlindustrie werden gefördert

20.01.2017 | Förderungen Preise