Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Zuverlässiges Erkennungsmerkmal für regulatorische T-Zellen gefunden

03.03.2004



Lebenswichtige Bremse für das Immunsystem


Für eine kontrollierte Immunantwort gegen Krankheitserreger sind die so genannten regulatorischen T-Zellen - kurz: TR-Zellen - entscheidend. Hat ein Patient zu wenige von ihnen, kann sein Immunsystem leicht überreagieren und den eigenen Körper angreifen. In schweren Fällen führt eine solche Reaktion zu Autoimmunerkrankungen wie etwa Rheuma, multipler Sklerose oder Diabetes Typ 1. Bisher ließen sich TR-Zellen in einem erkrankten Organismus kaum von anderen Zellen des Immunsystems unterscheiden und daher auch schlecht studieren. Das dürfte sich bald ändern: Forscher der Gesellschaft für Biotechnologische Forschung in Braunschweig (GBF) und der Medizinischen Hochschule Hannover (MHH) haben jetzt ein Merkmal gefunden, anhand dessen man TR-Zellen leicht identifizieren kann. Es handelt sich um ein spezifisches Oberflächenmolekül, das Neuropilin-1.

Die umfangreiche Klasse der T-Zellen löst bei der Immunreaktion des Körpers unterschiedlichste Prozesse aus, von der Abtötung infizierter Körperzellen bis zur Stimulation anderer Komponenten des Immunsystems. Der spezialiserte Untertyp der TR-Zellen hat die Aufgabe, die Aktivität anderer T-Zellen zu hemmen und so ein "Überschießen" der Immunreaktion zu verhindern. Forscher unterscheiden die vielen Typen von T-Zellen anhand so genannter Oberflächen-Marker: Molekülstrukturen, die im günstigsten Fall nur auf einem Zelltyp vorkommen und auf allen anderen fehlen.


Für TR-Zellen gab es bislang keinen zuverlässigen Marker: "Man hat sie bisher durch ein Oberflächenmolekül namens CD 25 identifiziert", erklärt GBF-Wissenschaftlerin Dr. Dunja Bruder. "Aber wenn das Immunsystem aktiv wird - also gerade in einem erkrankten Organismus - bilden auch andere T-Zellen das CD 25-Eiweiß an ihrer Oberfläche." Eine Unterscheidung ist dann nicht mehr möglich. Das Eiweiß Neuropilin-1 dagegen, so entdeckten die Forscher jetzt, kommt ausschließlich auf TR-Zellen vor, nicht aber auf aktivierten anderen Immunzellen. Eine überraschende Erkenntnis, wie Dr. Bruder sagt: "Bis vor kurzem hat man das Neuropilin-1 nur bei Nervenzellen gefunden. Welche Rolle es auf Immunzellen spielt, weiß man noch nicht."

Doch auch ohne Kenntnis seiner Funktion kann Neuropilin-1 als Unterscheidungsmerkmal von hohem Nutzen sein: "Mit seiner Hilfe können wir TR-Zellen von anderen Immunzellen abtrennen und besser studieren", erklärt GBF-Arbeitsgruppenleiter Professor Jan Buer. "Weil die TR-Zellen die Immunabwehr bremsen, hoffen wir, sie eines Tages gezielt steuern zu können. Mit ihrer Hilfe könnte man vielleicht das Immunsystem nach einer Transplantation ruhig stellen, um Abstoßungsreaktionen zu vermeiden - oder es andererseits bei Tumor-Erkrankungen und Infektionen gezielt stimulieren."

Thomas Gazlig | GBF
Weitere Informationen:
http://www.gbf.de

Weitere Berichte zu: Immunsystem Immunzelle Neuropilin-1 T-Zelle TR-Zellen

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Biowissenschaften Chemie:

nachricht Entzündung weckt Schläfer
29.03.2017 | Eidgenössische Technische Hochschule Zürich (ETH Zürich)

nachricht Rostocker Forscher wollen Glyphosat „entzaubern“
29.03.2017 | Universität Rostock

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Biowissenschaften Chemie >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Quantenkommunikation: Wie man das Rauschen überlistet

Wie kann man Quanteninformation zuverlässig übertragen, wenn man in der Verbindungsleitung mit störendem Rauschen zu kämpfen hat? Uni Innsbruck und TU Wien präsentieren neue Lösungen.

Wir kommunizieren heute mit Hilfe von Funksignalen, wir schicken elektrische Impulse durch lange Leitungen – doch das könnte sich bald ändern. Derzeit wird...

Im Focus: Entwicklung miniaturisierter Lichtmikroskope - „ChipScope“ will ins Innere lebender Zellen blicken

Das Institut für Halbleitertechnik und das Institut für Physikalische und Theoretische Chemie, beide Mitglieder des Laboratory for Emerging Nanometrology (LENA), der Technischen Universität Braunschweig, sind Partner des kürzlich gestarteten EU-Forschungsprojektes ChipScope. Ziel ist es, ein neues, extrem kleines Lichtmikroskop zu entwickeln. Damit soll das Innere lebender Zellen in Echtzeit beobachtet werden können. Sieben Institute in fünf europäischen Ländern beteiligen sich über die nächsten vier Jahre an diesem technologisch anspruchsvollen Projekt.

Die zukünftigen Einsatzmöglichkeiten des neu zu entwickelnden und nur wenige Millimeter großen Mikroskops sind äußerst vielfältig. Die Projektpartner haben...

Im Focus: A Challenging European Research Project to Develop New Tiny Microscopes

The Institute of Semiconductor Technology and the Institute of Physical and Theoretical Chemistry, both members of the Laboratory for Emerging Nanometrology (LENA), at Technische Universität Braunschweig are partners in a new European research project entitled ChipScope, which aims to develop a completely new and extremely small optical microscope capable of observing the interior of living cells in real time. A consortium of 7 partners from 5 countries will tackle this issue with very ambitious objectives during a four-year research program.

To demonstrate the usefulness of this new scientific tool, at the end of the project the developed chip-sized microscope will be used to observe in real-time...

Im Focus: Das anwachsende Ende der Ordnung

Physiker aus Konstanz weisen sogenannte Mermin-Wagner-Fluktuationen experimentell nach

Ein Kristall besteht aus perfekt angeordneten Teilchen, aus einer lückenlos symmetrischen Atomstruktur – dies besagt die klassische Definition aus der Physik....

Im Focus: Wegweisende Erkenntnisse für die Biomedizin: NAD⁺ hilft bei Reparatur geschädigter Erbinformationen

Eine internationale Forschergruppe mit dem Bayreuther Biochemiker Prof. Dr. Clemens Steegborn präsentiert in 'Science' neue, für die Biomedizin wegweisende Forschungsergebnisse zur Rolle des Moleküls NAD⁺ bei der Korrektur von Schäden am Erbgut.

Die Zellen von Menschen und Tieren können Schäden an der DNA, dem Träger der Erbinformation, bis zu einem gewissen Umfang selbst reparieren. Diese Fähigkeit...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Industriearbeitskreis »Prozesskontrolle in der Lasermaterialbearbeitung ICPC« lädt nach Aachen ein

28.03.2017 | Veranstaltungen

Neue Methoden für zuverlässige Mikroelektronik: Internationale Experten treffen sich in Halle

28.03.2017 | Veranstaltungen

Wie Menschen wachsen

27.03.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Entzündung weckt Schläfer

29.03.2017 | Biowissenschaften Chemie

Mittelstand 4.0-Kompetenz­zentrum Stuttgart gestartet

29.03.2017 | Wirtschaft Finanzen

Energieträger: Biogene Reststoffe effizienter nutzen

29.03.2017 | Ökologie Umwelt- Naturschutz