Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Exzellenznetzwerk liefert Meeresbiologen Ergebnisse der Genomikrevolution

17.05.2004


Jüngste Fortschritte auf dem Gebiet der Genomik haben viele aufregende Forschungswege eröffnet, die eine echte Hoffnung bei der Identifizierung neuer Behandlungsmethoden für Erkrankungen des Menschen und genetische Störungen bieten. Die Meeresbiologie wurde jedoch im Laufe der so genannten "Genomikrevolution" zum größten Teil übergangen. Das heißt, bis heute.



Am 11. Mai wurden im Rahmen der EUROCEAN 2004 Konferenz in Galway, Irland, die Einzelheiten eines Exzellenznetzwerks vorgestellt, das mithilfe der finanziellen Unterstützung der EU neu aufgebaut wurde und die Einführung von auf anderen Gebieten entwickelten genomischen Ansätzen und Technologien in die Meereswissenschaften anstrebt.



Einer der Partner des "Meeresgenomik"-Exzellenznetzwerks ist Professor Adelino Canario, Leiter des Algarve-Zentrums für Meereswissenschaften an der Universität Algarve in Portugal. CORDIS News sprach mit Professor Canario und fragte ihn, wie das Netzwerk seine Ziele erreiche wolle.

"Als Exzellenznetzwerk konzentrieren wir uns nicht so sehr auf spezifische wissenschaftliche Ergebnisse als vielmehr auf die Einbindung wissenschaftlicher Ansätze in ganz Europa", erläuterte er. "Ein Beispiel wird die Entwicklung von Gensequenzierungstechniken mit hohem Durchsatz für das Studium der Meeresbiologie sein."

Dieses Element des Projekts wolle Forschungszentren in ganz Europa mit Grundlagentechnologien versorgen, die zur Identifizierung von Genfunktionen einer ganzen Bandbreite marinen Lebens - von Mikroorganismen bis zu Wirbeltieren entwickelt wurden, fuhr er fort.

"Ein weiterer Aspekt unserer Arbeit ist, den Meeresforschern einen Zugang zu Technologieplattformen bereitzustellen, die Versuchsausrüstungen und Datenbanken zur Integration der erzeugten Daten umfassen. Das ist möglich durch die Beteiligung einer Reihe von großen Forschungszentren aus Ländern wie Deutschland, Frankreich und dem Vereinigten Königreich", sagte Professor Canario.

Tatsächlich führt das Netzwerk insgesamt 44 Institute von unterschiedlicher Größe aus 16 europäischen Ländern zusammen, wodurch im Ganzen gut 300 Forscher involviert sind. Um dies möglich zu machen hat die Europäische Kommission aus der thematische Priorität "Nachhaltige Entwicklung, globale Veränderungen und Ökosysteme" des Sechsten Rahmenprogramms (RP6) zehn Millionen Euro in das Programm investiert.

"Dies ist die erste Initiative dieser Art im Bereich der Meereswissenschaften, und für uns ist das ein großer Schritt. Zum ersten Mal werden wir in diesem Ausmaß Meeresbiologen in die Lage versetzen können, Techniken der Genomik anzuwenden, die in anderen Bereichen der Wissenschaft bereits ziemlich etabliert sind. Ich glaube, darum hat die sich Kommission auch dazu entschlossen, das Netzwerk zu finanzieren", sagte Professor Canario.

Zwar werde sich das Genomiknetzwerk nicht direkt auf wissenschaftliche Ergebnisse konzentrieren, dennoch ist Professor Canario der Ansicht, dass sich eine Reihe von Projekten um das Netzwerk herum entwickeln werde. "Teams werden in der Lage sein, die Vorteile der von uns bereitgestellten Einrichtungen und Technologien zu nutzen um Fragen bezüglich der biologischen Artenvielfalt, Biotechnologie, Aquakultur sowie der biologischen und ökologischen Modellierung nachzugehen,"

Neben den wissenschaftlichen und technologischen Elementen des Projekts wird ein Schwerpunkt auch auf den Transfer von Wissen in die weitere Forschungsgemeinschaft gelegt. "Wir wollen auch Aktivitäten zur Wissensverbreitung unternehmen, die sich an Doktoranden und frisch promovierte Forscher richten, und das Internet zur Verteilung der Ergebnisse unserer Arbeit verwenden", erklärte Professor Canario. Eine Projektwebsite (http://www.marine-genomics-europe.org) werde bald online sein und diese Bemühungen unterstützen.

Professor Canario hofft, die nicht an dem Netzwerk beteiligten Forschungszentren und Forschungsteams in seinem Heimatland Portugal dazu ermutigen zu können, die von dem Netzwerk entwickelten Technologien und Ansätze anzunehmen. Viele von ihnen werden zum ersten Mal solche Techniken anwenden.

Auf die Frage, ob das Netzwerk ’Meeresgenomik’ alle seine Ziele erreichen werde, die es sich gesetzt habe, gab Professor Canario seinen großen Hoffnungen auf ein erfolgreiches Resultat Ausdruck: "Nach einigen anfänglichen Unsicherheiten nehmen die Dinge nun wirklich Form an."

"Die Teilnehmer haben sich bereits getroffen um die wichtigsten Bereiche für die Zukunft der Meeresbiologie zu erörtern, und wenn Leute auf diese Art zusammenkommen, kann das wirklich sehr nützlich sein", schloss er. Die Hoffnung ist, dass das Meeresgenomik-Netzwerk durch eine derartige Strukturierung der Meeresgenomikforschung und die Annahme solcher Spitzentechnologieansätze Europa neben den USA und Japan als führend auf diesem sich so schnell entwickelnden Gebiet der Entdeckungen etabliert.

| cn
Weitere Informationen:
http://www.cordis.lu/fp6/instr_noe.htm

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Biowissenschaften Chemie:

nachricht Chronische Infektionen aushebeln: Ein neuer Wirkstoff auf dem Weg in die Entwicklung
18.08.2017 | Deutsches Zentrum für Infektionsforschung

nachricht Mit Dolchstössen gegen Amöben
18.08.2017 | Eidgenössische Technische Hochschule Zürich (ETH Zürich)

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Biowissenschaften Chemie >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Unterwasserroboter soll nach einem Jahr in der arktischen Tiefsee auftauchen

Am Dienstag, den 22. August wird das Forschungsschiff Polarstern im norwegischen Tromsø zu einer besonderen Expedition in die Arktis starten: Der autonome Unterwasserroboter TRAMPER soll nach einem Jahr Einsatzzeit am arktischen Tiefseeboden auftauchen. Dieses Gerät und weitere robotische Systeme, die Tiefsee- und Weltraumforscher im Rahmen der Helmholtz-Allianz ROBEX gemeinsam entwickelt haben, werden nun knapp drei Wochen lang unter Realbedingungen getestet. ROBEX hat das Ziel, neue Technologien für die Erkundung schwer erreichbarer Gebiete mit extremen Umweltbedingungen zu entwickeln.

„Auftauchen wird der TRAMPER“, sagt Dr. Frank Wenzhöfer vom Alfred-Wegener-Institut, Helmholtz-Zentrum für Polar- und Meeresforschung (AWI) selbstbewusst. Der...

Im Focus: Mit Barcodes der Zellentwicklung auf der Spur

Darüber, wie sich Blutzellen entwickeln, existieren verschiedene Auffassungen – sie basieren jedoch fast ausschließlich auf Experimenten, die lediglich Momentaufnahmen widerspiegeln. Wissenschaftler des Deutschen Krebsforschungszentrums stellen nun im Fachjournal Nature eine neue Technik vor, mit der sich das Geschehen dynamisch erfassen lässt: Mithilfe eines „Zufallsgenerators“ versehen sie Blutstammzellen mit genetischen Barcodes und können so verfolgen, welche Zelltypen aus der Stammzelle hervorgehen. Diese Technik erlaubt künftig völlig neue Einblicke in die Entwicklung unterschiedlicher Gewebe sowie in die Krebsentstehung.

Wie entsteht die Vielzahl verschiedener Zelltypen im Blut? Diese Frage beschäftigt Wissenschaftler schon lange. Nach der klassischen Vorstellung fächern sich...

Im Focus: Fizzy soda water could be key to clean manufacture of flat wonder material: Graphene

Whether you call it effervescent, fizzy, or sparkling, carbonated water is making a comeback as a beverage. Aside from quenching thirst, researchers at the University of Illinois at Urbana-Champaign have discovered a new use for these "bubbly" concoctions that will have major impact on the manufacturer of the world's thinnest, flattest, and one most useful materials -- graphene.

As graphene's popularity grows as an advanced "wonder" material, the speed and quality at which it can be manufactured will be paramount. With that in mind,...

Im Focus: Forscher entwickeln maisförmigen Arzneimittel-Transporter zum Inhalieren

Er sieht aus wie ein Maiskolben, ist winzig wie ein Bakterium und kann einen Wirkstoff direkt in die Lungenzellen liefern: Das zylinderförmige Vehikel für Arzneistoffe, das Pharmazeuten der Universität des Saarlandes entwickelt haben, kann inhaliert werden. Professor Marc Schneider und sein Team machen sich dabei die körpereigene Abwehr zunutze: Makrophagen, die Fresszellen des Immunsystems, fressen den gesundheitlich unbedenklichen „Nano-Mais“ und setzen dabei den in ihm enthaltenen Wirkstoff frei. Bei ihrer Forschung arbeiteten die Pharmazeuten mit Forschern der Medizinischen Fakultät der Saar-Uni, des Leibniz-Instituts für Neue Materialien und der Universität Marburg zusammen Ihre Forschungsergebnisse veröffentlichten die Wissenschaftler in der Fachzeitschrift Advanced Healthcare Materials. DOI: 10.1002/adhm.201700478

Ein Medikament wirkt nur, wenn es dort ankommt, wo es wirken soll. Wird ein Mittel inhaliert, muss der Wirkstoff in der Lunge zuerst die Hindernisse...

Im Focus: Exotische Quantenzustände: Physiker erzeugen erstmals optische „Töpfe" für ein Super-Photon

Physikern der Universität Bonn ist es gelungen, optische Mulden und komplexere Muster zu erzeugen, in die das Licht eines Bose-Einstein-Kondensates fließt. Die Herstellung solch sehr verlustarmer Strukturen für Licht ist eine Voraussetzung für komplexe Schaltkreise für Licht, beispielsweise für die Quanteninformationsverarbeitung einer neuen Computergeneration. Die Wissenschaftler stellen nun ihre Ergebnisse im Fachjournal „Nature Photonics“ vor.

Lichtteilchen (Photonen) kommen als winzige, unteilbare Portionen vor. Viele Tausend dieser Licht-Portionen lassen sich zu einem einzigen Super-Photon...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

European Conference on Eye Movements: Internationale Tagung an der Bergischen Universität Wuppertal

18.08.2017 | Veranstaltungen

Einblicke ins menschliche Denken

17.08.2017 | Veranstaltungen

Eröffnung der INC.worX-Erlebniswelt während der Technologie- und Innovationsmanagement-Tagung 2017

16.08.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

„Wolkenmacher“: Wie Unternehmen Vertrauen aufbauen

18.08.2017 | Unternehmensmeldung

Beschichtung lässt Muscheln abrutschen

18.08.2017 | Materialwissenschaften

Fettleber produziert Eiweiße, die andere Organe schädigen können

18.08.2017 | Biowissenschaften Chemie