Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Mikroreaktionssystem - Chemiebaukästen für große Forscher

04.09.2003


Das Schönste am Chemieunterricht in der Schule waren doch die Experimente, bei denen es stank, qualmte und knallte. Wenn dem Lehrer seine Reaktionen durchgingen, amüsierten sich die Schüler. Überhaupt nicht komisch sind jedoch Chemieunfälle im großen Maßstab. Ein Reaktor mit Tonnen von Chemikalien wird zur echten Gefahr. In der Mikroreaktionstechnik hingegen spielen sich die gleichen Prozesse in Volumina von wenigen Millilitern ab - entsprechend geringer ist das Risiko. »Reaktionen mit stark toxischen Verbindungen oder großer Wärmeentwicklung lassen sich in diesem Maßstab viel besser kontrollieren«, erklärt Dr. Stefan Löbbecke, Sprecher der Fraunhofer-Allianz Modulare Mikroreaktionssysteme FAMOS. »Da das Verhältnis von Oberfläche zu Volumen bei kleinen Reaktoren günstiger ist als bei großen, können gewünschte Reaktionsbedingungen thermisch wie stofflich genauer gesteuert und eingehalten werden. Auf diese Weise entstehen Produkte mit höherer Ausbeute und Reinheit.«



Sechs Institute aus den Bereichen Werkstoffe, Bearbeitungsverfahren, Computersimulation und Chemie beteiligen sich an FAMOS. Für die Forscher stehen Flexibilität und Modularität des von ihnen entwickelten Baukastens im Vordergrund. Passend zur sechseckigen Grundplatte existieren verschiedene Module, die Gase oder Flüssigkeiten in hauchdünnen Kanälen zusammenführen. Je nach Anwendung werden sie aus Metall, Kunststoff, Keramik oder Silizium gefertigt. »Unsere Keramikmodule eignen sich besonders für Prozesse, die eine hohe chemische Beständigkeit und Temperaturfestigkeit voraussetzen«, erklärt Dr. Reinhard Lenk vom Fraunhofer-Verbund Hochleistungskeramik. »Zudem können sie beispielsweise mit verschiedenen Katalysatoren beschichtet werden. Für eine Testreihe müssen dann lediglich diese Inlays ausgetauscht werden.« Je nach Reaktionstyp lassen sich die Module einfach beheizen oder kühlen. Zusätzlich enthält der Baukasten Software, mit der die Prozesse in den Mikroreaktoren simuliert und analysiert werden könnnen. »Neben der industriellen Produktion im Mikrobereich soll sich das System als selbstverständliche Laborausstattung an Universitäten und in der Industrie etablieren«, nennt Stefan Löbbecke als Ziel.



Ihr Mikroreaktionssystem zeigen die Forscher mehrmals: in München auf der MATERIALICA vom 16. bis 18. September (Halle B5, Stand 217) und auf der ceramitec vom 16. bis 20. September (Halle A1, Stand 438). Außerdem in Lausanne anlässlich der 7th International Conference on Microreaction Technology IMRET vom 7. bis 10. September.

Ansprechpartner:

Dr. Reinhard Lenk, Telefon 0351 - 2553-539, Fax - 2554-114
Dr. Tassilo Moritz, Telefon 0351 - 2553-747, Fax - 2554-600
Dr. Stefan Löbbecke, Telefon 0721 - 4640-230, Fax - 4640-546

Dr. Reinhard Lenk | Fraunhofer-Gesellschaft
Weitere Informationen:
http://www.mikroreaktionstechnik.info
http://www.hochleistungskeramik.fraunhofer.de
http://www.materialica.de

Weitere Berichte zu: Baukasten Mikroreaktionssystem Modul

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Biowissenschaften Chemie:

nachricht Einblick ins geschlossene Enzym
26.06.2017 | Universität Konstanz

nachricht 'Fix Me Another Marguerite!'
23.06.2017 | Universität Regensburg

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Biowissenschaften Chemie >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Hyperspektrale Bildgebung zur 100%-Inspektion von Oberflächen und Schichten

„Mehr sehen, als das Auge erlaubt“, das ist ein Anspruch, dem die Hyperspektrale Bildgebung (HSI) gerecht wird. Die neue Kameratechnologie ermöglicht, Licht nicht nur ortsaufgelöst, sondern simultan auch spektral aufgelöst aufzuzeichnen. Das bedeutet, dass zur Informationsgewinnung nicht nur herkömmlich drei spektrale Bänder (RGB), sondern bis zu eintausend genutzt werden.

Das Fraunhofer IWS Dresden entwickelt eine integrierte HSI-Lösung, die das Potenzial der HSI-Technologie in zuverlässige Hard- und Software überführt und für...

Im Focus: Can we see monkeys from space? Emerging technologies to map biodiversity

An international team of scientists has proposed a new multi-disciplinary approach in which an array of new technologies will allow us to map biodiversity and the risks that wildlife is facing at the scale of whole landscapes. The findings are published in Nature Ecology and Evolution. This international research is led by the Kunming Institute of Zoology from China, University of East Anglia, University of Leicester and the Leibniz Institute for Zoo and Wildlife Research.

Using a combination of satellite and ground data, the team proposes that it is now possible to map biodiversity with an accuracy that has not been previously...

Im Focus: Klima-Satellit: Mit robuster Lasertechnik Methan auf der Spur

Hitzewellen in der Arktis, längere Vegetationsperioden in Europa, schwere Überschwemmungen in Westafrika – mit Hilfe des deutsch-französischen Satelliten MERLIN wollen Wissenschaftler ab 2021 die Emissionen des Treibhausgases Methan auf der Erde erforschen. Möglich macht das ein neues robustes Lasersystem des Fraunhofer-Instituts für Lasertechnologie ILT in Aachen, das eine bisher unerreichte Messgenauigkeit erzielt.

Methan entsteht unter anderem bei Fäulnisprozessen. Es ist 25-mal wirksamer als das klimaschädliche Kohlendioxid, kommt in der Erdatmosphäre aber lange nicht...

Im Focus: Climate satellite: Tracking methane with robust laser technology

Heatwaves in the Arctic, longer periods of vegetation in Europe, severe floods in West Africa – starting in 2021, scientists want to explore the emissions of the greenhouse gas methane with the German-French satellite MERLIN. This is made possible by a new robust laser system of the Fraunhofer Institute for Laser Technology ILT in Aachen, which achieves unprecedented measurement accuracy.

Methane is primarily the result of the decomposition of organic matter. The gas has a 25 times greater warming potential than carbon dioxide, but is not as...

Im Focus: How protons move through a fuel cell

Hydrogen is regarded as the energy source of the future: It is produced with solar power and can be used to generate heat and electricity in fuel cells. Empa researchers have now succeeded in decoding the movement of hydrogen ions in crystals – a key step towards more efficient energy conversion in the hydrogen industry of tomorrow.

As charge carriers, electrons and ions play the leading role in electrochemical energy storage devices and converters such as batteries and fuel cells. Proton...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Future Security Conference 2017 in Nürnberg - Call for Papers bis 31. Juli

26.06.2017 | Veranstaltungen

Von Batterieforschung bis Optoelektronik

23.06.2017 | Veranstaltungen

10. HDT-Tagung: Elektrische Antriebstechnologie für Hybrid- und Elektrofahrzeuge

22.06.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

„Digital Mobility“– 48 Mio. Euro für die Entwicklung des digitalen Fahrzeuges

26.06.2017 | Förderungen Preise

Fahrerlose Transportfahrzeuge reagieren bald automatisch auf Störungen

26.06.2017 | Verkehr Logistik

Forscher sorgen mit ungewöhnlicher Studie über Edelgase international für Aufmerksamkeit

26.06.2017 | Physik Astronomie