Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Röntgendiffraktometer im Proteincenter der RUB: Messungen mit atomarer Auflösung

18.05.2004


Das Röntgendiffraktometer


Dr. Eckhard Hofmann (vorne links) und Prof. Klaus Gerwert (2. v. r.) mit Studierenden an dem neuen Gerät


Proteine sind die Schlüsselmoleküle in biologischen Prozessen. Einen entscheidenden Schritt auf dem Weg, ihre Funktion aufzuklären, hat das Proteincenter der Ruhr-Universität Bochum gemacht: Juniorprofessor Dr. Eckhard Hofmann hat am Lehrstuhl für Biophysik (Leiter: Prof. Dr. Klaus Gerwert, Fakultät für Biologie) ein Röntgendiffraktometer in Betrieb genommen, mit dem Forscher Eiweißmoleküle in atomarer Auflösung abbilden und so Kenntnisse über ihre räumliche Struktur gewinnen können. Das aufwändige Messinstrument kostet 500.000 Euro und wurde aus Mitteln des Landes NRW und des Bundes finanziert. Es ist ein Meilenstein in der Proteinforschung an der Ruhr-Universität, da Bochumer Forscher solche Messungen bisher nur in Kooperation mit anderen Instituten machen konnten.


Dreidimensionale Strukturen aufklären

Die Röntgenstrukturanalyse von Proteinkristallen hat sich als die wichtigste Methode etabliert, um die Raumstruktur eines Proteins zu untersuchen. Damit können Forscher den räumlichen Aufbau von Proteinen bis auf zwei Milliardstel Zentimeter genau bestimmen - mithilfe der Röntgenstrahlung erhalten sie Informationen über die innere Ordnung der Kristalle. Die Messungen werden nicht nur im Labor, sondern auch an Großforschungseinrichtungen in Berlin, Hamburg und Grenoble ausgeführt. Am Computer erstellen die Wissenschaftler anschließend aus den gewonnenen Messdaten ein dreidimensionales Modell des Proteins.


Studierende experimentieren

In der Lehre verbessert das neue Diffraktometer die Ausbildung der Studierenden mehrerer Fachrichtungen, wobei das selbstständige Experimentieren im Vordergrund steht. Studierende eignen sich während ihrer praktischen Arbeiten Kompetenzen an, die in Lifescience- und Biotechnologieunternehmen stark gefragt sind. Der Lehrstuhl für Biophysik hat daher die Röntgenstrukturanalyse in den so genannten G-Block integriert, ein Grundpraktikum für Studierende der Biologie. Darüber hinaus werden Versuche am Röntgendiffraktometer auch für Studierende der Biochemie angeboten.

Fachübergreifender Service

Das neue Gerät ist zudem Teil der Serviceeinheit des Proteincenters, es steht somit Forschern fachübergreifend zur Verfügung. An der RUB fehlte bislang die Möglichkeit, Proteine mit der Röntgendiffraktometrie zu untersuchen. Dabei gibt es reges Interesse quer durch die Naturwissenschaften und die Medizin. Vor allem bei der Strukturaufklärung von Membranproteinen - ein noch wenig beackertes Gebiet, weil Membranproteine schwierig zu handhaben sind - ist eine enge Zusammenarbeit mit Fachleuten vor Ort notwendig. Die Röntgenstrukturanalyse im Proteincenter soll eine zentrale Anlaufstelle innerhalb der RUB sein: Angesprochen sind vor allem Mitglieder der Fakultäten Biologie, Chemie und Medizin, die ihre Projekte in Richtung Strukturbiologie erweitern wollen.

Stärkere Vernetzung

Die Bedeutung des Proteincenters als integrativer Faktor innerhalb von Sonderforschungsbereichen an der RUB hat die Deutsche Forschungsgemeinschaft (DFG) im vergangenen Herbst bei der Begutachtung des SFB 480 besonders hervorgehoben. Im Proteincenter laufen viele Fäden aus der Proteinforschung an der RUB zusammen, es bündelt einen großen Teil der Aktivitäten und vernetzt beteiligte Arbeitsgruppen. Die Röntgenstrukturanalyse spielt dabei eine zentrale Rolle, weil sie automatisch zu einer stärkeren Vernetzung der Teilprojekte beiträgt - etwa bei der Neuaufnahme von Dr. Eckhard Hofmann in den SFB 480 "Molekulare Biologie komplexer Leistungen von botanischen Systemen".

Weitere Informationen

Dr. Eckhard Hofmann, AG Proteinkristallographie, Lehrstuhl für Biophysik, ND 04/316, Tel. 0234/32-24463, E-Mail: eckhard.hofmann@proteincenter.de

Dr. Nikolaus Bourdos, Proteincenter, ND 04/351, Tel. 0234/32-25604, E-Mail: bourdos@proteincenter.de

Prof. Dr. Klaus Gerwert, Lehrstuhl für Biophysik, ND 04/596, Tel. 0234/32-24461, E-Mail: gerwert@proteincenter.de

Dr. Josef König | idw
Weitere Informationen:
http://www.proteincenter.de

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Biowissenschaften Chemie:

nachricht Der erste Blick auf ein einzelnes Protein
18.01.2017 | Max-Planck-Institut für Festkörperforschung, Stuttgart

nachricht Unterschiedliche Rekombinationsraten halten besonders egoistische Gene im Zaum
18.01.2017 | Max-Planck-Institut für Evolutionsbiologie, Plön

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Biowissenschaften Chemie >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Textiler Hochwasserschutz erhöht Sicherheit

Wissenschaftler der TU Chemnitz präsentieren im Februar und März 2017 ein neues temporäres System zum Schutz gegen Hochwasser auf Baumessen in Chemnitz und Dresden

Auch die jüngsten Hochwasserereignisse zeigen, dass vielerorts das natürliche Rückhaltepotential von Uferbereichen schnell erschöpft ist und angrenzende...

Im Focus: Wie Darmbakterien krank machen

HZI-Forscher entschlüsseln Infektionsmechanismen von Yersinien und Immunantworten des Wirts

Yersinien verursachen schwere Darminfektionen. Um ihre Infektionsmechanismen besser zu verstehen, werden Studien mit dem Modellorganismus Yersinia...

Im Focus: How gut bacteria can make us ill

HZI researchers decipher infection mechanisms of Yersinia and immune responses of the host

Yersiniae cause severe intestinal infections. Studies using Yersinia pseudotuberculosis as a model organism aim to elucidate the infection mechanisms of these...

Im Focus: Interfacial Superconductivity: Magnetic and superconducting order revealed simultaneously

Researchers from the University of Hamburg in Germany, in collaboration with colleagues from the University of Aarhus in Denmark, have synthesized a new superconducting material by growing a few layers of an antiferromagnetic transition-metal chalcogenide on a bismuth-based topological insulator, both being non-superconducting materials.

While superconductivity and magnetism are generally believed to be mutually exclusive, surprisingly, in this new material, superconducting correlations...

Im Focus: Erforschung von Elementarteilchen in Materialien

Laseranregung von Semimetallen ermöglicht die Erzeugung neuartiger Quasiteilchen in Festkörpersystemen sowie ultraschnelle Schaltung zwischen verschiedenen Zuständen.

Die Untersuchung der Eigenschaften fundamentaler Teilchen in Festkörpersystemen ist ein vielversprechender Ansatz für die Quantenfeldtheorie. Quasiteilchen...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Künftige Rohstoffexperten aus aller Welt in Freiberg zur Winterschule

18.01.2017 | Veranstaltungen

Bundesweiter Astronomietag am 25. März 2017

17.01.2017 | Veranstaltungen

Über intelligente IT-Systeme und große Datenberge

17.01.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Der erste Blick auf ein einzelnes Protein

18.01.2017 | Biowissenschaften Chemie

Das menschliche Hirn wächst länger und funktionsspezifischer als gedacht

18.01.2017 | Biowissenschaften Chemie

Zur Sicherheit: Rettungsautos unterbrechen Radio

18.01.2017 | Verkehr Logistik