Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

RUB-Biologie: Blinder Krebs mit komplexem Gehirn

17.03.2004


Remipeden sind kleine, augenlose Krebse, die erst 1979 entdeckt wurden. Bisher galten sie als besonders primitiv. Biologen der Ruhr-Universität und der Universität Ulm erbringen nun den Gegenbeweis: In einer Studie zeigen sie, dass die Strukturen des Gehirns hochkomplex sind und den Gehirnen von höheren Krebsen und sogar Insekten frappierend ähnlich sind. "Für die Zoologie könnte dies bedeuten, dass es die Krebse im herkömmlichen Sinne nicht gibt", sagt Dr. Martin Fanenbruck (RUB). Vielmehr sei ein Teil der Krebse - Remipedia und Malacostraca (so genannte höhere Krebse) - mit den Insekten näher verwandt als mit den übrigen, primitiven Krebsen (zum Beispiel Ruderfußkrebse, Rankenfüßer oder Wasserflöhe). Die Forschungsergebnisse stehen in der aktuellen Ausgabe der Zeitschrift PNAS (Proceedings of the National Academy of Sciences, USA) vom 16. März 2004.


3D-Rekonstruktion des Gehirns von Godzilliognomus frondosus (Remipedia) mit Riechzentren (rot) und gekreuzten olfactorisch-globulären Trakten (gelb)


Remipedia: hier die Art Speleonectes tulumensis, deren Körperbau der untersuchten Art Godzilliognomus frondosus sehr ähnlich ist



Ausgeprägter Geruchs- und Geschmackssinn

... mehr zu:
»Insekt »Remipeden


Die Remipeden bewohnen schwer zugängliche Höhlengewässer, zum Beispiel der Bahamas, Yukatans aber auch Lanzarotes. Mit Hilfe ihrer Fangbeine, an denen sich Giftklauen befinden, ergreifen und töten sie andere Krebse, ernähren sich aber wahrscheinlich auch von Aas. Aufgrund ihres gleichförmigen Körperbaus (Segmentierung) und ihrer trägen Fortbewegungsweise gelten sie als besonders primitive Krebse. Um jedoch Nahrung aufzuspüren, ist ihnen in ihrem völlig lichtlosen Lebensraum offenbar ein ausgeprägter Geruchs- und Geschmackssinn behilflich. Ihre Antennen sind mit einer Vielzahl chemorezeptiver Sinneshaare ausgestattet, über die ein stetiger Wasserstrom geleitet wird.

Verwandt mit Insekten und höheren Krebsen

Entsprechend komplex sind die Strukturen ihres Gehirnes aufgebaut, die chemosensorische Geruchs- und Geschmacksinformationen verarbeiten. In einer histologischen Studie haben die Bochumer Zoologen Prof. Dr. Johann Wolfgang Wägele und Dr. Martin Fanenbruck gemeinsam mit PD Dr. Steffen Harzsch (Universität Ulm) das Gehirn des Remipeden "Godzilliognomus frondosus" untersucht (benannt nach dem japanischen Kinomonster "Godzilla"): Das hoch differenzierte Gehirn hat ausgeprägte Riechzentren und gekreuzte, so genannte olfactorisch-globuläre Trakte, die die Geruchsinformation in andere Gehirnabschnitte weiterleiten. Das bedeutet, dass die Neuroanatomie der Remipeden erstaunliche Übereinstimmungen aufweisen mit der höherer Krebse, der Malacostraca (Krabben, Hummer, Asseln und Verwandte), aber auch mit der von Insekten.

Weitere Informationen

Dr. Martin Fanenbruck, Lehrstuhl für Spezielle Zoologie (Prof. Dr. Johann Wolfgang Wägele), Fakultät für Biologie der RUB, Tel. 0234/32-25741, E-Mail: martin.fanenbruck@rub.de

Dr. Josef König | idw
Weitere Informationen:
http://www.pnas.org/misc/archive030804.shtml#HL3

Weitere Berichte zu: Insekt Remipeden

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Biowissenschaften Chemie:

nachricht Bakterieller Untermieter macht Blattnahrung für Käfer verdaulich
17.11.2017 | Max-Planck-Institut für chemische Ökologie

nachricht Neues Werkzeug für gezielten Proteinabbau
17.11.2017 | Max-Planck-Institut für biophysikalische Chemie

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Biowissenschaften Chemie >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Ultrakalte chemische Prozesse: Physikern gelingt beispiellose Vermessung auf Quantenniveau

Wissenschaftler um den Ulmer Physikprofessor Johannes Hecker Denschlag haben chemische Prozesse mit einer beispiellosen Auflösung auf Quantenniveau vermessen. Bei ihrer wissenschaftlichen Arbeit kombinierten die Forscher Theorie und Experiment und können so erstmals die Produktzustandsverteilung über alle Quantenzustände hinweg - unmittelbar nach der Molekülbildung - nachvollziehen. Die Forscher haben ihre Erkenntnisse in der renommierten Fachzeitschrift "Science" publiziert. Durch die Ergebnisse wird ein tieferes Verständnis zunehmend komplexer chemischer Reaktionen möglich, das zukünftig genutzt werden kann, um Reaktionsprozesse auf Quantenniveau zu steuern.

Einer deutsch-amerikanischen Forschergruppe ist es gelungen, chemische Prozesse mit einer nie dagewesenen Auflösung auf Quantenniveau zu vermessen. Dadurch...

Im Focus: Leoniden 2017: Sternschnuppen im Anflug?

Gemeinsame Pressemitteilung der Vereinigung der Sternfreunde und des Hauses der Astronomie in Heidelberg

Die Sternschnuppen der Leoniden sind in diesem Jahr gut zu beobachten, da kein Mondlicht stört. Experten sagen für die Nächte vom 16. auf den 17. und vom 17....

Im Focus: «Kosmische Schlange» lässt die Struktur von fernen Galaxien erkennen

Die Entstehung von Sternen in fernen Galaxien ist noch weitgehend unerforscht. Astronomen der Universität Genf konnten nun erstmals ein sechs Milliarden Lichtjahre entferntes Sternensystem genauer beobachten – und damit frühere Simulationen der Universität Zürich stützen. Ein spezieller Effekt ermöglicht mehrfach reflektierte Bilder, die sich wie eine Schlange durch den Kosmos ziehen.

Heute wissen Astronomen ziemlich genau, wie sich Sterne in der jüngsten kosmischen Vergangenheit gebildet haben. Aber gelten diese Gesetzmässigkeiten auch für...

Im Focus: A “cosmic snake” reveals the structure of remote galaxies

The formation of stars in distant galaxies is still largely unexplored. For the first time, astron-omers at the University of Geneva have now been able to closely observe a star system six billion light-years away. In doing so, they are confirming earlier simulations made by the University of Zurich. One special effect is made possible by the multiple reflections of images that run through the cosmos like a snake.

Today, astronomers have a pretty accurate idea of how stars were formed in the recent cosmic past. But do these laws also apply to older galaxies? For around a...

Im Focus: Pflanzenvielfalt von Wäldern aus der Luft abbilden

Produktivität und Stabilität von Waldökosystemen hängen stark von der funktionalen Vielfalt der Pflanzengemeinschaften ab. UZH-Forschenden gelang es, die Pflanzenvielfalt von Wäldern durch Fernerkundung mit Flugzeugen in verschiedenen Massstäben zu messen und zu kartieren – von einzelnen Bäumen bis hin zu ganzen Artengemeinschaften. Die neue Methode ebnet den Weg, um zukünftig die globale Pflanzendiversität aus der Luft und aus dem All zu überwachen.

Ökologische Studien zeigen, dass die Pflanzenvielfalt zentral ist für das Funktionieren von Ökosys-temen. Wälder mit einer höheren funktionalen Vielfalt –...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Technologievorsprung durch Textiltechnik

17.11.2017 | Veranstaltungen

Roboter für ein gesundes Altern: „European Robotics Week 2017“ an der Frankfurt UAS

17.11.2017 | Veranstaltungen

Börse für Zukunftstechnologien – Leichtbautag Stade bringt Unternehmen branchenübergreifend zusammen

17.11.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Technologievorsprung durch Textiltechnik

17.11.2017 | Veranstaltungsnachrichten

IHP präsentiert sich auf der productronica 2017

17.11.2017 | Messenachrichten

Roboter schafft den Salto rückwärts

17.11.2017 | Innovative Produkte