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Was uns Mini-Gendefekte über Erkrankungsrisiken verraten

31.03.2004


Neu an der Universität Jena: Prof. Funke erforscht genetische Grundlagen komplexer Erkrankungen



"Snips und Chips", darunter lassen sich die Forschungsaktivitäten von Prof. Dr. Harald Funke (51) subsumieren. Der Mediziner hofft an Hand von kleinen Variationen in unserem Erbgut Krankheitsrisiken vorhersagen zu können. Funke ist kürzlich zum Professor für Molekulare Hämostaseologie an der Friedrich-Schiller-Universität Jena ernannt worden. Die neue Professur ist vom Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) gestiftet worden.



"Snips" oder wissenschaftlich korrekt SNPs (single nucleotide polymorphisms) sind kleinste Variationen in unserer Erbinformation, die durch den Austausch einzelner Nukleotidbausteine in der DNS zustande kommen. Die genetische Information aller Menschen stimmt zu mehr als 99 % überein. Doch jeder 500. bis 1 000. Baustein weist Unterschiede auf. Die meisten Unterschiede sind funktionell nicht von Bedeutung. Wenn sie jedoch zu einer Änderung der Zusammensetzung eines Proteins oder seiner Menge führen, können Veränderungen in unserem Stoffwechsel auftreten. "Dass einzelne SNPs direkt eine Krankheit auslösen ist selten", weiß Prof. Funke. So identifizierte er beispielsweise 1998 die Gendefekte für die Tangierkrankheit, einer seltenen Fettstoffwechselstörung, die eng mit dem Auftreten von Herzinfarkten in sehr jungen Lebensaltern verknüpft ist.

Der Mediziner, der in Münster studierte, promovierte und sich dort 1994 habilitierte, interessiert sich jedoch mehr für die Rolle von SNPs bei komplexen Erkrankungen, wie Atherosklerose oder Schlaganfall. "Die durch SNPs hervorgerufenen Variationen im Erbmaterial können Auskunft darüber geben, wie hoch z. B. das Risiko eines Patienten ist, an Atherosklerose zu erkranken oder einen Herzinfarkt oder Schlaganfall zu erleiden", erläutert Funke seinen Ansatz. Gemeinsam ist den drei Erkrankungen, dass Pfropfen aus geronnenem Blut wichtige Gefäße verstopfen, daher sind alle SNPs in Genen, die letztlich an der Entstehung dieser Gerinnsel beteiligt sind, für ihn von besonderem Interesse.

"Den Einfluss einzelner SNPs bei der Entwicklung einer komplexen Erkrankung nachzuweisen ist schwer. Denn die Natur verrechnet die verschiedenen positiven und negativen Wirkungen einzelner Polymorphismen bereits miteinander", so Funke. Das Resultat dieser durch die Natur vorgenommenen Verrechnung einzelner SNP-Einflüsse kann er auf Genexpressions-Chips ablesen. DNS-Stücke vieler aktiver Gene werden auf einem fingernagelgroßem Chip-Areal angeordnet. Genproben, die aus den weißen Blutzellen (Leukozyten) von Probanden stammen, werden bei dem automatisierten Verfahren mit den Genstücken auf dem Chip verglichen.

In Funkes Arbeitsgruppe wird die etablierte Chiptechnik dazu genutzt, eigene Chips zu entwickeln, mit denen Risikopatienten erkannt werden sollen. Die auf "Snips und Chips" basierenden Diagnosemethoden sollen dem Arzt bei der Auswahl der für einen bestimmten Patienten am besten geeigneten Therapie helfen. Das ist das Fernziel, auf das der neue Professor hinarbeitet. Dass er an der Jenaer Universität sowohl in den Arbeitsgruppen des Interdisziplinären Forschungszentrums für Klinische Forschung (IZKF) als auch im Institut für Vaskuläre Medizin versierte Kooperationspartner antrifft, war ein Hauptgrund für ihn, den Ruf nach Jena anzunehmen.

Kontakt:
Prof. Dr. med. Harald Funke
Molekulare Hämostaseologie
Institut für Vaskuläre Medizin der Universität Jena
Bachstr. 18, 07743 Jena
Tel.: 03641 / 934007; Fax: 03641 / 933950
E-Mail: harald.funke@med.uni-jena.de

Stefanie Hahn | idw

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