Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Zellen auf Bestellung und zur Heilung

27.04.2004


Forscher entwickeln molekulare Landschaft für gezieltes Wachstum



Ein europäisches Forscherteam will dem Geheimnis der Zellen auf die Spur kommen, um die Eigenschaften dann für Medizin und Forschung zu verwenden. Das Projekt CellPROM will den Effekt der Umweltprägung nutzen, daher entwickeln die Forscher molekulare Landschaften, in denen Zellen genau die Eigenschaften entwickeln, die für medizinische Zelltherapien und Biotechnologie benötigt werden. Das berichtet das Fraunhofer-Institut für Biomedizinische Technik IBMT.



"Man hat sich lange nicht gesehen, und doch erkennen wir den alten Bekannten sofort wieder, wenn wir ihm auf der Straße begegnen. Was selbstverständlich erscheint, ist tatsächlich ein kleines Wunder", meint Günter Fuhr, Leiter des IBMT und Koordinator des EU-Projekts CellPROM. Der Grund des Wunders liegt darin, dass Hautzellen nur ein paar Monate leben, dann absterben und durch neue ersetzt werden. "Trifft man einen alten Bekannten nach Jahren wieder, ist in seinem Gesicht keine Zelle mehr die alte. Trotzdem wird er wieder erkannt", so Fuhr. "Das Grundmuster wird erstaunlich stabil reproduziert", meint Fuhr. Eine solche präzise Reproduktion von Zellen lässt sich ausschließlich durch das Genom nicht erklären. "Wenn die Gene allein verantwortlich wären, würde man den Bekannten schon nach einigen Monaten nicht wieder erkennen, denn bei jeder Zellteilung treten Mutationen auf. Das heißt, dass die Informationsübertragung daher nicht ganz korrekt ist", erklärt der Experte.

"Zu einem sehr präzisen Ergebnis führt hingegen die Wechselwirkung zwischen den Zelloberflächen, die dafür sorgt, dass die Zelle nahezu passgenau reproduziert wird", führt Fuhr aus. Gemeinsam mit 27 Teams aus ganz Europa will der Fraunhofer-Wissenschaftler in den kommenden vier Jahren herausfinden, wie man die Wechselwirkung der Oberflächen nutzen kann, um die Eigenschaften von Zellen zu steuern. Dabei geht es aber nicht nur um die Form der Zelloberflächen, sondern auch um die Funktion einer Zelle. Wenn etwa eine neutrale, noch undifferenzierte Tochterstammzelle an bestimmten Zellen im Knochenmark vorbeidriftet, finden zwischen den Oberflächen makromolekulare Bindungen statt. "Diese Reaktionen entscheiden darüber, ob sich die Stammzelle in ein rotes Blutkörperchen verwandelt, das Sauerstoff durch die Blutgefäße transportiert, in eine weiße Blutzelle, die für die Immunabwehr zuständig ist, oder in eine Fresszelle, die Viren und Bakterien den Garaus macht", berichtet Fuhr. Erst nach dieser "Entscheidung" wird ein genetisches Programm angeschaltet.

Im Projekt CellPROM wollen die Forscher Oberflächen mit Makromolekülen belegen. Diese "Nanomolekularen Landschaften" können Zellen in ihrer Entwicklung beeinflussen. "Unsere Vision ist eine individuelle Zelldifferenzierung", sagt Fuhr. Im Projekt soll ein modulares Gerätesystem entwickelt werden, das kopiert, was im menschlichen Körper immer wieder stattfindet. "Wenn es gelingt, diese Prozesse nachzuvollziehen, könnten wir gezielt Zellen für die Behandlung von Krebs, Immunschwäche, Autoimmunkrankheiten oder die Bluterkrankheit herstellen. Da bei der Zelltherapie nur körpereigene Stammzellen vermehrt und injiziert werden, gibt es auch keine immunologischen Probleme", berichtet der Forscher.

Wolfgang Weitlaner | pressetext.deutschland
Weitere Informationen:
http://www.ibmt.fraunhofer.de

Weitere Berichte zu: CellPROM Stammzelle Wechselwirkung Zelle Zelloberfläche

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Biowissenschaften Chemie:

nachricht 'Fix Me Another Marguerite!'
23.06.2017 | Universität Regensburg

nachricht Schimpansen belohnen Gefälligkeiten
23.06.2017 | Max-Planck-Institut für Mathematik in den Naturwissenschaften (MPIMIS)

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Biowissenschaften Chemie >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Can we see monkeys from space? Emerging technologies to map biodiversity

An international team of scientists has proposed a new multi-disciplinary approach in which an array of new technologies will allow us to map biodiversity and the risks that wildlife is facing at the scale of whole landscapes. The findings are published in Nature Ecology and Evolution. This international research is led by the Kunming Institute of Zoology from China, University of East Anglia, University of Leicester and the Leibniz Institute for Zoo and Wildlife Research.

Using a combination of satellite and ground data, the team proposes that it is now possible to map biodiversity with an accuracy that has not been previously...

Im Focus: Klima-Satellit: Mit robuster Lasertechnik Methan auf der Spur

Hitzewellen in der Arktis, längere Vegetationsperioden in Europa, schwere Überschwemmungen in Westafrika – mit Hilfe des deutsch-französischen Satelliten MERLIN wollen Wissenschaftler ab 2021 die Emissionen des Treibhausgases Methan auf der Erde erforschen. Möglich macht das ein neues robustes Lasersystem des Fraunhofer-Instituts für Lasertechnologie ILT in Aachen, das eine bisher unerreichte Messgenauigkeit erzielt.

Methan entsteht unter anderem bei Fäulnisprozessen. Es ist 25-mal wirksamer als das klimaschädliche Kohlendioxid, kommt in der Erdatmosphäre aber lange nicht...

Im Focus: Climate satellite: Tracking methane with robust laser technology

Heatwaves in the Arctic, longer periods of vegetation in Europe, severe floods in West Africa – starting in 2021, scientists want to explore the emissions of the greenhouse gas methane with the German-French satellite MERLIN. This is made possible by a new robust laser system of the Fraunhofer Institute for Laser Technology ILT in Aachen, which achieves unprecedented measurement accuracy.

Methane is primarily the result of the decomposition of organic matter. The gas has a 25 times greater warming potential than carbon dioxide, but is not as...

Im Focus: How protons move through a fuel cell

Hydrogen is regarded as the energy source of the future: It is produced with solar power and can be used to generate heat and electricity in fuel cells. Empa researchers have now succeeded in decoding the movement of hydrogen ions in crystals – a key step towards more efficient energy conversion in the hydrogen industry of tomorrow.

As charge carriers, electrons and ions play the leading role in electrochemical energy storage devices and converters such as batteries and fuel cells. Proton...

Im Focus: Die Schweiz in Pole-Position in der neuen ESA-Mission

Die Europäische Weltraumagentur ESA gab heute grünes Licht für die industrielle Produktion von PLATO, der grössten europäischen wissenschaftlichen Mission zu Exoplaneten. Partner dieser Mission sind die Universitäten Bern und Genf.

Die Europäische Weltraumagentur ESA lanciert heute PLATO (PLAnetary Transits and Oscillation of stars), die grösste europäische wissenschaftliche Mission zur...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Von Batterieforschung bis Optoelektronik

23.06.2017 | Veranstaltungen

10. HDT-Tagung: Elektrische Antriebstechnologie für Hybrid- und Elektrofahrzeuge

22.06.2017 | Veranstaltungen

„Fit für die Industrie 4.0“ – Tagung von Hochschule Darmstadt und Schader-Stiftung am 27. Juni

22.06.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Radioaktive Elemente in Cassiopeia A liefern Hinweise auf Neutrinos als Ursache der Supernova-Explosion

23.06.2017 | Physik Astronomie

Dünenökosysteme modellieren

23.06.2017 | Ökologie Umwelt- Naturschutz

Makro-Mikrowelle macht Leichtbau für Luft- und Raumfahrt effizienter

23.06.2017 | Materialwissenschaften