Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Universalmolekül reguliert auch die Blutvergiftung

17.05.2004


Mäuse ohne RAGE-Rezeptor überleben Sepsis / Heidelberger Studie im "Journal of Clinical Investigation" veröffentlicht



RAGE reguliert die Sepsis im Mausmodell

... mehr zu:
»Blutvergiftung »RAGE »Rezeptor »Sepsis


Heidelberger Wissenschaftler haben entdeckt, dass ein bestimmtes Protein nicht nur bei der Zuckerkrankheit, Entzündungs- und Alterungsprozessen eine entscheidende Rolle spielt, sondern auch bei der Sepsis (Blutvergiftung): Mäuse, die das Regulatormolekül RAGE nicht in ihren Zellen bilden können, überleben deutlich häufiger eine Blutvergiftung als Mäuse mit RAGE. Bei dem Molekül handelt es sich um einen so genannten Rezeptor: Er erkennt und bindet bestimmte Eiweißstoffe, bevorzugt "Advanced Glycation Endproducts" (AGE) - daher stammt der Name RAGE - und setzt dadurch Entzündungsreaktionen in Gang. Damit ist möglicherweise ein Ansatzpunkt für die Behandlung der Sepsis gefunden worden, an der jährlich ca. 100.000 Menschen in Deutschland erkranken und mehr als 40.000 versterben.

Die herausragenden Ergebnisse sind in der aktuellen Ausgabe der renommierten amerikanischen Zeitschrift "The Journal of Clinical Investigation" veröffentlicht. Federführend sind die Wissenschaftler Dr. Angelika Bierhaus und Prof. Dr. Peter Nawroth (Abteilung für Endokrinologie und Stoffwechsel, Medizinische Universitätsklinik Heidelberg) in Zusammenarbeit mit Mitarbeitern der Klinik für Anaesthesiologie und des Deutschen Krebsforschungszentrums, Heidelberg.

RAGE-Rezeptor bei chronischen Entzündungen aktiv

Der Rezeptor RAGE erkennt und bindet nicht nur ein Schlüsselmolekül, sondern fungiert quasi als Schließanlage für viele verschiedene Schlüssel. Bei seinen Hauptbindungspartnern AGE handelt es sich um fortgeschrittene Stoffwechselprodukte der Glykierung (Verzuckerung). Sie entstehen, wenn Eiweißmoleküle mit Zuckermolekülen chemisch reagieren. Die Eiweiße werden so dauerhaft in ihrem Aufbau und ihrer Funktion verändert. Diese Veränderungsprozesse finden ständig im Körper statt, vor allem jedoch bei chronischen Krankheiten, z. B. Diabetes, und bei Alterungsprozessen.

"Aus früheren Arbeiten wissen wir, dass RAGE bei chronischen Entzündungen und Altersprozessen, z. B. bei Rheumatoider Arthritis, Nierenentzündung oder Arteriosklerose, als aktiver Rezeptor fungiert und Abwehrreaktionen des Körpers verstärkt.", erklärt Prof. Nawroth. "Deshalb haben wir uns gefragt, ob RAGE auch bei der Immunantwort im Verlauf einer Sepsis eine entscheidende Rolle spielt."

Neue Therapieansätze gegen Blutvergiftung?

Die Heidelberger Forscher untersuchten die Auswirkungen einer Sepsis in einem neu entwickelten Mausmodell. Ausgangspunkt einer Sepsis ist meist eine Infektion der Lunge, der Harnwege oder des Magen-Darm-Trakts. Von dort werden Bakterien und ihre Gifte in die Blutbahn eingeschwemmt und provozieren Abwehrreaktionen des Immunsystems. Können die Eindringlinge nicht abgewehrt werden, verteilen sie sich über das Blut im gesamten Körper. Durch die Entzündungsreaktion werden Organe angegriffen und können im schlimmsten Fall versagen.

"Offensichtlich spielt der RAGE-Rezeptor eine wichtige Rolle bei der Immunantwort des Körpers auf eine Sepsis", erklärt Dr. Angelika Bierhaus. Er löst im Zellinnern eine Kette von Signalen aus, z. B. werden genetische Informationen abgerufen und damit bestimmte Eiweiße gebildet. Auf die RAGE-Signalkette spricht besonders der so genannte Transkriptionsfaktor NF-kappaB an. Er sorgt für die Produktion von Eiweißen, die Entzündungsprozesse und Abwehrreaktionen im Körper unterhalten.

Die Forscher hoffen nun, neue Therapiemöglichkeiten gegen Sepsis entwickeln zu können. Denkbar wäre es, den Rezeptor in seiner Struktur zu verändern oder ihn zu hemmen. Schlüssel und Schloss würden dann nicht mehr zusammenpassen und die entzündungsfördernde Signalkette wäre unterbrochen.

Ansprechpartner: Dr. Angelika Bierhaus, E-Mail: Angelika_Bierhaus@med.uni-heidelberg.de

Prof. Dr. Peter Nawroth, Ärztlicher Direktor der Abteilung Endokrinologie und Stoffwechsel der Medizinischen Universitätsklinik Heidelberg, E-Mail: Peter_Nawroth@med.uni-heidelberg.de, Tel: 06221 / 56 8601 (Sekretariat)

Literatur: P. Nawroth, A. Bierhaus et. al.: "Receptor for Advanced Glycation End Products (RAGE) Regulating Sepsis but not the Adaptive Immune response". The Journal of Clinical Investigation, 10/2004

Dr. Annette Tuffs | idw
Weitere Informationen:
http://idw-online.de/public/zeige_pm.html?pmid=57996
http://www.uni-heidelberg.de/presse/ruca/ruca3_2002/bierhaus.html
http://www.med.uni-heidelberg.de/aktuelles/

Weitere Berichte zu: Blutvergiftung RAGE Rezeptor Sepsis

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Biowissenschaften Chemie:

nachricht Forscher finden Hinweise auf verknotete Chromosomen im Erbgut
20.10.2017 | Johannes Gutenberg-Universität Mainz

nachricht Aus der Moosfabrik
20.10.2017 | Albert-Ludwigs-Universität Freiburg im Breisgau

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Biowissenschaften Chemie >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Hochfeldmagnet am BER II: Einblick in eine versteckte Ordnung

Seit dreißig Jahren gibt eine bestimmte Uranverbindung der Forschung Rätsel auf. Obwohl die Kristallstruktur einfach ist, versteht niemand, was beim Abkühlen unter eine bestimmte Temperatur genau passiert. Offenbar entsteht eine so genannte „versteckte Ordnung“, deren Natur völlig unklar ist. Nun haben Physiker erstmals diese versteckte Ordnung näher charakterisiert und auf mikroskopischer Skala untersucht. Dazu nutzten sie den Hochfeldmagneten am HZB, der Neutronenexperimente unter extrem hohen magnetischen Feldern ermöglicht.

Kristalle aus den Elementen Uran, Ruthenium, Rhodium und Silizium haben eine geometrisch einfache Struktur und sollten keine Geheimnisse mehr bergen. Doch das...

Im Focus: Schmetterlingsflügel inspiriert Photovoltaik: Absorption lässt sich um bis zu 200 Prozent steigern

Sonnenlicht, das von Solarzellen reflektiert wird, geht als ungenutzte Energie verloren. Die Flügel des Schmetterlings „Gewöhnliche Rose“ (Pachliopta aristolochiae) zeichnen sich durch Nanostrukturen aus, kleinste Löcher, die Licht über ein breites Spektrum deutlich besser absorbieren als glatte Oberflächen. Forschern am Karlsruher Institut für Technologie (KIT) ist es nun gelungen, diese Nanostrukturen auf Solarzellen zu übertragen und deren Licht-Absorptionsrate so um bis zu 200 Prozent zu steigern. Ihre Ergebnisse veröffentlichten die Wissenschaftler nun im Fachmagazin Science Advances. DOI: 10.1126/sciadv.1700232

„Der von uns untersuchte Schmetterling hat eine augenscheinliche Besonderheit: Er ist extrem dunkelschwarz. Das liegt daran, dass er für eine optimale...

Im Focus: Schnelle individualisierte Therapiewahl durch Sortierung von Biomolekülen und Zellen mit Licht

Im Blut zirkulierende Biomoleküle und Zellen sind Träger diagnostischer Information, deren Analyse hochwirksame, individuelle Therapien ermöglichen. Um diese Information zu erschließen, haben Wissenschaftler des Fraunhofer-Instituts für Lasertechnik ILT ein Mikrochip-basiertes Diagnosegerät entwickelt: Der »AnaLighter« analysiert und sortiert klinisch relevante Biomoleküle und Zellen in einer Blutprobe mit Licht. Dadurch können Frühdiagnosen beispielsweise von Tumor- sowie Herz-Kreislauf-Erkrankungen gestellt und patientenindividuelle Therapien eingeleitet werden. Experten des Fraunhofer ILT stellen diese Technologie vom 13.–16. November auf der COMPAMED 2017 in Düsseldorf vor.

Der »AnaLighter« ist ein kompaktes Diagnosegerät zum Sortieren von Zellen und Biomolekülen. Sein technologischer Kern basiert auf einem optisch schaltbaren...

Im Focus: Neue Möglichkeiten für die Immuntherapie beim Lungenkrebs entdeckt

Eine gemeinsame Studie der Universität Bern und des Inselspitals Bern zeigt, dass spezielle Bindegewebszellen, die in normalen Blutgefässen die Wände abdichten, bei Lungenkrebs nicht mehr richtig funktionieren. Zusätzlich unterdrücken sie die immunologische Bekämpfung des Tumors. Die Resultate legen nahe, dass diese Zellen ein neues Ziel für die Immuntherapie gegen Lungenkarzinome sein könnten.

Lungenkarzinome sind die häufigste Krebsform weltweit. Jährlich werden 1.8 Millionen Neudiagnosen gestellt; und 2016 starben 1.6 Millionen Menschen an der...

Im Focus: Sicheres Bezahlen ohne Datenspur

Ob als Smartphone-App für die Fahrkarte im Nahverkehr, als Geldwertkarten für das Schwimmbad oder in Form einer Bonuskarte für den Supermarkt: Für viele gehören „elektronische Geldbörsen“ längst zum Alltag. Doch vielen Kunden ist nicht klar, dass sie mit der Nutzung dieser Angebote weitestgehend auf ihre Privatsphäre verzichten. Am Karlsruher Institut für Technologie (KIT) entsteht ein sicheres und anonymes System, das gleichzeitig Alltagstauglichkeit verspricht. Es wird nun auf der Konferenz ACM CCS 2017 in den USA vorgestellt.

Es ist vor allem das fehlende Problembewusstsein, das den Informatiker Andy Rupp von der Arbeitsgruppe „Kryptographie und Sicherheit“ am KIT immer wieder...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Das Immunsystem in Extremsituationen

19.10.2017 | Veranstaltungen

Die jungen forschungsstarken Unis Europas tagen in Ulm - YERUN Tagung in Ulm

19.10.2017 | Veranstaltungen

Bauphysiktagung der TU Kaiserslautern befasst sich mit energieeffizienten Gebäuden

19.10.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Forscher finden Hinweise auf verknotete Chromosomen im Erbgut

20.10.2017 | Biowissenschaften Chemie

Saugmaschinen machen Waschwässer von Binnenschiffen sauberer

20.10.2017 | Ökologie Umwelt- Naturschutz

Strukturbiologieforschung in Berlin: DFG bewilligt Mittel für neue Hochleistungsmikroskope

20.10.2017 | Förderungen Preise