Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Tissue Engineering – Aussichten auf Herstellung von menschlichem Gewebe

22.01.2004


Die Europäische Kommission hat heute einen Bericht über die Aussichten für Handels- und Forschungsaktivitäten im Bereich des biotechnologischen Gewebe- und Organersatzes (Regeneration von menschlichem Gewebe durch Tissue-Engineering) veröffentlicht. Tissue-Engineering ist ein im Entstehen begriffener multidisziplinärer Sektor der Biotechnologie. Er verspricht einen grundlegenden Wandel der medizinischen Verfahren, indem erkrankte Organe und geschädigte Gewebe nicht nur ausgebessert, sondern wiederhergestellt werden können. Die Entwicklung dieser neuartigen Biotechnologie führt zu neuen Therapiemöglichkeiten, einer höheren Lebensqualität für die Patienten und, nicht zuletzt, zur Möglichkeit, schrittweise den anhaltenden Mangel an Spenderorganen auszugleichen. Zu den ersten Produkten gehören künstliche Haut, Knorpel und Knochen. Die Tatsache, dass in der EU unterschiedliche Rechtsvorschriften gelten, behindert das Wachstum der Märkte für Gewebe-Engineering in Europa. Die Europäische Kommission strebt an, Rechtsvorschriften zu erarbeiten, mit denen die Zulassungsverfahren für die Vermarktung von Produkten bzw. Verfahren im Bereich der Humangewebezüchtung vereinheitlicht werden.



„Die Forschung auf dem Gebiet des Tissue-Engineerings ermöglicht in Kürze Verfahren, die für viele Patienten von entscheidender Bedeutung sein werden“, erklärte der Europäische Forschungskommissar Philippe Busquin. „Wir sind zwar vielleicht noch Jahre davon entfernt, Ersatzorgane züchten zu können, doch haben die Forschungsfortschritte bereits zur Schaffung eines neuen Biotechnologiesektors in Europa geführt.“

... mehr zu:
»Gewebe »Tissue-Engineering


Aufgrund ihrer Besonderheit werden aus menschlichem Gewebe hergestellte Produkte nicht ausreichend von den EU-Rechtsvorschriften abgedeckt.

„Es wird gerade eine spezielle Verordnung über die Bedingungen für das Inverkehrbringen von Produkten des Tissue-Engineerings erarbeitet. Sie wird eine Reihe von Gemeinschaftsvorschriften einführen, die den Rechtsrahmen für die Marktteilnehmer klarstellen und gleichzeitig Nutzern und Patienten die höchstmögliche Sicherheit bieten sollen. Solche gemeinschaftlichen Vorschriften werden sicherstellen, dass Tissue-Engineering-Produkte innerhalb der EU frei verkehren können, so dass denjenigen, die sie benötigen, innovative Therapien angeboten werden können,” sagte der Europäische Kommissar für Unternehmen und Informationsgesellschaft Erkki Liikanen.

Der Bericht der Kommission, der vom Institut für Prospektive Technologische Studien der Gemeinsamen Forschungsstelle der EU (GFS) in Sevilla ausgearbeitet wurde, stellt erstmalig umfassend die neu entstehende Industrie der Humangewebeherstellung in Europa dar. Aus dem Papier geht eindeutig hervor, dass das Wachstum dieser wissensbasierten Industrie behindert wird, weil EU-weite Zulassungsverfahren fehlen.

Wunden schneller heilen

Bei den derzeit auf dem Markt befindlichen Produkten handelt es sich um vergleichsweise einfache Gewebe wie Haut, Knorpel und Knochen. Bisher haben die Forscher noch keine Produkte durch Tissue-Engineering entwickelt, die einzigartige lebensrettende Funktionen hätten oder in Bezug auf Wirksamkeit oder Behandlungskosten herkömmlichen Verfahren deutlich überlegen wären. Es gibt alternative herkömmliche therapeutische Verfahren, die im Markt fest verankert sind.

Allerdings verbessern die im Tissue-Engineering hergestellten Produkte durchaus die Lebensqualität, weil Wunden möglicherweise schneller und besser heilen und wiederholte Operationen entfallen. Die Lage könnte sich in Zukunft ändern, wenn ausgereiftere und neuartige Produkte verfügbar werden, die im Vergleich der Wirksamkeit deutlich besser abschneiden oder die Behandlung von Erkrankungen ermöglichen, für die es sonst keine Therapie gibt. Hier besteht noch enormer wissenschaftlicher und technologischer Handlungsbedarf.

Ein junger und wachsender Sektor

Der europäische Sektor des Tissue-Engineerings ist durch junge, kleine forschungsbasierte und technologieorientierte Unternehmen gekennzeichnet. Insgesamt 113 europäische Unternehmen sind derzeit in Europa (EU25) auf diesem Gebiet tätig, 54 davon in der In-vitro-Herstellung von Geweben. Was Zahl und Größe der Unternehmen betrifft, ist die Situation in Europa ähnlich wie in den USA.

Umfang und Entwicklung des Marktes für Tissue Engineering und das Spektrum der kommerziellen Anwendungen stecken noch in den Kinderschuhen. Viele der Produkte befinden sich noch in frühen Entwicklungsstadien. Die beteiligten kleinen Biotechnologie-Unternehmen verfügen nicht über die nötigen Ressourcen, um in langfristigen klinischen Versuchen großen Maßstabs Informationen über das Kosten-Nutzen-Verhältnis der Therapie im Vergleich zu herkömmlichen Verfahren bereitstellen zu können. Vor allem weil keine Daten über das Kosten-Nutzen-Verhältnis vorliegen, zögern Versicherungsunternehmen, für Therapien mit den im Tissue-Engineering hergestellten Produkten aufzukommen.

Notwendigkeit eines speziellen Rechtsrahmens

Die geltenden Rechtsvorschriften unterscheiden sich derzeit von Mitgliedstaat zu Mitgliedstaat, was den freien Verkehr der im Tissue-Engineering gewonnenen Produkte behindert und das Wachstum dieses Marktes in der EU hemmt. Einige Maßnahmen sind auf EU-Ebene schon auf den Weg gebracht worden. Derzeit liegt den europäischen Institutionen eine Richtlinie über Qualitäts- und Sicherheitsstandards für menschliches Gewebe und Zellen zur Beratung vor. Auch wird an Maßnahmen in Bezug auf Produktvermarktung und Verbrauchersicherheit gearbeitet. Diese neuen Rechtsvorschriften sollten auch für die Vermarktung von Produkten gelten, die im Tissue-Engineering hergestellt wurden, um den Schutz der Verbraucher und Nutzer sicherzustellen und einen reibungslos funktionierenden gemeinsamen Markt für diese Produkte zu ermöglichen.

Die Zukunft der im Tissue-Engineering hergestellten Produkte

Diese Produkte eröffnen neue Therapiemöglichkeiten. Man hofft, dass sie überlegene Therapien liefern und im Vergleich zu herkömmlichen Behandlungsverfahren zu schnellerer, umfassenderer und nachhaltigerer Heilung führen. Insgesamt zielen die laufenden Forschungsarbeiten darauf ab, diese Produkte leistungsfähiger zu machen und ihre Anwendungsbereiche auszuweiten.

Die Entwicklung neuer Produkte steht kurz bevor, deren Anwendung Therapien von Erkrankungen ermöglichen könnte, die bisher nicht zufriedenstellend behandelt werden konnten, z.B. Herz- und Gefäß-erkrankungen (biotechnologisch hergestellte Herzklappen, Gefäßimplantate und Herzmuskelgewebe) oder neurodegenerative Erkrankungen (z. B. Alzheimer-Krankheit und Parkinson-Syndrom) sowie beschädigte Nervenfasern und Rückenmarksverletzungen.

Letztlich zielt das Tissue-Engineering auf die In-vitro-Herstellung menschlicher Organe ab, um den Mangel an Spenderorganen auszugleichen und die Behandlung von Krankheiten zu verbessern (Blase, Niere, Herz, Leber und Pankreas). Doch dieses Ziel liegt noch in weiter Ferne.

Fabio Fabbi | Europäische Kommission
Weitere Informationen:
http://www.jrc.es/home/toolbar/whats_new.html

Weitere Berichte zu: Gewebe Tissue-Engineering

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Biowissenschaften Chemie:

nachricht Mit Barcodes der Zellentwicklung auf der Spur
17.08.2017 | Deutsches Krebsforschungszentrum

nachricht Magenkrebs: Auch Bakterien können Auslöser sein
17.08.2017 | Charité – Universitätsmedizin Berlin

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Biowissenschaften Chemie >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Mit Barcodes der Zellentwicklung auf der Spur

Darüber, wie sich Blutzellen entwickeln, existieren verschiedene Auffassungen – sie basieren jedoch fast ausschließlich auf Experimenten, die lediglich Momentaufnahmen widerspiegeln. Wissenschaftler des Deutschen Krebsforschungszentrums stellen nun im Fachjournal Nature eine neue Technik vor, mit der sich das Geschehen dynamisch erfassen lässt: Mithilfe eines „Zufallsgenerators“ versehen sie Blutstammzellen mit genetischen Barcodes und können so verfolgen, welche Zelltypen aus der Stammzelle hervorgehen. Diese Technik erlaubt künftig völlig neue Einblicke in die Entwicklung unterschiedlicher Gewebe sowie in die Krebsentstehung.

Wie entsteht die Vielzahl verschiedener Zelltypen im Blut? Diese Frage beschäftigt Wissenschaftler schon lange. Nach der klassischen Vorstellung fächern sich...

Im Focus: Fizzy soda water could be key to clean manufacture of flat wonder material: Graphene

Whether you call it effervescent, fizzy, or sparkling, carbonated water is making a comeback as a beverage. Aside from quenching thirst, researchers at the University of Illinois at Urbana-Champaign have discovered a new use for these "bubbly" concoctions that will have major impact on the manufacturer of the world's thinnest, flattest, and one most useful materials -- graphene.

As graphene's popularity grows as an advanced "wonder" material, the speed and quality at which it can be manufactured will be paramount. With that in mind,...

Im Focus: Forscher entwickeln maisförmigen Arzneimittel-Transporter zum Inhalieren

Er sieht aus wie ein Maiskolben, ist winzig wie ein Bakterium und kann einen Wirkstoff direkt in die Lungenzellen liefern: Das zylinderförmige Vehikel für Arzneistoffe, das Pharmazeuten der Universität des Saarlandes entwickelt haben, kann inhaliert werden. Professor Marc Schneider und sein Team machen sich dabei die körpereigene Abwehr zunutze: Makrophagen, die Fresszellen des Immunsystems, fressen den gesundheitlich unbedenklichen „Nano-Mais“ und setzen dabei den in ihm enthaltenen Wirkstoff frei. Bei ihrer Forschung arbeiteten die Pharmazeuten mit Forschern der Medizinischen Fakultät der Saar-Uni, des Leibniz-Instituts für Neue Materialien und der Universität Marburg zusammen Ihre Forschungsergebnisse veröffentlichten die Wissenschaftler in der Fachzeitschrift Advanced Healthcare Materials. DOI: 10.1002/adhm.201700478

Ein Medikament wirkt nur, wenn es dort ankommt, wo es wirken soll. Wird ein Mittel inhaliert, muss der Wirkstoff in der Lunge zuerst die Hindernisse...

Im Focus: Exotische Quantenzustände: Physiker erzeugen erstmals optische „Töpfe" für ein Super-Photon

Physikern der Universität Bonn ist es gelungen, optische Mulden und komplexere Muster zu erzeugen, in die das Licht eines Bose-Einstein-Kondensates fließt. Die Herstellung solch sehr verlustarmer Strukturen für Licht ist eine Voraussetzung für komplexe Schaltkreise für Licht, beispielsweise für die Quanteninformationsverarbeitung einer neuen Computergeneration. Die Wissenschaftler stellen nun ihre Ergebnisse im Fachjournal „Nature Photonics“ vor.

Lichtteilchen (Photonen) kommen als winzige, unteilbare Portionen vor. Viele Tausend dieser Licht-Portionen lassen sich zu einem einzigen Super-Photon...

Im Focus: Exotic quantum states made from light: Physicists create optical “wells” for a super-photon

Physicists at the University of Bonn have managed to create optical hollows and more complex patterns into which the light of a Bose-Einstein condensate flows. The creation of such highly low-loss structures for light is a prerequisite for complex light circuits, such as for quantum information processing for a new generation of computers. The researchers are now presenting their results in the journal Nature Photonics.

Light particles (photons) occur as tiny, indivisible portions. Many thousands of these light portions can be merged to form a single super-photon if they are...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Einblicke ins menschliche Denken

17.08.2017 | Veranstaltungen

Eröffnung der INC.worX-Erlebniswelt während der Technologie- und Innovationsmanagement-Tagung 2017

16.08.2017 | Veranstaltungen

Sensibilisierungskampagne zu Pilzinfektionen

15.08.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Scharfe Röntgenblitze aus dem Atomkern

17.08.2017 | Physik Astronomie

Fake News finden und bekämpfen

17.08.2017 | Interdisziplinäre Forschung

Effizienz steigern, Kosten senken!

17.08.2017 | Messenachrichten