Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Lachgas im Teufelskreis

23.05.2001


Italienische Forscher entdecken weiteren Bildungsmechanismus für atmosphärisches N2O


Sommersmog, Ozonloch, Treibhauseffekt - das komplexe Geflecht chemischer Reaktionen in der Atmosphäre, das zu den vielfältigen Umweltproblemen führt, wird noch nicht vollständig durchschaut. Auf verzwickte Weise steht eine chemische Verbindung immer wieder im Zentrum des Geschehens: Lachgas (N2O). Eine italienische Chemikergruppe um Giulia de Petris von der Universität La Sapienza in Rom hat nun einen wichtigen Mechanismus entdeckt, wie Lachgas in der Atmosphäre entsteht.

Lachgas - das hört sich eigentlich nach einem netten, ganz harmlosen Stoff an. Für Menschen ist das leicht süßlich riechende Gas bei sachgemäßer Handhabung auch völlig ungefährlich. Es wird als Inhalationsnarkotikum sowie zum Aufschäumen von Schlagsahne eingesetzt. Leider wird es auch als Partydroge missbraucht, denn beim Einatmen kann es krampfhafte Lachlust - daher der Name - und Rauschzustände hervorrufen.


In unserer Atmosphäre zeigt sich Distickstoffmonoxid, so der "chemische" Name für N2O, von seiner unfreundlichen Seite: Es wirkt als Treibhausgas, und es ist die Hauptquelle für die Stickoxide (NOx) der hohen Atmosphärenschichten, der Stratosphäre. Stickoxide tragen ebenfalls zum Treibhauseffekt bei. Bei der Reaktion von Lachgas zu Stickoxiden wird außerdem die Ozonschicht abgebaut. Und auch die Stickoxide tragen ihrerseits zur Vergrößerung des Ozonlochs bei. Wie aber kommt Lachgas in die Atmosphäre? Der Hauptweg sind mikrobielle Abbauprozesse stickstoffhaltiger Verbindungen im Boden, insbesondere bei starker Düngung mit stickstoffhaltigen Düngemitteln. Außerdem ist es Nebenprodukt bei Verbrennungsprozessen.

De Petris und Mitstreiter haben daneben einen weiteren wichtigen, völlig anderen Entstehungsmechanismus entdeckt. Sie erzeugten elektrisch geladene Ozonmoleküle und mischten sie mit Stickstoff. Dabei bildet sich zunächst ein Addukt aus beiden Verbindungen, das dann zu N2O und Sauerstoff zerfällt.

In der Atmosphäre entstehen solche geladenen Ozonteilchen, wenn ozonangereicherte Luft elektrisch aufgeladen wird. Ausreichend hohe Spannungen treten etwa in der Nähe von Überlandleitungen oder bei Gewitter auf. Und so schließt sich der Kreis: Stickoxide aus Abgasen bilden bei
Sommersmog-Bedingungen Ozon. Dieses bodennahe Ozon ist mit verantwortlich für die Entstehung von Lachgas, das dann unter Abbau der Ozonschicht in der Stratosphäre wiederum Stickoxide bildet.


Kontakt:

Prof. Dr.G. de Petris
Dipartimento di Studi di Chimica e Tecnologia
delle Sostanze Biologicamente Attive
Università di Roma
"La Sapienza"
P. Ie Aldo Moro, 5
I-00185 Roma
Italien

Fax: (+39) 6-4991-3602

E-Mail: giulia.depetris@uniroma1.it

Quelle: Angewandte Chemie 2001, 113 (10), 1992 - 1995
Hrsg.: Gesellschaft Deutscher Chemiker (GDCh)

Dr. Kurt Begitt | idw

Weitere Berichte zu: Lachgas N2O Ozonschicht Stickoxid Stratosphäre

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Biowissenschaften Chemie:

nachricht Proteine entdecken, zählen, katalogisieren
28.06.2017 | Albert-Ludwigs-Universität Freiburg im Breisgau

nachricht Chemisches Profil von Ameisen passt sich bei Selektionsdruck rasch an
28.06.2017 | Johannes Gutenberg-Universität Mainz

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Biowissenschaften Chemie >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Schnelles und umweltschonendes Laserstrukturieren von Werkzeugen zur Folienherstellung

Kosteneffizienz und hohe Produktivität ohne dabei die Umwelt zu belasten: Im EU-Projekt »PoLaRoll« entwickelt das Fraunhofer-Institut für Produktionstechnologie IPT aus Aachen gemeinsam mit dem Oberhausener Fraunhofer-Institut für Umwelt-, Sicherheit- und Energietechnik UMSICHT und sechs Industriepartnern ein Modul zur direkten Laser-Mikrostrukturierung in einem Rolle-zu-Rolle-Verfahren. Ziel ist es, mit Hilfe dieses Systems eine siebartige Metallfolie als Demonstrator zu fertigen, die zum Sonnenschutz von Glasfassaden verwendet wird: Durch ihre besondere Geometrie wird die Sonneneinstrahlung reduziert, woraus sich ein verminderter Energieaufwand für Kühlung und Belüftung ergibt.

Das Fraunhofer IPT ist im Projekt »PoLaRoll« für die Prozessentwicklung der Laserstrukturierung sowie für die Mess- und Systemtechnik zuständig. Von den...

Im Focus: Das Auto lernt vorauszudenken

Ein neues Christian Doppler Labor an der TU Wien beschäftigt sich mit der Regelung und Überwachung von Antriebssystemen – mit Unterstützung des Wissenschaftsministeriums und von AVL List.

Wer ein Auto fährt, trifft ständig Entscheidungen: Man gibt Gas, bremst und dreht am Lenkrad. Doch zusätzlich muss auch das Fahrzeug selbst ununterbrochen...

Im Focus: Vorbild Delfinhaut: Elastisches Material vermindert Reibungswiderstand bei Schiffen

Für eine elegante und ökonomische Fortbewegung im Wasser geben Delfine den Wissenschaftlern ein exzellentes Vorbild. Die flinken Säuger erzielen erstaunliche Schwimmleistungen, deren Ursachen einerseits in der Körperform und andererseits in den elastischen Eigenschaften ihrer Haut zu finden sind. Letzteres Phänomen ist bereits seit Mitte des vorigen Jahrhunderts bekannt, konnte aber bislang nicht erfolgreich auf technische Anwendungen übertragen werden. Experten des Fraunhofer IFAM und der HSVA GmbH haben nun gemeinsam mit zwei weiteren Forschungspartnern eine Oberflächenbeschichtung entwickelt, die ähnlich wie die Delfinhaut den Strömungswiderstand im Wasser messbar verringert.

Delfine haben eine glatte Haut mit einer darunter liegenden dicken, nachgiebigen Speckschicht. Diese speziellen Hauteigenschaften führen zu einer signifikanten...

Im Focus: Kaltes Wasser: Und es bewegt sich doch!

Bei minus 150 Grad Celsius flüssiges Wasser beobachten, das beherrschen Chemiker der Universität Innsbruck. Nun haben sie gemeinsam mit Forschern in Schweden und Deutschland experimentell nachgewiesen, dass zwei unterschiedliche Formen von Wasser existieren, die sich in Struktur und Dichte stark unterscheiden.

Die Wissenschaft sucht seit langem nach dem Grund, warum ausgerechnet Wasser das Molekül des Lebens ist. Mit ausgefeilten Techniken gelingt es Forschern am...

Im Focus: Hyperspektrale Bildgebung zur 100%-Inspektion von Oberflächen und Schichten

„Mehr sehen, als das Auge erlaubt“, das ist ein Anspruch, dem die Hyperspektrale Bildgebung (HSI) gerecht wird. Die neue Kameratechnologie ermöglicht, Licht nicht nur ortsaufgelöst, sondern simultan auch spektral aufgelöst aufzuzeichnen. Das bedeutet, dass zur Informationsgewinnung nicht nur herkömmlich drei spektrale Bänder (RGB), sondern bis zu eintausend genutzt werden.

Das Fraunhofer IWS Dresden entwickelt eine integrierte HSI-Lösung, die das Potenzial der HSI-Technologie in zuverlässige Hard- und Software überführt und für...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Marine Pilze – hervorragende Quellen für neue marine Wirkstoffe?

28.06.2017 | Veranstaltungen

Willkommen an Bord!

28.06.2017 | Veranstaltungen

Internationale Fachkonferenz IEEE ICDCM - Lokale Gleichstromnetze bereichern die Energieversorgung

27.06.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

EUROSTARS-Projekt gestartet - mHealth-Lösung: time4you Forschungs- und Entwicklungspartner bei IMPACHS

28.06.2017 | Unternehmensmeldung

Proteine entdecken, zählen, katalogisieren

28.06.2017 | Biowissenschaften Chemie

Neue Scheinwerfer-Dimension: Volladaptive Lichtverteilung in Echtzeit

28.06.2017 | Automotive