Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Neues therapeutisches Molekül treibt Krebszellen in den Selbstmord

05.04.2004


Forscher des "Nationalen Genomforschungsnetzes" (NGFN) haben ein Eiweiß konstruiert, das den Selbstmord von Krebszellen auslösen kann. Das Eiweiß stört eine Signalkette, die viele Krebszellen unbedingt zum Überleben brauchen. Das Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) fördert das NGFN seit 2001 mit 180 Millionen Euro.



NGFN-Wissenschaftler am Georg-Speyer-Hauses in Frankfurt/Main haben ein künstliches Eiweiß hergestellt, das eine für Tumorzellen überlebenswichtige Signalkette blockiert und dadurch den Selbstmord der Krebszellen einleitet.



Stat3 funktioniert wie ein winziger Schalter. Wenn Stat3 aktiviert - also angeschaltet - ist, läuft in der Zelle das Programm "Wachstum, Überleben und Vermehrung" ab. In Krebszellen ist Stat3 häufig permanent angeschaltet. Dies führt dazu, dass sich Zellen unkontrolliert vermehren. Das kleine, künstliche Eiweiß der Frankfurter Forscher unterbricht die Stat3-Signalkette und damit die unkontrollierte Vermehrung der Krebszellen.

Für das Wachstum braucht eine Zelle Signale von außen in Form von biochemischen Botenstoffen, die an der Oberfläche der Zelle andocken. Die Andockstellen funktionieren wie winzige Antennen. Die Antenne verformt sich und aktiviert dadurch im Inneren der Zelle zum Beispiel das Eiweiß Stat3, das dann bestimmte Betriebsprogramme in der Zelle in Gang setzt.

Das Forscherteam unter Leitung von Professor Bernd Groner hat in einer "Bibliothek" mit mehreren Millionen von kleinen, künstlich hergestellten Eiweißen eines gefunden, das sich gezielt an Stat3 anlagert. Es blockiert damit eine Stelle am Stat3, die für die Bindung an die Erbsubstanz DNA wichtig ist. Bestimmte Gene können dann nicht mehr abgelesen werden und das Programm "Wachstum und Vermehrung" wird abgeschaltet. Stattdessen leitet die Zelle ihren eigenen Tod ein. Auf diese Weise tötet das Eiweiß Tumorzellen. Solche kleinen Substanzen, die exakt in bestimmte Vertiefungen und Hohlräume von Eiweißmolekülen passen, werden Aptamere genannt.

Mit einer ähnlichen Strategie hatten die NGFN-Wissenschaftler ein Jahr zuvor bereits ein Aptamer gefunden, das ebenfalls die Vermehrung von Krebszellen verhindert, aber an einem anderen Eiweiß angreift. Dieses lagert sich an ein Eiweiß an der Zelloberfläche an, das Signale von wachstumsfördernden Botenstoffen empfangen kann. Aptamere können möglicherweise in der Zukunft als neue Waffen gegen Krebs eingesetzt werden. Dazu müssen sie als Arzneimittel entwickelt und in ihren Eigenschaften optimiert werden.

Das Projekt von Professor Groner ist Teil des "Nationalen Genomforschungsnetzes". Das Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) fördert seit Mitte 2001 mehrere hundert Teilprojekte zur Verbesserung des Verständnisses und der Therapie von Krankheiten durch Genomforschung mit insgesamt 180 Mio. Euro. Nach einer sehr guten Zwischenbewertung durch ein internationales Gutachtergremium wird das Nationale Genomforschungsnetz nun für weitere drei Jahre fortgesetzt. Das Genomforschungsnetz Krebs, eines von fünf Krankheitsnetzen im NGFN, kann bereits zahlreiche Erfolge vorweisen kann. So wurde im Georg Speyer Haus in Frankfurt ein weiteres, neues Medikament gegen Krebs entdeckt, die Valproinsäure. Berliner Wissenschaftler identifizierten ein Gen, das zu der Entstehung von Hodgkin-Krebs beiträgt. An den Standorten München und Frankfurt haben NGFN-Wissenschaftler herausgefunden, warum das Medikament Glivec, das normalerweise erfolgreich gegen Blutkrebs eingesetzt wird, bei manchen Patienten nicht wirkt. Die Erfolge zeigen, dass durch die Zusammenarbeit im NGFN die Chancen der Genomforschung zum Fortschritt in der Medizin eindrucksvoll genutzt werden.

Die Forschungsergebnisse zur Blockierung der Signalkette in Krebszellen wurden in den Fachzeitschriften "Molecular Cancer Research" (Band 2, März 2004) und "Journal of Biological Chemistry" (Band 278, September 2003) veröffentlicht.

Für weitere Informationen:
Projektmanagement NGFN
Projektträger im DLR
Postfach 240107
53154 Bonn
Tel.: ++49-(0)228-3821 331
Fax : ++49-(0)228-3821 332
pm-ngfn@dlr.de

Dipl. Met. Birgit Drüen | idw
Weitere Informationen:
http://www.ngfn.de

Weitere Berichte zu: Eiweiß Genomforschungsnetz Krebszelle NGFN Selbstmord Stat3 Zelle

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Biowissenschaften Chemie:

nachricht Schnelle individualisierte Therapiewahl durch Sortierung von Biomolekülen und Zellen mit Licht
18.10.2017 | Fraunhofer-Institut für Lasertechnik ILT

nachricht Pflanzen können drei Eltern haben
18.10.2017 | Universität Bremen

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Biowissenschaften Chemie >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Schnelle individualisierte Therapiewahl durch Sortierung von Biomolekülen und Zellen mit Licht

Im Blut zirkulierende Biomoleküle und Zellen sind Träger diagnostischer Information, deren Analyse hochwirksame, individuelle Therapien ermöglichen. Um diese Information zu erschließen, haben Wissenschaftler des Fraunhofer-Instituts für Lasertechnik ILT ein Mikrochip-basiertes Diagnosegerät entwickelt: Der »AnaLighter« analysiert und sortiert klinisch relevante Biomoleküle und Zellen in einer Blutprobe mit Licht. Dadurch können Frühdiagnosen beispielsweise von Tumor- sowie Herz-Kreislauf-Erkrankungen gestellt und patientenindividuelle Therapien eingeleitet werden. Experten des Fraunhofer ILT stellen diese Technologie vom 13.–16. November auf der COMPAMED 2017 in Düsseldorf vor.

Der »AnaLighter« ist ein kompaktes Diagnosegerät zum Sortieren von Zellen und Biomolekülen. Sein technologischer Kern basiert auf einem optisch schaltbaren...

Im Focus: Neue Möglichkeiten für die Immuntherapie beim Lungenkrebs entdeckt

Eine gemeinsame Studie der Universität Bern und des Inselspitals Bern zeigt, dass spezielle Bindegewebszellen, die in normalen Blutgefässen die Wände abdichten, bei Lungenkrebs nicht mehr richtig funktionieren. Zusätzlich unterdrücken sie die immunologische Bekämpfung des Tumors. Die Resultate legen nahe, dass diese Zellen ein neues Ziel für die Immuntherapie gegen Lungenkarzinome sein könnten.

Lungenkarzinome sind die häufigste Krebsform weltweit. Jährlich werden 1.8 Millionen Neudiagnosen gestellt; und 2016 starben 1.6 Millionen Menschen an der...

Im Focus: Sicheres Bezahlen ohne Datenspur

Ob als Smartphone-App für die Fahrkarte im Nahverkehr, als Geldwertkarten für das Schwimmbad oder in Form einer Bonuskarte für den Supermarkt: Für viele gehören „elektronische Geldbörsen“ längst zum Alltag. Doch vielen Kunden ist nicht klar, dass sie mit der Nutzung dieser Angebote weitestgehend auf ihre Privatsphäre verzichten. Am Karlsruher Institut für Technologie (KIT) entsteht ein sicheres und anonymes System, das gleichzeitig Alltagstauglichkeit verspricht. Es wird nun auf der Konferenz ACM CCS 2017 in den USA vorgestellt.

Es ist vor allem das fehlende Problembewusstsein, das den Informatiker Andy Rupp von der Arbeitsgruppe „Kryptographie und Sicherheit“ am KIT immer wieder...

Im Focus: Neutron star merger directly observed for the first time

University of Maryland researchers contribute to historic detection of gravitational waves and light created by event

On August 17, 2017, at 12:41:04 UTC, scientists made the first direct observation of a merger between two neutron stars--the dense, collapsed cores that remain...

Im Focus: Breaking: the first light from two neutron stars merging

Seven new papers describe the first-ever detection of light from a gravitational wave source. The event, caused by two neutron stars colliding and merging together, was dubbed GW170817 because it sent ripples through space-time that reached Earth on 2017 August 17. Around the world, hundreds of excited astronomers mobilized quickly and were able to observe the event using numerous telescopes, providing a wealth of new data.

Previous detections of gravitational waves have all involved the merger of two black holes, a feat that won the 2017 Nobel Prize in Physics earlier this month....

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Mobilität 4.0: Konferenz an der Jacobs University

18.10.2017 | Veranstaltungen

Smart MES 2017: die Fertigung der Zukunft

18.10.2017 | Veranstaltungen

DFG unterstützt Kongresse und Tagungen - Dezember 2017

17.10.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Schnelle individualisierte Therapiewahl durch Sortierung von Biomolekülen und Zellen mit Licht

18.10.2017 | Biowissenschaften Chemie

Biokunststoffe könnten auch in Traktoren die Richtung angeben

18.10.2017 | Messenachrichten

»ILIGHTS«-Studie gestartet: Licht soll Wohlbefinden von Schichtarbeitern verbessern

18.10.2017 | Energie und Elektrotechnik