Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Wie erneuern sich Organe? GSF gründet Institut für Stammzellforschung

26.03.2004


Dr. Magdalena Götz, Leiterin des neu gegründeten Instituts für Stammzellforschung (Foto: GSF)

Gleichgültig, ob der Zelltod durch Altersschwäche oder durch Verletzungen eintritt: In den meisten Organen stehen Stammzellen als Ersatztteillager zur Verfügung. Mit ihrer Hilfe kann unser Körper verletztes Gewebe und abgestorbene Zellen ersetzen, da Stammzellen die Fähigkeit haben, sich weiter zu teilen und alle Zellen eines Organs wieder zu bilden - diese Eigenschaft macht sie auch zu einem Hoffnungsträger für die Entwicklung neuer Therapien in der Medizin. Als erste Einrichtung innerhalb der Hermann von Helmholtz-Gemeinschaft Deutscher Forschungszentren hat die GSF jetzt ein eigenes Institut für Stammzellforschung gegründet. Ziel des neuen Institutes wird es sein, Stammzellen, sowohl während der Entwicklung als auch im ausgewachsenen Gewebe molekular und zellbiologisch zu charakterisieren. Diese Forschung hat langfristig zum Ziel, körpereigene Reparaturmechanismen zu aktivieren.

Der Forschungsschwerpunkt der Leiterin des neuen Instituts, PD Dr. Magdalena Götz, liegt auf der Bildung und Regeneration von Nervenzellen: Das Gehirn aller Säugetiere ist im Unterschied zu anderen Organen nur bedingt reparaturfähig, denn abgestorbene Nervenzellen werden nicht regeneriert. Stattdessen muss ihr Ausfall kompensiert werden, indem andere Nervenzellen ihre Aufgaben mit übernehmen. Götz interessiert sich besonders für die Frage, warum ausgerechnet diese Zellen nicht ersetzt werden, und wie ihre Neubildung angeregt werden könnte.

In einem ersten Schritt gelang der Entwicklungsbiologin im Mausmodell der Nachweis, dass Stammzellen während der Entwicklung und im adulten Gehirn sehr ähnlich sind - es sind nämlich in beiden Fällen Gliazellen. Die sogenannten radialen Gliazellen treten nur während der Entwicklung des Gehirns auf und wurden lange Zeit ausschließlich als Vorläufer für ausdifferenzierte Gliazellen betrachtet, denen im Gehirn vor allem unterstützende Funktionen zugeschrieben werden. Götz wies nach, dass sich aus radialen Gliazellen während der Gehirnentwicklung auch Nervenzellen bilden, es sich also um Stammzellen handelt. "Interessanterweise gibt es auch im erwachsenen Gehirn der Maus neurale Stammzellen, die als Gliazellen identifiziert wurden", erzählt Götz, schränkt aber ein: "Trotzdem gibt es nur eine sehr beschränkte Neubildung von Nervenzellen im erwachsenen Gehirn, da diese adulten Stammzellen auf kleine Regionen des Gehirns beschränkt sind."

Zu verstehen, warum dies der Fall ist, und wie Stammzellen in anderen Gehirnregionen angeregt werden könnten, ist eine der wichtigsten Voraussetzungen, um die Regeneration von Nervenzellen zu erreichen. Hier ist auch der Vergleich mit anderen Organen wie z.B dem Blutsystem sehr interessant, denn das Blutsystem erneuert seine Zellen ständig. Aus diesem Grund werden am Institut für Stammzellforschung auch mehrere Nachwuchsgruppen angesiedelt sein, die Stammzellen anderer Organe unter die Lupe nehmen. Der Schwerpunkt aller Arbeiten wird auf adulten, tierischen Stammzellen liegen, die helfen sollen, körpereigene Reparaturmechanismen zu identifizieren.

"Ich denke, dass auf lange Sicht gesehen gerade für das Gehirn und das Zentrale Nervensystem die Stammzelltransplantation eine wichtige Therapieform werden kann, denn bisher können prinzipiell abgestorbene Neurone fast nicht ersetzt werden", blickt Götz in die Zukunft. Gelingt es, die Gliazellen im erwachsenen Gehirn wieder zur Bildung neuer Neuronen anzuregen, könnten beispielsweise Schlaganfallpatienten wieder hoffen, die bisher Ausfälle nur durch das Training intakt gebliebener Hirnbereiche kompensieren können. Allerdings wird dies noch einige Zeit dauern, wie Götz betont: "Wir befinden uns im Stadium der Grundlagenforschung und ich halte es für sehr wichtig, zuerst die bisher noch viel zu wenig verstandenen Grundlagen und Mechanismen aufzuklären."

Gertrud Aßmann | idw
Weitere Informationen:
http://www.gsf.de/Aktuelles/Presse/stammzellforschung.phtml

Weitere Berichte zu: Gliazelle Nervenzelle Organ Stammzelle Stammzellforschung

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Biowissenschaften Chemie:

nachricht Stottern: Stoppsignale im Gehirn verhindern flüssiges Sprechen
12.12.2017 | Max-Planck-Institut für Kognitions- und Neurowissenschaften

nachricht Undercover im Kampf gegen Tuberkulose
12.12.2017 | Gesellschaft Deutscher Chemiker e.V.

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Biowissenschaften Chemie >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Long-lived storage of a photonic qubit for worldwide teleportation

MPQ scientists achieve long storage times for photonic quantum bits which break the lower bound for direct teleportation in a global quantum network.

Concerning the development of quantum memories for the realization of global quantum networks, scientists of the Quantum Dynamics Division led by Professor...

Im Focus: Electromagnetic water cloak eliminates drag and wake

Detailed calculations show water cloaks are feasible with today's technology

Researchers have developed a water cloaking concept based on electromagnetic forces that could eliminate an object's wake, greatly reducing its drag while...

Im Focus: Neue Einblicke in die Materie: Hochdruckforschung in Kombination mit NMR-Spektroskopie

Forschern der Universität Bayreuth und des Karlsruhe Institute of Technology (KIT) ist es erstmals gelungen, die magnetische Kernresonanzspektroskopie (NMR) in Experimenten anzuwenden, bei denen Materialproben unter sehr hohen Drücken – ähnlich denen im unteren Erdmantel – analysiert werden. Das in der Zeitschrift Science Advances vorgestellte Verfahren verspricht neue Erkenntnisse über Elementarteilchen, die sich unter hohen Drücken oft anders verhalten als unter Normalbedingungen. Es wird voraussichtlich technologische Innovationen fördern, aber auch neue Einblicke in das Erdinnere und die Erdgeschichte, insbesondere die Bedingungen für die Entstehung von Leben, ermöglichen.

Diamanten setzen Materie unter Hochdruck

Im Focus: Scientists channel graphene to understand filtration and ion transport into cells

Tiny pores at a cell's entryway act as miniature bouncers, letting in some electrically charged atoms--ions--but blocking others. Operating as exquisitely sensitive filters, these "ion channels" play a critical role in biological functions such as muscle contraction and the firing of brain cells.

To rapidly transport the right ions through the cell membrane, the tiny channels rely on a complex interplay between the ions and surrounding molecules,...

Im Focus: Stabile Quantenbits

Physiker aus Konstanz, Princeton und Maryland schaffen ein stabiles Quantengatter als Grundelement für den Quantencomputer

Meilenstein auf dem Weg zum Quantencomputer: Wissenschaftler der Universität Konstanz, der Princeton University sowie der University of Maryland entwickeln ein...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Innovative Strategien zur Bekämpfung von parasitären Würmern

08.12.2017 | Veranstaltungen

Hohe Heilungschancen bei Lymphomen im Kindesalter

07.12.2017 | Veranstaltungen

Der Roboter im Pflegeheim – bald Wirklichkeit?

05.12.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Mit Quantenmechanik zu neuen Solarzellen: Forschungspreis für Bayreuther Physikerin

12.12.2017 | Förderungen Preise

Stottern: Stoppsignale im Gehirn verhindern flüssiges Sprechen

12.12.2017 | Biowissenschaften Chemie

E-Mobilität: Neues Hybridspeicherkonzept soll Reichweite und Leistung erhöhen

12.12.2017 | Energie und Elektrotechnik