Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Homologie zwischen Genexpression und Zentromer

22.11.2000


... mehr zu:
»Homologie »Prozess »Zelle »Zentromer
Forscher der Abteilung Molekularbiologie des Instituts für Molekulare Biotechnologie (IMB) in Jena haben entdeckt, dass zwei völlig unterschiedliche biologische Prozesse in der Zelle möglicherweise nach
denselben Regeln ablaufen. Damit wird eine Verbindung zwischen zwei verschiedenen Forschungsfeldern hergestellt, die neue spannende Erkenntnisse für grundlegende Zusammenhänge des Lebens vermuten lassen.

In der Abteilung Molekularbiologie wird an den Prozessen der Zellteilung gearbeitet: der Aufteilung des Erbgutes auf die beiden Tochterzellen. Dieser Prozess ist in höheren Lebewesen wie zum Beispiel der Bäckerhefe und des Menschen äußerst kompliziert und größtenteils unverstanden. Die Forscher sind dabei, die Bausteine (Proteine) des Zentromer-Systems zu isolieren, um die biologischen Funktionseinheiten dann im Reagenzglas zusammenzubauen. Sie bringen diese Bausteine zum Leuchten und können sie so in der lebenden menschlichen Zelle bei der Arbeit verfolgen.

Die Forscher entdeckten nun, dass das Zentromer bei der Bäckerhefe dem Transkriptions-Komplex gleicht, der eine völlig andere Aufgabe in der Zelle hat: dem Ablesen des Erbguts. Die Ähnlichkeit der beiden Einheiten ist verblüffend. Der für die Zentromerfunktion essentielle Proteinkomplex besteht aus einer Reihe von Proteinen, die offensichtlich auf komplizierte Weise zusammenwirken und aktivierende und rekrutierende Elemente enthalten. Eine Einheit gleichen Aufbaus mit Elementen gleicher Funktion entdeckten die Forscher bei der Genregulation des MET-Gens. Sie vermuten nun, dass sich die Zentromerfunktion im Laufe der Evolution aus dem Transkriptions-Komplex entwickelt hat.

Diese Entdeckung bringt zwei bisher getrennte Forschungsfelder in direkte Nachbarschaft. Es könnte sein, dass in der Zelle auch größere, zusammengesetzt funktionierende Einheiten schlichtweg für andere Aufgaben kopiert werden. Die Jenaer Forscher hoffen, dass nun Erkenntnisse des einen Gebietes das andere Forschungsfeld befruchten.

Diese Entdeckung wurde kürzlich in den "Proceedings der Nationalen Akademie der Wissenschaften der USA" (PNAS 23 (2000) 12583-12588), einer angesehenen amerikanischen Zeitschrift publiziert.

Das Institut für Molekulare Biotechnologie (IMB) ist Mitglied der Wissenschaftsgemeinschaft Gottfried Wilhelm Leibniz e.V. (WGL). Der WGL gehören 78 außeruniversitäre Forschungseinrichtungen an, die nachfrageorientiert und interdisziplinär arbeiten. Die Institute sind von überregionaler Bedeutung, betreiben Vorhaben im gesamtstaatlichen Interesse und werden deshalb von Bund und Ländern gemeinsam gefördert.


Weitere Informationen bei:
Prof. Dr. Stephan Diekmann
Tel. (03641)656260
Fax. (03641)656261
E-Mail: diekmann@imb-jena.de

Weitere Informationen finden Sie im WWW:

Dr. Ulrike Wagner | idw

Weitere Berichte zu: Homologie Prozess Zelle Zentromer

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Biowissenschaften Chemie:

nachricht Wie Reize auf dem Weg ins Bewusstsein versickern
22.09.2017 | Rheinische Friedrich-Wilhelms-Universität Bonn

nachricht Lebendiges Gewebe aus dem Drucker
22.09.2017 | Universitätsklinikum Freiburg

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Biowissenschaften Chemie >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: The pyrenoid is a carbon-fixing liquid droplet

Plants and algae use the enzyme Rubisco to fix carbon dioxide, removing it from the atmosphere and converting it into biomass. Algae have figured out a way to increase the efficiency of carbon fixation. They gather most of their Rubisco into a ball-shaped microcompartment called the pyrenoid, which they flood with a high local concentration of carbon dioxide. A team of scientists at Princeton University, the Carnegie Institution for Science, Stanford University and the Max Plank Institute of Biochemistry have unravelled the mysteries of how the pyrenoid is assembled. These insights can help to engineer crops that remove more carbon dioxide from the atmosphere while producing more food.

A warming planet

Im Focus: Hochpräzise Verschaltung in der Hirnrinde

Es ist noch immer weitgehend unbekannt, wie die komplexen neuronalen Netzwerke im Gehirn aufgebaut sind. Insbesondere in der Hirnrinde der Säugetiere, wo Sehen, Denken und Orientierung berechnet werden, sind die Regeln, nach denen die Nervenzellen miteinander verschaltet sind, nur unzureichend erforscht. Wissenschaftler um Moritz Helmstaedter vom Max-Planck-Institut für Hirnforschung in Frankfurt am Main und Helene Schmidt vom Bernstein-Zentrum der Humboldt-Universität in Berlin haben nun in dem Teil der Großhirnrinde, der für die räumliche Orientierung zuständig ist, ein überraschend präzises Verschaltungsmuster der Nervenzellen entdeckt.

Wie die Forscher in Nature berichten (Schmidt et al., 2017. Axonal synapse sorting in medial entorhinal cortex, DOI: 10.1038/nature24005), haben die...

Im Focus: Highly precise wiring in the Cerebral Cortex

Our brains house extremely complex neuronal circuits, whose detailed structures are still largely unknown. This is especially true for the so-called cerebral cortex of mammals, where among other things vision, thoughts or spatial orientation are being computed. Here the rules by which nerve cells are connected to each other are only partly understood. A team of scientists around Moritz Helmstaedter at the Frankfiurt Max Planck Institute for Brain Research and Helene Schmidt (Humboldt University in Berlin) have now discovered a surprisingly precise nerve cell connectivity pattern in the part of the cerebral cortex that is responsible for orienting the individual animal or human in space.

The researchers report online in Nature (Schmidt et al., 2017. Axonal synapse sorting in medial entorhinal cortex, DOI: 10.1038/nature24005) that synapses in...

Im Focus: Tiny lasers from a gallery of whispers

New technique promises tunable laser devices

Whispering gallery mode (WGM) resonators are used to make tiny micro-lasers, sensors, switches, routers and other devices. These tiny structures rely on a...

Im Focus: Wundermaterial Graphen: Gewölbt wie das Polster eines Chesterfield-Sofas

Graphen besitzt extreme Eigenschaften und ist vielseitig verwendbar. Mit einem Trick lassen sich sogar die Spins im Graphen kontrollieren. Dies gelang einem HZB-Team schon vor einiger Zeit: Die Physiker haben dafür eine Lage Graphen auf einem Nickelsubstrat aufgebracht und Goldatome dazwischen eingeschleust. Im Fachblatt 2D Materials zeigen sie nun, warum dies sich derartig stark auf die Spins auswirkt. Graphen kommt so auch als Material für künftige Informationstechnologien infrage, die auf der Verarbeitung von Spins als Informationseinheiten basieren.

Graphen ist wohl die exotischste Form von Kohlenstoff: Alle Atome sind untereinander nur in der Ebene verbunden und bilden ein Netz mit sechseckigen Maschen,...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

11. BusinessForum21-Kongress „Aktives Schadenmanagement"

22.09.2017 | Veranstaltungen

Internationale Konferenz zum Biomining ab Sonntag in Freiberg

22.09.2017 | Veranstaltungen

Die Erde und ihre Bestandteile im Fokus

21.09.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

11. BusinessForum21-Kongress „Aktives Schadenmanagement"

22.09.2017 | Veranstaltungsnachrichten

DFG bewilligt drei neue Forschergruppen und eine neue Klinische Forschergruppe

22.09.2017 | Förderungen Preise

Lebendiges Gewebe aus dem Drucker

22.09.2017 | Biowissenschaften Chemie