Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

"Uhrgene" ermöglichen neue Ansätze in der Krebstherapie

19.11.2003


Tagesrhythmus bei Genexpression und Zelltod entscheidend



Das Wachstum eines Tumors wird durch eine komplexe gengesteuerte Uhr kontrolliert. Eine Störung dieser "Uhr" eröffnet eine neue Möglichkeit der Behandlung von Krebs. Diese Ergebnisse haben zwei Forscher auf der International Conference on Molecular Targets and Cancer Therapeutics präsentiert. Das Team vom Dorn Veterans Administration Medical Center und der University of South Carolina hat nachgewiesen, dass bei Tumorzellen tageszyklische Uhrgene in Koordination mit einem entsprechenden Wachstum rhythmisch exprimiert werden. Forscher des Baylor College of Medicine haben belegt, dass das die Tagesrhythmen kontrollierende Gen Period2 (per2) zusätzlich als Tumorunterdrücker funktioniert, der jene Mechanismen reguliert, die eine Zellteilung nach einem DNA-Schaden stoppen.

... mehr zu:
»Gen »Mäuse »Tumorzelle »Uhrgene »Zelltod


Die erste Studie geht davon aus, dass wenigstens acht zentrale Uhrgene zahlreiche grundlegende Funktionen wie Zellwucherung und Zelltod innerhalb des Tagesrhythmus kontrollieren. Das Team um Shaojin You untersuchte das Verhältnis zwischen der Expression dieser Uhrgene und der Wachstumsrate von Tumoren. Die Ergebnisse zeigten, dass das Tumorwachstum selbst sowie die zellulären und molekularen Ausmaße der Krebsentwicklung zyklisch organisiert sind. Für die Studie wurden 30 weiblichen, nach einem alle 12 Stunden wechselnden Tag-Nacht-Schema lebenden Mäusen Tumorzellen injiziert. Die Tumore wuchsen während der aktiven Phase doppelt so schnell. Zusätzlich wurde die Expression der Uhrgene in Tumorzellen und normalen Leberzellen der Mäuse untersucht. Krebszellen zeigten eine veränderte zyklische Expression einiger Gene wie per1 oder per2. Bei anderen wie BMAL-1 wurde die tagesrhythmische Organisation beibehalten.

Die zweite Studie hat nachgewiesen, dass ein Fehlen des Gens Period2 Mäuse anfälliger für Krebs macht. Laut der leitenden Wissenschaftlerin Loning Fu folgen Krebszellen und normale Zellen verschiedenen Tagesrhythmen. "Wir konnten zeigen, dass die innere Uhr kontrolliert, wie Zellen auf einen DNA-Schaden innerhalb des 24-Stunden-Zxklus reagieren." Diese Kontrollen sind für die Einleitung des Zelltodes nach einer Beschädigung verantwortlich. Eine Zelle mit beschädigter DNA wird krebsartig, weil der Zelltod nicht eintritt. Die Reaktion normaler Zellen auf eine Schädigung der DNA ist bei lebenden Organismen zeitabhängig. Bei einer Mutation des zirkadianischen Gens werden die Zellen gegen einen durch Strahlung ausgelösten Zelltod resistent." Diese Erkenntnisse könnten eine wichtige Rolle bei der optimalen Planung einer Behandlung mit Krebsmedikamenten spielen.

Michaela Monschein | pressetext.austria
Weitere Informationen:
http://www.aacr.org/2003mtct.asp
http://www.sc.edu
http://www.bcm.tmc.edu

Weitere Berichte zu: Gen Mäuse Tumorzelle Uhrgene Zelltod

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Biowissenschaften Chemie:

nachricht Mikro-U-Boote für den Magen
24.01.2017 | Gesellschaft Deutscher Chemiker e.V.

nachricht Echoortung - Lernen, den Raum zu hören
24.01.2017 | Ludwig-Maximilians-Universität München

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Biowissenschaften Chemie >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Scientists spin artificial silk from whey protein

X-ray study throws light on key process for production

A Swedish-German team of researchers has cleared up a key process for the artificial production of silk. With the help of the intense X-rays from DESY's...

Im Focus: Forscher spinnen künstliche Seide aus Kuhmolke

Ein schwedisch-deutsches Forscherteam hat bei DESY einen zentralen Prozess für die künstliche Produktion von Seide entschlüsselt. Mit Hilfe von intensivem Röntgenlicht konnten die Wissenschaftler beobachten, wie sich kleine Proteinstückchen – sogenannte Fibrillen – zu einem Faden verhaken. Dabei zeigte sich, dass die längsten Proteinfibrillen überraschenderweise als Ausgangsmaterial schlechter geeignet sind als Proteinfibrillen minderer Qualität. Das Team um Dr. Christofer Lendel und Dr. Fredrik Lundell von der Königlich-Technischen Hochschule (KTH) Stockholm stellt seine Ergebnisse in den „Proceedings“ der US-Akademie der Wissenschaften vor.

Seide ist ein begehrtes Material mit vielen erstaunlichen Eigenschaften: Sie ist ultraleicht, belastbarer als manches Metall und kann extrem elastisch sein....

Im Focus: Erstmalig quantenoptischer Sensor im Weltraum getestet – mit einem Lasersystem aus Berlin

An Bord einer Höhenforschungsrakete wurde erstmals im Weltraum eine Wolke ultrakalter Atome erzeugt. Damit gelang der MAIUS-Mission der Nachweis, dass quantenoptische Sensoren auch in rauen Umgebungen wie dem Weltraum eingesetzt werden können – eine Voraussetzung, um fundamentale Fragen der Wissenschaft beantworten zu können und ein Innovationstreiber für alltägliche Anwendungen.

Gemäß dem Einstein’schen Äquivalenzprinzip werden alle Körper, unabhängig von ihren sonstigen Eigenschaften, gleich stark durch die Gravitationskraft...

Im Focus: Quantum optical sensor for the first time tested in space – with a laser system from Berlin

For the first time ever, a cloud of ultra-cold atoms has been successfully created in space on board of a sounding rocket. The MAIUS mission demonstrates that quantum optical sensors can be operated even in harsh environments like space – a prerequi-site for finding answers to the most challenging questions of fundamental physics and an important innovation driver for everyday applications.

According to Albert Einstein's Equivalence Principle, all bodies are accelerated at the same rate by the Earth's gravity, regardless of their properties. This...

Im Focus: Mikrobe des Jahres 2017: Halobacterium salinarum - einzellige Urform des Sehens

Am 24. Januar 1917 stach Heinrich Klebahn mit einer Nadel in den verfärbten Belag eines gesalzenen Seefischs, übertrug ihn auf festen Nährboden – und entdeckte einige Wochen später rote Kolonien eines "Salzbakteriums". Heute heißt es Halobacterium salinarum und ist genau 100 Jahre später Mikrobe des Jahres 2017, gekürt von der Vereinigung für Allgemeine und Angewandte Mikrobiologie (VAAM). Halobacterium salinarum zählt zu den Archaeen, dem Reich von Mikroben, die zwar Bakterien ähneln, aber tatsächlich enger verwandt mit Pflanzen und Tieren sind.

Rot und salzig
Archaeen sind häufig an außergewöhnliche Lebensräume angepasst, beispielsweise heiße Quellen, extrem saure Gewässer oder – wie H. salinarum – an...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Neuer Algorithmus in der Künstlichen Intelligenz

24.01.2017 | Veranstaltungen

Gehirn und Immunsystem beim Schlaganfall – Neueste Erkenntnisse zur Interaktion zweier Supersysteme

24.01.2017 | Veranstaltungen

Hybride Eisschutzsysteme – Lösungen für eine sichere und nachhaltige Luftfahrt

23.01.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Im Interview mit Harald Holzer, Geschäftsführer der vitaliberty GmbH

24.01.2017 | Unternehmensmeldung

MAIUS-1 – erste Experimente mit ultrakalten Atomen im All

24.01.2017 | Physik Astronomie

European XFEL: Forscher können erste Vorschläge für Experimente einreichen

24.01.2017 | Physik Astronomie