Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Wissenschaftler untersuchen Krill im Südpolarmeer

06.05.2004


Wissenschaftler an Bord des Forschungsschiffes "Polarstern" waren in den vergangenen sechs Wochen im bisher kaum erforschten Lazarewmeer dem Krill auf der Spur.


Krill (Foto: U. Bathmann/AWI)


Krillfang an Bord "Polarstern" (Foto: U. Bathmann/AWI)



Die Expedition endete heute in Kapstadt. Als Nahrung für Wale, Robben, Pinguine und Seevögel nimmt Krill eine Schlüsselstellung im Ökosystem der Antarktis ein. Über die Verteilung, Biologie, Populationsdynamik und Physiologie dieser Leuchtgarnelen im Lazarewmeer und in der Übergangszeit vom Herbst zum Südwinter ist noch sehr wenig bekannt. Noch bevor die zunehmende industrielle Nutzung von Krillprodukten Auswirkungen auf Krillbestände und damit auf das antarktische Ökosystem haben kann, wollen die Wissenschaftler Informationen für die Bestandssicherung von Krill sammeln.



Der vierte Fahrtabschnitt der Polarsternexpedition ANT XXI/4 mit 38 Wissenschaftlern aus sieben Nationen und 43 Besatzungsmitgliedern war Teil des internationalen Programms "Global Ocean Ecosystem Dynamics" (GLOBEC). Dieses unter Beteiligung des Alfred-Wegener-Instituts für Polar- und Meeresforschung koordinierte Programm ist den Beziehungen zwischen umhertreibenden marinen Tieren des offenen Wassers (Zooplanktern) und den physikalischen Umweltbedingungen im Meer gewidmet. Die auf der Expedition durchgeführte Grundlagenforschung ist ein deutscher Beitrag zum Übereinkommen über die Erhaltung der lebenden Meeresschätze der Antarktis (CCAMLR).

Im April 2004 war die Ablaichperiode des Krills bereits abgeschlossen. Der Krill befand sich physiologisch in der Übergangsphase vom aktiven Sommerzustand zum reduzierten Winterstoffwechsel. Die Konzentrationen der biochemisch und pharmazeutisch interessanten Bestandteile von Krill werden am Alfred-Wegener-Institut analysiert. Mit dem Krill-Echolot wurde die Verteilung der Tiere großräumig und erstmals bis in 600 Meter Wassertiefe erfasst. Die Krillschwärme waren relativ klein. Im äußersten Süden in einem Gebiet mit zunehmendem Meereis und im äußersten Norden des Weddellmeeres waren sie am häufigsten. Im zentralen Lazarewmeer wies auch die geringe Zahl der Krillkonsumenten auf die geringen Krillbestände im Herbst hin. Die Anzahl an Krilllarven war dagegen erstaunlich hoch, zumal die Larven im Gegensatz zu den erwachsenen Tieren ständig Nahrung aufnehmen müssen, die für die Tiere im Herbst und Winter immer schwieriger zu finden ist. Mit einem neuen Netzschlitten, der unter dem Eis durchgezogen wurde, konnten die Wissenschaftler bestätigen, dass Krill sich zu diesen Jahreszeiten unter den ausgedehnten Feldern von Eisschollen sammelt.

Die Eisschollen bieten Krill Nahrung in Form von Eisalgen. Außerdem kann Krill sich in den Zwischenräumen des Eises vor Räubern verstecken. Ob der Krillbestand sich genetisch mit den stark befischten Beständen an der Antarktischen Halbinsel austauscht, wird erst aus den entsprechenden Analysen in Laboren der beteiligten Institute abzuleiten sein. Neben Krill fanden sich im eisbedeckten Gebiet auch zahlreiche Fischlarven mehrerer Arten und Manteltiere (Salpen), die für wärmere nördlichere Gewässer charakteristisch sind. Inwieweit hierfür geänderte Strömungsmuster im Wassermassentransport oder gar klimatisch bedingte Änderungen verantwortlich sind, ist noch nicht geklärt.

Margarete Pauls | idw
Weitere Informationen:
http://www.awi-bremerhaven.de/Polar/Polarstern/report-index-d.html

Weitere Berichte zu: Expedition Krill Krillbestände Lazarewmeer Nahrung

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Biowissenschaften Chemie:

nachricht 'Fix Me Another Marguerite!'
23.06.2017 | Universität Regensburg

nachricht Schimpansen belohnen Gefälligkeiten
23.06.2017 | Max-Planck-Institut für Mathematik in den Naturwissenschaften (MPIMIS)

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Biowissenschaften Chemie >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Can we see monkeys from space? Emerging technologies to map biodiversity

An international team of scientists has proposed a new multi-disciplinary approach in which an array of new technologies will allow us to map biodiversity and the risks that wildlife is facing at the scale of whole landscapes. The findings are published in Nature Ecology and Evolution. This international research is led by the Kunming Institute of Zoology from China, University of East Anglia, University of Leicester and the Leibniz Institute for Zoo and Wildlife Research.

Using a combination of satellite and ground data, the team proposes that it is now possible to map biodiversity with an accuracy that has not been previously...

Im Focus: Klima-Satellit: Mit robuster Lasertechnik Methan auf der Spur

Hitzewellen in der Arktis, längere Vegetationsperioden in Europa, schwere Überschwemmungen in Westafrika – mit Hilfe des deutsch-französischen Satelliten MERLIN wollen Wissenschaftler ab 2021 die Emissionen des Treibhausgases Methan auf der Erde erforschen. Möglich macht das ein neues robustes Lasersystem des Fraunhofer-Instituts für Lasertechnologie ILT in Aachen, das eine bisher unerreichte Messgenauigkeit erzielt.

Methan entsteht unter anderem bei Fäulnisprozessen. Es ist 25-mal wirksamer als das klimaschädliche Kohlendioxid, kommt in der Erdatmosphäre aber lange nicht...

Im Focus: Climate satellite: Tracking methane with robust laser technology

Heatwaves in the Arctic, longer periods of vegetation in Europe, severe floods in West Africa – starting in 2021, scientists want to explore the emissions of the greenhouse gas methane with the German-French satellite MERLIN. This is made possible by a new robust laser system of the Fraunhofer Institute for Laser Technology ILT in Aachen, which achieves unprecedented measurement accuracy.

Methane is primarily the result of the decomposition of organic matter. The gas has a 25 times greater warming potential than carbon dioxide, but is not as...

Im Focus: How protons move through a fuel cell

Hydrogen is regarded as the energy source of the future: It is produced with solar power and can be used to generate heat and electricity in fuel cells. Empa researchers have now succeeded in decoding the movement of hydrogen ions in crystals – a key step towards more efficient energy conversion in the hydrogen industry of tomorrow.

As charge carriers, electrons and ions play the leading role in electrochemical energy storage devices and converters such as batteries and fuel cells. Proton...

Im Focus: Die Schweiz in Pole-Position in der neuen ESA-Mission

Die Europäische Weltraumagentur ESA gab heute grünes Licht für die industrielle Produktion von PLATO, der grössten europäischen wissenschaftlichen Mission zu Exoplaneten. Partner dieser Mission sind die Universitäten Bern und Genf.

Die Europäische Weltraumagentur ESA lanciert heute PLATO (PLAnetary Transits and Oscillation of stars), die grösste europäische wissenschaftliche Mission zur...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Von Batterieforschung bis Optoelektronik

23.06.2017 | Veranstaltungen

10. HDT-Tagung: Elektrische Antriebstechnologie für Hybrid- und Elektrofahrzeuge

22.06.2017 | Veranstaltungen

„Fit für die Industrie 4.0“ – Tagung von Hochschule Darmstadt und Schader-Stiftung am 27. Juni

22.06.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Radioaktive Elemente in Cassiopeia A liefern Hinweise auf Neutrinos als Ursache der Supernova-Explosion

23.06.2017 | Physik Astronomie

Dünenökosysteme modellieren

23.06.2017 | Ökologie Umwelt- Naturschutz

Makro-Mikrowelle macht Leichtbau für Luft- und Raumfahrt effizienter

23.06.2017 | Materialwissenschaften