Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Genomtechnologie aus Deutschland kommt in den USA zum Zuge

19.09.2003


Abb. 1: Expressionsmuster des Gens RORb im Querschnitt des erwachsenen Maushirns. RORb ist ein nuklearer Rezeptor, der besonders stark in einer spezifischen Schicht der Großhirnrinde und im so genannten suprachiasmatischen Kern - dem Zentrum der inneren Uhr - aktiv ist.

Foto: Max-Planck-Institut für experimentelle Endokrinologie


Abb. 2: Die GenePaint-Technologie im Einsatz.

Foto: Max-Planck-Institut für experimentelle Endokrinologie


Innovative Genomtechnologie aus dem Max-Planck-Institut für experimentelle Endokrinologie sorgt nicht in Deutschland, sondern in den USA für Furore


GenePaint, eine im Max-Planck-Institut für experimentelle Endokrinologie entwickelte Technologie, findet weltweit Anerkennung: Sie dient als Grundlage für ein neues neurowissenschaftliches Institut in Seattle/USA, das am 16. September offiziell eröffnet wird. 100 Millionen Dollar fließen aus der Paul Allen-Stiftung in dieses Institut, das die Gehirnforschung revolutionieren soll. Denn die Molekularbiologie wird in Kombination mit den klassischen Disziplinen der Neuroanatomie und Physiologie völlig neue Erkenntnisse über unser Gehirn erbringen. Das erste ehrgeizige Projekt heißt "Allen´s Brain Atlas" und ist nichts geringeres als eine vollständige Kartierung der Aktivität aller Gene im erwachsenen Mausgehirn in seiner Bedeutung vielleicht vergleichbar mit dem historischen Anatomieatlas "De Fabrica", in dem Andreas Vesalius im 16. Jahrhundert neue Einblicke in den Menschen gewährte. Die Technologie für den "Brain Atlas" kommt von Professor Gregor Eichele, Direktor des Max-Planck-Institut für experimentelle Endokrinologie, der mit GenePaint ein Verfahren entwickelt hat, das die Aktivitätsmuster von Tausenden von Genen in kurzer Zeit analysiert.

Zu diesem Thema findet ein Pressegespräch statt. Professor Eichele wird seine Pläne erläutern und die GenePaint-Technologie vorführen,

am Freitag, dem 19. September um 11 Uhr,
im Max-Planck-Institut für experimentelle Endokrinologie, Hannover,
Feodor-Lynen-Str. 7

Das Projekt in Seattle ist eine logische Fortsetzung des Humangenomprojektes. Nach der Sequenzierung der Gene folgt nun die Entschlüsselung ihrer Funktionen. Um diese zu verstehen, ist es notwendig, die Genexpression bzw. -aktivität im Gewebe und in den Zellen zu studieren. Denn es werden immer nur die Gene aktiviert und in Proteine umgesetzt, die in bestimmten Organen auch benötigt werden. Seit Ende der 90er Jahre arbeitet Eichele an der GenePaint-Technologie, die er hier in Hannover und parallel am Baylor College of Medicine in Houston, Texas, gemeinsam mit den Firmen Tecan, Leica und Orgarat bis zur Marktreife entwickeln konnte. Im Hochdurchsatzverfahren werden Genaktivitäten in Gewebeschnitten sichtbar gemacht. Die Expressionsmuster werden digitalisiert und in einer Datenbank zugänglich gemacht.

"Im vergangenen Jahr konnten wir am Chromosom 21 zeigen, dass eine genomumfassende Kartierung der Genaktivität mit GenePaint machbar ist", erklärt Eichele den Stand der Technik. Bei der großen Ähnlichkeit der Genome von Maus und Mensch verspricht er sich von einem vollständigen molekularen "Gehirnatlas" der Maus weitreichende Erkenntnisse über die Funktionen von Genen im Gehirn und damit auch die Entdeckung neuer Medikamente für Gehirnerkrankungen. "Ich bedauere es sehr, dass eine in Deutschland entwickelte Technologie nun hier nicht zum Einsatz kommt", so die Einschätzung des Wissenschaftlers, der sich darum bemüht, ein weiteres großes Projekt mit Gene Paint in Deutschland durchzuführen.

Im Rahmen von "Allen´s Brain Atlas" wird zunächst die Aktivität für etwa 20.000 Gene im Gehirn der Maus bestimmt. Die entstehenden Muster wandern in eine Datenbank, die für Wissenschaftler weltweit zugänglich sein wird. Hinter dem Projekt steht eine Gruppe von anerkannten Forschern, unter anderem James Watson, der mit der Entdeckung der DNA den Grundstein für die Genomforschung legte. Der Gründer des Instituts, Paul Allen, bekannt als finanzkräftiger Gründer von Microsoft, fördert über Stiftungen zahlreiche Projekte, die medizinische Fortschritte versprechen. Allen´s Brain Atlas wird so die Erwartungen die Forschungen über Gehirnerkrankungen wie z. B. Alzheimer, Schizophrenie und Depressionen weiter voranbringen.



Karola Neubert
Max-Planck-Institut für experimentelle Endokrinologie, Hannover
Tel.: 0511 5359 120
Fax.: 0511 5359 186
E-Mail: karola.neubert@mpihan.mpg.de
www.mpg.de/instituteProjekteEinrichtungen/institutsauswahl/endokrinologie/index.html

Dr. Andreas Trepte | Max-Planck-Gesellschaft
Weitere Informationen:
http://www.tecan.de/Newsletter/NL_0201/special/special.html
http://www.mpg.de/bilderBerichteDokumente/dokumentation/pressemitteilungen/2002/pri02131.htm
http://www.genepaint.org/

Weitere Berichte zu: Atlas Brain Gen Genomtechnologie Max-Planck-Institut

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Biowissenschaften Chemie:

nachricht Zebras: Immer der Erinnerung nach
24.05.2017 | Senckenberg Forschungsinstitut und Naturmuseen

nachricht Wichtiges Regulator-Gen für die Bildung der Herzklappen entdeckt
24.05.2017 | Universität Basel

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Biowissenschaften Chemie >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Orientierungslauf im Mikrokosmos

Physiker der Universität Würzburg können auf Knopfdruck einzelne Lichtteilchen erzeugen, die einander ähneln wie ein Ei dem anderen. Zwei neue Studien zeigen nun, welches Potenzial diese Methode hat.

Der Quantencomputer beflügelt seit Jahrzehnten die Phantasie der Wissenschaftler: Er beruht auf grundlegend anderen Phänomenen als ein herkömmlicher Rechner....

Im Focus: A quantum walk of photons

Physicists from the University of Würzburg are capable of generating identical looking single light particles at the push of a button. Two new studies now demonstrate the potential this method holds.

The quantum computer has fuelled the imagination of scientists for decades: It is based on fundamentally different phenomena than a conventional computer....

Im Focus: Tumult im trägen Elektronen-Dasein

Ein internationales Team von Physikern hat erstmals das Streuverhalten von Elektronen in einem nichtleitenden Material direkt beobachtet. Ihre Erkenntnisse könnten der Strahlungsmedizin zu Gute kommen.

Elektronen in nichtleitenden Materialien könnte man Trägheit nachsagen. In der Regel bleiben sie an ihren Plätzen, tief im Inneren eines solchen Atomverbunds....

Im Focus: Turmoil in sluggish electrons’ existence

An international team of physicists has monitored the scattering behaviour of electrons in a non-conducting material in real-time. Their insights could be beneficial for radiotherapy.

We can refer to electrons in non-conducting materials as ‘sluggish’. Typically, they remain fixed in a location, deep inside an atomic composite. It is hence...

Im Focus: Hauchdünne magnetische Materialien für zukünftige Quantentechnologien entwickelt

Zweidimensionale magnetische Strukturen gelten als vielversprechendes Material für neuartige Datenspeicher, da sich die magnetischen Eigenschaften einzelner Molekülen untersuchen und verändern lassen. Forscher haben nun erstmals einen hauchdünnen Ferrimagneten hergestellt, bei dem sich Moleküle mit verschiedenen magnetischen Zentren auf einer Goldfläche selbst zu einem Schachbrettmuster anordnen. Dies berichten Wissenschaftler des Swiss Nanoscience Institutes der Universität Basel und des Paul Scherrer Institutes in der Wissenschaftszeitschrift «Nature Communications».

Ferrimagneten besitzen zwei magnetische Zentren, deren Magnetismus verschieden stark ist und in entgegengesetzte Richtungen zeigt. Zweidimensionale, quasi...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Meeresschutz im Fokus: Das IASS auf der UN-Ozean-Konferenz in New York vom 5.-9. Juni

24.05.2017 | Veranstaltungen

Diabetes Kongress in Hamburg beginnt heute: Rund 6000 Teilnehmer werden erwartet

24.05.2017 | Veranstaltungen

Wissensbuffet: „All you can eat – and learn”

24.05.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Hochspannung für den Teilchenbeschleuniger der Zukunft

24.05.2017 | Physik Astronomie

3D-Graphen: Experiment an BESSY II zeigt, dass optische Eigenschaften einstellbar sind

24.05.2017 | Physik Astronomie

Optisches Messverfahren für Zellanalysen in Echtzeit - Ulmer Physiker auf der Messe "Sensor+Test"

24.05.2017 | Messenachrichten