Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Zuckerwatte im Meer bindet Treibhausgas

04.05.2004


Algenwachstum verbraucht Kohlendioxid und bindet dadurch große Mengen dieses Treibhausgases im Meer. Während sie wachsen, scheiden Algen allerdings zuckerhaltige Substanzen aus. Diese werden von Bakterien rasch wieder zersetzt, wodurch das darin gebundene Kohlendioxid wieder in die Atmosphäre gelangt. So zumindest war die bisherige Vorstellung. Eine gerade in Nature erschienene Studie* von Meereswissenschaftlern zeigt jedoch, dass die Algenausscheidungen ein ganz anderes Schicksal erfahren können. Wie Zuckerwatte auf dem Jahrmarkt können sich aus ihnen klebrige Flocken bilden, in denen sich die winzigen Mikroalgen und andere Partikel verfangen. Die so beladenen Flocken sinken rasch in die Tiefe und ziehen dabei das in ihnen gebundene Kohlendioxid mit sich.



Zunächst verwundert inspizierten die Meereswissenschaftler aus Kiel, Bremerhaven und Villefranche die Ergebnisse ihrer Untersuchungen im norwegischen Raunefjord: Zwar verschwanden die Algenausscheidungen im Verlauf einer Planktonblüte rasch wieder. Allerdings ohne dass das darin gebundene Kohlendioxid freigesetzt wurde. Offenbar waren die nahrhaften Zuckerverbindungen nicht - wie erwartet - den Bakterien zum Opfer gefallen. Stattdessen entdeckten die Forscher eine zunehmende Zahl klebriger Flocken, deren Grundgerüst aus eben diesen zuckerhaltigen Algenausscheidungen bestand. Anhand von Computersimulationen konnten die Biologen und Chemiker nachweisen, dass eine Kaskade von Aggregationsprozessen zum Ausflocken der im Wasser gelösten Substanzen geführt haben musste.



Wie wichtig dieser Prozess sein kann, wird anhand einer einfachen Rechnung deutlich: Etwa die Hälfte des durch Pflanzen weltweit gebundenen Kohlendioxids geht auf das Konto der Planktonalgen. Ein Drittel des von den Algen gebundenen Kohlenstoffs geht durch ihre Ausscheidungen wieder verloren - eine Menge, die um ein Vielfaches höher als die weltweite Agrarproduktion ist. Das Schicksal der Algenausscheidungen, ob nun bakterieller Abbau und Rückführung des Kohlendioxids in die Atmosphäre oder Ausflocken und Absinken in den tiefen Ozean, hat also weitreichende Konsequenzen für die Kohlendioxidaufnahme im Ozean. Jüngste Untersuchungen sprechen dafür, dass zunehmende Konzentrationen des Treibhausgases zu verstärkter Ausscheidung bei Algen führen. Hierdurch würde mehr Kohlendioxid im Ozean gebunden. Global steigende Temperaturen erhöhen demgegenüber die Bakterienaktivität, was den Abbau der Algenausscheidungen beschleunigen könnte. Ob es in Zukunft mehr oder weniger Zuckerwatte im Meer geben und die Aufnahme von Kohlendioxid im Ozean zu oder abnehmen wird, ist daher vorerst noch offen.


*: Anja Engel, Silke Thoms, Ulf Riebesell, Emma Rochelle-Newall & Ingrid Zondervan. Polysaccharide aggregation as a potential sink of marine dissolved organic carbon. Nature 2004, 428, 929-931

Uta Deinet | idw

Weitere Berichte zu: Algenausscheidung Kohlendioxid Ozean Treibhausgas Zuckerwatte

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Biowissenschaften Chemie:

nachricht Möglicher Zell-Therapieansatz gegen Zytomegalie
22.02.2017 | Medizinische Hochschule Hannover

nachricht Erster Atemzug prägt Immunsystem nachhaltig
22.02.2017 | CeMM Forschungszentrum für Molekulare Medizin der Österreichischen Akademie der Wissenschaften

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Biowissenschaften Chemie >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Mehr Sicherheit für Flugzeuge

Zwei Entwicklungen am Lehrgebiet Rechnerarchitektur der FernUniversität in Hagen können das Fliegen sicherer machen: ein Flugassistenzsystem, das bei einem totalen Triebwerksausfall zum Einsatz kommt, um den Piloten ein sicheres Gleiten zu einem Notlandeplatz zu ermöglichen, und ein Assistenzsystem für Segelflieger, das ihnen das Erreichen größerer Höhen erleichtert. Präsentiert werden sie von Prof. Dr.-Ing. Wolfram Schiffmann auf der Internationalen Fachmesse für Allgemeine Luftfahrt AERO vom 5. bis 8. April in Friedrichshafen.

Zwei Entwicklungen am Lehrgebiet Rechnerarchitektur der FernUniversität in Hagen können das Fliegen sicherer machen: ein Flugassistenzsystem, das bei einem...

Im Focus: HIGH-TOOL unterstützt Verkehrsplanung in Europa

Forschung am Karlsruher Institut für Technologie (KIT) unterstützt die Europäische Kommission bei der Verkehrsplanung: Anhand des neuen Modells HIGH-TOOL lässt sich bewerten, wie verkehrspolitische Maßnahmen langfristig auf Wirtschaft, Gesellschaft und Umwelt wirken. HIGH-TOOL ist ein frei zugängliches Modell mit Modulen für Demografie, Wirtschaft und Ressourcen, Fahrzeugbestand, Nachfrage im Personen- und Güterverkehr sowie Umwelt und Sicherheit. An dem nun erfolgreich abgeschlossenen EU-Projekt unter der Koordination des KIT waren acht Partner aus fünf Ländern beteiligt.

Forschung am Karlsruher Institut für Technologie (KIT) unterstützt die Europäische Kommission bei der Verkehrsplanung: Anhand des neuen Modells HIGH-TOOL lässt...

Im Focus: Zinn in der Photodiode: nächster Schritt zur optischen On-Chip-Datenübertragung

Schon lange suchen Wissenschaftler nach einer geeigneten Lösung, um optische Komponenten auf einem Computerchip zu integrieren. Doch Silizium und Germanium allein – die stoffliche Basis der Chip-Produktion – sind als Lichtquelle kaum geeignet. Jülicher Physiker haben nun gemeinsam mit internationalen Partnern eine Diode vorgestellt, die neben Silizium und Germanium zusätzlich Zinn enthält, um die optischen Eigenschaften zu verbessern. Das Besondere daran: Da alle Elemente der vierten Hauptgruppe angehören, sind sie mit der bestehenden Silizium-Technologie voll kompatibel.

Schon lange suchen Wissenschaftler nach einer geeigneten Lösung, um optische Komponenten auf einem Computerchip zu integrieren. Doch Silizium und Germanium...

Im Focus: Innovative Antikörper für die Tumortherapie

Immuntherapie mit Antikörpern stellt heute für viele Krebspatienten einen Erfolg versprechenden Ansatz dar. Weil aber längst nicht alle Patienten nachhaltig von diesen teuren Medikamenten profitieren, wird intensiv an deren Verbesserung gearbeitet. Forschern um Prof. Thomas Valerius an der Christian Albrechts Universität Kiel gelang es nun, innovative Antikörper mit verbesserter Wirkung zu entwickeln.

Immuntherapie mit Antikörpern stellt heute für viele Krebspatienten einen Erfolg versprechenden Ansatz dar. Weil aber längst nicht alle Patienten nachhaltig...

Im Focus: Durchbruch mit einer Kette aus Goldatomen

Einem internationalen Physikerteam mit Konstanzer Beteiligung gelang im Bereich der Nanophysik ein entscheidender Durchbruch zum besseren Verständnis des Wärmetransportes

Einem internationalen Physikerteam mit Konstanzer Beteiligung gelang im Bereich der Nanophysik ein entscheidender Durchbruch zum besseren Verständnis des...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

6. Internationale Fachkonferenz „InnoTesting“ am 23. und 24. Februar 2017 in Wildau

22.02.2017 | Veranstaltungen

Wunderwelt der Mikroben

22.02.2017 | Veranstaltungen

Der Lkw der Zukunft kommt ohne Fahrer aus

21.02.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Ursache für eine erbliche Muskelerkrankung entdeckt

22.02.2017 | Medizin Gesundheit

Möglicher Zell-Therapieansatz gegen Zytomegalie

22.02.2017 | Biowissenschaften Chemie

Meeresforschung in Echtzeit verfolgen

22.02.2017 | Geowissenschaften