Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Königin der Pflanzen "steht Modell" für die Evolutionsbiologen

23.03.2004


Biologe der Universität Jena erforscht mit neuen DFG-Mitteln Artenvielfalt der Hundsrosen und ihrer Parasiten



Rosen, kaum ein Garten oder Park, den sie nicht schmücken. Als Sinnbild der Liebe inspirieren sie Dichter. Seit Jahrhunderten treiben sie Züchter an, immer neue Sorten zu kreieren. Auch Dr. Volker Wissemann interessiert sich für die Königin der Pflanzen, genauer für die ursprünglichen Wildrosen. Den Evolutionsbiologen von der Friedrich-Schiller-Universität Jena beschäftigt jedoch weniger ihr Symbolgehalt als vielmehr ihre komplizierte Vermehrung, also ihr Liebesleben. Sein Forschungsprojekt zur Genetik von Wildrosen ist nun von der Deutschen Forschungsgemeinschaft (DFG) verlängert worden. Während der nächsten zwei Jahre will der Wissenschaftler mit seiner Arbeitsgruppe vom Institut für Spezielle Botanik der Universität Jena erkunden, wie biologische Vielfalt in den mitteleuropäischen Wildrosen entsteht.



"Wir wollen wissen, wie sich die Hundsrosen vermehren und welche Auswirkungen ihre einzigartige Reproduktionsbiologie auf die Vielfalt der Parasiten hat, die mit ihnen leben", sagt Wissemann. Bereits in seiner Diplomarbeit ging er der Frage nach, ob sich die 30 Arten der europäischen Hundsrosen sexuell vermehren. Im Gegensatz zu kultivierten Sorten und anderen Wildarten besitzen die Hundsrosen nämlich fünf Chromosomensätze, die bei der Fortpflanzung nicht gleichmäßig weitergegeben werden. Die Eizelle einer Hundsrose bekommt vier Chromosomensätze und das Pollenkorn nur einen, um ihn der Folgegeneration in die Wiege zu legen. Deswegen ähneln die Nachkommen immer stärker der Mutterpflanze.

Wissemann konnte durch genetische Untersuchungen nachweisen, dass alle Hundsrosen so genannte Bastarde sind. Denn das Erbmaterial von Generationen von Elternpaaren hat sich über Artgrenzen hinweg fortwährend miteinander vermischt, so dass die heute existierenden Hundsrosen-Hybriden die Merkmale von Rosen aus der ganzen Welt in sich tragen. Zusätzlich konnte gezeigt werden, dass dem merkwürdigen Vermehrungstyp zum Trotz eine voll funktionsfähige sexuelle Vermehrung möglich ist. "Die Hundsrosen sind eine Kombination aus allen Rosen. Sie breiteten sich nach der Eiszeit in Europa aus", erklärt der Jenaer Botaniker.

Dadurch und durch ihre einzigartige Vermehrungsform sind sie ein ideales Objekt, um das Entstehen von Arten und biologischer Vielfalt (Biodiversität) zu studieren. Denn die verschiedenen Rosen können auch verschiedene Parasitenarten, z. B. Rostpilze oder gallbildende Insekten, beherbergen. Die Parasitenart kann sich in dem Maße verändern, wie sich auch die Wirtspflanze ändert. Diesen Prozess nennt man Koevolution.

"In Deutschland haben wir beispielweise für das Zusammenleben der Wildrosen mit den Rostpilzen keine Indizien für solch eine Koevolution gefunden. Das liegt daran, dass das Areal zu einheitlich ist. Es gibt keine Barrieren, die eine enge Bindung und Abhängigkeit der Organismen aneinander bedingen", fasst Wissemann diesen Befund der Arbeitsgruppe zusammen. Bereits im ersten Teil des Forschungsprojektes arbeitete er mit Zoologen, Agrarökologen und Mykologen zusammen. Gemeinsam werden sie nun den neu bewilligten Projektteil angehen. "Kleine enge Lebensräume wie z.B. die Täler des Schweizer Wallis können eine Koevolution begünstigen, daher liegt ein Hauptaugenmerk in dieser Forschungsphase auf der Untersuchung der Interaktion in diesen fragmentierten bzw. isolierten Arealen", so Wissemann. Der Jenaer Wissenschaftler hofft, die Bedeutung der ausgeprägten Hybridisierung für die evolutionäre Geschichte der Hundsrosen zu verstehen und die Lücken im Stammbaum der Gattung weltweit zu füllen.

Kontakt:

Dr. Volker Wissemann
Institut für Spezielle Botanik der Universität Jena
Philosophenweg 16, 07743 Jena
Tel.: 03641 / 949-255 Fax: -252
E-Mail: Volker.Wissemann@uni-jena.de

Stefanie Hahn | idw
Weitere Informationen:
http://www.uni-jena.de

Weitere Berichte zu: Evolutionsbiologe Hundsrosen Koevolution Wildrosen

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Biowissenschaften Chemie:

nachricht Krebsdiagnostik: Pinkeln statt Piksen?
25.05.2018 | Christian-Albrechts-Universität zu Kiel

nachricht Kugelmühlen statt Lösungsmittel: Nanographene mit Mechanochemie
25.05.2018 | Technische Universität Dresden

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Biowissenschaften Chemie >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Starke IT-Sicherheit für das Auto der Zukunft – Forschungsverbund entwickelt neue Ansätze

Je mehr die Elektronik Autos lenkt, beschleunigt und bremst, desto wichtiger wird der Schutz vor Cyber-Angriffen. Deshalb erarbeiten 15 Partner aus Industrie und Wissenschaft in den kommenden drei Jahren neue Ansätze für die IT-Sicherheit im selbstfahrenden Auto. Das Verbundvorhaben unter dem Namen „Security For Connected, Autonomous Cars (SecForCARs) wird durch das Bundesministerium für Bildung und Forschung mit 7,2 Millionen Euro gefördert. Infineon leitet das Projekt.

Bereits heute bieten Fahrzeuge vielfältige Kommunikationsschnittstellen und immer mehr automatisierte Fahrfunktionen, wie beispielsweise Abstands- und...

Im Focus: Powerful IT security for the car of the future – research alliance develops new approaches

The more electronics steer, accelerate and brake cars, the more important it is to protect them against cyber-attacks. That is why 15 partners from industry and academia will work together over the next three years on new approaches to IT security in self-driving cars. The joint project goes by the name Security For Connected, Autonomous Cars (SecForCARs) and has funding of €7.2 million from the German Federal Ministry of Education and Research. Infineon is leading the project.

Vehicles already offer diverse communication interfaces and more and more automated functions, such as distance and lane-keeping assist systems. At the same...

Im Focus: Mit Hilfe molekularer Schalter lassen sich künftig neuartige Bauelemente entwickeln

Einem Forscherteam unter Führung von Physikern der Technischen Universität München (TUM) ist es gelungen, spezielle Moleküle mit einer angelegten Spannung zwischen zwei strukturell unterschiedlichen Zuständen hin und her zu schalten. Derartige Nano-Schalter könnten Basis für neuartige Bauelemente sein, die auf Silizium basierende Komponenten durch organische Moleküle ersetzen.

Die Entwicklung neuer elektronischer Technologien fordert eine ständige Verkleinerung funktioneller Komponenten. Physikern der TU München ist es im Rahmen...

Im Focus: Molecular switch will facilitate the development of pioneering electro-optical devices

A research team led by physicists at the Technical University of Munich (TUM) has developed molecular nanoswitches that can be toggled between two structurally different states using an applied voltage. They can serve as the basis for a pioneering class of devices that could replace silicon-based components with organic molecules.

The development of new electronic technologies drives the incessant reduction of functional component sizes. In the context of an international collaborative...

Im Focus: GRACE Follow-On erfolgreich gestartet: Das Satelliten-Tandem dokumentiert den globalen Wandel

Die Satellitenmission GRACE-FO ist gestartet. Am 22. Mai um 21.47 Uhr (MESZ) hoben die beiden Satelliten des GFZ und der NASA an Bord einer Falcon-9-Rakete von der Vandenberg Air Force Base (Kalifornien) ab und wurden in eine polare Umlaufbahn gebracht. Dort nehmen sie in den kommenden Monaten ihre endgültige Position ein. Die NASA meldete 30 Minuten später, dass der Kontakt zu den Satelliten in ihrem Zielorbit erfolgreich hergestellt wurde. GRACE Follow-On wird das Erdschwerefeld und dessen räumliche und zeitliche Variationen sehr genau vermessen. Sie ermöglicht damit präzise Aussagen zum globalen Wandel, insbesondere zu Änderungen im Wasserhaushalt, etwa dem Verlust von Eismassen.

Potsdam, 22. Mai 2018: Die deutsch-amerikanische Satellitenmission GRACE-FO (Gravity Recovery And Climate Experiment Follow On) ist erfolgreich gestartet. Am...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

VideoLinks
Industrie & Wirtschaft
Veranstaltungen

Im Fokus: Klimaangepasste Pflanzen

25.05.2018 | Veranstaltungen

Größter Astronomie-Kongress kommt nach Wien

24.05.2018 | Veranstaltungen

22. Business Forum Qualität: Vom Smart Device bis zum Digital Twin

22.05.2018 | Veranstaltungen

VideoLinks
Wissenschaft & Forschung
Weitere VideoLinks im Überblick >>>
 
Aktuelle Beiträge

Untersuchung der Zellmembran: Forscher entwickeln Stoff, der wichtigen Membranbestandteil nachahmt

25.05.2018 | Interdisziplinäre Forschung

Starke IT-Sicherheit für das Auto der Zukunft – Forschungsverbund entwickelt neue Ansätze

25.05.2018 | Informationstechnologie

Kugelmühlen statt Lösungsmittel: Nanographene mit Mechanochemie

25.05.2018 | Biowissenschaften Chemie

Weitere B2B-VideoLinks
IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics