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Neuer Biotechnologiebereich könnte Mangel an Spenderorganen beheben

26.01.2004


Die Europäische Kommission untersucht die Möglichkeit neuer Gesetze zur Erweiterung der künstlichen Herstellung von menschlichem Gewebe.



Dieser neue Bereich der Biotechnologie dürfte die Medizinbranche revolutionieren, indem krankes Gewebe und kranke Organe ersetzt werden und der Heilungsprozess von Wunden beschleunigt wird. Durch die Entwicklung dieser einzigartigen Technologie wird sich nicht nur die Lebensqualität für den Patienten durch weniger chirurgische Eingriffe verbessern, sondern es werden sich außerdem auch zahlreiche bessere Behandlungsmöglichkeiten ergeben. Vor allem könnte die künstliche Herstellung von menschlichem Gewebe die Lösung für den Mangel an Spenderorganen liefern.



Derzeit behindert die mangelnde angemessene europäische Gesetzgebung in diesem Bereich noch den freien Verkehr und das Marktwachstum für im Tissue-Engineering hergestellte Produkte. In einem Bericht des Instituts für technologische Zukunftsforschung der Gemeinsamen Forschungsstelle werden daher EU-weite Zulassungsverfahren gefordert.

"Es wird gerade eine spezielle Verordnung über die Bedingungen für das Inverkehrbringen von Produkten des Tissue-Engineerings erarbeitet. Sie wird eine Reihe von Gemeinschaftsvorschriften einführen, die den Rechtsrahmen für die Marktteilnehmer klarstellen und gleichzeitig Nutzern und Patienten die höchstmögliche Sicherheit bieten sollen", sagte der EU-Kommissar für Unternehmen und die Informationsgesellschaft Erkki Liikanen. "Solche gemeinschaftlichen Vorschriften werden sicherstellen, dass Tissue-Engineering-Produkte innerhalb der EU frei verkehren können, sodass denjenigen, die sie benötigen, innovative Therapien angeboten werden können."

Insgesamt 113 europäische Unternehmen sind derzeit in Europa auf diesem Gebiet tätig, 54 davon in der In-vitro-Herstellung von Geweben. Ebenso wie in den USA handelt es sich dabei meist um kleine Unternehmen, die nicht über die nötigen Ressourcen verfügen, um teure klinische Versuche durchführen zu können. Daher können sie oftmals keine vergleichbaren Daten über das Kosten-Nutzen-Verhältnis der Therapie im Vergleich zu herkömmlichen Verfahren bereitstellen. Da dazu keine Daten vorliegen, sind Versicherungsunternehmen nicht bereit, für Therapien mit den im Tissue-Engineering hergestellten Produkten aufzukommen.

Die Entwicklung vieler dieser Produkte steckt noch in den Kinderschuhen, aber es zeichnet sich bereits ab, dass sie letztlich zur Behandlung von Herz- und Gefäßerkrankungen, neurodegenerativen Erkrankungen (z. B. Alzheimer-Krankheit und Parkinson-Syndrom) sowie zur Behandlung beschädigter Nervenfasern und Rückenmarksverletzungen eingesetzt werden können, die mit herkömmlichen Methoden nicht zu behandeln sind. Letztlich zielt das Tissue-Engineering auf die In-vitro-Herstellung menschlicher Organe für Transplantationen ab.

Die Förderung der Forschung in diesem Bereich ist daher von grundlegender Bedeutung. In Anlehnung an den Bericht "Tissue Engineering - Stand und zukünftige Entwicklungen im Bereich des biotechnologischen Gewebe- und Organersatzes" arbeiten die EU-Institutionen derzeit an einer Richtlinie über Qualitäts- und Sicherheitsstandards für menschliches Gewebe und Zellen sowie an Maßnahmen zum Verbraucherschutz und zur Projektvermarktung.

| cn
Weitere Informationen:
http://www.jrc.es/home/publications/publication.cfm?pub=1127
http://www.cordis.lu/lifescihealth/home.html

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