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Neuartigen Wirkstoff gegen bakterielle Krankheitserreger

19.03.2004


Die vielversprechende Substanz AKH 247


Eine Kolonie fadenförmiger Bakterien, so genannter Streptomyceten, die HKI-Wissenschaftler in einer einer italienischen Höhle entdeckten. Sie produzieren die antibiotisch wirksame Substanz, um sich andere Mikroorganismen "vom Leibe" zu halten.


Einen neuartigen Wirkstoff gegen bakterielle Krankheitserreger haben Wissenschaftler des Hans-Knöll-Instituts für Naturstoff-Forschung (HKI) gefunden. Die Substanz tötet auch solche Keime ab, die bereits gegen andere Antibiotika unempfindlich geworden sind. Diese so genannten multiresistenten Bakterien versetzen seit langem Mediziner gleich doppelt in Alarmbereitschaft: Von ihnen verursachte Infektionen sind gar nicht oder nur sehr schwer behandelbar und sie sind zudem in der Lage, die Resistenz an andere Erreger weiterzugeben.


Die Wissenschaftler des HKI wurden bei ihrer Suche nach Bildnern neuer Antibiotika in einer italienischen Höhle fündig, in der sie im Rahmen eines EU-Projektes Mikroorganismen untersuchten. Die neue Substanz wird von einem Streptomyceten, das sind fadenförmige Bodenbakterien, produziert. Bei der in interdisziplinärer Zusammenarbeit am HKI aufgefundenen und charakterisierten Substanz handelt es sich um eine dem Tetracyclin verwandte Struktur mit offensichtlich neuem Wirkprinzip. Sie erwies sich in den Laborversuchen gegen Vancomycin-resistente Enterokokken und multiresistente Staphylokokken als hochwirksam.

Bisher konnten keinerlei Resistenzen, auch keine Kreuzresistenzen zu den gängigen Antibiotika-Gruppen wie ß-Laktamen, Makroliden, Tetracyclinen, Chinolonen, Aminoglycosiden und Glycopeptiden festgestellt werden.


Das Bakterium Staphylococcus aureus verursacht in erster Linie eitrige Hauterkrankungen, kann aber auch für Lungenentzündungen und Harnweginfekte verantwortlich sein. Bis Mitte 2002 war der Erreger mit dem Antibiotikum Vancomycin gut zu bekämpfen. Doch seitdem hat er eine Unempfindlichkeit gegen dieses Medikament von Enterokokken übernommen und ist als "Super Bug" eine besonders große Gefahr.

Untersuchungen zum Einfluss auf die Makromolekülsynthesen zeigten, dass weder die Zellwand-, noch die DNA-, RNA- oder die Proteinsynthese als Target in Frage kommen. "Wir haben es hier mit einem ganz neuartigen Mechanismus zu tun", betonen die Jenaer Wissenschaftler und wollen nun mit Hilfe der so genannten Proteomanalyse die Grundlagen der Wirksamkeit aufklären. "Wir sind dabei jedoch noch ganz im Bereich der Grundlagenforschung", geben die Forscher zu bedenken. Bis die neuartige Substanz bei Patienten zum Einsatz kommen kann, sind zunächst umfangreiche Labor- und Tierversuche und später klinische Studien notwendig.

Ansprechpartnerin:

Dr. Ute Möllmann
Abteilung Infektionsbiologie/ AG Bakteriologie
Tel.: 03641/6566-56, Fax: -52
E-Mail: Ute.Moellmann@hki-jena.de

Susanne Liedtke | idw
Weitere Informationen:
http://www.hki-jena.de

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