Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Warum Musiker mehr im Hirn haben

28.10.2003


Wissenschaftler der Universität Jena wendet neue Methode zur Vermessung von Hirnstrukturen an


Interessante Areale, in denen Musikerhirne sich von Hirnen der Nichtmusiker unterscheiden. (Abb.: Gaser/Uni Jena)



Musiker haben "mehr" im Hirn. Zumindest mehr graue Substanz in bestimmten Regionen, die für das Hören, Sehen und für die Kontrolle und Umsetzung von Bewegungen verantwortlich sind. Das haben Dr. Christian Gaser von der Friedrich-Schiller-Universität Jena und Prof. Dr. Gottfried Schlaug von der Harvard Medical School in Boston (USA) herausgefunden. Dr. Gaser, der an der Klinik für Psychiatrie der Uni Jena forscht, hat gemeinsam mit dem Bostoner Kollegen in einer Studie die Hirne von Profimusikern mit denen von Amateuren und Nichtmusikern verglichen. Die Ergebnisse sind jetzt in der renommierten Fachzeitschrift "Journal of Neuroscience" erschienen.

... mehr zu:
»Hirn »Hirnstruktur »Morphometrie


"Musiker sind beliebte Forschungsobjekte von Hirnforschern", weiß Dr. Gaser. Denn das Spielen eines Instruments beginnt bereits im frühen Kindesalter und stellt hohe Anforderungen an das Gehör und die Feinmotorik des Menschen. Darüber hinaus müssen Musiker die visuelle Information "schwarzer Notenpunkte" rasch in Bewegung der Finger umsetzen. Bisher wurde in Experimenten meist die Aktivität ausgewählter Hirnareale während des Musizierens bestimmt. "In der von uns vorgelegten Studie haben wir jedoch erstmals im gesamten Gehirn nach Unterschieden zwischen Musikern, Amateuren und Nichtmusikern gesucht", erläutert Dr. Gaser. "Indem wir die Hirnstrukturen der drei Gruppen verglichen, konnten wir gleichzeitig einen Zusammenhang zwischen der Intensität des absolvierten musikalischen Trainings und den unterschiedlichen Anteilen grauer Substanz herstellen", so der Jenaer Wissenschaftler weiter.

Dazu wurden Aufnahmen des Hirns mittels Magnetresonanztomographie (MRT) angefertigt und mit einer neuartigen Methode Ebene für Ebene durchforstet. Beim "Vermessen" der Hirne und der anschließenden Auswertung brachte Gaser seine Kompetenzen als Elektrotechniker und Spezialist für voxelbasierte Morphometrie ein. So heißt nämlich im Fachjargon die Methode, mit der dreidimensionale Hirnlandschaften dargestellt werden. Gaser selbst hat eine weitere Methode entwickelt, mit der man die Veränderung dieser Landschaften im Zeitverlauf studieren kann. "Damit wollen wir nun endgültig klären, ob die Hirnstrukturen der Musiker von Geburt an anders sind und sie deshalb Musiker werden können oder ob sich Unterschiede in den Hirnstrukturen erst durch das stete Training entwickeln," zeigt Gaser auf. "Dieses ,Henne-Ei-Problem’ konnten wir bisher noch nicht lösen." Obwohl vieles dafür spricht, dass das Training von Kindesbeinen an das "Mehr an grauer Hirnmasse" bewirkt, steht ein eindeutiger Beweis noch aus. Den soll eine neue Studie erbringen.

Seit diesem Jahr "schauen" die Forscher um Prof. Schlaug regelmäßig "in die Köpfe" von heute 5 bis 7-jährigen amerikanischen Schulkindern. Um den Trainingseffekt direkt nachzuweisen werden die Kinder vom Beginn ihrer musikalischen Ausbildung an für mindestens drei Jahre begleitet. Eine Testgruppe erlernt dabei ein Instrument zu spielen, eine weitere Gruppe erhält einen speziellen Musikunterricht ohne jedoch am Instrument zu trainieren und eine dritte Gruppe nimmt lediglich am Musikunterricht in der Schule teil. Bei diesen Untersuchungen kommt die von Dr. Gaser entwickelte deformationsbasierte Morphometrie zum Einsatz, die kleinste Änderungen in den interessanten Hirnregionen im Zeitverlauf nachweisen kann.

Kontakt:

Dr. Christian Gaser
Klinik für Psychiatrie an der Universität Jena
Philosophenweg 3, 07743 Jena
Tel.: 03641 - 935805
E-Mail: christian.gaser@uni-jena.de

Stefanie Hahn | idw
Weitere Informationen:
http://www.uni-jena.de

Weitere Berichte zu: Hirn Hirnstruktur Morphometrie

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Biowissenschaften Chemie:

nachricht Forscher finden Hinweise auf verknotete Chromosomen im Erbgut
20.10.2017 | Johannes Gutenberg-Universität Mainz

nachricht Aus der Moosfabrik
20.10.2017 | Albert-Ludwigs-Universität Freiburg im Breisgau

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Biowissenschaften Chemie >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Hochfeldmagnet am BER II: Einblick in eine versteckte Ordnung

Seit dreißig Jahren gibt eine bestimmte Uranverbindung der Forschung Rätsel auf. Obwohl die Kristallstruktur einfach ist, versteht niemand, was beim Abkühlen unter eine bestimmte Temperatur genau passiert. Offenbar entsteht eine so genannte „versteckte Ordnung“, deren Natur völlig unklar ist. Nun haben Physiker erstmals diese versteckte Ordnung näher charakterisiert und auf mikroskopischer Skala untersucht. Dazu nutzten sie den Hochfeldmagneten am HZB, der Neutronenexperimente unter extrem hohen magnetischen Feldern ermöglicht.

Kristalle aus den Elementen Uran, Ruthenium, Rhodium und Silizium haben eine geometrisch einfache Struktur und sollten keine Geheimnisse mehr bergen. Doch das...

Im Focus: Schmetterlingsflügel inspiriert Photovoltaik: Absorption lässt sich um bis zu 200 Prozent steigern

Sonnenlicht, das von Solarzellen reflektiert wird, geht als ungenutzte Energie verloren. Die Flügel des Schmetterlings „Gewöhnliche Rose“ (Pachliopta aristolochiae) zeichnen sich durch Nanostrukturen aus, kleinste Löcher, die Licht über ein breites Spektrum deutlich besser absorbieren als glatte Oberflächen. Forschern am Karlsruher Institut für Technologie (KIT) ist es nun gelungen, diese Nanostrukturen auf Solarzellen zu übertragen und deren Licht-Absorptionsrate so um bis zu 200 Prozent zu steigern. Ihre Ergebnisse veröffentlichten die Wissenschaftler nun im Fachmagazin Science Advances. DOI: 10.1126/sciadv.1700232

„Der von uns untersuchte Schmetterling hat eine augenscheinliche Besonderheit: Er ist extrem dunkelschwarz. Das liegt daran, dass er für eine optimale...

Im Focus: Schnelle individualisierte Therapiewahl durch Sortierung von Biomolekülen und Zellen mit Licht

Im Blut zirkulierende Biomoleküle und Zellen sind Träger diagnostischer Information, deren Analyse hochwirksame, individuelle Therapien ermöglichen. Um diese Information zu erschließen, haben Wissenschaftler des Fraunhofer-Instituts für Lasertechnik ILT ein Mikrochip-basiertes Diagnosegerät entwickelt: Der »AnaLighter« analysiert und sortiert klinisch relevante Biomoleküle und Zellen in einer Blutprobe mit Licht. Dadurch können Frühdiagnosen beispielsweise von Tumor- sowie Herz-Kreislauf-Erkrankungen gestellt und patientenindividuelle Therapien eingeleitet werden. Experten des Fraunhofer ILT stellen diese Technologie vom 13.–16. November auf der COMPAMED 2017 in Düsseldorf vor.

Der »AnaLighter« ist ein kompaktes Diagnosegerät zum Sortieren von Zellen und Biomolekülen. Sein technologischer Kern basiert auf einem optisch schaltbaren...

Im Focus: Neue Möglichkeiten für die Immuntherapie beim Lungenkrebs entdeckt

Eine gemeinsame Studie der Universität Bern und des Inselspitals Bern zeigt, dass spezielle Bindegewebszellen, die in normalen Blutgefässen die Wände abdichten, bei Lungenkrebs nicht mehr richtig funktionieren. Zusätzlich unterdrücken sie die immunologische Bekämpfung des Tumors. Die Resultate legen nahe, dass diese Zellen ein neues Ziel für die Immuntherapie gegen Lungenkarzinome sein könnten.

Lungenkarzinome sind die häufigste Krebsform weltweit. Jährlich werden 1.8 Millionen Neudiagnosen gestellt; und 2016 starben 1.6 Millionen Menschen an der...

Im Focus: Sicheres Bezahlen ohne Datenspur

Ob als Smartphone-App für die Fahrkarte im Nahverkehr, als Geldwertkarten für das Schwimmbad oder in Form einer Bonuskarte für den Supermarkt: Für viele gehören „elektronische Geldbörsen“ längst zum Alltag. Doch vielen Kunden ist nicht klar, dass sie mit der Nutzung dieser Angebote weitestgehend auf ihre Privatsphäre verzichten. Am Karlsruher Institut für Technologie (KIT) entsteht ein sicheres und anonymes System, das gleichzeitig Alltagstauglichkeit verspricht. Es wird nun auf der Konferenz ACM CCS 2017 in den USA vorgestellt.

Es ist vor allem das fehlende Problembewusstsein, das den Informatiker Andy Rupp von der Arbeitsgruppe „Kryptographie und Sicherheit“ am KIT immer wieder...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Das Immunsystem in Extremsituationen

19.10.2017 | Veranstaltungen

Die jungen forschungsstarken Unis Europas tagen in Ulm - YERUN Tagung in Ulm

19.10.2017 | Veranstaltungen

Bauphysiktagung der TU Kaiserslautern befasst sich mit energieeffizienten Gebäuden

19.10.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Forscher finden Hinweise auf verknotete Chromosomen im Erbgut

20.10.2017 | Biowissenschaften Chemie

Saugmaschinen machen Waschwässer von Binnenschiffen sauberer

20.10.2017 | Ökologie Umwelt- Naturschutz

Strukturbiologieforschung in Berlin: DFG bewilligt Mittel für neue Hochleistungsmikroskope

20.10.2017 | Förderungen Preise