Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Leuchtend blau umhüllte Viren

10.12.2003


GBF-Forscher erfinden Färbemethode zum Erreger-Nachweis



Eine einfache, schnelle und preisgünstige Methode, die Zahl von Viren in einer Nährlösung zu bestimmen, haben Wissenschaftler der Gesellschaft für Biotechnologische Forschung (GBF) in Braunschweig erfunden. Dr. Manfred Wirth und Dr. Christiane Beer benutzen dazu den Farbstoff Filipin, der an Cholesterin-Moleküle in der Hülle der Viren bindet. Bestrahlt man sie mit Licht einer bestimmten Wellenlänge, fluoresziert das Filipin und die Virus-Partikel beginnen zu leuchten, so dass man sie im Lichtmikroskop bei nur 1000-facher Vergrößerung erkennen und zählen kann. Das Verfahren dürfte besonders für den Einsatz bei biotechnologischen Herstellungsprozessen interessant sein.

... mehr zu:
»Filipin »Hülle »Knospen »Virus »Virushülle


"Viren sind häufig unerwünschte Begleiter, wenn man Produkte aus Zellkulturen herstellt", erklärt Wirth. "Antikörper werden zum Beispiel in einem gängigen Verfahren aus Kulturen von genetisch veränderten Mäusezellen gewonnen. Im Überstand der Kulturlösung findet man dann vielfach nicht nur die erwünschten Antikörper, sondern auch Mäuse-Viren." Deshalb muss man für medizinische Anwendungen zuverlässig nachweisen, dass die Lösung nach der Aufreinigung keine Viren mehr enthält. Ein solcher Nachweis wird bisher durch elektronenmikroskopische Aufnahmen geführt, was teuer und aufwändig ist.

Dass es jetzt auch einfacher geht, verdanken die Forscher den Eigenheiten des Fortpflanzungszyklus der meisten Viren: Nachdem diese sich innerhalb der Zelle vermehrt haben, verlassen sie sie wieder, um neue Zellen zu infizieren. Dabei treiben viele Viren regelrecht Knospen aus der Zelloberfläche. Wenn sich diese Knospen abgelöst haben, nehmen die Viren sozusagen ein Stück Membran aus der Zelloberfläche mit - in Form einer bläschenartigen Virushülle. Weil die tierische Zellmembran reichlich Cholesterin enthält, findet sich dieses Fettmolekül auch in der Virushülle und kann mit Filipin angefärbt werden, so dass es im Fluoreszenzmikroskop blau aufleuchtet. "Leider gibt es auch einige Virentypen, die sich nicht mit Hüllen umgeben. Die werden mit unserer Methode nicht erfasst", bedauert Wirth. Aber: "Retroviren, die als Kontamination von Zellkulturen besonders gefürchtet sind, sowie viele andere Viren haben eine Hülle. Und ein einfacher Vorab-Test auf Viren-Verseuchung kann bei der Herstellung medizinischer Produkte schon viel Geld sparen."

Übrigens kann man die Methode andersherum auch in Fällen einsetzen, in denen Virus-Vermehrung erwünscht ist. "Retroviren werden manchmal bewusst hergestellt", erklärt Wirth. "Man benötigt sie als Impfstoffe oder als DNA-Überträger in der Gentechnik. Mit unserem Verfahren lässt sich leicht nachprüfen, wie effizient die Viren-Produktion läuft."

Hinweis für die Medien

Das beschriebene Verfahren ist unter den Nummern PCT/EP02/11640 (Europa) und US-2003-0082520-A1 (USA) zum Patent angemeldet.

Einzelheiten zum Filipin-Färbeverfahren für Viren sind nachzulesen in dem Buch Animal Cell Technology meets Genomics/Proceedings of the 18the ESACT meeting, Kluwer Academic Publishers, Dordrecht/Niederlande, das in Kürze im Fachhandel erscheint.

Thomas Gazlig | idw
Weitere Informationen:
http://www.innovations-report.de/html/profile/profil-401.html
http://www.gbf.de

Weitere Berichte zu: Filipin Hülle Knospen Virus Virushülle

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Biowissenschaften Chemie:

nachricht Sollbruchstellen im Rückgrat - Bioabbaubare Polymere durch chemische Gasphasenabscheidung
02.12.2016 | Gesellschaft Deutscher Chemiker e.V.

nachricht "Fingerabdruck" diffuser Protonen entschlüsselt
02.12.2016 | Universität Leipzig

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Biowissenschaften Chemie >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Greifswalder Forscher dringen mit superauflösendem Mikroskop in zellulären Mikrokosmos ein

Das Institut für Anatomie und Zellbiologie weiht am Montag, 05.12.2016, mit einem wissenschaftlichen Symposium das erste Superresolution-Mikroskop in Greifswald ein. Das Forschungsmikroskop wurde von der Deutschen Forschungsgemeinschaft (DFG) und dem Land Mecklenburg-Vorpommern finanziert. Nun können die Greifswalder Wissenschaftler Strukturen bis zu einer Größe von einigen Millionstel Millimetern mittels Laserlicht sichtbar machen.

Weit über hundert Jahre lang galt die von Ernst Abbe 1873 publizierte Theorie zur Auflösungsgrenze von Lichtmikroskopen als ein in Stein gemeißeltes Gesetz....

Im Focus: Durchbruch in der Diabetesforschung: Pankreaszellen produzieren Insulin durch Malariamedikament

Artemisinine, eine zugelassene Wirkstoffgruppe gegen Malaria, wandelt Glukagon-produzierende Alpha-Zellen der Bauchspeicheldrüse (Pankreas) in insulinproduzierende Zellen um – genau die Zellen, die bei Typ-1-Diabetes geschädigt sind. Das haben Forscher des CeMM Forschungszentrum für Molekulare Medizin der Österreichischen Akademie der Wissenschaften im Rahmen einer internationalen Zusammenarbeit mit modernsten Einzelzell-Analysen herausgefunden. Ihre bahnbrechenden Ergebnisse werden in Cell publiziert und liefern eine vielversprechende Grundlage für neue Therapien gegen Typ-1 Diabetes.

Seit einigen Jahren hatten sich Forscher an diesem Kunstgriff versucht, der eine simple und elegante Heilung des Typ-1 Diabetes versprach: Die vom eigenen...

Im Focus: Makromoleküle: Mit Licht zu Präzisionspolymeren

Chemikern am Karlsruher Institut für Technologie (KIT) ist es gelungen, den Aufbau von Präzisionspolymeren durch lichtgetriebene chemische Reaktionen gezielt zu steuern. Das Verfahren ermöglicht die genaue, geplante Platzierung der Kettengliedern, den Monomeren, entlang von Polymerketten einheitlicher Länge. Die präzise aufgebauten Makromoleküle bilden festgelegte Eigenschaften aus und eignen sich möglicherweise als Informationsspeicher oder synthetische Biomoleküle. Über die neuartige Synthesereaktion berichten die Wissenschaftler nun in der Open Access Publikation Nature Communications. (DOI: 10.1038/NCOMMS13672)

Chemische Reaktionen lassen sich durch Einwirken von Licht bei Zimmertemperatur auslösen. Die Forscher am KIT nutzen diesen Effekt, um unter Licht die...

Im Focus: Neuer Sensor: Was im Inneren von Schneelawinen vor sich geht

Ein neuer Radarsensor erlaubt Einblicke in die inneren Vorgänge von Schneelawinen. Entwickelt haben ihn Ingenieure der Ruhr-Universität Bochum (RUB) um Dr. Christoph Baer und Timo Jaeschke gemeinsam mit Kollegen aus Innsbruck und Davos. Das Messsystem ist bereits an einem Testhang im Wallis installiert, wo das Schweizer Institut für Schnee- und Lawinenforschung im Winter 2016/17 Messungen damit durchführen möchte.

Die erhobenen Daten sollen in Simulationen einfließen, die das komplexe Geschehen im Inneren von Lawinen detailliert nachbilden. „Was genau passiert, wenn sich...

Im Focus: Neuer Rekord an BESSY II: 10 Millionen Ionen erstmals bis auf 7,4 Kelvin gekühlt

Magnetische Grundzustände von Nickel2-Ionen spektroskopisch ermittelt

Ein internationales Team aus Deutschland, Schweden und Japan hat einen neuen Temperaturrekord für sogenannte Quadrupol-Ionenfallen erreicht, in denen...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Von „Coopetition“ bis „Digitale Union“ – Die Fertigungsindustrien im digitalen Wandel

02.12.2016 | Veranstaltungen

Experten diskutieren Perspektiven schrumpfender Regionen

01.12.2016 | Veranstaltungen

Die Perspektiven der Genom-Editierung in der Landwirtschaft

01.12.2016 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Parkinson-Krankheit und Dystonien: DFG-Forschergruppe eingerichtet

02.12.2016 | Förderungen Preise

Smart Data Transformation – Surfing the Big Wave

02.12.2016 | Studien Analysen

Nach der Befruchtung übernimmt die Eizelle die Führungsrolle

02.12.2016 | Biowissenschaften Chemie