Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Ökosystem Korallenriff: Riffsande leisten bedeutenden Beitrag zum Recycling von Korallen-Eizellen und Spermien

30.04.2004


Was jetzt bei uns seit ein paar Wochen jedem Allergiker die Tränen der Verzweiflung ins Gesicht treibt sind Pollen, Pollen über Pollen. Es ist eben die Art und Weise, wie sich Windbestäuber auf der Nordhalbkugel unseres Planeten seit Urzeiten fortpflanzen, die das Immunsystem vieler Menschen überreagieren lässt. Bei den Korallenblüten ist es ähnlich wie bei den Gräsern, allerdings übernimmt hier die Meeresströmung und nicht der Wind die Verbreitung der Geschlechtszellen. Im australischen Great Barrier Reef haben jetzt Biologen vom Bremer Max-Planck-Institut für marine Mikrobiologie das Schicksal der in nur einer Nacht im Jahr geballt abgegebenen Korallen- Eier und Spermien genauer verfolgt.


Zeitgleiches Ablaichen: Dichte Gametenwolken durchziehen das Korallenriff während des Coral Spawnings. A) Eine einzelne Geweihkoralle gibt gerade ihre Spermien und Eizellen ab. B) Überblick über eine Korallengemeinschaft. C) Dank ihres Auftriebs sammeln sich die rötlichen Eizellen an der Wasseroberfläche. D) Detailaufnahme der abgegeben Eipakete.



Im Gegensatz zu ihren Vettern an Land, die sich ein paar Wochen mit dem Bestäubungsprozess Zeit lassen, haben die Korallen im Great Barrier Reef nur einmal im Jahr ein paar Nächte Zeit für ihren Sex. Das Absondern der Geschlechtszellen (Gameten) muss synchronisiert sein, weil sonst Ei und Spermium wegen der Meeresströmungen nicht zueinander kommen können und so die Chancen einer Befruchtung drastisch sinken würden. Dieses Handicap hat zur Folge, dass einmal im Jahr das komplette Korallenriff seine Gameten ausstossen muss. In den 80er Jahren wurde dieser Prozess zum ersten Mal wissenschaftlich dokumentiert und in Zusammenhang mit der Mondphase und Wassertemperatur gebracht. Je nach Korallenriff und Art tritt dieses "Coral Spawning" immer im australischen Frühsommer in den Monaten Oktober bis Dezember auf. In einer sehr kurzen Zeitperiode werden soviele Gameten geballt entlassen, dass Schnorchler im Wasser Schwierigkeiten haben, mehr als einen Meter weit zu sehen.



Korallenriffe im Great Barrier Reef sind Teil einer extrem nährstoffarmen Welt. Die Gameten stellen neben ihrem primären biologischen Zweck der Vermehrung der Korallen eine riesige Menge organischen Materials dar, das umgehend in die Nahrungskette des Riffs wieder eingeschleust werden muss, weil es sonst für die Riffgemeinschaft verloren wäre. Die Wissenschaftler haben kurz vor, während und nach einem Coral Spawning-Ereignis im November 2001 Messungen der biologischen Aktivität in den kalkigen Riffsanden gemessen. Kurz nach der massenhaften Abgabe der Gameten stieg der Sauerstoffverbrauch im Sediment steil an - der Beweis dafür, dass die in den Sedimenten lebenden Mikroorganismen ihre Zersetzungsarbeit aufgenommen haben. Elf Tage danach ging die Aktivität wieder zurück und pendelte sich auf den Ausgangswert ein. Diese Befunde zeigen das enorme Umsetzungspotenzial dieser Riffsande und ihre starke biokatalytische Aktivität.

Titel der Originalarbeit: "Rapid recycling of coral mass spawning products in permeable reef sediments" , Christian Wild, Ralph Tollrian, Markus Hüttel, Marine Ecology Progress Series 271, 159-166, 2004

Max-Planck-Institut für marine Mikrobiologie
Celsiusstr. 1, 28359 Bremen
Dr. Christian Wild, cwild@mpi-bremen.de

Dr. Christian Wild | Max-Planck-Gesellschaft
Weitere Informationen:
http://www.mpi-bremen.de

Weitere Berichte zu: Barrier Gameten Korallenriff Pollen Reef Riffsand Spermien

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Biowissenschaften Chemie:

nachricht Stachellose Bienen lassen Nester von Soldatinnen verteidigen
24.02.2017 | Johannes Gutenberg-Universität Mainz

nachricht Neuer Mechanismus der Gen-Inaktivierung könnte vor Altern und Krebs schützen
23.02.2017 | Leibniz-Institut für Alternsforschung - Fritz-Lipmann-Institut e.V. (FLI)

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Biowissenschaften Chemie >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: „Vernetzte Autonome Systeme“ von acatech und DFKI auf der CeBIT

Auf der IT-Messe CeBIT vom 20. bis 24. März präsentieren acatech – Deutsche Akademie der Technikwissenschaften und das Deutsche Forschungszentrum für Künstliche Intelligenz (DFKI) in Kooperation mit der Deutschen Messe AG vernetzte Autonome Systeme. In Halle 12 am Stand B 63 erwarten die Besucherinnen und Besucher unter anderem Roboter, die Hand in Hand mit Menschen zusammenarbeiten oder die selbstständig gefährliche Umgebungen erkunden.

Auf der IT-Messe CeBIT vom 20. bis 24. März präsentieren acatech – Deutsche Akademie der Technikwissenschaften und das Deutsche Forschungszentrum für...

Im Focus: Kühler Zwerg und die sieben Planeten

Erdgroße Planeten mit gemäßigtem Klima in System mit ungewöhnlich vielen Planeten entdeckt

In einer Entfernung von nur 40 Lichtjahren haben Astronomen ein System aus sieben erdgroßen Planeten entdeckt. Alle Planeten wurden unter Verwendung von boden-...

Im Focus: Mehr Sicherheit für Flugzeuge

Zwei Entwicklungen am Lehrgebiet Rechnerarchitektur der FernUniversität in Hagen können das Fliegen sicherer machen: ein Flugassistenzsystem, das bei einem totalen Triebwerksausfall zum Einsatz kommt, um den Piloten ein sicheres Gleiten zu einem Notlandeplatz zu ermöglichen, und ein Assistenzsystem für Segelflieger, das ihnen das Erreichen größerer Höhen erleichtert. Präsentiert werden sie von Prof. Dr.-Ing. Wolfram Schiffmann auf der Internationalen Fachmesse für Allgemeine Luftfahrt AERO vom 5. bis 8. April in Friedrichshafen.

Zwei Entwicklungen am Lehrgebiet Rechnerarchitektur der FernUniversität in Hagen können das Fliegen sicherer machen: ein Flugassistenzsystem, das bei einem...

Im Focus: HIGH-TOOL unterstützt Verkehrsplanung in Europa

Forschung am Karlsruher Institut für Technologie (KIT) unterstützt die Europäische Kommission bei der Verkehrsplanung: Anhand des neuen Modells HIGH-TOOL lässt sich bewerten, wie verkehrspolitische Maßnahmen langfristig auf Wirtschaft, Gesellschaft und Umwelt wirken. HIGH-TOOL ist ein frei zugängliches Modell mit Modulen für Demografie, Wirtschaft und Ressourcen, Fahrzeugbestand, Nachfrage im Personen- und Güterverkehr sowie Umwelt und Sicherheit. An dem nun erfolgreich abgeschlossenen EU-Projekt unter der Koordination des KIT waren acht Partner aus fünf Ländern beteiligt.

Forschung am Karlsruher Institut für Technologie (KIT) unterstützt die Europäische Kommission bei der Verkehrsplanung: Anhand des neuen Modells HIGH-TOOL lässt...

Im Focus: Zinn in der Photodiode: nächster Schritt zur optischen On-Chip-Datenübertragung

Schon lange suchen Wissenschaftler nach einer geeigneten Lösung, um optische Komponenten auf einem Computerchip zu integrieren. Doch Silizium und Germanium allein – die stoffliche Basis der Chip-Produktion – sind als Lichtquelle kaum geeignet. Jülicher Physiker haben nun gemeinsam mit internationalen Partnern eine Diode vorgestellt, die neben Silizium und Germanium zusätzlich Zinn enthält, um die optischen Eigenschaften zu verbessern. Das Besondere daran: Da alle Elemente der vierten Hauptgruppe angehören, sind sie mit der bestehenden Silizium-Technologie voll kompatibel.

Schon lange suchen Wissenschaftler nach einer geeigneten Lösung, um optische Komponenten auf einem Computerchip zu integrieren. Doch Silizium und Germanium...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Österreich erzeugt erstmals Erdgas aus Sonnen- und Windenergie

24.02.2017 | Veranstaltungen

Big Data Centrum Ostbayern-Südböhmen startet Veranstaltungsreihe

23.02.2017 | Veranstaltungen

DFG unterstützt Kongresse und Tagungen - April 2017

23.02.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Österreich erzeugt erstmals Erdgas aus Sonnen- und Windenergie

24.02.2017 | Veranstaltungsnachrichten

Sechs Bundesländer erproben Online-Schultests der Uni Jena

24.02.2017 | Bildung Wissenschaft

Stachellose Bienen lassen Nester von Soldatinnen verteidigen

24.02.2017 | Biowissenschaften Chemie