Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Gentransfer hält Gefäße offen

05.06.2001


Neuer Therapie-Ansatz bei koronarer Herzkrankheit
RUB-Studie: Genprodukt im Test



Ein neues Genprodukt soll Patienten mit koronarer Herzkrankheit zukünftig mehrfache Eingriffe wie wiederholte Ballondilatationen oder Bypassoperationen ersparen. Erstmalig wird im Rahmen einer Multicenter-Studie der Gentransfer im kardiovaskulären Bereich eingesetzt: Das iNOS-Lipoplex-Genprodukt, das während des ersten Eingriffs an der Engstelle in die Gefäßwand injiziert wird, soll eine Wiederverengung von einmal gedehnten Herzkranzgefäßen verhindern.. Das Medikament wird zurzeit an der Universitätsklinik der RUB St. Josef-Hospital (Prof. Dr. Andreas Mügge, Dr. Christoph Hanefeld), an der Frankfurter Universitätsklinik und an drei Zentren in den USA erstmals an Menschen getestet.

Befreiter Blutfluss schnell wieder dicht

Rund eine Million Menschen jährlich werden weltweit mit der Ballondilatation behandelt. Dabei werden verengte Herzkranzgefäße durch Aufblasen eines kleinen Ballons wieder aufgedehnt und z. T. mit einer stählernen Gefäßstütze (Stent) versehen, damit sie sich nicht wieder verschließen. Trotz dieser Bemühungen kommt es in 15-35 Prozent der Fälle gleich in den ersten Monaten nach dem Eingriff zu einer erneuten Gefäßverengung an derselben Stelle. Grund dafür sind z. B. Narben, die sich an Verletzungen durch die Ballondilatation oder die Stentimplantation bilden. Bei der Narbenbildung wuchern Zellen und wachsen durch die Drahtmaschen des Stents hindurch, so dass das Gefäß sich erneut einengt.

Gen regt Bildung des Schutzschildes an

Gegen dieses Phänomen haben die Mediziner mit dem Gentransfer nun eine neue Strategie entwickelt: Das iNOS-Lipoplex-Genprodukt (CAR-MP 583 genannt) enthält ein Gen, das die Bildung der so genannten induzierbaren NO-Synthase veranlasst. Dieses Enzym produziert in der Gefäßwand Stickstoffmonoxid (NO), das eine gefäßschützende Wirkung hat. Ein Zuwenig dieses Stoffes begünstigt wahrscheinlich die Wiederverengung der behandelten Stelle - von einer dank Genprodukt höheren Produktion erhoffen sich die Mediziner einen besseren Schutz davor. Zur Genübertragung in die Zellen des Blutgefäßes dient ein auf Lipiden (Fetttröpfchen) basierendes System, das sich als sehr verträglich herausgestellt hat.

Das Medikament in die Gefäßwand schleusen

Für den Patienten entstehen nach jetzigem Wissenstand durch den Einsatz der Substanz keine zusätzlichen Unannehmlichkeiten. Nach der etablierten Ballondilatation, die das verengte Gefäß weitet, wird das Genprodukt mit Hilfe eines Infiltrator-Katheters in die Gefäßwand gebracht. Dieser Katheter endet in einem kleinen Ballon, dessen Oberfläche miniaturisierte Austrittsöffnungen hat. Beim Aufblasen drückt der Ballon gegen die Gefäßwände und gibt nach Injektion das Genprodukt an sie ab. Je nach Länge der Engstelle kann diese Prozedur bis zu drei Mal durchgeführt werden. Ist der Katheter dann wieder entfernt, wird wie üblich ein Stent eingesetzt. Die Interventionsszeit verlängert sich durch die Injektion nur um eine Viertelstunde. Im Tierversuch zeigte die Substanz eine gute Wirksamkeit ohne unerwünschte Nebenwirkungen.

Weitere Informationen:

Dr. Christoph Hanefeld,
Medizinische Klinik II am St. Josef-Hospital,
Klinikum der Ruhr-Universität Bochum,
Gudrunstraße 56,

44791 Bochum,
Tel. 0234/509-1,
Fax: 0234/509-2303,
E-Mail: christoph.hanefeld@ruhr-uni-bochum.de

Dr. Josef König | idw

Weitere Berichte zu: Ballondilatation Gefäß Gefäßwand Genprodukt Gentransfer

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Biowissenschaften Chemie:

nachricht Zirkuläre RNA wird in Proteine übersetzt
24.03.2017 | Max-Delbrück-Centrum für Molekulare Medizin in der Helmholtz-Gemeinschaft

nachricht Wegweisende Erkenntnisse für die Biomedizin: NAD⁺ hilft bei Reparatur geschädigter Erbinformationen
24.03.2017 | Universität Bayreuth

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Biowissenschaften Chemie >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Wegweisende Erkenntnisse für die Biomedizin: NAD⁺ hilft bei Reparatur geschädigter Erbinformationen

Eine internationale Forschergruppe mit dem Bayreuther Biochemiker Prof. Dr. Clemens Steegborn präsentiert in 'Science' neue, für die Biomedizin wegweisende Forschungsergebnisse zur Rolle des Moleküls NAD⁺ bei der Korrektur von Schäden am Erbgut.

Die Zellen von Menschen und Tieren können Schäden an der DNA, dem Träger der Erbinformation, bis zu einem gewissen Umfang selbst reparieren. Diese Fähigkeit...

Im Focus: Designer-Proteine falten DNA

Florian Praetorius und Prof. Hendrik Dietz von der Technischen Universität München (TUM) haben eine neue Methode entwickelt, mit deren Hilfe sie definierte Hybrid-Strukturen aus DNA und Proteinen aufbauen können. Die Methode eröffnet Möglichkeiten für die zellbiologische Grundlagenforschung und für die Anwendung in Medizin und Biotechnologie.

Desoxyribonukleinsäure – besser bekannt unter der englischen Abkürzung DNA – ist die Trägerin unserer Erbinformation. Für Prof. Hendrik Dietz und Florian...

Im Focus: Fliegende Intensivstationen: Ultraschallgeräte in Rettungshubschraubern können Leben retten

Etwa 21 Millionen Menschen treffen jährlich in deutschen Notaufnahmen ein. Im Kampf zwischen Leben und Tod zählt für diese Patienten jede Minute. Wenn sie schon kurz nach dem Unfall zielgerichtet behandelt werden können, verbessern sich ihre Überlebenschancen erheblich. Damit Notfallmediziner in solchen Fällen schnell die richtige Diagnose stellen können, kommen in den Rettungshubschraubern der DRF Luftrettung und zunehmend auch in Notarzteinsatzfahrzeugen mobile Ultraschallgeräte zum Einsatz. Experten der Deutschen Gesellschaft für Ultraschall in der Medizin e.V. (DEGUM) schulen die Notärzte und Rettungsassistenten.

Mit mobilen Ultraschallgeräten können Notärzte beispielsweise innere Blutungen direkt am Unfallort identifizieren und sie bei Bedarf auch für Untersuchungen im...

Im Focus: Gigantische Magnetfelder im Universum

Astronomen aus Bonn und Tautenburg in Thüringen beobachteten mit dem 100-m-Radioteleskop Effelsberg Galaxienhaufen, das sind Ansammlungen von Sternsystemen, heißem Gas und geladenen Teilchen. An den Rändern dieser Galaxienhaufen fanden sie außergewöhnlich geordnete Magnetfelder, die sich über viele Millionen Lichtjahre erstrecken. Sie stellen die größten bekannten Magnetfelder im Universum dar.

Die Ergebnisse werden am 22. März in der Fachzeitschrift „Astronomy & Astrophysics“ veröffentlicht.

Galaxienhaufen sind die größten gravitativ gebundenen Strukturen im Universum, mit einer Ausdehnung von etwa zehn Millionen Lichtjahren. Im Vergleich dazu ist...

Im Focus: Giant Magnetic Fields in the Universe

Astronomers from Bonn and Tautenburg in Thuringia (Germany) used the 100-m radio telescope at Effelsberg to observe several galaxy clusters. At the edges of these large accumulations of dark matter, stellar systems (galaxies), hot gas, and charged particles, they found magnetic fields that are exceptionally ordered over distances of many million light years. This makes them the most extended magnetic fields in the universe known so far.

The results will be published on March 22 in the journal „Astronomy & Astrophysics“.

Galaxy clusters are the largest gravitationally bound structures in the universe. With a typical extent of about 10 million light years, i.e. 100 times the...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Rund 500 Fachleute aus Wissenschaft und Wirtschaft diskutierten über technologische Zukunftsthemen

24.03.2017 | Veranstaltungen

Lebenswichtige Lebensmittelchemie

23.03.2017 | Veranstaltungen

Die „Panama Papers“ aus Programmierersicht

22.03.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Rund 500 Fachleute aus Wissenschaft und Wirtschaft diskutierten über technologische Zukunftsthemen

24.03.2017 | Veranstaltungsnachrichten

Förderung des Instituts für Lasertechnik und Messtechnik in Ulm mit rund 1,63 Millionen Euro

24.03.2017 | Förderungen Preise

TU-Bauingenieure koordinieren EU-Projekt zu Recycling-Beton von über sieben Millionen Euro

24.03.2017 | Förderungen Preise